Jahrgang 
01-26 (1857)
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Schreibtiſch, die Stirn in ſeine Hand gelegt, als die Thür ſich leiſe öffnete und Aline hereintrat.

Ich ſah noch Licht in Deinem Zimmer, ſagte ſie, als ich eben zu Bett gehen wollte, und da Du Dich am Tag ſo eigenſinnig unſerer Geſellſchaft entziehſt, muß ich die Nacht zu Hülfe nehmen mit ihrer Stille und Abge⸗ ſchloſſenheit, um einmal wieder ein vernünftiges Wort mit Dir zu reden. Du mußt mich hören, fuhr ſie fort, als er eine abweiſende Bewegung machte,ich komme, Dich als Arzt zu conſultiren, für einen Patienten, der meinem Herzen nahe ſteht, und dieſer Kranke biſt Du ſelbſt.

Aline, ſagte der Bruder,verzeih, daß ich zuweilen über die Dinge verſchiedener Anſicht mit Dir zu ſein pflege, die Du vorzugsweiſe vernünftig nennſt.

Gleichviel, erwiderte lächelnd Aline,laß mich ein mal reden. Ich will nur, daß Du mich anhörſt, dann magſt Du denken und thun, was Dir beliebt. Ich habe ſeit Wochen Clemence beobachtet, und Du mußt geſtehen, daß Du ſo gut als mein Mann mir alle Muße dazu ge laſſen haſt. Was dem Auge einer Frau ſchwer entgeht, was wir mehr empfinden als combiniren, wofür ich Dir auch keine Beweiſe anzugeben wüßte, iſt mir klar geworden Clemence liebt.

(Schluß folgt.)

goetheiana.

Von C. v. W. Die Literatur derAna einſt in der Gelehrten welt ſo beliebt iſt daran auszuſterben. Die Urſache liegt nahe; man lieſt heutzutage die Bücher nicht mehr wie

Noveſlen⸗Zeitung.

auch ihre heitern Augenblicke haben.

(III.

ehedem. Wenn man ältere Bücher bei Antiquaren kauft, ſo findet man mitunter ganz pikante Randgloſſen und ent⸗ deckt dabei, daß ſehr große Gelehrte und ſtachelige Kritiker Ein neueres Buch, das man beim Antiquar gekauft, erhält man von dieſem nicht ſelten unaufgeſch nitten, alſo ungeleſen; von Be⸗ merkungen, Notizen keine Spur, höchſtens findet man noch in einem Roman die eine oder andre ſentimentale Phraſe unterſtrichen, oder den Nagel eines Damenfingers bei irgend einer feinen Bemerkung aufgedrückt. Die Rand gloſſen der neuen Werke beſtehen in einer Art Nagelprobe. Und doch, wenn man ſich die Mühe nimmt zu leſen, aber um zu leſen, um dabei zu genießen, das Geleſene in ſich aufzunehmen, ſo findet man auch in neueren Schriften gar manches, was behalten, was bekannter zu werden verdient. Seit Jahren zu dem ſeltſamen Genuſſe das Verſchieden⸗ artigſte zu leſen verurtheilt, ſchrieb ich mir Dies und Jenes, was mich beſonders anregte, auf und ſiehe da, ich habe eine ſtattliche Sammlung Ana beiſammen, mit der ich heut, um dieſe Gattung nicht ausſterben zu laſſen, be⸗ ginne. Daß ich mit Meiſter Goethe den Anfang mache, bedarf doch wobl keiner Entſchuldigung.

*Goethe's SingſpielDie Fiſcherin kennen wohl Viele dem Namen nach. Wir ſchreiben für Jene, die es geleſen. Der Schlußgeſang deſſelben ſcheint mit der Dichtung ſelbſt nicht im innigſten Verbande zu ſtehen. Wohl iſt darin von Braut, Bräutigam, Brautführer die Rede, aber es läßt ſich nicht leicht ſagen, wo darin das Launige, das Scherzhafte liege und was es mit dem ſich wiederholenden Einerlei der ſich unterhaltenden Menagerie für eine Bewandtniß habe. In Goethe's hinterlaſſenen Werken findet man wohl eine Andeutung darüber in der Stelle, wo Goethe ſchreibt:Schon Herder liebte die lettiſchen Volkslieder gar ſehr; in mein kleines Drama Die Fiſcherin ſind einige von ſeinen Ueberſetzungen ge⸗ floſſen. Alſo in der einfachen Benutzung eines Volks⸗

vor Gericht geſtellt. Der General Bonaparte, der ſeine Unſchuld

kannte, rettete ihn, und daher ſtammte der Entſchluß ſeinem Retter

nach Egypten zu folgen, wo er, zum Unglück für die Armee, nach

dem Tode Kleber's der älteſte Generalofficier war. Geiſtvoll und

munter, war er ein angenehmer Erzähler, obgleich er ſtark log,

und es mangelte ihm nicht an einer gewiſſen Bildung; ſein Cha⸗

rakter war der ſeltſamſte von der Welt, er ſtreifte an Narrheit.

In Kleinigkeiten außerordentlich thätig, konnte er ſich nie zu dem Entſchluß einer großen That erheben. In ſeinem Zimmer unauf⸗ hörlich mit Schreiben beſchäftigt und immer in Bewegung, jeden Tag zu Pferde, um einen Spazierritt zu machen, konnte er nie dahin gelangen, ſich zu etwas Nützlichem oder Nothwendigem an⸗ zuſtrengen. Als der General Bonaparte nach Syrien abging, übergab er ihm das Commando von Kairo; Bonaparte war faſt fünf Monate fort, und erſt acht Tage vor ſeiner Rückkehr traf Menou in Kairo ein. Als er nach dem Verluſt Egyptens in Mar⸗ ſeille landete, hätte man denken ſollen, daß er nichts Eiligeres zu thun gehabt, als ſich zu verantworten; ſtatt deſſen blieb er, ohne irgend einen Schritt zu thun, länger als vier Monate in Marſeille. Als ſpäter Bonaparte, als erſter Conſul, ihm die Verwaltung Piemonts übertrug, verzögerte er ſeine Abreiſe von Tag zu Tag ſechs Monate lang, und er reiſte ſchließlich nur deshalb, weil ſein Freund Maret ihn eigenbändig in ſeinen mit Poſtpferden beſpann⸗ ten Wagen ſetzte. Als er von der Verwaltung Piemonts abtrat, fand man in ſeinem Cabinet 900 Briefe, welche gar nicht geöffnet waren. Immer und überall derſelbe, wurde er doch fortwährend wieder verwandt. In Venedig, deſſen Gouverneur er war, ver⸗ liebte er ſich ſterblich in eine berühmte Sängerin, in die Colbran, die ſpäter Roſſini's Frau geworden, und lief, zum Gelächter aller

Welt, durch ganz Italien hinter ihr her. Er hatte ebenfalls in Venedig geträumt, er ſei Großkreuz der Ehrenlegion und Com⸗ mandeur der eiſernen Krone, und hatte die Decoration beider Or⸗ den angelegt und trug ſie funfzehn Monate lang. Immer voller Schulden, oft bis zum Betrage von 300,000 Fr. und mehrmals von Bonaparte gedeckt, konnte er ſich nicht entſchließen, irgend etwas zu bezahlen, während er Alles hingab, was er hatte. Ich habe geſehen, wie er einem arabiſchen Scheik eine Uhr, im Werth von 3000 Fr., zum Geſchenk machte, während ſein Kammerdiener für zehn Jahre ſeinen Lohn zu fordern hatte. Heftigen Tempera⸗ ments wie er war, ſchlug er in Turin einen ſeiner Lieferanten, der ihn um Geld bat, mit einem Scheit Holz nieder. Seine Heirath mit einer Türkin war die ſeltſamſte Geiſtesverwirrung und machte ihn zur Fabel der Armee und zum Geſpött des Landes. Er war ein extravaganter Menſch, ein ab und zu amüſanter Narr, aber eine wahre Plage für Jeden, der unter ihm ſtand. Die Zunei⸗ gung Bonaparte's zu ihm und ſeine Beharrlichkeit, ihn zu verwen⸗ den, ſchrieb ſich daher, weil er bei ſeinem Abgang in Egypten ihm treu geblieben war und ſich jederzeit an die Spitze ſeiner Freunde geſtellt hatte. Bonaparte vergaß einen Beweis der Anhänglichkeit niemals; das iſt das ganze Geheimniß ſeiner Nachſicht gegen ihn.

Literatur.

Libuſſa. Jahrbuch für 1857, herausgegeben von P. A. Klar. Prag und Leipzig. Vorliegender Jahrgang iſt der ſech⸗ zehnte dieſes ſorgfältig zuſammengeſtellten und elegant ausgeſtat⸗ teten Taſchenbuches. Von den novelliſtiſchen Beiträgen dieſes

.

liedes liegt! innigern zu Geſammelte ſchluß über; Syottlied entlehnt aus 1711, undd

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