Jahrg.
n Namen
ſegangi, ſagte be⸗ Arzt muß hnen ge⸗ Ihr Ver⸗ was den ich Ihr werden, Für den 1, die ich n Sieſich hen, und ndig.“ te ſo viel ſchnell ge⸗ rückführen ne Augen in der er⸗
ach. Alle r halben ſich ver⸗
vewerkte Hut und ſo ſchin, z erſtaunt zziefahrt
erwerfen. ur ſeines Sehkraft lthätiges — gettervich,
iniſter am ing er von 3) ülat it eineſeht die Gräfn zen konnte.
Dritte Folge.
121
Walten leiſe und vorſichtig fortſchreiten zu laſſen, durch Aufnahme gefunden hätte, wurde ihre Lage mißlicher, und
kein Ueberſtürzen zu ſtören, durch keinen Zwiſchenfall zu
hemmen.
Der Kranke ſchritt zwar ſchon ohne Binde in dem Zimmer auf und ab, deſſen Fenſter grün verhangen waren, aber er durfte nicht leſen, und namentlich wußte Armand
alle Nachrichten, auch die politiſchen, fern zu halten, weil
er fürchtete, daß jede Gemüthsbewegung, jede Aufregung der Nerven ſtörend auf die Geneſung wirken müßte. Dem Kranken wurde die Zeit zwar entſetzlich lang, er verlor die Geduld täglich zwanzig Mal, aber Armand's über⸗ zeugende Weiſe, ſeine freundſchaftliche Theilnahme beruhig⸗ ten ihn immer wieder, und wenn der Arzt kam, war auch die Langeweile vergeſſen.
Armand brachte alle ſeine Mußeſtunden, die ſein aus⸗ gebreiteter Beruf ihm nur irgend ließ, bei dem Freunde zu. Er erſchien zu Hauſe nur bei den Mahlzeiten, war freundlich, aber überaus zurückhaltend gegen Clemence, vermied eine Erörterung mit der Schweſter, die ſichtlich unzufrieden war über ſein flüchtiges Verweilen im häus⸗ lichen Kreiſe. Oft ſogar aß er bei Vincenz und war tage⸗ lang für die Damen nicht ſichtbar.
Clemence's Geſundheit ſtärkte ſich von Tage zu Tage. Deutſche von Geburt, hatte ſie ſich ſehr jung mit einem vornehmen Italiener verheirathet, war ſeit mehren Jahren Witwe und lebte auf der kleinen Beſitzung am Comer See, die ihr von ihrem Gatten zugefallen war. Sie hatte keine Verwandten mehr in Deutſchland, und als die un⸗ glücklichen Zwiſtigkeiten ausbrachen, die Oberitalien in die blutigen Kämpfe verwickelten, hatte ſie ruhig ausgeharrt. Mit dem Herzen ganz Theil nehmend an den Siegen der öſterreichiſchen Armee, unter der ſie viel Freunde zählte,
die ihre Landsleute waren, hielt ſie ſich als Frau doch
ſicher, ſchon weil ſie nicht gezwungen war, irgend eine Partei zu ergreifen. Als es aber bekannt wurde, daß ein
öſterreichiſcher verwundeter Officier bei ihr Pflege und
gewarnt von einigen Freunden, die ſie gleich heimlich und ſchnell, ehe ſie ſelbſt einen Entſchluß faſſen konnte, von ihrem Schloß fortführten, war ſie nach der Schweiz ge⸗ gangen, um dort das Ende der Unruhen zu erwarten. Kaum angekommen in Lauſanne, fiel ſie in ein heftiges Nervenfieber, das die Kunſt ihres Arztes zwar beſiegte, von dem ſie ſich aber ſchwer und langſam erholte. Ohne Freunde und Bekannte, wie ſie war, nahm ſie gern Armands Vorſchlag an, in dem Hauſe ſeiner Schweſter, die an einen bekannten Naturforſcher verheirathet war und mit der er ſelbſt gemeinſame Wirthſchaft machte, ihre Wohnung zu nehmen. Aline, ſo verſchieden die Naturen der beiden Frauen auch waren, wurde ihr ſchnell eine Freundin. Jetzt, als Armand ſie für geheilt erklärte, als er alle Vorſchrif⸗ ten aufhob, die ihm zur Reconvalescenz nothwendig er⸗ ſchienen waren, gab ſie ſich, faſt aus Wohlwollen und Ge⸗ fälligkeit für Aline, allen den Vergnügungen hin, die dieſe erſann und die für Clemence meiſt eigentlich keine Ver⸗ gnügungen waren. Die Damen machten täglich weitere Spazierfahrten in die Umgegend, Aline ſuchte einen großen Kreis von Bekannten, von Fremden aller Nationen um ſich zu verſammeln, ſie ſorgte für Clemence's Toilette, die ihr nie reich und elegant genug ſein konnte, und Clemence ließ ſich das Alles gefallen, weil es der Freundin Ver⸗ gnügen machte..
Der Profeſſor B., Alinen's Gatte, ein Stockgelehrter, wenn er wirklich einmal von ſeinen botaniſchen Excurſionen, die ihn oft tagelang von Hauſe fern hielten, zurückkehrte, ſchloß ſich dann in ſein Studienzimmer ein und war für die Damen und ihren geſelligen Kreis ſo gut als nicht vorhanden; Armand, der freilich die Einſamkeit mit ihnen ſcheute, wurde doch durch die Geſellſchaft erſt recht abge⸗ ſtoßen und gewöhnte ſich mehr und mehr an den Umgang mit Vincenz. Der ernſte, gelehrte Mann fühlte ſich durch die heitere friſche Jugendlichkeit des jungen Officiers un⸗
machten, und die Führer der Tories und Whigs, ſo wie der zwi⸗ ſchen ihnen ſtehenden Parteien, Lord Liverpool, Lord Grey, Can⸗ ning, ſo wie ſpäter Lord Palmerſton und Lord Aberdeen fanden in ihren Cirkeln, die in London, wie ſpäter in Paris, einen neu⸗ tralen Grund darboten, auf dem politiſche Gegner ſich trafen, Zutritt und ſchätzten ſich glücklich, bei ihr zugelaſſen zu werden, ſie von ihren Discuſſionen und Ideen zu unterhalten und die ihrigen zu vernehmen. Mit der Anziehungskraft des feinſten guten Tons und der in ſo hohem Grade intereſſanten Lebhaftigkeit einer wahrhaft weiblichen Seele vereinigten ſich in ihr eine männliche Geiſtesſchärfe, eine große, feine Beobachtungsgabe, eine kurze, be⸗ ſtimmte Sprache, bei allen politiſchen Fragen dieſelbe Weite der Anſichten und bei allen Perſonen, mit denen ſie ſich unterhielt, dieſelbe Freiheit des Urtheils, und ſo war ſie natürlich im höchſt Grade dazu geeignet, in den diplomatiſchen Kreiſen eine ſehr wich⸗ tige Stellung einzunehmen.
Der Rang ihres Gemahls brachte es mit ſich, daß ſie allen
wichtigen politiſchen Fragen ihre Aufmerkſamkeit ſchenken mußte.
Eine ganz beſondere Theilnahme widmete ſie dem Freiheitskampfe der Griechen und eben ſo ſoll ſie der Frage der Emancipation der Katholiken und der Reformbill Englands mit großer Wärme ge⸗ folgt ſein. Der Ernennung des Prinzen Leopold zum König von Belgien mußte ihr Gemahl entgegenwirken, doch Lord Palmerſton und Talleyrand ſetzten dieſe Wahl zum Glück für Belgien durch.
Als die Fürſtin Lieven in Folge deſſen, daß ihr Gemahl den eben ſo wichtigen als ehrenvollen Ruf als Gouverneur des Groß⸗ fürſten Thronfolger, des jetzigen Kaiſers Alexander II., erhalten hatte, im Jahr 1834 London verließ, um nach Petersburg zurück⸗ zukehren, bewahrte ſie ſich daſelbſt ein unauslöſchliches, ehrenvolles
chſten
Andenken. So ſagt eine in der„Times“ vom 2. Febr.„Senex“ unterzeichnete Correſpondenz in Bezug auf die jetzt verſtorbene Fürſtin unter Anderem⸗
„Es wird ganz richtig geſagt, daß die Fürſtin Lieven die Deutlichkeit und Kraft der Einſicht des Mannes mit weiblichem Takt,— die Grazie ihres Geſchlechts ohne deren Frivolität und die Eleganz der feinſten Erziehung ohne deren Förmlichkeit in ſich vereinigte. Das waren die Geheimniſſe ihres Einfluſſes und ich glaube, ſie hatte keine andere. Ihre Geſchäftskenntniß war nicht tief und ihr Intereſſe wurde ſtets mehr durch Perſonen, als durch Dinge erregt: doch in der Leitung dieſer perſönlichen Beziehungen, die in den menſchlichen Angelegenheiten einen ſo großen Raum einnehmen, iſt ſie nie übertroffen worden. Nichts iſt abgeſchmack⸗ ter, als der gemeine Irrthum, daß ſie ein bloßes Werkzeug des ruſſiſchen Ehrgeizes— ein Inſtrument für die Beförderung der Pläne des Betrugs und des Raubes— geweſen ſei. Ich wage im Gegentheil zu behaupten, ſollten ihre Meinungen je veröffent⸗ licht werden, ſo wird ſich herausſtellen, daß ſie während der langen und fortdauernden Correſpondenz mit der kaiſerlichen Fa⸗ milie ſtets auf der Seite der Mäßigung, der Verſöhnung und des Friedens geſtanden hat... Ihr Name wird einen Platz unter den merkwürdigen Perſonen und den großen Ereigniſſen des neun⸗ zehnten Jahrhunderts behaupten, denn er iſt nicht weniger zur Berühmtheit und weit mehr zur Hochachtung berechtigt, als der Name der Prinzeſſin Urſini am Madrider Hofe.“
Selbſt die„Morning Poſt“, von der man nicht erwarten kann, daß ſie, wenn ſie von einer ruſſiſchen Dame ſpricht, der Maxime:„De mortuis nil nisi bene- eingedenk bleiben werde,
geſteht ein, daß die Fürſtin Lieven bei ihrer reichen Sprach⸗, Ge⸗
—
—


