„Aber wohin führte man Sie?“ fragte Armand wie⸗ der,„wo fanden Sie die Pflege in den erſten Wochen, in denen Sie ſelbſt ſich für ganz blind halten mußten?“
Aline verſtand den Bruder, ſie horchte mit der ge⸗ ſpannteſten Aufmerkſamkeit. Der Gefragte lächelte wie⸗ der. In der Aufregung und Erinnerung ſeines Kampfes war er aufgeſtanden in der ganzen Kraft ſeiner jugendlich ſchönen Geſtalt. Jetzt ließ er ſich leiſe zurückſinken in ſeinen Stuhl, ſah erſt Aline, dann den Arzt mit einem forſchenden Blick an, und als er Vertrauen gewonnen hatte in ihrem heiteren und in ſeinem ernſten Geſicht, fing er an:
„Man hatte mich in ein Schloß gebracht, deſſen Be⸗ wohner nicht entflohen waren, trotz der Nähe des Kampfes, trotz der Beläſtigungen der hin⸗ und herziehenden Kriegs⸗ züge. Da lag ich in einem großen Gardinenbett, deſſen Damaſtvorhänge ich rauſchen hörte, gepflegt von der Ge⸗ bieterin des Schloſſes, einer jungen Frau, denn jung mußte ſie ſein, nach dem Klang ihrer Stimme, nach dem Ton ihres Schrittes, mit dem ſie leiſe an mein Lager trat. Aber wozu ſoll ich Ihnen das Alles wiederholen, wozu Erinnerungen zurückrufen, die, beſeligend und ſchmerzlich zugleich, mit meiner Krankheit wenigſtens nichts zu thun haben? Damals war ich ein Blinder, ohne Hoffnung, je⸗ mals wieder meine Fahne flattern zu ſehen, ohne die Aus⸗ ſicht, mich meinen Brüdenn anreihen zu können, um ihre Gefahren, ihren Ruhm zütheilen. Jetzt ein Geneſender, ſchließt ſich mir das Leben wieder auf, und doch haben jene Tage ein Glück umſchloſſen, an das ich nur mit einer Weh⸗ muth zurückdenke, einer Wehmuth, die ſich für einen Officier nicht ziemt, dem das Glück wurde, für ſeinen Stand nicht verloren zu ſein.“.
„Clemence!“ rief Aline unwillkührlich aus.
Der Fremde war aufgeſprungen.„Clemence,“ wie⸗ derhalte er.„Wie kommen Sie auf dieſen Namen, wie wiſſe ie von meinem Schickſal, Sie, die ich zum erſten
Noveſſen⸗Zeitung.
Mal ſehe, von der ich glaubte, daß Sie meinen Namen zum erſten Male hörten?“
Er war mit lebhaften Schritten auf⸗ und abgegangen, und Armand, die beiden Arme um ihn legend, ſagte be⸗ ruhigend:„Sie haben ſich mir anvertraut, als Arzt muß ich Sie bitten, Aufregungen zu verbannen, die Ihnen ge⸗ fährlich werden können. Ich dringe nicht in Ihr Ver⸗ trauen aus Neugierde, der Arzt muß forſchen, was den Patienten bewegt und erſchüttert. Sie ſehen, daß ich Ihr Arzt nicht ſein kann, ohne zugleich Ihr Freund zu werden, Ihr Freund, dem Sie Alles vertrauen müſſen. Für den Augenblick führe ich Sie in eine Wohnung zurück, die ich Ihnen wählen will. Für die nächſte Zeit müſſen Sie ſich gefallen laſſen, ſich als Kranker behandelt zu ſehen, und Ruhe, Ruhe vor allen Dingen, iſt Ihnen nothwendig.“
Die Milde und Beſtimmtheit des Arztes flößte ſo viel Zuverſicht zu ſeiner Kunſt ein, daß Vincenz, ſchnell ge⸗ wonnen, ſich faſt willenlos in ſeinen Wagen zurückführen ließ. Armand hatte die Binde wieder um ſeine Augen gelegt, ſetzte ſich zu ihm und ſo fuhren ſie Beide in der er⸗ quickendſten Frühlingsluft nach Lauſanne zurück.
Aline ſtand auf dem Balconzund ſah ihnen nach. Alle ihre Wünſche und Ueberzeugungen, die vor einer halben Stunde noch ganz klar vor ihr ſtanden, hatten ſich ver⸗ wirrt.
„Alſo wirklich!“ ſagte ſie vor ſich hin, und bemerkte da erſt, daß Clemence fertig zur Ausfahrt, in Hut und Mantel, geſund und ſo blühend wie nie vorher, ſo ſchön, konnte man ſagen, hinter ihr ſtand und ganz erſtaunt war, ſie noch nicht bereit zu finden zu ihrer Spazierfahrt.
Vincenz mußte ſich einer ſehr ſtrengen Cur unterwerfen. Sein vorſichtiger Arzt unterſtützte die geſunde Natur ſeines Patienten, die allmählich ſeine geſchwundene Sehkraft ſtärkte, aber er hielt es für nöthig, ihr wohlthätiges
N Portraits. A& Die Fürſtin Lieven.
Eine Dame, die in ded politiſchen Welt ſeit länger als vierzig Jahren eine!ſo hervorragende Rolle geſpielt hat, wie die am 27. Januar c. Morgens ein Uhr in Paris verſtorbene Fürſtin Lieven, verdient um ſo mehr einen kurzen Nachruf, weil ſie im Leben man⸗ chem falſchen Urtheil unterworfen geweſen iſt.
Im Jahr 1784 geboren und einer der älteſten und geachtet⸗ ſten Familidu Livlands angehörend, empfing Fräulein Dorothea von Benkendorff ihre Ausbildung in der kaiſerlichen Erziehungs⸗ anſtalt für adelige Fräulein in Petersburg, wo ihr das Glück zu Theil wurde, daß die Kaiſerin Marie, die Gemahlin des Kaiſers Paul, ihr ein faſt mütterliches Wohlwollen ſchenkte, das ſie wäh⸗ rend ihres ganzen Lebens durch Dankbarkeit in Bewunderung für die liebevolle Wachſamkeit und ſtrenge Tugend ihrer hohen Be⸗ ſchützerin vergalt. Als ſie das Alter von ſechzehn Jahren erreicht hatte, verheirathete die Kaiſerin ſie mit dem damaligen Kriegs⸗ miniſter Chriſtoph Andrejewitſch, Grafen von Lieven, und die junge Gräfin, der wegen ihres Rangs und ihrer Liebenswürdigkeit allgemein gehuldigt wurde, entfaltete eine Würde des Charakters und der Einſicht, die man von ihrer Jugend gar nicht erwartet hatte, und ſie ſah ſich beſonders von geiſtreichen Leuten geliebt, ſo wie für ſie der Umgang mit ernſten Männern und die Mitthei⸗ lung der Lebenserfahrungen derſelben eine beſondere Anziehungs⸗ kraft hatten. In dieſer Art bereitete ſie ſich auf die diplomatiſche Laufbahn vor, in die ſie mit ihrem Gemahl eintreten ſollte und in der ihr das ſeltene Glück zu Theil wurde, die Egeria der drei be⸗
rühmteſten Staatsmältner der neueren Zeit— Fürſt Metternich, Lord Palmerſton und Guizot— zu werden.
X Zurächſt wurde ihr Gemahl zum ruſſiſchen Miniſter am königlich preußiſchen Hofe ernannt, in welcher Stellung er von 1810— 1812(nach anderen Angaben von 1807— 1812) blieb. Bekanntlich ſpielte Berlin damals in der politiſchen Welt eine ſehr untergeordnete Rolle, und ſo war es ſehr natürlich, daß die Gräfin Lieven mit ihrem diplomatiſchen Talente nicht glänzen konnte. Deſto mehr Gelegenheit fand ſie dazu in London, wohin ſie ihrem Gemahl 1812 auf ſeinen neuen Poſten als ruſſiſcher Geſandter am Hofe zu Sanct James folgte. Zu dieſer Zeit war Lord Liver⸗ pool daſelbſt Premierminiſter, Lord Caſtlereagh Miniſter des Aus⸗ wärtigen und Sidmouth Staatsſecretair des Innern, und es näherte ſich die Zeit großer Weltereigniſſe, die der diplomatiſchen Welt ein reiches Feld der Thätigkeit eröffneten. Die Gräfin Lieven machte ſich in der Londoner vornehmen Welt durch ihre Talente und Geiſtesvorzüge ſchnell beliebt und von 1812 bis 1834 war die ruſſiſche Geſandtin der Liebling und die Königin der faſhionablen Geſellſchaft in London. Von dem Kaiſer Nicolaus erhielt ſie die Prädicate„Fürſtin und Hoheit“, doch die allgemeine Popularität und die liebenswürdige Oberherrſchaft, deren ſie ſich in der Mitte einer eiferſüchtigen und in Parteien zerſpaltenen Ariſtokratie erfreute, wie ſie vor ihr noch nie eine der vornehmen engliſchen Damen und noch weit weniger eine Ausländerin in England beſeſſen hatte, verdankte ſie ihrer eigenen Liebenswürdig⸗ keit, der edlen Anmuth ihres Charakters, der zugleich aufrichtigen und gemäßigten Unabhängigkeit ihrer Unterhaltung. Dabei ge⸗ noß ſie zugleich die Achtung und Freundſchaft der wichtigſten Staatsmänner, die ſich damals in England die Regierung ſtreitig
[III. Jahrg.
N. 8)
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