Jahrgang 
01-26 (1857)
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hatte, ihre Lippen wiederholten das Geſpräch, was ſie zu⸗ ſammen führten, ſie liebten ſich, und der Schwur der Treue, den ſie ihm in dem dunklen Krankenzimmer des Schloſſes am Comer See gegeben hatte, wurde wiederholt in ihrem eigenen verhangenen Gemach am Genfer See. Der Name Vincenz traf mein Ohr, und der Ausdruck, mit dem ſie ihn ſprach, tönt noch immer vor meiner Seele nach.

Armand! rief Aline unwillig,und die Phantaſien eines erhitzten Gehirns, die Trugbilder eines Nervenfiebers ſollen zwiſchen Dein Glück treten. Kannſt Du an die Wahrheit dieſer Bilder glauben, Du, ein Arzt?

Eben weil ich ein Arzt bin, glaube ich daran, ſagte Armand.Die Phantaſien des Fieberkranken, die Er⸗ regungen des Wahnſinnigen, ja die Träume, ſo wunder⸗ bar, ſo gehaltlos und unwahr, ſo willkührlich und trüge⸗ riſch ſie auch erſcheinen mögen, ſind kein Zufall, ſind ein Glied aus der Kette unſerer Gedankenwelt, das wir nur nicht verſtehen, weil die Mittelglieder uns fehlen, und doch muß der Arzt dieſe Verbindungsglieder zu finden ſuchen, um zu heilen und den Geiſt in die gewohnten Bahnen zu⸗ rückzuführen.

Das iſt wieder das Gebiet Deiner Phantaſtereien, ſagte Aline,auf das ich Dir nun einmal nicht folgen kann, und wenn man Dir zuhört, ſollte man denken, unſer Verſtand wäre albern, weil wir oft ſo alberne Träume haben, und der Wahnſinnige wäre vernünftiger als wir, weil wir ihm nicht zu folgen vermögen in die Irrgänge ſeiner Gedanken, von denen doch nun einmal nicht zu ſtreiten iſt, daß ſie widerſinnig und krank ſind.

So mögen ſie Dir erſcheinen, ſagte Armand,und

doch ſind dieſe Gedankenäußerungen oft nur wie eine Me⸗

lodie auf einem verſtimmten Inſtrument. Was der Künſtler denkt und ſpielt, iſt richtig, aber die Krankheit hat die Saiten ſeiner Seele verſtimmt, den Reſonanzboden ſeiner Empfindung zertrümmert, und was wir vernehmen, ſcheint grelle Disharmonie. Mit einem Worte, was damals Cle⸗

Novellen⸗Zeitung.

[III. Jahrg.

mence in Fieberphantaſien enthüllte, das klare Bild ihrer Empfindungen, das nur die Vergangenheit zur Gegenwart machte, den Raum überſprang, iſt wahr, ſie liebt, ſie hat ihr Wort gegeben, ſie wird mich nicht lieben, und ich werde ihr meine Hand nicht anbieten, vielleicht um ſo weniger, da ich weiß, daß ſie ſie nicht zurückweiſen würde.

Aline konnte ſich doch nicht ſo ganz zurecht finden in die Dinge, die ihr Bruder ihr ſo eben erzählt hatte. Die Ueberzeugung, mit der er ſeine Anſicht ausſprach, impo⸗ nirte ihr, und wie ſie eine Feindin war von allem Dispu⸗ tiren, ſchon weil ihre klare, einfache Anſicht ihr unumſtöß⸗ lich richtig erſchien, ließ ſie ſich weiter auf alle dieſe Aus⸗ einanderſetzungen nicht ein.

Du biſt ein Thor, ſagte ſie,und immer wieder ein Thor, der nie glücklich werden wird, weil er das Glück,

das ſich ihm bietet, ſo lange bezweifelt und begrübelt, bis

es wirklich verſchwunden iſt. Meinetwegen, laß Clemence abreiſen, da ſie nun einmal geneſen iſt, treniir Dich von der Frau, die Du liebſt, ſie von den Freunden, die ſie ge⸗ wonnen hat, und mache Euch Beide unglücklich, weil ſie im Nervenfieber von einem blinden Officier phantaſirt hat, den ſie vielleicht niemals kannte, der wahrſcheinlich gar nicht exiſtirt.

Bis ich das gewiß weiß, ſagte Armand,werde ich nur ihr Freund, ihr Arzt bleiben, und Dich muß ich bitten, mit keinem Wort, mit keiner Anſpielung eine Erklärung herbeizuführen, die nur die Zeit und vielleicht auch die niemals geben wird.

Ein eintretender Diener unterbrach ſie. Er meldete dem Herrn Doctor einen jungen Mann, der ſo eben ange⸗ kommen ſei, um ſeinen ärztlichen Rath in Anſpruch zu nehmen; er überreichte die Karte, undVincenz v. S. las Armand.

Vincenz, wiederholte er mit einem Tone, der ſelbſt Aline außer Faſſung brachte.

Spaniſche Venta.

Während bei uns Fuhrmannskneipen alles poetiſchen Reizes entkleidet ſind und einige plumpe Laſtwagen, eine ſtaubige Hau⸗ dererkutſche mit abgetriebenen Rößlein, blaue Fuhrmannskittel, Futterkrippen, Saufeimer, wenn's hoch kommt, dazu noch ein ſchäbiger Hauſirer und eine dicke Wirthin das ganze Genrebild ausmachen, ſo bietet dagegen der Platz vor einer ſpaniſchen Venta auf freguenter Straße ſtets eine Gemälde dar, welches wiederzu⸗ geben ſich auch der wähleriſcheſte Farbenkünſtler nicht zu ſchämen braucht. Seht, hier ſteht eine ſchäferkarrnähnliche, grün oder roth angeſtrichene Tartane mit gleichfalls bunt bemalter Wachstuch⸗ plane vor dem breiten Thorwege, der ins Innere der Venta führt; die gheldeichſel iſt auf die Erde geſenkt, und aus dem engen Bauche des ſeltſamen Kaſtens eerſchallt Guitarrengeklimper und ſchmelzender Liebesgeſang. Eine Geſellſchaft von Mädchen, rothe Blumen in dem rabenſchwarzen Haar, kauert, mit ausdrucksvoll⸗ ſtem Augenſpiel den Tönen lauſchend und ſie mit auf⸗ und zu⸗ klappendem Fächer oder knatternden castañuelas begleitend, um einen in der Mitte lang ausgeſtreckten jungen Troubadour, der vermuthlich ſeines eigentlichen Zeichens nach ein Bauer oder Fuhr⸗

mann iſt, aber in ſeiner maleriſchen andaluſiſchen Tracht und in.

der vornehmen Hingegoſſenheit ſeiner Poſitur ſich wie ein arktiſti⸗

S ſches Genie ausnimmt, welches den Beifall zweier Welten zu ver⸗ dienen ſich bewußt iſt. Allerdings iſt ſolches Guitarrenſpiel und

ſolcher halbbewußtloſer Geſang eine äußerſt primitive Kunſt⸗ leiſtung, die man vielleicht beſſer als eine muſikaliſche Agonie be⸗ zeichnen möchte. Aber gerade daß dieſe Weiſen ſo völlig ohne Anſtrengung, ſo rhapſodiſch⸗bequem dahinfließen, drückt ihnen den Stempel höchſter Originalität auf. Doch dies ſtille Sieſtabild

i*ſt nicht das einzige, dem wir unſere Aufmerkſamkeit zu ſchenken haben. Dort ſprengen zwei prächtige Kerle im Majocoſtüm auf andaluſiſchen Hengſten, die lange, mit Elfenbein ausgelegte Flinte quer über dem Sattel vor ſich haltend und das gewaltige bloße Meſſer die navaja im bunten Gürtel tragend, vor das Thor der Venta. Behend ſchwingen ſie ſich aus dem Sattel und bitten ſich bei der wohlbeleibten ventera am Heerde hinter der Hausthür keinen proſaiſchen Schnaps, nein nur eine dichteriſche Kohle zum Anſtecken einer längſt erſehnten neuen Papiercigarre aus;

dann grüßen ſie die aus der Tartane neugierig herausſchauenden

Schönen mit einer verbindlichen Kopfbewegung und ſind mit einem feurigen:vamos wieder hoch zu Roß und auf und davon. Zwiſchendrein langt auch eine Mauleſelcaravane oder eine calesa an, ein buntbemaltes zweiſitziges Wägelchen mit halbem Verdeck, von einem reichbetroddelten Pferd oder Maulthier gezogen, während die gondelartige, hinten und vorn offne, doch ganz bedeckte tartana auf ihren zwei, à la Omnibus ſeitwärts befindlichen Bänken für ſechs, ja acht Perſonen Raum bietet. So folgt eine maleriſche Erſcheinung der andern und man bleibt in fortwähren⸗ dem Erſtaunen, daß man ſo viel Graziöſes, Reizendes, Unterhal⸗ tendes, Ergötzendes auf der Landſtraße unter gewöhnlichem Land⸗ volk gratis zu ſchauen bekommt. Man glaubt ſich im Theater vor bunten Verkleidungen und Blendwerk und ſieht doch nur auf ein Stückchen ganz alltäglichen ſüdſpaniſchen Volkslebens.

Spaniſche Frauen. 1

Man nennt das ſchöne andaluſiſche Coſtüm vorzugsweiſe

el vestido de majo, was wörtlich überſetzt: Tracht des Prah⸗ lers oder Liebhabers, Stutzeranzug bedeutet. Da es ſo ſehr all⸗

Nr 8.

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