Jahrgang 
01-26 (1857)
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Rovefen⸗Zeitung.

116 III. Jahrg.2

eigenthümliche Laune des Schickſals, daß ich einen berühm⸗ ten Arzt zum Bruder und einen gelehrten Botaniker zum Mann bekommen habe!

Ueber die Botanik will ich mich nicht ſtreiten, ſagte Clemence,aber daß Sie mir gerade die Kunſt Ihres Bruders als unnütz hinſtellen, mir, der ſie das Leben rettete, darf ich mir nicht gefallen laſſen.

Zugeſtanden, ſagte Aline,wir brauchen die Aerzte, weil wir nun einmal nicht vernünftig genug ſind, uns vor der Krankheit zu ſchützen, wie wir unſere Blumen vor dem Vertrocknen und Erfrieren bewahren, ſo müßten die Aerzte

fanden.

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wenigſtens ebenſo beſtimmt wiſſer das bei unſeren Blumen wahrnehmeftt Fieber haben, ſollen ſie uns Chinin geben, wenn uns Schlag rührt, uns zur Ader laſſen, ſie ſollen die bekämpfen wie einen Feind, dem man offen in und dem man dem Dolch feſt und cilf einn ſtößt, aber ſie ſollen ſie nicht cajoliren, nicht ſchoͤn mit ihr thun und, wenn ſie uns glücklich den Rücken gekehrt hat, ſie wie einen Gaſt behandeln, deſſen Zimmer man ud ſchmückt, wenn er uns ſchon lange verlaſſen hat, und des man ein Couvert an unſern Tiſch legt, wenn er ſchon, wer weiß wo, ſich wieder niedergelaſſen hat.

Das heißt alſo? ſagte Clemence.

Daß Sie geſund ſind, liebſte, Peſte Freundin! Aline,und daß dies dolce far niente, wie Sie es iffleld eine Thorheit iſt, die aber nur wieder ein Arzt ausdenken konnte. Wenn Sie ſich bei mir in digaur gehen wollten, Clemence, ich, wüxde. Laitaeludih a. Pie mit Arbeiten überfht und auf Bälle geneulurz ich wenn mein Bruder würde ich Sie dem Le.

Clementerhatte ſie 5 üt heit angehört, ihr Auge war auf einen kleinen Fußweg gerichtet, der auf den Weg von Lauſanne am Ufer des

Sie amüſiren, und ndem Leben erhielt, ſo chgeben.

1

ei dann mit einer ernſten und förmlichen

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Sees entlang, grade auf die Villg zuführte. Mit geſenk⸗ tem Haupte ſchritt auf dieſem Wege ein Mann von etwa 40 Jahren von ſchöner, kräftiger Geſtalt und ernſtem Weſen einher, der, als Aline ihre Rede beendet hatte, grade vor dem Hauſe ſtand und zum erſten Mal den Blick zu dem Balcon erhob, Außzpem ſich die beiden Damen be⸗ Clemence ehi

können ihm Ihre 5

Die ich ihm entſchieden nicht vorenthalten werde, lächelte Aline,wie ich ihm überhaupt zu ſeiner großen lichkeit Alles ſage und oft mit en Nagel a ffe, wozu er im lle nach tauſend Grübeleien erſt gelangt

hatte die Damen mit elmtſchem Lächelt Wals er ſich mit der Theilnahme mehr des als eines Arztes nach Clemence's Befinden

aall. 31 ee un⸗ Rllig züſammenn d fm feff. VWeent⸗ wickelte ihm faſt in der Weiſe, wie ſie es eben ſchon einmal gethan hatte, ihrz Anſicht daß es nun endlich einmal Zeit ie. El 35 und war Zoch ſehr er⸗ en Zug in der That erklärte, die Pakkkentin ſei geheilt, bedürfe ſeiner nicht mehr, uund er exlgube ihr, ganz nach Gefallen von den vielen Vorſchläger der ſie am meiſ Aline jubelte laut auf. usſicht, ihren fertigen Hut gleich auszuführen, war zu lockend, als daß ſie nicht der Freundin eine Spazierfahrt hätte vorſchlagen ſollen, e n d daß Clemence halb aus Gefällig⸗ Kit einwflligte und den Valcon verließ, um ihre Toilette für die Fahrt zurecht zu machen.

Feuilleton.

O5.

Affred Freiherr von Wolzogen in Spanien.

Den letzten touriſtiſchen Berichten, die wir über Spanien von

werden könnte, wie z. B. Koſſak in ſeinen touriſtiſchen Genre⸗ bildern das ſo trefflich verſteht. Herr v. Wolzogen hat es nicht verſtanden oder ſich nicht bemüht, das Bedeutende von dem Unbe⸗

Rochau, Minutoli, Hackländer und Wachenhuſen erhalten haben, deutenden zu ſondern, oder das Zufällige ſtets in ſeiner Beziehung

ſchließt ſich an dieReiſe nach Spanien von Albert Freiherrn von Wolzogen(Leipzig, Hermann Schultze, 1857). Der Verfaſſer

auf das Weſentliche zu erfaſſen und ſo den Stoff in der ideellen Quinteſſenz, in der künſtleriſchen Concentrirung darzubieten. Da⸗

iſt weder Touriſt noch Schriftſteller von Fach, ſondern, dem preußi⸗ für gibt die Haltung ſeiner Berichte aber andrerſeits die Gewähr

ſchen Beamtenthume angehörend, reiſte er als Cavalier, der Bil⸗ dung und Amuſement ſuchte, und beſchrieb ſeine Reiſe als ein an⸗ ſpruchloſer, wohlmeinender Beobachter, dem es nicht um einen

virtuoſenhaften literariſchen Erfolg, ſondern einzig um die Feſt⸗

ſtellung von Thatſachen, um die Aufbewahrung und Verbreitung ſeiner Erfahrungen zu thun war. Deshalb vermiſſen wir an ſeinem Werke allerdings zwar den poetiſchen Reiz, die künſtleriſche Abrundung; die Darſtellung iſt an die beſchwerliche Form des Tagebuches gebunden; der Verfaſſer berichtet gewiſſenhaft, wo und wie er geſpeiſt und geſchlafen, wie er mit der Kleiderreinigung zufrieden war, wie ſein und ſeiner Reiſegefährten Magen ſich be⸗ funden; das ſind aber Alles Thatſachen, die an ſich keinen Reiz haben, die nur dann eine literariſche Veröffentlichung verdienten, wenn durch ſie eine poetiſche oder hiſtoriſche Wirkung erzielt

größter Wahrheitstreue, gewiſſenhafteſter Sachlichkeit und der Abweſenheit aller Intention, die Thatſachen in einem anderen,

als dem ihnen natürlichen Lichte erſcheinen zu laſſen. Verfaſſer

machte ſeine Tour, zu welcher er die Zeit vom 21. September bis 6. November 1852 verwandte, von Paris über Bordeaux, Bayonne, Burgos nach Madrid; von hier über Aranjuez und die Sierra Morena nach Cordoba und Sevilla; dann nach Cadix, Gibraltar, Granada, nach Malaga, Valencia und Barcelona; von hier end⸗ lich über Perpignan, Montpellier und Lyon zurück nach Paris. Erſtaunen muß man über den Reichthum und die Mannigfaltigkeit der Beobachtungen, die der Verfaſſer in der kurzen Zeit von dritte⸗ halb Monaten machte. Seine Darſtellung bezieht ſich auf Land⸗ ſchaft und Architektur, Volk und Geſellſchaft, Sitten, Trachten, Verfaſſungen, Kunſtſchätze, Cultur und Politik; vielſeitige Kennt⸗

Die Ge Aline nach uarum D Clemence v aufzuheben

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