Jahrgang 
01-26 (1857)
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Novellen⸗Zeitung.

102[III. Jahrg.

verſetzitdie Kranke mit Pathos,welches allein meinen leidenden Zuſtand richtig bezeichnet. O Sie Kurzſichtiger,

daß Sie nicht längſt ſchon erkannten, was meine Körper⸗ hülle und mein ſeeliſches Sein mit geheimnißvollen Ban-

über meine Lippen Worte fließen werden, welche den Erzeugniſſen unſrer erhabenſten Dichter zur Seite geſtellt

Antwort. In meine Wohnung zurückgekehrt, überlegte ich, was unter den bewandten Umſtänden zu thun rathſam und

meine Pflicht ſei. Vor langer Zeit hatte ich eine ſehr an⸗ ziehende Erzählung von Heinrich Zſchokke: die Erſchei⸗ nungen, und zwar mit vielem Vergnügen geleſen. In derſelben kommt eine junge, ſchöne und reiche Gräfin vor,

ambulismus vorhanden, wohl gar erheuchelter.

ſondern nur ein erkünſtelter, Mußte ich nicht als Charlatan

mich nimmermehr entſchließen können, meine künftigen Lebenstage mit einem Weſen zu theilen, das durch die ver⸗ dammlichſte Eitelkeit an ihrem eigenen Lebensglücke wie an

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dem ſeiner lediglich die ſprechen zu machte, da

den umſchlingt, daß Sie in mir den noch nicht zur völligen welche aber ſehr leidend und zugleich ſomnambül iſt. In und geiſtig Reife ausgebildeten Somnambulismus nicht auffanden, dem Zuſtande ihres Hellſehens bezeichnet ſie einen jungen, was für um ihn mit leichter Mühe bis zum Hellſehen zu vermögen! mittelloſen Mann, welcher ſich noch fern von ihr befindet, Hellehen Aber ich habe mich doch nicht gänzlich in meiner Vorahnung als denjenigen, welcher allein ihr Leiden zu heben vermöge. lber das getäuſcht, als ich Sie unter der großen Anzahl von Be⸗ Der Graf, als zärtlicher Vater, ſucht den jungen Mann Roher 7 werbern um die Vorleſerſtelle auserwählt, obſchon Sie an dem von der Kranken genau bezeichneten Orte auf, ſanten 8 damals der häßlichſte unter Allen waren und Ihre Stimme V findet ihn wirklich daſelbſt und überträgt ihm die Heilung V müüle ganz abſcheulich klang. Zweifeln Sie noch an der Mög⸗ ſeiner Tochter, welche lediglich durch magnetiſchen Rapport iche i lichkeit meines Hellſehens, indem ich ſchon damals in erfolgt. Während die Kranke im wachenden Zuſtande uid A Ihrem verzerrten, leidenvollen Antlitz eine mir verwandte ihren Helfer gründlich haßt und wieder zu entfernen ſtrebt, Maan Seele entdeckte, die mit der meinigen bereits in einem ent- beſchwört ſie ihn beim Hellſehen, Geduld mit ihrer Schwäche frögne fernten Rapport ſich befand? Nur dadurch können Sie V zu haben, und iſt die Liebe ſelbſt gegen den jungen Mann, Augem Ihr geſtern begangenes Verſehen wieder gut machen, daß Das Ende der Erzählung läuft dahin aus, daß die Gräfin Nah b Sie mit all' Ihrer ärztlichen Kunſt und durch die Ihnen von ihrem Leiden geneſet und, nachdem ihr Vater geſtorben Griff inwohnende magnetiſche Kraft mich zur völligen Somnam⸗ iſt, ihrem Retter die Hand zum ehelichen Bunde reicht. fi büle und Hellſeherin ausbilden. Wohl weiß ich, daß der Hatte mich nun meine junge Gräfin nicht zu gleichem Lie⸗ rufen fi Somnambulismus keine kleinen Leiden über die Seinen besdienſte auserſehen? Konnte ich nicht, wie Zſchokke's dr⸗ de verhängt; allein der Gedanke, daß mir das dunkle Jenſeits Held, ein gleiches Glück machen und die reiche Erbin alß ufch erſchloſſen wird, daß ich mit ſeligen und höheren Geiſtern mein Weib heimführen, nachdem ich ihr Uebel ganz gis 1* verkehren, in anderen Welten heimiſch werden darf, daß hoben hatte? Doch nein, hier war nicht wirklicher Somn⸗ Phn

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199 weerden können, tröſtet mich über jegliches Weh. Von oder gar als Betrüger erſcheinen, wenn ich, nachdem der wn nun an betrachten Sie mich erſt als Ihre Patientin, die berühmteſte Leibarzt die junge Gräfin aufgegeben hatte, neh ſich mit voller Zuverſicht Ihrer Leitung überläßt. mich deren Heilung unterzog? Ging nicht dann mein 8 Ich war über den ungereimten Wortſchwall ſo ver⸗ Nuf als Arzt unwiederbringlich verloren, und wog dieſer Mene blüfft, daß ich nichts als die Frage aufzuwerfen ver⸗ Verluſt die Summe Geldes auf, welche ich allenfalls von Leelo mmochte:Was ſagt der Leibmedicus zu Ihrem Zuſtand? der Gräfin zu verhoffen hatte? Endlich: und wenn die figt 2 Dieſer hat mich aufgegeben, wie ich ihn war die kranke Comteſſe im Golde begraben geweſen wäre, ich hätte in grif

Willkon und in;

ſchen de G o faſt Stark 8 4. ſ1. Dos 3 Schiffsr j j Fiſ⸗ Ich zweifle faſt, daß Starkey ein Engländer iſt, ſagte Des⸗ untern Schiffsraum bringen und vielleicht auch in Eiſen legen, 3 mond ſehr aufgeregt. bis wir Jamaika erreichen.. Nſant Da in dieſem Augenblicke die Sennorg Arguellas nahete, Dann ſtieß er ſeinen verblüfften Zuhörar von ſich, und gleich V dürde d unterdrückte der Engländer ſeinen Zorn. Die junge Dame ſchien darauf wurde der Anker gelichtet. 3 Heudr mit Verwunderung den Ausdruck auf allen Geſichtern zu leſen, Wenige Stunden genügten, um zu beweiſen, daß der Capi⸗ Miaum indeß folgte ſie dem Capitain auf deſſen Wunſch in das Haus. tain Starkey, wenn ihm auch vielleicht der Muth zu einem Zwei⸗ dichi 1 Kurze Zeit darauf hörten wir, der Capitain Starkey ſei an kampf ermangelte, ein ſehr tüchtiger, kaltblütiger und entſchloſſener daß vo Bord ſeines Schiffes zurückgekehrt und habe erklärt, daß der Seemann ſei, auf den man ſich im Fall des Sturmes oder der Ge⸗ G Nezptun am nächſten Morgen Punkt neun Uhr unter Segel gehen fahr verlaſſen konnte. Pack, würde. Bei dieſer Nachricht brachen von allen Seiten Worte der Dennoch herrſchte unter den Cajüten⸗Paſſagieren des Neptun Uindn Wuth und der Verachtung gegen den Engländer aus, und die Ge⸗ wegen der erwähnten Vorfälle eine ſehr gezwungene Stimmung ſellſchaft trennte ſich in Unordnung und Aufregung. und wir Alle waren von Herzen froh, als wir nach wenigen Tagen, Sie n Am nächſten Morgen waren wir Alle zur feſtgeſetzten Stunde gegen zwei Uhr Morgens, in die Morant⸗Bai einfuhren und alſo Verl an Bord. Der Capitain empfing uns mit kalter Höflichkeit, indeß gewiß ſein konnten, nach wenigen Stunden das Ziel unſerer Reiſe ſchienen die verächtlichen Blicke Dupont's und des Lieutenants ihn erreicht zu haben.. ſa gleichgültig zu laſſen. Als aber die Sennora Arguellas die Augen Alle Paſſagiere hatten ſich zur Ruhe begeben; Niemand war gle mit unverkennbarer Abſichtlichkeit von ihm abwendete, erbebte er. auf dem Deck, als ich und der wachthabende Officier, Lieutenant Da trat Dupont auf ihn zu, ſah ihm in das Geſicht und ſagte, Hawkins; der Capitain beſchäftigte ſich in ſeiner Cajüte mit der Noa zwar halblaut, doch ſo, daß einige naheſtehende Matroſen ihn Ordnung ſeiner Papiere. Dene! 8 hören mußten: Ich blickte voll Sehnſucht nach der Küſte meiner Heimath Nantzün 6Memme! 3 hinüber, die ich kurze Zeit zuvor kaum wieder zu begrüßen hoffen nen u 8 Er wollte ſich darauf entfernen, aber eine Hand von Eiſen durfte, da ſah ich plötzlich das Meer von einem hellen Scheine, danen * faßte ſeinen Arm, hielt ihn zurück, und der Capitain ſagte mit ähnlich dem Strahle des Mondes, beleuchtet, und gleich darauf V 1E 5 ſehr entſchiedenem Tone:. ſchlugen aus einer Luke, welche ein Matroſe zufällig öffnete, helle auhs Hören Sie mich, mein Herr! Perſönlich verachte ich Alles, Flammen empor. 2 dn D was Sie ſagen können; aber auf dieſem Schiffe bin ich Capitain Der Schreckensruf:Feuer! Feuer! der fürchterlichſte, den 3 und Köonig und als ſolcher werde ich Niemand geſtatten, mich vor es auf dem Meere gibt, ertönte, und die Angſt, die mich ergriff, wit der Equipage zu beleidigen oder meine Autorität zu ſchmälern. indem ich ſogleich an das Pulver dachte, die Verwirrung, die ſcle 1 Sobald Sie eine Wiederholung nur verſuchen, laſſe ich Sie in den augenblicklich entſtand, betäubten mich ſo ſehr, daß ich kaum die 8. orſan