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Achtſpännig. Volksroman. Von Joſef Rank.— Zwei Theile.— Leipzig, Hermann Mendelsſohn. 1857.
Von Haus zu Haus. Kleine Dorfchronik von Joſef Rank.— Leipzig, Voigt und Günther. 1856.
Auerbach hat uns im Diethelm und Lehnhold die„letz⸗ ten Bauern“ geſchildert; Rank ſchildert uns in ſeinem Achtſpännig den„letzten Fuhrmann.“ Sein Held, der Weringer, der mit drei achtſpännigen Wagen die Straßen ſeiner Heimath ſeit Jahren beherrſcht hat, wird durch die Eiſenbahn plötzlich überflüſſig. Herr Schloenbach hat in ſeinen vor drei Jahren erſchienenen„Originalen“ einen ähnlichen Conflict gezeichnet, der mit Mord und Todtſchlag endete. Auch dieſe Erzählung von Rank ſcheint im An⸗ fange tragiſche Verwickelungen anzuknüpfen. Der Weringer iſt kein gewöhnlicher Fuhrmann, der ſeine Frachten nur um des Fuhrlohns willen fährt, er iſt ein Fuhrmann aus Princip, um ſeiner Standesehre willen, ein Fanatiker, ein Märtyrer des Fuhrmannthums. Als ſolcher handelt er nicht aus einfacher, praktiſch verſtändiger Ueberlegung, er wartet nicht ab, bis die Eiſenbahn in Gang gekommen iſt und ſein Geſchäft dann unwillkührlich ſein Ende findet;
ſobald er ſieht, daß der Bau beginnt, ſtellt er ſeine Fahr⸗
ten ein, um ſeine Nothwendigkeit noch einmal recht fühlbar zu machen, um im Glanze ſeines Heroismus aus ſeiner Laufbahn zu ſcheiden; ja, ſein principieller Haß gegen das Inſtitut der neuen Zeit geht ſo weit, daß er nicht mehr an dem Orte leben will, wo er dem Anblick deſſelben nicht aus dem Wege gehen kann, und lieber von der Heimath, in der er und die Seinen mit ganzer Seele feſtgewurzelt ſind, ſich loszureißen beſchließt.
Rank hat hier nicht ohne Geſchick jene originelle Pſy⸗ chologie, jene naturwüchſige Logik des Empfindens und Handelns der Auerbach'ſchen letzten Bauern nachgebildet, und es iſt, da er ſonſt durchaus ſelbſtſtändig productiv in dieſer Nachbildung auftritt, gegen dieſe ſeine Darſtellung nichts anderes einzuwenden, als daß der letzte Fuhrmann eben— kein letzter Bauer iſt.
ſeinen Beruf nicht an die Scholle gebunden, nicht in der 2 guenzer der A des Hauptcharakters vor unſerem äſthetiſchen Gewiſſen zu
einförmigſten Gewohnheit zu verknöchern gezwungen iſt, ſondern daß er im Gegentheil aus dem engen Hauſe täg⸗ lich in die Welt hinaus, zur Kenntniß des großen, wech⸗ ſelnden Verkehrs getrieben wird. Joſef Rank hat dieſes Mißverhältniß ſehr wohl empfunden und ſeinen letzten Fuhrmann deshalb zugleich auch zum Bauern gemacht. Zwiſchen Bauer und Bauer herrſcht aber ein großer Unter⸗ ſchied, und der Fuhrmann, der durch ſeine Frachtwagen auf den Chauſſeen ſich ſo viel Geld erfahren hat, daß er
ſich einen ſtattlichen Bauernhof kaufen kann, auf dem er
ſeine Achtſpänner einſtellt, wenn ſie raſten ſollen, iſt immer ⸗ Zuhrmann und hat ſicher kein Recht, auf die Aroue naturgeſchichtliche Pſychologie des eigentlichen Bauern der alten, ſogenannten guten Zeit, der eben heut⸗
zutage der„letzte Bauer“ iſt, Anſpruch zu machen. Wenn ein Diethelm oder Lehnhold ihre Güter, die ſie von den
Vorfahren ſeit Menſchengedenken ererbten, verlaſſen ſollen, ſo können wir die furchtbare Schwere eines ſolchen Ent⸗
ſchluſſes begreifen; wenn aber der brave Weringer, der 8 7
Der Fuhrmann unter⸗ d ſ j ſi 4 C eworde ſcheidet ſich ja gerade dadurch vom Bauern, daß er durch geworden.
ſeinen Hof doch höchſtens vor 20 Jahren kaufte, denſelben wieder verkaufen will, ſo ſcheint uns ſein breitſpuriges tragiſches Pathos eben ſo wie Frau Weringer's Ohnmacht mit obligatem Tellerzerſchlagen dabei nicht abſolut unver⸗ meidlich.
Dazu kommt noch ein Fehler in der Rank'ſchen Dar⸗ ſtellung. Wenn das Schiickſal eines reichen Fuhrherrn, der um der Eiſenbahn willen keine Fuhren mehr zu thun hat, auch allerdings nicht unbedingt zu Tod und Mord zu führen braucht, ſo kann der realiſtiſche Dichter denn doch immer noch Stoff genug zu ſchmerzlichen Conflicten und verhältnißmäßig gewaltigen Gemüthsbewegungen darin finden. Joſef Rank hat ſie gefunden, er hat ſie aber nicht zu gruppiren, nicht zu geſteigertem Eindruck ſie zu concen⸗ triren gewußt. Der Roman beginnt damit, daß Weringer entſchloſſen iſt, ſeine drei Frachtwagen zu verkaufen; er thut höchſt geheimnißvoll mit dieſem Entſchluſſe, braucht große Vorkehrungen, um ſeinen Sohn damit bekannt zu machen, und läßt in uns die Spannung aufkommen: wenn er, den Jungen für ſich zu bewegen, ſo große Anſtalten braucht, was wird er erſt den andern Familienmitgliedern gegenüber nöthig haben? Aber ſiehe da, die Sache geht, wie ſie an ſich ganz einfach und natürlich iſt, ganz einfach und natürlich vorüber. Dann kommt der Entſchluß, Hof und Dorf zu verlaſſen, und wir denken: nun werden die angebahnten dorfgeſchichtlich⸗tragiſchen Conflicte eintreten. Aber neue Enttäuſchung über Enttäuſchung. Weringer iſt in die neue Heimath gezogen und Alles geht gut und vortrefflich, bis er hört, eine Abzweigung der Eiſenbahn ſolle auch hier in das Gebirge hinauf gebaut werden. Nun geberdet er ſich wieder pathetiſch, puſtet ſich zum letzten Fuhrmann auf, läuft drei Tage wie unſinnig im Walde umher, und nun, denken wir, muß er endlich einmal etwas Gräßliches beginnen und mit ſeiner tragiſchen Maske nicht nur Spaß, ſondern auch einmal Ernſt machen. Aber nein, er geht ganz wohlgemuth nach Hauſe, fährt bei nächſter dringender Gelegenheit auf der Eiſenbahn, und ehe wir uns deſſen verſehen, iſt er der unbedingte und lauteſte Vertheidiger der um ſich greifenden neuen Unternehmung
Wenn wir ſonach die Inconſequenzen in der Anlage
überſehen nicht im Stande ſind, ſo müſſen wir um ſo mehr die kosmopolitiſche Tendenz des ganzen Buches billigen und die Lectüre dieſes„Volksromanes“ einem möglichſt großen Publicum an das Herz legen. Das Buch iſt eben. ein Tendenzroman, der es ſich zur Aufgabe gemacht hat, zu zeigen, wie nicht im Gegenſatz gegen den Fodffchritt der Zeit, ſondern im engſten Anſchließen an ihn Glücke
Wohlſtand, Bildung und Aufklärung zu erwerben ſei.
Nach verſchiedenen Richtungen hin hat der Dichter dieſe ſeine Abſicht ausgeführt; über den Volksaberglauben na⸗ mentlich ſcheint er recht gründliche Studien gemacht zu haben, und die Schilderung der ſchließlich entlarvten Som⸗ nambule iſt ihm als eine höchſt unterhaltende gelungen. Das zweite oben genannte Buch des Verfaſſers,„Von Haus zu Haus,“ iſt ein Dorfgeſchichten⸗Cyclus im Genre und Werthe von des Dichters größerem Werke:„Aus dem Böhmerwalde.“ Hier iſt Rank's liebliche Detailmalerei
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