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war ich über eine ſolche Anfrage der Unterwürfigkeit. gefiel aber der Kranken, mich vorzulaſſen. Zimmer, deſſen Fenſter mit dunklen
niedergelaſſenen Rouleaux dermaßen verhüllt waren, daß
Roveſlen⸗= Zeitung.
Vorhängen und her⸗
eine traurige Düſterheit hier herrſchte, die noch durch einen
dicken, wollenen Teppich, welcher den ganzen Fußboden überdeckte, vermehrt wurde. Obſchon wir erſt Winters Anfang und noch keine ſtrenge Kälte hatten, ſo war doch das Zimmer durch Ofenfeuer erwärmt. Den Mangel an friſcher, lebenskräftiger Luft ſollte der Duft verſchwenderi⸗ ſcher Wohlgerüche erſetzen, welcher das Zimmer erfüllte. Das Bett der Kranken, deſſen Thronhimmel mit ſeinem lang herniederwallenden Mouſſelingewebe vollends die friſche Luft abwehrte, war zum Ueberfluß noch mit einem Bettſchirm umgeben, hinter welchem die Gräfin Mutter, auf der Tochter Geheiß, zurückbleiben mußte, während ich die Erlaubniß erhielt, in das Innere des Heiligthums ein⸗ treten zu dürfen, wo mich ein ſtummer Wink der Kranken niederſetzen hieß. Nun, ich that, was jeder Arzt in ſol⸗ chem Falle zu thun pflegt. Ich betrachtete der Kranken Augen, deren Haut, Zunge— zählte die Pulsſchläge der mir überlaſſenen Hand, fragte nach etwa vorhandenen Schmerzen u. ſ. w. Die junge Gräfin klagte über große Mattigkeit, über Mangel an Eß⸗, Schlaf⸗ und Lebensluſt, ſo wie über gereizte, zum Aerger geneigte Nerven.„Alles widert mich an—“ ſchloß die Kranke ihren Bericht— „nichts auf der Welt erfreut oder zerſtreut mich nur. Zur Qual wird mir ein ſolches Leben.“
Eine Weile ſchwieg ich überlegend; dann entgeg⸗ nete ich:
„Ihr Puls, Comteſſe, iſt fieberfrei, Ihre Zunge da⸗ gegen ſtark belegt. Ihr Leiden liegt im Unterleibe und iſt dasjenige, was wir mit dem Namen Hyſterie bezeichnen.
[III. Jahrg.
Es tida und andere Arzeneien werden wenig oder nicht Ihr Ich betrat ein Leiden mindern, wenn Sie jene Mittel nicht durch eine
vernünftige, naturgemäße Lebensweiſe unterſtützen wollen. Vor allen Dingen gönnen Sie Ihrem Schlafzimmer den ungehinderten Zugang der reinen, friſchen Luft. Hinweg mit dieſem Himmelbett, mit dieſem Schirme, den hernie⸗ dergelaſſenen Rouleaux und verhüllenden Vorhängen, mit dieſen Wohlgerüchen, welche die Luft verderden, ſtatt ſie zu verbeſſern; hinweg mit dieſer Ofenhitze, welche die Schlaf⸗ loſigkeit befördert. Gehen Sie ab von Ihrer Gwohnheit, den Tag zur Nacht und dieſe in den Tag zu vernandeln, verſuchen Sie einen Spaziergang ins Freie; bewegen Sie ſich ſo viel als—“
„Genug der Litanei—“ unterbrach die Kranke meins Rede mit Heftigkeit—„die alle Aerzte auswendig und in derſelben Weiſe gegen mich abgeleiert haben. Ich weiß beſſer als Sie Alle, was und wo es mir fehlt. Ich gebe Ihnen 14 Tage Zeit, täglich meinen Zuſtand zu beobach⸗ ten. Wenn Sie dann noch nicht im Klaren über mein Leiden ſind, ſo muß ich Sie als einen Pfuſcher in der Heilkunde anſehen und mich nach anderer Hülfe umthun. Jetzt aber verkürzen Sie mir die Zeit, indem Sie mir die Neuigkeiten der Stadt und von Ihren Kranken erzählen, die Sie in der Behandlung haben.“
Dieſe ungehörige Rede machte mein Inneres vor Zorn überwallen und mein Antlitz erröthen. Wie? eine junge, naſeweiſe Dame, eine Närrin vielmehr, unterfing ſich, mit mir, mit einem Manne, in einer Weiſe zu ſprechen, welche eben ſo ungeziemend als verletzend war? Mit mir, der ich vier Jahre lang meinen Studien redlich obgelegen, in Krankenhäuſern und Kliniken gewirkt und den Doctorhut für theures Geld erworben hatte?!
Alle Mittel dagegen, wie Einreibungen mit flüchtig reizen⸗(Schlus folgt. 4
den, ätheriſch öligen Eſſenzen, ferner Eſſigwaſchungen, 1
Baldrianthee, Brauſepulver, Senfpflaſter, ſelbſt asa foe- 1 b 5 urs⸗
Gern war ihr Gefährte bereit, ſich ihr zu nennen, und ſie er⸗ widerte darauf,— nachdem der Kutſcher den Befehl erhalten hatte, umzuwenden und nach dem Schloſſe zurückzukehren:
„Und ich bin die Tochter des Miniſters von B.— Jener Mann, deſſen Nennung Sie mir erſparen werden, ein franzöſiſcher Emigrant, der aus einer der erſten Adelsfamilien ſeines Landes u ſein behauptete und als Secretair in meines Vaters Dienſt ſtand, wußte durch ſeine allgemein geprieſene Liebenswürdigkeit meine Neigung zu gewinnen und mich unter allerhand Vorſpiege⸗ lungen zu dem unbedachten Schritte zu bewegen, deſſen wirkliche Ausführung, Gott Lob, ſeine Schlechtigkeit hinderte.“
Unter gegenſeitiger Berathung, welche Ausrede oder Ent⸗ ſchuldigung anzuwenden ſei, wenn die Abweſenheit des Fräuleins bemerkt worden ſein ſollte, langten ſie bei dem Schloſſe an. Noch waren indeß alle Säle gefüllt, und ſo konnte Fräulein von B. ſich unvermißt unter die Menge der Masken miſchen, und ihr Beglei⸗ ter, der ſich auf das Lebhafteſte für ſie intereſſirte, durfte die Ueber⸗ zeugung hegen, daß das Abenteuer ohne Unannehmlichkeit für ſie ablaufen würde, wenn auch leider der Verluſt der Diamanten ver⸗ ſchmerzt werden mußte. Er ſelbſt unterhielt ſich deshalb mit um ſo ungezwungenerer Heiterkeit, da er mit ſeinem Benehmen zufrie⸗ den war, und nachdem er bei ſeinem Freunde in einem guten Früh⸗ ſtück neue Kräfte zu dem zweiten Parforceritt binnen vierund⸗ zwanzig Stunden geſammelt hatte, ſchwang er ſich abermals auf das Pferd, und noch einige Minuten vor 11 Uhr ritt er wieder in Paſewalk ein.
Bei der Parole erzählte er Mancherlei von dem geſtrigen Maskenballe im königlichen Schloſſe zu Berlin und beſchrieb den Geſchmack und den Reichthum einzelner Masken.
„Welcher Hexenmeiſter hat Dir denn die Nachricht gn fragten ihn die Kameraden. ſi
„Der Hexenmeiſter bin ich ſelbſt, denn ich war vieft acht auf der Redoute, und ich ſage Euch, ich habe mich köſtlich amuſt.“ — Von ſeinem Abenteuer aber erwähnte er natürlich kein Brt. Das blieb als heimliches und köſtliches Geheimniß in ſeinem er⸗ zen und Gedächtniß verſchloſſen. Schnell aber kam die Kunde, v. R. ſei zur Redoute in Blin geweſen, zu den Ohren des Regimentscommandeurs, undhen Lieutenant zu ſich rufend, fragte er ihn ziemlich barſch:
„Sie waren dieſe Nacht auf der Redoute in Berlin?“
„Ja, Herr Obriſt!“
„Wie durften Sie ſich das ohne Urlaub unterſtehen?“
„Ich glaubte dazu keines Urlaubs zu bedürfen,“ entgegite von R. dreiſt,„da nach dem unlängſt erlaſſenen Parolebefehl zii⸗ ſchen einer Parole und der andern der Beſuch der benachbarn Garniſon ohne Urlaub erlaubt iſt. Ich war aber bei der geſtrign Parole bis zum Schluß derſelben und ſchon zehn Minuten vir Anfang der heutigen zurück.“.
„So! Hm! Na, es iſt gut!“ ſagte der Obriſt verdrießlich und winkte entlaſſend, dann aber berief er den Adjutanten und befahl:.
Machen Sie zu dem Befehl wegen des Beſuches benachbar⸗ den Nachtrag bekannt, daß Berlin dabei ausge⸗
ter Garniſonen nommen iſt.“
Dieſer Parole⸗Befehl, gewiß im höchſten Grade merkwürdig für jene Zeiten, muß als hiſtoriſches Document zum Belege der von uns mitgetheilten Thatſache noch jetzt in den Parole⸗Büchern des Königin⸗Küraſſier⸗Regimentes verzeichnet ſtehen; der Lieu⸗
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