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nen, ſtieren weitens der nittelgroße, Wangen, ees baieri⸗ den Augen er Doctor iden Vor⸗ „faſt ſtets rückt hielt he. Dieſe Danzigen nd uriger
Heitertit, hen, hohn. wnicht feh⸗ fverzogenen ein Fenſter, num hinab⸗ ſete ſich die Herr zeigte :„Treten
mich an⸗ he nahm, Tiſchtuch, 7,Gläſeli dicke Herr geiter und kaktar und rſchlußen eugungen, hnen reht in wenig, hun Sie, —
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probe zu beginnen.
Nr. 6.]
als wären Sie daheim, und darum ſich nicht den leiſeſten Zwang an.“
Nach der Schnelligkeit zu urtheilen, mit welcher Caviar⸗ und Sardellenſchnittchen, Cervelat⸗, Trüffel⸗ und andere Wurſt, roher Schinken, Schweizerkäſe, italieniſcher Salat,
Dritte
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folge.
und wie Jeder ſich bemühte, die aufgeſtellten Forderungen
Eierſemmeln und andere Eßwaaren zwiſchen den Zähnen
der 11 Herren verſchwanden, mußten dieſe Dinge von vor⸗ trefflichem Geſchmack ſein. Noch mehr ſchien ihnen der
feuerige Rheinwein zu munden, deſſen Güte die vollen
Flaſchen bald in leere umwandelte.
Ungläckliche Geſichtsgeſchwulſt, die mir nur ein ein— ziges Semmelweckchen und noch dazu unter großen Schmer⸗ zen zu verzehren und ein halbes Glas Wein auszunippen erlaubte! Ich ſaß, ein zweiter Tantalus, unter luſtigen Schmauſern und Zechern da, die obendrein ſchadenfroh lachten, ſo oft ich einen Verſuch zum Kauen, Trinken und Verſchlingen unternahm.„Wie grell ſtach mein ſchmerz⸗ volles Antlitz gegen die weinglühenden, lachenden und be⸗ ſeligten meiner Tiſchgenoſſen ab! Von dieſen hinweg wendete ich meinen Blick dem Zimmer zu, in welchem wir uns befanden. Daſſelbe war einfach, jedoch mit Geſchmack ausgeſtattet.
geben wurde. ſpaniſche Wand, welche das Buffet verbarg, denn das
Beſonders gefielen mir die ſchönen, großen Spviege 1 vold ſore Tafolr de mehrff ch wieder e⸗ 5 Spiegel, in welchen unſere Tafelrun e neh fach wiede ge⸗ Kochbuch auf und las: In der einen Ecke des Zimmers ſtand eine
bedienende Mädchen trug dorthin die abgeleerten Schüſſeln
und Teller
Nachdem nichts mehr zu verzehren vorhanden und der
Tiſch abgeräumt war, bot das Dienſtmädchen jedem von uns ein mit Büchern gefülltes Körbchen an, wobei ihr Herr zu uns ſagte:„Nehmen Sie, meine Herren, ohne lange Auswahl. Schlagen Sie die erſte, beſte Seite auf und leſen Sie, was da ſteht.“
Unſer Wirth winkte dem Doctor Schmidt, die Leſe⸗ Man erlaſſe mir deren Beſchreibung
zu erfüllen und ſeinen Nebenbuhler auszuſtechen. Ich war, o böſes Omen! der Siebente und bemerkte gar wohl, wie die Anderen insgeſammt mich oder vielmehr mein ver⸗ ſchwollenes Antlitz höhniſch anſtarrten, als die Reihe an⸗ mich kam.
„Ich bitte um ein anderes Buch—“ ſprach ich dumpf unter meinem Verbande hervor;—„das, welches ich er⸗ griffen habe, iſt— iſt— ein Kochbuch!“
Der Rheinwein machte, daß hier meine Mitbewerber in ein unſchickliches Gelächter ausbrachen, woran aber unſer Wirth keinen Antheil nahm. Gelaſſen verſetzte er vielmehr:„Behalten Sie immerhin Ihr Buch und leſen Sie. Ein Weiſer weiß aus Allem etwas zu machen.“
Ein Weiſer war ich nicht, wohl aber gegenwärtig ein Gefoppter, ein zum Narren Gehaltener. So viel ſah ich ein und nun wurde mir die Sache ganz recht.
„Wenn Sie ſo wünſchen—“ ſprach ich lächelnd, ob⸗ ſchon auch dieſe Muskelbewegung nicht ohne Schmerzen abging und meinen Mund noch ſchiefer zog,—„gut! ſchön!“
Ich ſchlug mein Bau⸗-, Leh⸗ oder Bickelmann'ſches
„Ragout von Kälberbraten.
„Schneide und haue den Braten klein, thu' ihn in eine tiefe, zinnerne Schüſſel und dazu einen wohlgewäſſerten und klein gehackten Hering, fein gehackte Zwiebeln, ge⸗ ſchnittene Citronenſchalen, geriebene Muskatennuß, Wein und Rindfleiſchbrühe, abgekochte und klein gehackte Mor⸗ cheln, Krebsbutter und ausgebrochene Krebsſchwänze, laß dies Alles auf dem Kohlenbecken kochen, zuletzt thu' ge⸗ riebene Semmel daran und laß es damit durchkochen.“
Ich warf das Buch hin und mich in den Stuhl zurück. Mit kalter Reſignation ließ ich meine Augen dreiſt umher⸗
tenants, und es blieben daher nur 7½4 Stunden auf eine Meile, alſo auf zwei Stunden zu machen. Eine wahre Kleinigkeit,
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ach was Kleinigkeit!— eine vollſtändige Lumperei für einen zwan⸗ zigjährigen Dragoner⸗Lieutenant, d. h. zu Anfang des neunzehn⸗
ten Jahrhunderts, denn jetzt, in der zweiten Hälfte deſſelben, wür⸗ den, durch Schnellpoſten und Eiſenbahnen verwöhnt und verweich⸗
licht, nur wenige Lieutenants zu einem ſolchen Parforce⸗Ritt ge⸗
neigt ſein. 3 Auf einem Pferde aber freilich ließ ſich die Sache unmöglich machen, dazu waren mindeſtens drei Zwiſchenrelais erforderlich, und ſo entſtand wieder eine neue Schwierigkeit und zwar keine unbedeutende! 4 Doch wer etwas ernſthaft will, der hat ſchon Mancher vor dem Lieutenant vor er bewies es.„ Als der verhängnißvolle Dienſtag kam, waren die Relais ge⸗ ſtellt, der Freund in Berlin benachrichtigt, und wie auf Kohlen ſtehend erwartete der Lieutenant von R. das Ende der Parole.
ſetzt es auch durch; das n R.
bewieſen, und auch
Ein glücklicher Zufall aber führte dieſes früher als gewöhnlich
herbet, und gleich nach halb zwölf ſchwang er ſich in den Sattel
und ſprengte mit verhängtem Zügel die Straße nach Berlin ent⸗
lang. Drei Mal wechſelte er das Pferd, aber die Luft blies ſcharf und ſchneidend und zum größten Theile ihm gerade entgegen, ſo daß ſeinen Thieren das Athmen erſchwert wurde, und es ſchlug daher, ſo ſcharf er auch die Sporen einſetzte, gerade acht Uhr, als er die erſten Häuſer der Reſidenz erreichte.
Den Freund fand er nicht mehr zu Hauſe, aber das Billet hatte er zurückgelaſſen, und damit verſehen eilte der Lieutenant von R. zu dem nächſten Maskenverleiher.
Doch man denke ſich
ſeinen Schreck, als er hier auch nicht einen einzigen brauchbaren Anzug fand. Bei einem Zweiten war ſeine Nachfrage gleichfalls vergeblich und eben ſo bei einem Dritten und Vierten. Schon hatte es neun Uhr geſchlagen, und er zweifelte bereits, daß es ihm gelingen werde, irgend eine Maske aufzutreiben, die es geſtattete, darin bei Hofe zu erſcheinen. Da wurde ihm endlich ein Domino mit dazu gehörigem Barett angeboten; beide waren höchſt elegant und ganz neu, aber ſehr auffallend, denn das Barett hatte eine weiße, eine rothe und eine blaue Feder, und der weißſeidene Do⸗ mino war mehrmals mit Band von eben dieſen drei Farben beſetzt. Der Anzug war nach der Verſicherung des Maskenverleihers gegen ein Draufgeld für den Beſteller neu angefertigt, aber zur be⸗ ſtimmten Zeit nicht abgeholt worden, und ſo wollte er es wagen, ihn wegzugeben.
Ohne viel nach dieſen Angaben und Bedenken zu fragen, hüllte der Lieutenant von R. ſich ſchnell in den Domino und eine Viertelſtunde ſpäter betrat er die maskengefüllten Säle des könig⸗ lichen Schloſſes. Kaum aber hatte er die erſten beiden Gemächer durchſchritten, da ſtürzte eine Dame, ganz eben ſo gekleidet wie er ſelbſt, haſtig auf ihn zu, faßte krampfhaft ſeinen Arm und flüſterte ihm zu:
„Um Gottes Willen, wo bleibſt Du nur?— Ich bin ſeit länger als einer Stunde wie auf der Folter!— Nun nur ſchnell
fort! fort!“
Und ohne dem Ueberraſchten Zeit zu laſſen, ſich von ſeinem Staunen zu erholen oder ihr zu antworten, zog ſie ihn mit ſich fort, zum Saale hinaus, der Treppe zu. Die Wa hrheit zu geſte⸗ hen, ſträubtejſich der Lieutenant eben nicht ſehr, ihr zu folgen, denn der leichte Domino verrieth die anmuthigſten Formen, der Arm,


