Jahrgang 
01-26 (1857)
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meine Studien vollendet, nicht aber, daß ich Mediein ſtudirt und den Doctorhut erworben hätte, durch deſſen beträcht⸗ liche Koſten meine letzten Nothpfennige darauf gegangen waren.

Es ſchlug acht Uhr des Morgens, als ich mit verbun⸗ dener Wange mein Papier an den bezeichneten Ort hintrug. Auf mein Klingeln öffnete ein Dienſtmädchen die Thüre, nahm mein Schreiben in Empfang und bat mich, in einen Vorſaal zu treten, worauf ſie ihren Kopf in eine Seiten⸗ thüre ſteckte und halblaut, jedoch für mich noch vernehmlich genug, hineinſprach:

Voll, Herr Willkomm! Eben kam der Letzte. Aber er hat einen Backen, ſo dick wie eine Ofenblaſe.

Was hierauf eine männliche Stimme antwortete, ver⸗ ſtand ich nicht.

Sie ſollen die Güte haben berichtete das Mäd⸗ chen zurückkehrendund um 11 Uhr wiederkommen. Und dabei lachte mir das ſchnippiſche Ding geradezu in mein entſtelltes Antlitz.

Lange ging ich mit mir zu Rathe, ob ich wieder hin⸗ gehen ſollte oder nicht. Endlich entſchied ich mich für das Erſte, bereute aber ſehr dieſen Entſchluß, als ich, um die beſtimmte Stunde in den Vorſaal tretend, dort nicht we⸗ niger als elf Herren antraf, welche augenſcheinlich mit mir in gleicher Abſicht ſich eingefunden hatten.

Nun wurde mir klar, was die Worte des Dienſtmäd⸗ chens:Voll, Herr Willkomm! Eben kam der Letzte! hatten bedeuten ſollen. Dutzend Vorleſer vollzählig geworden. viele Dutzend, ach gemeldet haben oder noch ſich melden!

Unter den Anweſenden kannte ich drei, welche auf die verlangte Jugend eben keine großen Anſprüche machen durften. Da war erſtens der Doctor der Philoſophie, Schmidt, der mit ſeiner langen, hageren Geſtalt, mit ſei⸗

Guter Gott! wie

nem hohlwangigen, bleichen, abgelebten Antlitz, mit ſeinem bevor wir eine kleine Leſeprobe anſtellen.

Mit meiner Perſon war das

und Weinflaſchen bedeckt war. Schocke wohl gar, mochten ſpäter ſich

Schnurr- und Knebelbarte und ſeinem gläſernen, ſtieren Blick dem Mephiſtopheles im Fauſt ähnelte. Zweitens der Doctor Schulz, Schmidt's Gegenfüßler, eine mittelgroße, gedrungene Geſtalt mit vollen, ſtark gerötheten Wangen, welche ein ſprechendes Zeugniß von der Güte des baieri⸗ ſchen Bieres ablegten, mit blauen, ſtets lachenden Augen und von komiſcher Beweglichkeit. Drittens der Doctor Lippe, Schriftſteller und Schöngeiſt, wie die beiden Vor⸗ genannten, der, an einer Rückgratſchwäche Kidend, faſt ſtets einen Arm auf dieſen Theil ſeines Körpers gedrückt hielt und den Oberleib nach vorn überzubeugen pflate. Dieſe drei Doctoren hatten längſt nichts mehr in den Zwanzigen zu ſuchen, dünkten ſich aber deſto jünger und ſuriger an Geiſt.

Meine Erſcheinung erregte eine allgemeine Heiterkeit, die es an durchbohrenden, ſengenden, ſpöttiſchen, hohn⸗ lachenden und verächtlichen Blicken und Mienen nicht feh⸗ len ließ. Schamvoll bedeckte ich meinen ſchiefverzogenen Mund mit dem Taſchentuch und trat abſeits an ein Fenſter, durch welches ich in einen engen, dunklen Hofraum hinab⸗ ſtarrte. Aber ſchon in der nächſten Minute öffnete ſich die Mittelthüre des Vorſaals; ein kleiner, dicker Herr zeigte ſich in derſelben und ſprach freundlich einladend:Treten Sie gefälligſt näher, meine Herren!

Ich war der Letzte, welcher, den Uebrigen mich an⸗ ſchließend, Platz an einem großen, runden Tiſche nahm, der, anſtatt mit Leſebüchern, mit einem weißen Tiſchtuch, mit Servietten, Tellern, Meſſern, Gabeln, Löffeln, Gläſern Der kleine, dicke Herr kannte ſonach die ſchwache Seite der Schöngeiſter und

wußte, daß man die Freunde des Apoll mit Nektar und

Ambroſia ätzen müſſe, wenn man ihre Lippen erſchließen will. Daher von allen Seiten zuſtimmende Verbeugungen, als der kleine Herr weiter ſprach:Wenn es Ihnen recht iſt, meine Herren, ſo frühſtücken wir zuvor ein wenig, Thun Sie,

Ein Abenteuer auf dem Maskenball.

Lieber Karl!

Am nächſten Dienſtag iſt hier große Hofredoute; es wird ein göttliches Vergnügen geben! Kannſt Du Urlaub erhalten, ſo komm! Für ein Billet ſorge ich und abſteigen kannſt Du bei mir. Champagner à discrétion, ſchöne Mädchen in Ueberfluß! Alſo

In Eile.

Dein treuer Bruder Alfred von B.

Dieſe wenigen Zeilen verſetzten den Empfänger derſelben in eine gewaltige Aufregung und erweckten in ihm die lebhafteſte Be⸗ gier, der Einladung zu folgen. Man wird das leicht glauben, wenn man erfährt, daß benannter Empfänger der Lieutenant von R. war, der erſt vor wenigen Wochen das ungeheure Avancement auf der Feldmarſchallsleiter gemacht hatte und jetzt bei dem Regimente Anſpach⸗Bayreuth⸗Dragoner in Paſewalk in Garniſon ſtand. Aber wie war der heiße Wunſch zu befriedigen? Urlaub? Nicht möglich! Dazu war nach Berlin General⸗Commando⸗Befehl erforderlich und zu deſſen Erlangung die Zeit zu kurz, ganz abge⸗ ſehen von andern erheblichen Hinderniſſen. Doch halt! Da fiel

Feuilleton.

dem dienſtbefliſſenen Officier ein kürzlich erlaſſener Parole⸗Befehl ein, der lautete alſo:

Zum Beſuche einer benachbarten Garniſon, der ſich von einer Parole zur andern abmachen läßt, bedürfen die Herren Officiere keines Urlaubes.

Es kam alſo darauf an, ob Berlin unter die benachbarten Garniſonen Paſewalks zu rechnen war.

Nach der Meinung, in welcher der Befehl erlaſſen war, ſchwer⸗ lich, nach der des Lieutenants von R. jedoch ließ ſich die Sache wenigſtens in Erwägung ziehen. Und das that denn der Lieute⸗ nant auch auf der Stelle.

Um elf Uhr war die Parole; ſpäteſtens um zwölf Uhr endete ſie, es blieben alſo zur freien Dispoſition dreiundzwanzig Stun⸗ den. Während dieſer Zeit mußten zwölf Meilen hin und zwölf Meilen her zurückgelegt werden; für das Amuſement auf der Re⸗ doute, wenn es nur einigermaßen vollſtändig ſein ſollte, waren ſechs Stunden gerechnet worden, es blieben alſo für vierundzwan⸗ zig Wegemeilen, reitend zurückzulegen, noch ſiebzehn Stunden.

Ließ ſich das machen? O, mit großer Leichtigkeit, denn die Anſtrengung kam dabeinatürlich gar nicht als Factor in die Be⸗ rechnung des redouten⸗luſtigen und abenteuer⸗verlangenden Lieu⸗

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