Jahrg.
leichmäßig
cher Weiſt zu errei⸗ ratur und die weni⸗ war turz,
hſten mu⸗ ängſtliche udern be⸗ nagendſten. Agatliche
Ung“ wa⸗ ſpondenzen oder kür⸗ iger Ru⸗ ſtäͤndig be⸗
Aphoris⸗ Leitarti⸗ eſprochen,
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iigegeben. n von 5. inz, T
Ritter,
wöchelt⸗ Nummerdt
1 1
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Nr. 6.]
Die Leſeprobe.
Eine Erzählung von
Guſtav Nieritz.
Der Herbſtmorgen grauete in meine beſchränkte Dach⸗ wohnung herein, als meine Aufwärterin, eine alte mütter⸗ lich für mich ſorgende Frau, haſtig meine Stubenthüre öffnete und ohne Umſtände vor mein Lager trat, in welchem ich, blatt und redete mich, vom raſchen Treppenſteigen
L. mit kruchender Stimme alſo an: „Etwas für Sie, Gutes. vergeſſen hätte. Da, leſen Sie raſch. den. Finger darauf halte.“
Ich nahm der Frau das Tageblatt aus der Hand und
las nicht ohne Mühe bei dem Dämmerlichte:
Dresdener Anzeiger. Nr. 259. Sonntag, den 16. Septbr. 1835. Erſte Beilage. Es wird ein junger Mann geſucht, der ſeine Studien beendigt hat und geneigt wäre, uweilen in einer Familie während des Winters in den bendſtunden die Werke unſrer vorzüglichſten dramatiſchen Dichter, ſo wie des Alterthums in guten Ueberſetzungen, voorrzuleſen. Bedingungen ſind: Deutlichkeit, Wohlklang und ein dem Inhalte und Sinne angemeſſener, wohlbe⸗ zeichnender, den Stoff völlig beherrſchender Ausdruck. Die
Stunde einen Thaler. Hierauf Reflectirende u. ſ. w.“
„Nun?“ fragte Frau Hauke triumphirend—„was ie dazu, Herr Doctor? Die Stunde einen ganzen Thaler! So viel verdient ein Maurer oder Zimmermann in zwei Tagen und eine arme Nätherin in einer ganzen Woche. Geſchwind ziehen Sie ſich an und verſuchen Sie Mor⸗
ſagen
Ihr Glück, bevor Ihnen ein Andrer zuvorkommt.
genſtunde hat ja Gold im Munde.“
emeinten Vorſchlag. Doch damit iſt's Eſſig.“ „Wie ſo? Warum?“ entgegnete die Frau.
und leſen können Sie auch. hinter ſteckt mehr.
Dritte folge.
meine mißliche Lage überdenkend, wachend träumte.
Frau Hauke hielt in ihrer Hand ein noch feuchtes Druck⸗ athem⸗
Herr Doctor! und zwar etwas
Guten Morgen auch, den ich vor Freude bald
Da ſteht's, wo ich 7
A„Liebe Frau—“ erwiderte ich ſeufzend,„haben Sie ſchönen Dank für Ihre Aufmerkſamkeit und Ihren wohl⸗
„Sind „Sie nicht ein junger und obendarein hübſcher Mann? Haben Sie nicht ausſtudirt, wie hier verlangt wird? Nun, Und glauben Sie mir: da⸗ Sie können Ihr Glück für Ihre ganze Lebenszeit machen, eine reiche Frau erangeln, wenigſtens angenehme Bekanntſchaften anknüpfen und ſo zu Kundſchaft gelangen, nach welcher Sie bisher vergebens getrachtet
Novellen-Zeitung.
Alſo, geſchwind in die Kleider, während ich den Kaffee koche. Das Glück kommt zu Ihnen im Schlafe. Halten Sie es feſt!“
„Alles recht ſchön, Frau Hauke!“ ſagte ich—„aber mich erwählt man am letzten zum Vorleſer. Welch eine Schaar von Schöngeiſtern, Schriftſtellern, Dichtern und Doctoren der Philoſophie wird ſich herbeidrängen! Was will Saul unter den Propheten? werden ſie ausrufen, wenn ich, ein Mediciner, mich unter ſie miſchen wollte.“
„Doctor iſt Doctor—“ rief Frau Hauke—„und ein Doctor, der die Leute curirt, mir zehntauſendmal lieber als ein Doctor der Philoſophie, mit welcher man keinen Hund aus dem Ofen lockt. Davon ſagt auch das Anzeige⸗ blatt kein Wort. Doch ich muß daſſelbe dem Zeitungs⸗ träger wieder hinuntertragen, der mir es nur auf eine Mi⸗ nute geliehen hat.“
„Endlich—“ fuhr ich kleinlaut fort—„haben Sie nicht bemerkt, wie mein Geſicht ausſieht?“
„Nun ja—“ verſetzte die Frau—„einen geſchwolle⸗ nen Backen und einen ſchief verzogenen Mund haben Sie, was wir einen Bauerwäzel nennen. Aber das gibt ſich wieder, bevor drei Tage ins Land gehen. Folgen Sie mir, Herr Doctor, und Sie werden mir's ſpäter noch Dank wiſſen.“
Die Frau eilte mit dem warf mich in die Kleider. ſelbſt:
„Eine hieſige oder deutſche Familie iſt es nicht, welche einen Thaler für eine Leſeſtunde bietet. Eher rathe ich auf Kur⸗ oder Liefländer. Die Bekanntſchaft ſolcher wohl⸗ habenden Fremdlinge zu machen, wäre nicht übel für eine zu erwartende Praxis und am Ende noch höher anzuſchla⸗ gen, als das verheißene Leſehonorar. Aber—“ ich beſah mein verſchwollenes Antlitz in meinem kleinen Spiegel und fuhr erſchrocken zurück—„es iſt ein Ding der Unmög⸗ lichkeit. Mit einem ſolchen Geſicht darf ich Niemandem unter die Augen treten, noch viel weniger um die Stelle eines Vorleſers mich bewerben. Geht mir doch jetzt gerade das ab, was zu einer Hauptbedingung gemacht wird: Deutlichkeit und Wohllaut der Stimme. Gib, daher die Hoffnung auf, armer Guſtav! Du haſt immer Pech gehabt und wirſt's auch nicht los werden in Deinem Leben.“
Aber die Geldnoth, in der ich mich befand, und das weitere Zureden meiner Aufwärterin, deren Schuldner ich bereits war, überwogen endlich doch meine Bedenklichkeiten, ſo daß ich mich hinſetzte, um in kurzen Worten die ver⸗ langte Auskunft über meine Perſon und meine Verhält⸗ niſſe zu Papiere zu bringen. Dabei ſagte ich bloß, daß ich
haben.
Druckblatt davon und ich Dabei ſprach ich zu mir


