Jahrgang 
01-26 (1857)
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Jahrg.

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Nr. 5.]

rüfte ſchwanden; mühſam ſuchte ſie durch ihrer Hände rbeit ihr und ihres Kindes Leben zu friſten und kämpfte mrrten Entbehrungen. In dieſe Zeit fiel die Aende⸗ rung in der Tante äußerer Lage und ihre Ueberſiedelung in Hollunder's Haus; ein erneuerter Verkehr bahnte ſich an zwiſchen der Reuigen und der Vergebenden, eine hel⸗ fende Hand ward geboten und konnte nicht zurückgewieſen werden.

Es mag jetzt ein Jahr ſein, als der Commerzienrath. Hollunder mit ſeiner alten Freundin mitten in der Nacht nach dem Bahnhofe fuhr und den Weg nach dem Süden einſchlug. Sie reiſten Tag und Nacht, ſchweigend einan⸗ der gegenüber ſitzend. Die Dame trocknete von Zeit zu Zeit ihre Thränen, ihr Begleiter ſah ernſt und bleich vor ſich nieder. Am zweiten Nachmittage erreichten ſie ihr Ziel; das Fräukein ließ ſich nach einem ländlichen Hauſe geleiten, das einſam am See gelegen iſt; nach einer Stunde folgte ihr Hollunder. Als er die ſchmale Treppe nach dem Giebelſtübchen in die Höhe ſtieg, bebten ſeine Knie; eine Thür ſtand halb geöffnet, um über den hölzernen Söller die Strahlen der untergehenden Sonne in das Zimmer dringen zu laſſen. Unſer Freund blickte hinein in unaus⸗ ſprechlicher Bewegung. Dieſe bleiche, von Harm und Ent⸗ behrung erſchöpfte Frau, auf welche die letzten Sonnen⸗ ſtrahlen fallen, die müde ihren Kopf an die Bruſt der weinenden, mütterlichen Freundin lehnt, das iſt ſie, die er einſt ſo heiß geliebt; dies ſchöne Mädchen, blauäugig und vraungelockt wie ſie, es iſt ihr Kind! Phosphorus Hol⸗ lunder gedenkt der Zeiten, wo er, noch ein Knabe, die Mutter nicht größer gekannt hat, als dieſes Kind, und ſie ſchon damals geliebt und erkoren. Das Auge der Kranken trifft ihn während dieſer Erinnerung; er rafft ſich zuſam⸗ men, tritt ihr ruhig und herzlich entgegen; kein Blick zeigt einen Vorwurf, keine Miene ſeinen Kummer. Als aber die unglückliche Frau ſich jetzt erhebt, ihm entgegenſchwankt, ſeine Hände lautſchluchzend an ihr Herz drückt und zu ſei

nen Füßen niedergleitet, da hält er ſich nicht länger, unter heißen Thränen hebt er ſie vom Boden, zieht ſie an ſeine Bruſt und hält ſie lange umſchlungen.

Wochenlang ſaß er nun als treuer, wachſamer Hüter am Bette dieſer ſterbenden Frau. Selbſt ohne Hoffnung ruft er die kundigſten Aerzte der Gegend zu ihrer Hülfe, ſucht Muth und Lebensfreude in ihr aufzuwecken. Er ſpricht von dem milden, heilenden Klima des Südens, von ihrer Tochter Erziehung und Zukunft. Die Stimme der Kranken iſt gelähmt, aber ihre großen, fieberleuchtenden Augen ruhen unverwendet auf dem gütigen Manne mit einem Ausdruck, der Phosphorus noch in ſeiner Sterbeſtunde beglücken wird. Mehr als einmal drückte ſie ſeine in der ihren ruhende Hand an ihre Lippen, und fügte darauf die

ihres Kindes in dieſelbe mit dem ſtummen Flehen um Schutz und Liebe für die Verlaſſene. Der erſchütterte Mann zog dann das liebe, ſchmiegſame Mädchen auf ſeinen Schooß, in ſeine Arme, und ſein Blick ſagte der kum mervollen Mutter, daß ihr Kind des Vaters nicht ent behren werde.

Einmal in der Nacht wird die Kranke unruhiger, ihre Blicke ſchweifen hin und her, ihre Arme deuten, taſten bald auf dieſen, bald auf jenen Gegenſtand. Die Tante ruht im Nebenzimmer, Hollunder allein ſitzt wachend bei der Kranken; das Kind ſchläft im Bettchen neben der Mutter und fährt jetzt, erweckt von deren Kampfe, beängſtigt in die Höhe, ſich weinend über die Sterbende werfend:

Mutter, Mutter! ſchreit ſie,ich fürchte mich, ſieh mich freundlich an, ach, mache nicht ſolche Augen!

Blanka's Blick hängt ſtarr an der Wand. Hollunder verſteht dieſen Blick, er zieht den Vorhang von einem Bilde über dem Bette, und Aſſur von Hohenwarts Züge ſtrahlen noch einmal in das brechende Auge ſeiner Frau, die letzte Röthe zieht über ihre Wangen. Dieſer Blick hat ihr Sinne und Kräfte wieder gegeben. Sie richtet ſich in die Höhe, ſchlingt mit Leidenſchaft ihren Arm um den Kopf

4 Die hier niedergelegte Stimmung dürfte bedeutſam für Frei⸗ tag!s ſpätere Entwickelung geworden ſein. Schon dieſes Buches zweite Abtheilung mit der Ueberſchrift:Ein Trinkgelage bringt Poeſien, aus denen der eigenthümliche Hauch von Humor und Grazie ſpricht, durch den ſeine ſpäteren claſſiſchen Sachen ſich auszeichnen. Wenn namentlich in den Sachen die Verſe noch oft unbeholfen ſind, noch auf durchaus elegante und künſtleriſche Form.Des Dich⸗ ters Schöpfung undDie Blume des Weines⸗ ſind phantaſtiſche Balladen, welche noch heute die weiteſte Verbreitung verdienten. Den Schluß des Heftes bildenFeſte in Breslau, Pro⸗ loge, Toaſte u. ſ. w. zu Feierlichkeiten, bei denen der Dichter das Glück hatte, die Schule der Gelegenheitsdichtung die Goethe bekanntlich als die vorzüglichſte erklärte.

Wir ſind überzeugt, den vielen Freunden, die Freitag durch ſeinen Roman ſich erworben hat, hiermit einen Dienſt zu erweiſen, wenn wir ſie auf die Urſprünge und Anfänge aufmerkſam machen,

aus denen ſeine heutige Eigenthümlichkeit hervorgegangen iſt. 3 3 R. G.

Miscellen.

Ein Stamméuchsölatt.

Ludwig Börne, der unendlich oft mit Stammbuchsblättern geplagt wurde, ſchrieb einſt einer überſpannten Dame Folgendes ins Stammbuch:Das Leben iſt eine Droſchke und die Erinnerung eine gackernde Henne, dem barfüßigen Knaben gleich, der ſich auf

erſten der genannten ſo treffen wir hier nur

durchzumachen,

der Wagendeichſel ſchaukelt. Der Weiſe begreift dies und hält ſei⸗ nen Mittagsſchlummer; der Thor frühſtuͤckt zu jeder Tageszeit und... ſchweigt. Madame ſoll ſehr entzückt geweſen ſein.

Ein Cyrann ſchläft nie.

Für ſein Theater zu Ferney hatte Voltaire einen Schauſpieler Namens Paulin engagirt, der in ſeinen Tragödien die Tyrannen ſpielte. Da der berühmte Dichter nur wenig ſchlief, brachte er einen großen Theil ſeiner Nächte damit zu, Aenderungen an ſeinen Stücken vorzunehmen.

In der Nacht vor einer Vorſtellung, gegen drei Uhr Morgens, verfiel er auf eine neue, kraftvolle Stelle, die er in den Mund Paulin's legen wollte. Er ſchellte ſeinem Diener, ihn aus dem Schlafe weckend, und als derſelbe kam, befahl er ihm, augenblick⸗ lich den Schauſpieler herbeizurufen. Der Kammerdiner bemerkte ihm, Paulin würde unfehlbar zu dieſer Stunde ſchlafen; doch Voltaire entgegnete ihm mit dem Tone der Entſchiedenheit:Geh

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nur! Ein Tyrann ſchläft nie!

Mahomets Artheil über das Pferd.

Das arabiſche Pferd nimmt bekanntlich in ſeinem Geſchlechte eine der erſten Stellen ein; das Pferd iſt aber auch in keinem Lande mehr geehrt und geliebt als in Arabien, denn der Araber betrachtet ſein Roß nicht als ein gewöhnliches Hausthier, ſondern als ſeinen Gefährten, als ſeinen beſten Freund. Das geſchieht aber nicht bloß

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