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des Kindes und legt es dann an die Bruſt des edelſten,
treueſten Mannes. „Dein, Dein!“ ruft ſie mit lauter Stimme, ihr Haupt ſinkt zurück,— ſie iſt todt.
Phosphorus Hollunder allein ſtand betend an dem
Novellen⸗Zeitung.
Grabe, in welches man Blanka von Hohenwart verſenkte. Eine Stunde ſpäter war er mit der Tante und dem Kinde
auf dem Wege nach der Heimath.
Die kleine Blanka wird in ſeinem Hauſe, unter ſeinem
Schutze erzogen.
Phosphorus Hollunder iſt glücklich, er hat ein Weſen, für das er lebt und das an ihm hängt mit der Zärtlich⸗
keit eines eigenen Kindes und mit der ſchwärmeriſchen Dankbarkeit einer Waiſe. F. v. L.
gedichte von Wiſhelm Weingärtner.
Am See.
Was ſinget und ſinnet die Waſſerfee
In der ſpiegelnden Welle am kühlen See?
Was ſchmiegt ſie ſich ſanft an des Jünglings Bruſt, Daß er auf möchte jauchzen in ſeliger Luſt?
O Jüngling, Jüngling, nimm dich in Acht!
Noch Keinem hat ſie Gutes gebracht.
Es ſinget und ſinnet die Waſſerfee
In der ſpiegelnden Welle am kühlen See
Von des Berges Gipfeln, wo ſie entſprang,
Von den Wieſen, durch die ihr Weg ſich ſchlang, Von den Auen, ſo ihr dort gelacht,—
O Jüngling, Jüngling, nimm dich in Acht!
Es ſingt und erzählet die Waſſerfee
Von der großen, wilden, wogenden See,
Von der blauen, glatten Spiegelfluth,
Von des Sturmes wild ſich empörender Wuth Und der bezaubernden Länder Pracht,
Die ihr hinter der See und den Bergen gelacht.
Und du haſt es erreicht, o Waſſerfee— Um den Knaben iſt es geſchehen, o weh!— Er ſchwingt ſich ans Land, er ſtürmt hinaus, Und nicht wieder ſah ihn das Vaterhaus. Doch ob dort drüben das Glück ihm gelacht, Davon hat noch Keiner uns Kunde gebracht.
Weltlauf.
Einer blutet für den Andern,
„'S iſt halt ſo der Lauf der Welt,“ Und wir müſſen ruhig wandern, Wie es grad' ihr nun gefällt:
Soll der Eine höher ſteigen,
Muß der Andere ſich neigen,
„'S iſt halt ſo der Lauf der Welt.“
Nur um eines Einz'gen Lächeln, „'S iſt halt ſo der Lauf der Welt,“ Müſſen Tauſende verröcheln Blutend auf dem Schlachtenfeld. Frägſt du drob die weiſen Thoren, Ziſcheln ſie dir in die Ohren:
„'S iſt halt ſo der Lauf der Welt.“
deshalb, weil es ſich durch Leichtigkeit, Schönheit, Einſicht und Unerſchrockenheit auszeichnet, eben ſo wenig bloß aus Dankbarkeit, Gewohnheit, Zuneigung, ſondern die Liebe des Arabers zu ſeinem Pferde iſt ihm ein Glaubensartikel. Mabomet hat nämlich in dem Koran ſeinen Bekennern das Pferd in folgenden Worten ge⸗ zeichnet und damit es ihrer Liebe empfohlen:„Gott rufte den
Wind und ſagte zu ihm: du wirſt die Seele eines neuen Weſens
ſein; du wirſt nicht länger unſichtbar, ungreifbar bleiben; du wirſt mit einer Form bekleidet werden und einen Körper annehmen, um deſſen Schönheit willen du von allen Thieren beneidet werden wirſt.“ Er ſagte es und der zum Pferde gewordne Südwind ſchwang ſeine Mähne und durcheilte wiehernd die Ebene. Dann ſprach Gott in folgender Art zu dem Roſſe:„Du wirſt für den Menſchen eine Quelle des Genuſſes, des Reichthums, des Ruhmes ſein! Er wird dich über alle Thiere herrſchen laſſen; er wird dich mit Güte, Sanftmuth und Weisheit behandeln und wird für eben ſo viel Sünden Abſolution erhalten, als er dir Gerſtenkörner ge⸗ ben wird.“
Dieſe Stelle des Koran gibt den beſten Sehlüſſel zu der großen Liebe der Araber für ihre Roſſe. C.
Erklärung.
In fünf Nummern der Novellen⸗Zeitung vom vorigen
Jahre, Nr. 28, 29, 31, 40 und 41, iſt ein Aufaatz erſchienen,
welcher. Ein Carneval in Dresden überſchrieben iſt und meinen Namen als Einſender trägt.
Dieſe Arbeit iſt mir erſt jetzt zu Geſicht gekommen. Da ich zu derſelben in durchaus keinem Zuſammenhange ſtehe, weder als Verfaſſer, noch als Einſender, ſo ſehe ich mich genöthigt, die mir zugeſchriebene Autorſchaft hiemit abzulehnen.
Dresden, im Januar 1857.
Robert Waldmüller, Verfaſſer der Nachtquartiere, Irrfahrten, Merlin’s Feiertage ꝛc.
Anmerkung der Redaction. Das Manuſcript„Ein Carneval in Dresden“ war der Verlagsbuchhandlung der Novellen⸗ Zeitung im Juni vorigen Jahres anonym zugegangen, indem der Verfaſſer uns freiſtellte, den Aufſatz mit einem Pſeudonym, wie z. B. Robert Waldmüller zu unterzeichnen. Da nicht feſtſtand, daß dieſer uns literariſch ſchon bekannte Name kein Pſeudonym war, und da wir ſo durch jenes Anerbieten zu der Vermuthung berech⸗ tigt waren, daß der Verfaſſer dieſes Carnevals mit dem anderweitig ehrenvoll genannten Herrn Robert Waldmüller identiſch ſei, ſo haben wir dieſen Namen zu unterzeichnen kein Bedenken hegen können.
Jetzt ſtellt ſich die Annahme dieſer Identität als ein Irrthum heraus. Herr Robert Waldmüller hat durch obige Erklärung ſein Recht gewahrt. Wir bitten den Verfaſſer des„Carneval in Dres⸗ den,“ uns endlich in Stand zu ſetzen, ſeinen wahren Namen zu nennen. 3 Dr. R. Giſeke.
[III. Jahrg.
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