Jahrgang 
01-26 (1857)
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74 Noveſſen⸗Zeitung.[III. Jahrg. N. ¹) ſein, denn er ruft ihren Namen erſt leiſe, dann lauter und vor ihm:Halt! halt! ſchreit er halb wahnſinnig funen immer lauter und keine Antwort. Zurück in das Haus, der Zug brauſt von dannen und der unglückliche Mann balnes

ddie Dienerin zu befragen; ſollte ſie nach dem oberen Stock⸗ ſtürzt leblos zu Boden. werk gegangen ſein? aber die Ausgangsthür ihres Zim⸗ Man hebt ihn auf und trägt ihn in den Saal. Keiner

mers iſt ja von innen verriegelt! Jetzt durchzittert ihn kann ſich das Räthſel erklären: der wohlbekannte Bürger dls a eine tödtliche Angſt; ſeine Augen ſchweifen im Zimmer um- in ſeiner Hochzeitsnacht durchnäßt, leblos, im Begriffe zu Kennte her. Nichts iſt verändert; da liegen Kranz und Schleier, fliehen! Er wird entkleidet, in wärmende Decken gehüllt hnieder welche die Tante ihr abgenommen. Aber dort auf dem und auf einer Bahre vorſichtig nach dem hochzeitlich ge⸗ ine gütige Schreibtiſche eine kleine Unordnung Diamantring, ſchmückten Sommerhauſe getragen. Einer, der vorausge⸗ ezitigt welchen er ihr an Stelle des verlorenen an den Finger ge⸗ V gangen, die junge Frau auf das Schreckniß vorzubereiten, vie ſie n ſteckt daneben ein Blatt, ihre Züge und die Schrift iſt erſtaunt, dieſelbe nirgends zu finden. Die Dienerin iſt wie jene

ſnooch feucht. in der Manſarde eingeſchlafen und weiß keine Auskunft zu Ich fliehe Sie, lieſt der Unglückliche,ehe ich Sie geben. Unterdeſſen bringt man den Kranken und legt ihn elend mache; denn ich liebe Sie nicht; fluchen Sie mir in das bereitſtehende Bett. Ein Blutſtrom quillt heftig

großer S ſchen Fa ſeine Kr.

nicht, ich kann, ich kann Ihnen nicht angehören. aus ſeinem Munde; die Aerzte der Stadt ſammeln ſich Als So überwältigend dieſe Entdeckung war, ſie raubte nach und nach; die treue Juſtine, Fräulein von Schwein⸗ ebeugt 5 F gebeug

unſerem Freunde die Beſonnenheit nicht, mit der raſchen Hellſicht der Liebe und der Verzweiflung erkennt er die

chen überblicken händeringend das Entſetzliche, ohne es deuten zu können.

Geliebte die räch

Lage der Dinge. Sie iſt nicht allein geflohen; er ahnt, Allmählich fängt ein Schimmer der Wahrheit zu däm⸗ zogen, ſ er kennt den Verführer. Die Abendzüge kreuzen ſich in mern an. Man will im Laufe des Nachmittags Herrn v. er nach dieſer Viertelſtunde auf dem gegenüber liegenden Bahnhofe, Hohenwart in den Straßen, ja in der Kirche bemerkt ein Got noch kann er den Räuber und ſeine Beute überholen. Aber haben; ſelbſt im abendlichen Dunkel des Bahnhofes tauchtSc . 7 H, 3 Lr.; 3 1 7 8 nicht auf dem Wege durch die Stadt, der Kahn muß ihn die Erinnerung an eine hohe, verhüllte Geſtalt wieder auf, weil das hinüber nach dem jenſeitigen Ufer tragen. Er ſtürzt dem welche der ſeinigen gleichen konnte. Man erfährt, daß die Fällen w Fluſſe zu der Kahn iſt in den wenigen Minuten ver⸗ Unterſuchung gegen ihn niedergeſchlagen, ſeine Dienſtent⸗ habe ſie ſchwunden, und der Mond, aus einer Wolke hervortretend, laſſung eingetroffen ſei, man hört von einem kleinen Erbe, ſieben e zeigt ihm jenſeits zwei landende Geſtalten. Ohne Wahl welches ihm durch den Tod eines Verwandten zugefallen. GS ſtürzt der Unglückliche in den Fluß, um ſchwimmend hin- Mit dem nächſten Morgenzuge eilten Fräulein von dA überzudringen. In feſten Kleidern iſt es ein harter Kampf Schweinchen in der einen, ein Freund Hollunder's in der der bi für den nicht ſicher Geübten, aber die Verzweiflung ſteigert entgegengeſetzten Richtung den Fliehenden nach. Tage, jetzt ſ ſeine Kraft, er erreicht das Ufer in dem Augenblicke, als Wochen vergingen; ſie kehrten wieder, ohne eine Spur ge⸗ machte der ſchrillende Pfiff ertönt und der Zug nach Norden funden zu haben, ſich traurig eingeſtehend, daß, wäre es und ar brauſt! Athemlos, keuchend ſtürzt er die Höhe hinan in ihnen gelungen, was hätte es dem Unglücklichen genützt? tüuben, der letzten Hoffnung, noch den ſüdlichen Zug zu erreichen; Dieſer lag während der Zeit in Entzündung und das Ra er betritt den Perron, das Signal iſt gegeben, zwei Wagen Fieber, phantaſirend, raſend an der letzten Grenze des dend un hat er in Todesangſt überblickt, noch ſteht eine lange Reihe Lebens. Tag und Nacht träumte er von Blut und Rache, bekannt chen entfaltet, wo in der Röhre Bratäpfel ziſchen; wie in den Literatur. vürtigen Garten des Paradieſes. Wenn das Vesperbrod vorüber iſt,. die al ..... 6 qo Fr. le all erzählt Mama ein Märchen, ehe die Lampe angezündet wird und gedichte von guſtan freitag. noch eins vor dem Abendbrod, wenn alle Schularbeiten beendet ſind. In Freitag'sJournaliſten iſt ein lyriſcher Dichter mit lichen Die Elfen und Nixen, die Salamander und Koboldchen, die ſehr glücklichem Humor als komiſche Figur unter dem Namen nach d kleinen freundlichen Wichtelmännchen und der große lange Haus⸗ Bellmaus gezeichnet, es wird den vielen Leſern vonSoll und delsie geiſt, der in der Rauchſäule wohnt, die da drüben kerzengerade aus Haben ſicher eben ſo neu als intereſſant ſein, daß Guſtav Freitag geſam Nachbars Schornſtein ſteigt, ſind alle den Kindern befreundet. ſeiner Zeit auch einmal lyriſcher Dichter, und nichts als ein Eps der Zwiebelkönig, der die Blätter der Nelken und Tulpen zu beſcheidener, harmloſer, aber ſehr liebenswürdiger und in ſeiner färben und auszuzacken hat, und der Engel, der aus ſilberheller Seele höchſt vergnügter lyriſcher Dichter war.In Breslau. Wolke mit leiſer Hand den Thau auf Blüthe und Blatt ſtreut, ſind Gedichte von Guſtav Freitag. B reslau, Urba n Kern. Dara ihnen ganz gleich lieb und theuer, obgleich der eine ſo häßlich, der 1845 war, ſo viel wir wiſſen, das erſte vollſtändige Werkchen, Bres andere ſo ſchön iſt. Was kann der arme Eps dafür, daß er einen das der jetzt ſo berühmte Schriftſteller, damals im Alter von Knollenfuß hat? Sie ſprechen von dieſen Geſchöpfen, als hät⸗ 29 Jahren, veröffentlicht hat. Wer über die literar⸗ und cultur⸗ ten ſie ſie mit leiblichen Augen geſehen, und geſehen haben ſie ſie geſchichtliche Bedeutung Freitag's ſich durch die Literaturgeſchichte auch zu tauſend Malen durch die roſenfarbene Brille der Phan⸗ von Julian Schmidt hat belehren laſſen, wird ihn hier im idylli⸗ taſie. Die Kinder fürchten ſich nicht vor Nix und Kobold, ob⸗ ſchen Breslauer Gemüthe ſicher nicht wieder erkennen, und wer in gleich ſie halb und halb an ihre Exiſtenz glauben, und das leiſe dieſen Anfängen den Gelegenheitsdichter zu Polterabendſcherzen Grauen, das ſie bisweilen beſchleicht, iſt gar keine unangenehme und Maskenaufzügen kennen lernt, wird unmöglich auf die ſo Empfindung, iſt nur ein Glück mehr im Raume der glucklichen eigenthümlich ausgeprägte und ſcharf prononcirte Perſönlichkeit Kindheit. ſchließen, durch die Freitag jetzt ein ſo bedeutendes Terrain unſers Es iſt merkwürdig und wohl bezeichnend für die ſchlichte Güte literariſchen Lebens beherrſcht. Es wird ſich aus letzter Zeit kaum deer deutſchen Herzen, daß in keinem deutſchen Märchen der Teufel ein anderer Dichter nennen laſſen, deſſen erſte Anfänge mit ſeinen triumphirt. All' ſeine Klugheit, ſein Witz, ſeine ganze Teufelei reiferen Werken ſo wenig Gemeinſames haben, als dieſe erſten mit helfen ihm nichts! er muß mit langer Naſe abziehen. Hans da⸗ Freitag's ſpätern Arbeiten, und gewiß kein anderer, der binnen zehn gegen mit dem Beinamen der Dumme, dieſe harmloſe freundliche Jahren mit ſo wenigen, ſeine ganze Kraft concentrirenden Werken D Figur des deutſchen Märchens, findet immer und überall ſein Glück, einen ſolchen Erfolg erreichte, als es Freitag durch ſeine Valentine, ſ N gerade durch ſeine gutmüthige Einfalt. ſeine Journaliſten und ſein Soll und Haben gelungen iſt. ban Die Gedichte ſind gewidmet Theodor Molinari, dem gegen⸗ gai Wiü