72 Novelſen⸗Zeitung.
Die entrüſtete Dame erklärte unverhohlen, daß, wenn ſie den Aberglauben gegen die ſchwarze Farbe bei feierlichen Gelegenheiten auch nicht theile, da die Frauen der geringe⸗ ren Stände ja meiſt und die Männer immer in ſchwarzem Anzug vor Altar und Taufſtein träten, ſie im gegenwär⸗ tigen Falle dieſe Wahl mindeſtens für taktlos halten müſſe.
„Laſſen Sie meine liebe Blanka nach ihrem Sinne ge⸗ währen, beſte Tante,“ fiel ihr der gute Hollunder ins Wort; „ihr Gefühl, nicht das unſere iſt es, das geſchont werden und entſcheiden muß.“
Blanka fühlte in dieſem Augenblicke die hingebende, vertrauende Liebe dieſes Mannes wie einen ſtechenden Schmerz; ſie erkannte, wie wenig ſie ihrer würdig war, wie ſehr er ein wärmeres, bereitwilligeres Gemüth verdiene; ſie hätte noch im letzten Augenblicke ihn vor einem ſchweren Irrthume, ſich ſelbſt vor einem ſchweren Betruge bewahren mögen: aber auch in dieſem letzten Augenblicke war ihre Empfindung verworren, ihr Wille ſchlaff; ſie bedurfte, wie die Mehrzahl der Frauen, zu großen Entſchlüſſen der An⸗ regung einer beherrſchenden Perſönlichkeit, und mit ihrer Mutter hatte ſie dieſe Autorität verloren. Stumm und willenlos ließ ſie ſich zum Wagen führen, den ſie mit ihrer Verwandtin theilte, der Bräutigam fuhr voran und empfing ſie an der Kirche.
Der Platz vor derſelben, ſo wie der innere Raum bis zum abgeſperrten Altar war gedrängt von Zuſchauern, die, ſo ſtill und unſcheinbar die Ceremonie ſteattfinden ſollte, ſich die Trauung des reichſten Bürgers mit dem ſchönſten Mädchen der Stadt nicht entgehen laſſen mochten. Der dunkle Anzug, die Todtenbläſſe, die ſteinerne Gleichgültig⸗ keit der Braut, der grelle Contraſt mit des Bräutigams ſeligem Lächeln machten den beängſtigendſten Eindruck. Blanka erhob den Blick nicht vom Boden; ſie unterſchied ſicherlich keines der ſie umdrängenden allbekannten Ge⸗ ſichter, und doch überfiel ſie unwillkührlich ein Schauder,
als ſie an einem im Schatten liegenden Pfeiler des ſchon tief dämmernden Kirchenſchiffs vorüberging und eine Ge⸗ ſtalt anſtreifend berührte, welche ſich dahinter verborgen hielt. Ihre Füße ſchwankten, ſie ſank halb bewußtlos auf ihren Stuhl im Angeſicht des Altars, während der Chor das Hochzeitslied anſtimmte. Phosphorus Hollunder's bindendes Wort ſchallte hell und freudig aus ſeinem Her⸗ zen; aber Blanka's Ja konnte Keiner vernehmen. Als der Prediger die Ringe wechſeln und den des Bräutigams an ihren Finger ſtecken wollte, zitterte ihre Hand ſo heftig, ſank ſo kraftlos an ihrer Seite hinab, daß der Ring zu Boden rollte. Hollunder faßte ſich ſchnell, indem er einen Diamantring vom Finger zog und gegen den verlorenen austauſchte. Aber es war nicht das beſtimmte Pfand der Treue; die Menge murmelte unglückahnend über das be⸗ denkliche Omen, das nur den glücklichen Bräutigam und die gleichgültige Braut nicht zu berühren ſchien.
Mit ſtolzer Freude führte Phosphorus Hollunder jetzt ſein angetrautes Weib, ſein Eigenthum vor Gott und der Welt, durch den faſt im Dunkel liegenden heiligen Raum. Als das Paar wieder in die Nähe jenes Pfeilers kam, drängte die Menge ſich ſo, daß es einen Augenblick ſtill halten mußte. Blanka's zitternde Aufregung mehrte ſich, ſie ſchlug einen Moment das Auge wie in Todesangſt in die Höhe; ihr Gatte fühlte, daß ſie elektriſch zuſammen⸗ zuckte und krampfhaft die rechte Hand, wie etwas bergend, zuſammenballte. Er mußte ſie beſinnungslos in den Wa⸗ gen heben. Die Tante folgte ihnen in dem zweiten. Allein mit dem Gegenſtande ſeiner höchſten Wonne in dem engge⸗ ſchloſſenen Raume, das ſchöne Weib faſt ohne Leben in ſei⸗ nen Armen haltend, vergaß der Glückliche ſeine bisherige Zurückhaltung. Er preßte ſie ſtürmiſch an ſeine Bruſt, bedeckte ihren Mund mit heißen, zärtlichen Küſſen, erweckte die Starre zu einem ſchaudernden Bewußtſein des Lebens.
Vor ihrem blumengeſchmückten, in Kerzenlicht ſtrahlen⸗ den Hauſe angekommen, floh ſie angſtvoll die Stufen nach
ders merkwürdig. Die Wolle des Schafs, Tigers, Fuchſes, Wolfs und anderer Thiere waren ſo gut dargeſtellt, daß man ſich verſucht fühlte, ſie mit der Hand anzutaſten, um ſich davon zu verſichern, ob es nicht wahre Thierfelle ſeien.“
Es iſt dabei zu bemerken, daß in jenen Gegenden die Kälte ſtreng iſt und ſehr lange dauert, denn ohne dieſen Umſtand möchte es jenen Künſtlern ſchlecht gelingen, wenn ſie Kunſtwerke in Butter
herzuſtellen verſuchen wollten. C.
Aus der Natur.
Die neueſten Reſuctate in Betreff des Aſuminiums.
Es iſt unſeren Leſern bekannt, daß das neue Metall Alu⸗ minium bisher nur darum noch nicht in der Induſtrie und im Han⸗ del die Bedeutung gewonnen, die ihm ſicherlich einſt zukommen wird, weil die Herſtellung deſſelben bisher immer noch zu koſtſpielig geweſen. Den beharrlichen Bemübungen der Herren Deville und Rouſſeau in Paris iſt es gelungen, die Koſten der Herſtellung des Aluminiums bedeutend zu vermindern. Sie haben in der Nähe von Paris eine Werkſtätte eingerichtet, in der Aluminium auf in⸗ duſtrielle Weiſe, durch gewöhnliche Arbeiter, ohne alle Ueber⸗ wachung von Chemikern producirt wird. Es wird in dieſer Fabrik das Aluminium auf drei Arten bereitet, indem man entweder ſchwefelſaures mit Aluminium verbundenes Ammoniak in ſoge⸗ nannten Reverbère⸗Oefen zerſetzt oder das bei der Porzellan⸗ Fabrication ſich bildende Kaolin anwendet oder aus dem Thon von Dreux Chlor⸗Aluminium bereitet. Die Bereitung des Chlor⸗
wirft es mit der Schaufel in den Reverbere⸗Ofen.
Aluminiums iſt erſt nach vielen vergeblichen Verſuchen gelungen; man hat darauf verzichten müſſen, es in einfachem Zuſtande zu er⸗
halten, weil es die Eigenſchaft hat, unter dem Einfluß eines Ab⸗
kühlungsmittels aus dem gasförmigen Zuſtande unmittelbar in den feſten Zuſtand überzugehen. Nur wenn man dieſen Thon mit Seeſalz verſetzt und dieſes Gemiſch mit Kohle einer hohen Tem⸗ peratur ausſetzt, erbält man eine Miſchung von Chlor⸗Sodium und Chlor⸗Aluminium, die durch Abkühlung flüſſig wird.
Auf dieſe Miſchung muß man dann das Sodium wirken laffen. Aber um ein Kilogramm Aluminium zu gewinnen, braucht man drei Kilogramm Sodium. Bei dem von den Herren Gay⸗ Luſſac und Thénard angewendeten Verfahren iſt das Kilogramm Sodium auf 7000 Francs zu ſtehen gekommen; es waren dazu
Recipienten von bedeutender Widerſtandsfähigkeit erforderlich.
Gegenwärtig ſind, in Folge der Arbeiten des Herrn Deville in Bezug auf das Sodium, die Productionskoſten deſſelben unge⸗ heuer verringert, ſo daß das Kilogramm Sodium nur auf 7 Francs zu ſtehen kommt.
Um das Sodium auf die Miſchung von Chlor⸗Sodium und Chlor⸗Aluminium wirken zu laſſen, vermengt man beides und 1 Sobald die Ofenthür geſchloſſen iſt, beginnt die Wirkung; man hört ein be⸗ deutendes Kniſtern; es dauert nicht lange, ſo ſcheiden ſich das Chlor und das Aluminium ab, und das letztere ſchlägt ſich nieder, zwar nicht vollſtändig rein, aber doch in einem ſolchen Zuſtande, daß man es nur noch einer äußerlichen Waſchung zununterwerfen hat, um es vollkommen zu reinigen.
Herr Dumas, welcher der Akademie der Wiſſenſchaften über dieſe glücklichen Ergebniſſe Bericht erſtattet und ein Stück des in
[III. Jahrg.
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