für ſtärker gehalten, Blanka, als Du biſt. Faſſe Dich jetzt und laß uns mit einander prüfen und entſcheiden.“
IV.
Ein ſchmerzliches Verhängniß ſchnitt dieſe Prüfungen plötzlich ab, noch ehe ſelbſt die vortreffliche Mutter ſich völlig klar darüber geworden war, daß wohl ein feſter männlicher Charakter, nimmermehr aber, allen Vernunft⸗ gründen zum Trotz, eine unentwickelte, wenn auch gütige Natur in einem Frauenherzen den Kampf gegen jugend⸗ liches Verlangen, gegen Reiz der Sinne und der Phan⸗ taſie, ja ſelbſt gegen Schwäche und Vorurtheil beſtehen könne. Frau von Horneck erkrankte an dieſem nämlichen Abend, ein Schlagfluß überfiel ſie, der ſich in den nächſten Tagen wiederholte, Sprache und Beſinnung lähmte und ihrem gütigen Leben ſchnell ein Ende machte. Es war, als ob die bis dahin ſo kräftige Frau dieſes Schickſal vor⸗ ausgefühlt und in mütterlicher Angſt geſtrebt hätte, ihr ſchutzloſes Kind in treuen Händen zu bergen. Blanka's Zuſtand war unbeſchreiblich; der erſte, der tiefſte Schlag traf ſie gleichſam aus heiterer Luft, er traf ſie faſſungslos, alle Gefühle erſchütternd. Stumm lag ſie bis zum letzten vernichtenden Act über der todten Geſtalt; ſtumpf, betäubt ſtarrte ſie wochenlang in die Leere.
ſtille Trauer, ſeine anſpruchsloſe Berückſichtigung ihres Schmerzes bemerkte ſie kaum. Fräulein von Schweinchen, die Couſine ihrer Mutter, ſiedelte nach der Wohnung des verwaiſten Mädchens über, doch war die arme Dame zu ſehr durch ihre täglichen Erwerbspflichten in Anſpruch ge⸗ nommen, um ſich dem unglücklichen Kinde ſo viel widmen zu können, als ihm Noth gethan hätte. Der Verkehr mit Bekannten, ja deren Anblick war Blanka zuwider; ſie ver⸗ harrte in dumpfem Brüten über ihren Verluſt; alle Be— deutung, aller Werth des Lebens ſchien ihr mit einem ein⸗
Noveſſen⸗Zeitung.
Sie ſchien für ihre eignen Verhältniſſe alle Erinnerung verloren zu haben, die Zukunft war ihr gleichgültig; ihres Verlobten treue,
zigen Schlage vernichtet, und ſo dachte ſie auch nicht daran, der Mutter letzte Warnung zu beachten, ihr neu eingegange⸗ nes Verhältniß zu prüfen und vielleicht zu ändern. Sie dachte an nichts, an Niemand, als die Todte; man hätte ſie ins Kloſter führen, ſie lebendig begraben können, im Egois⸗ mus ihres Schmerzes würde ſie willenlos gefolgt ſein. Streifte aber ja von Zeit zu Zeit ein mahnendes Bewußt⸗ werden der Zukunft und ihrer Pflichten durch ihre Seele, ſo blieb daſſelbe doch unentwickelt unter dem erdrückenden Gefühl ihrer einſamen, hülfloſen Lage. Wie hätte ſie ſich die Kraft eines großen Entſchluſſes, die Kraft zu unge⸗ wohnter, ſtrenger Arbeit zutrauen ſollen? Was verſtand ſie, was vermochte ſie zu ſchaffen, zu erwerben? So lebte ſie denn nun von Tage zu Tage, ohne die Zukunft feſt ins Auge zu faſſen und in einer oder der andern Weiſe ſich ihr gerecht zu machen.
Die Wochen ſchwanden, der Frühling kam. Die Tante ſtellte ihr eines Nachmittags vor, daß eine baldige Verbin⸗ dung mit ihrem Bräutigam in ihrer äußeren wie inneren
Lage das Gebotenſte ſcheine. Hollunder trat während die⸗
ſer Unterredung ein; er drängte nicht, aber er bat. Die innige Liebe ſeiner Braut zu ihrer ſeligen Mutter war ein Reiz mehr in ſeinen Augen, ein Bürge mehr ſeines eigenen einſtigen Glücks. In dieſem gütigen Herzen war kein Moment der Ungeduld, beleidigter Eigenliebe. Ob Blanka dieſe Größe verſtand? ob ſie dieſelbe nur ahnte? Viel⸗ leicht, daß leidenſchaftlichere, egoiſtiſchere Regungen ſie auf⸗ gerüttelt, ſie dem Manne näher gebracht hätten, dem ſie jetzt ohne Widerſpruch, ohne Furcht, wie ohne Hoffnung verſprach, ſich binnen wenigen Wochen für das Leben zu verbinden.
Fräulein von Schweinchen war für den Abend außer dem Hauſe verſprochen und entfernte ſich daher bald mit dem Bräutigam, der ſich mit Entzücken dem Ziele ſeiner Wünſche ſo nahe ſah. Blanka blieb allein. Für den Jo⸗ hannistag war ihre Hochzeit feſtgeſetzt, jetzt hatten wir die
Feuilleton.
—de
Genrebilder.
Ein amerikaniſches Sonntagsvergnügen.
Ferdinand Kürn berger liefert in ſeinem Romane„der Amerika⸗Müden, den wir früher bereits Gelegenheit hatten unſern Leſern zu empfeblen, viele intereſſante culturhiſtoriſche Bilder aus der neuen Welt. Eine beſonders anſchauliche Schil⸗ derung iſt die nachfolgende Beſchreibung eines Feuers in New⸗York. Der Held des Romans, Moorfeld, hat eben mit ungläubiger Miene erfahren, daß die jungen Herren von der Löſchcompagnie, um ſich des Sonntags die Zeit zu vertreiben, zuweilen ſelbſt Feuer anlegen, welches ſie ſich dann bemühen mit großer Bravour zu bekämpfen.
In dieſem Augenblicke erdröhnten dumpfe Glockenſchläge, die ſich zwar von dem monotonen Getön des ſogenannten Kirchenge⸗ läutes nicht unterſchieden, die jedoch Feuerſignale waren. Moor⸗ feld ging die Straße hinaus und fand am Kai ſchon die erſten Anfänge eines Zuſammenlaufs.„Rooſeveltſtreet in der vierten Ward!“ riefen die Begegnenden einander zu. Auf Erkundigung hörte Moorfeld, daß der genannte Bezirk am Oſtfluſſe liege, alſo gerade auf der entgegengeſetzten Seite der Stadt. Vergebens ſah
er ſich rings nach einem Omnibus um, kein Fuhrwerk war irgendwo zu ſehen und zu hören. Er merkte, daß auch hier der Sonntag im Spiele ſei und daß ihm als Fremden nur übrig bleibe, auf gut Glück der Richtung derjenigen zu folgen, welche denſelben Weg einzuſchlagen ſchienen. Das that er.
Die Menge des Straßenpublicums mehrte ſich mit jedem Schritt. Der hochgeputzte Neger in weißen Handſchuhen und Man⸗ ſchetten, das zarte Phantaſieſtäbchen balancirend, an ſeinem Arme die ſchwarze Schöne, die im weißen Kleide mit Roſaſchleifen ihren äthiopiſchen Teint vortheilhaft, wie ſie meint, zu heben weiß, der kurze Dandy⸗Frack, die ſtrahlende Uniform, die ſchwere Sammt⸗ robe, der wallende Federhut— das Alles eilte auf einen Schau⸗ platz vorausſichtlicher Unreinlichkeit mit größtem Eifer. Dazu malte ſich auf allen Mienen, ſelbſt der eleganteſten Herren und Damen, eine gewiſſe Freudigkeit, ja ſchon der Umſtand, daß ſie aus ſo weiter Ferne zu einem ſo alltäglichen Ereigniß zuſammen⸗ ſtrömten, war bedeutungsvoll. Kurz, Moorfeld konnte unver⸗ hohlen wahrnehmen, daß die Leute die Zwangsjacke ihrer Sonn⸗ tagsfeier begierig lüfteten, daß ihnen der Brand ein wahres Volks⸗ feſt ſei, und daß Jack's Vermuthung ohne Zweifel ihre ſitten⸗
kundige Gültigkeit habe.
(III. Jahrg.
R 5.
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