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IIl.
Am Neujahrsabend war Reſſourcenball; Herr Hollun⸗ der, als Vorſteher, der Erſte auf dem Platze; in ſeidenen Strümpfen, Schuhen, Chapeau claque, Binde und Weſte von weißem Atlas, muſtert er die Schleifen und Orden, Bouquets und niedlichen Geſchenke, mit welchen er eigen⸗ händig einen hohen Weihnachtsbaum ausgeſchmückt hat
und die beim Cotillon nach Gunſt vertheilt werden ſollen. Seele wie ſonſt
Aber Herr Hollunder iſt nicht mit ganzer? bei ſeiner geſellſchaftlichen Pflicht; er fühlt ſich befangen, und während er mit Anmuth und Würde
heftet ſich von Zeit zu Zeit faſt krampfhaft nach der Thür, durch welche die Geliebte eintreten ſoll. Trägt ſie den Blumenſtrauß, den er heute Morgen in ſeinen Treibhäuſern für ſie gepflückt, ihn würdig einer Kbniastochte und ſinn⸗ voll wie einen Selam angeordnet und ihr nebſt einer Neu⸗ jahrskarte an die verehrte Mutter überſendet hat, er will es für ein begünſtigendes Zeichen halten. Der Saal iſt gefüllt. Aſſur von Hohenwart lehnt mit gekreuzten Armen nachläſſig in der Thür des Speiſeſaales, Phosphorus Hollunder ſchwebt angſtvoll geſpannt und doch gefällig im Saale auf und nieder— ſiehe, da tritt die Erſehnte an der Seite der ſtattlichen Mutter in den Saal, und er hat Mühe, einen Schrei freudiger Ueberraſchung zurückzu⸗ drängen, denn zu einem einfach weißen, duftigen Anzuge trägt die Holde den vollen weißen Camelienzweig in ihrem Haar, den er als Krone in ſeinen Strauß gebunden. Sie ſah bläſſer aus, als gewöhnlich, das große Auge war um⸗ flort und ruhte viel am Boden, aber ſie erſchien nicht nur unſerem Freunde von zauberhafter Lieblichkeit, auch Herr von Hohenwart, der ſie zum erſten Male bei Abend und in geſchloſſenem Raume ſah, dieſer Kenner der Frauenſchön⸗ heit, betrachtete das reizende Mädchen mit Entzücken. Herr Hollunder ſtürzte augenblicklich auf Frau von
Noneſken⸗Beitung.
die erſten ein- tretenden Damen begrüßt, ſchlägt ſein Herz, und ſein Blick
[III. Jahrg. (Horneck zu, ihr die Hand zur eröffnenden Polonaiſe bie⸗ tend, gab mit ſeinem weißſeidenen Taſchentuche der Muſik das Signal und voran ſchritt er der ungeheuren tanzenden Schlange mit dem Stolze eines Triumphators. Als ge⸗ wiſſenhafter Vorſteher hatte er die Muſik zu den Tänzen ſelber ausgewählt, und war jetzt die Polonaiſe auf die Melodie:„Kennſt Du der Liebe Qualen?“ auch nicht eben ganz neu, ſo entſprach ſie doch juſt des ſinnigen Ord⸗ ners Gefühlen, der es nicht unterlaſſen konnte, durch einige kunſtvoll verſchlungene Touren die tanzenden Paare zu vermiſchen. Eben als das Tempo bei der Strophe„Und doch, o Mädchen, lieb' ich Dich“ ſich lebhafter zu bewegen⸗ begann, reichte er Blanka zu einer zierlichen Verſchlingung die Hand; ſein Auge ſtrahlte den Text zu der Muſik, er wagte einen leiſen Händedruck und ſchlüpfte dunkelerröthend behende der nächſten Dame zu. Wer vermöchte die Wonne des guten Menſchen zu heſchreiben 2 Und als ſie nun beim erſten Walzer mit verlegenem Lächeln, das er für holde Schüchternheit nahm, ihm für ſeine köſtliche Blumengabe dankte, als er ſie bebend in ſeinen Armen hielt, da, da— o Du überſeliger Hollunder!
Auch Herr von Hohenwart, der bisher nicht getanzt hatte, führte ſpäter Blanka auf ihren Platz zurück. Ihr Athem wogte, die Wangen glühten, Augen und Lippen glänzten; ſo vogelleicht war ſie noch nie in eines Tänzers Arme durch den Saal geglitten. Sie hatte den Blick nicht erhoben und doch gefühlt, daß alle Augen auf dem unvergleichlichen Paare ruhten. Ihr Tänzer fragte ſie jetzt, ob ſie den eben beginnenden Cotillon noch für ihn frei habe? Sie mußte ablehnen.
„Die Luſt zum Tanzen kommt Ihnen ſpät, Hohenwart,“ ſagte ſie.
„Sie hatten keinen früheren Tanz für mich, Gnädigſte, und ich tanze nicht, um zu tanzen, er, indem ſein dunkles Auge das ihre ſuchte. ſich erröthen und fragte gezwungen lächelnd:
Herr von
meine “entgegnete Sie fühlte
Anfang des Kriegs beſtändig auf den? Vorpoſten, kümmerte er ſich um ſeine Pflichten und nicht um Iatlianen und war geach tet und geſchätzt; er ſah in der Regel alle Ereigniſſe ſchwarz. Sein Alter und ſeine Stellung in der Geſellſchaft hatten ihn ſehr raſch vom
Oberſtlieutenant bis zum D Diviſionsgeneral befördert.
„Laharpe hatte im Regiment Aaquitanien als tenant gedient. Er war ein prächtiger Soldat, Verſtand und faſt eben ſo wenig Muth; er war ein Schweizer aus der Waadt und ein Vetter des berühmten Laharpe, des Lehrers des Kaiſers Alexander. Bei irgend einem revolutionairen Unterneh⸗ men compromittirt und in Folge d deſien in ſeiner Heimath zum Tode verurtheilt, war er in unſere Dienſte übergetreten; er fiel gleich im Anfang des Feldzugs.
„Berthier endlich Chef des Generalſtabs— war 43 Jahre alt. Das ſchnelle Avancement, welches er vor der Revo⸗ lution im Generalſtab gemacht, der amerikaniſche Krieg, in wel⸗ chem er mit Auszeichnung gefochten, und ſein Alter hatten ihm einen großen Ruf verſchafft. Berthier war von ſehr ſtarker Con⸗ ſtitution und bewundernswürdig thätig; er konnte den Tag zu Pferd und die Nacht bei der Arbeit zubringen; er beſaß eine große Uebung in der Combinirung der Truppenbewegungen und in der Behandlung der Dienſtesdetails. Sehr brav von Perſon, aber ohne allen Geiſt, Charakter und die zum Commando erforderlichen Eigenſchaften, war er ein trefflicher Generalſtabschef neben einem guten O General.“
Das war die Armee, das waren d poleon ſeinen Siegeslauf begann.
Oberſtlieu⸗
ie Männer, mit denen Na⸗
aber Wraß wenig
Zur Literaturgeſchichte. Jean Paul in Schwarzöurg.
Es iſt gewiß ein ſchöner Zug deutſcher Pietät⸗ daß man von allen Seiten bemüht iſt, auch das Hleinſer Scherflein der früheren geiſtigen Thätigkeit unſerer Heroen der Literatur an das Licht der
Oeffentlichkeit zu befördern und vadurch der Vergeſſenheit zu ent⸗ ziehen. In dieſem Sinne glauben auch wir etwas Dankenswerthes zu thun, wenn wir hier unſeren Leſern eine tleim Reliquie von Jean Paul's Muſe mittheilen, welche wir durch die Güte eines kunſtſinnigen Verehrers dieſes großen Dichters zu empfangen das Glück hatten.—
Als nämlich Jean Paul im Jahre 1799 nach Rudolſtadt kam, hatte ſich derſelbe der freundlichſten Aufnahme von Seiten unſeres hochſeligen Fürſten Ludwig Friedrich zu erfreuen, und dieſer unvergeß liche Regent, der für alles höhere geiſtige? Leben ein ſo leb— haftes Intereſſe hegte und dem, einem Jeden der ſich ihm näherte etwas Liebes zu erweiſen, gewiſſermaßen ein Bedürfniß war, lud
daher auch den gefeierten Dichter auf das reizende Schloß ßSchwarz⸗ burg zu Gaſte ein, um ihm dort als Beweis ſeiner Verehrung einen möglichſt angenehmen Tag zu bereiten.
Bei dieſer Gelegenheit nun ſchrieb J Jean Paul in das auf dem dortigen Schloſſe befindliche Gedenkbuch eigenhändig folgende Zeilen ein, welche ein eben ſo Alänz ender Beleg für den immer ori⸗
ginellen Geiſt des berühmten D Dichters ſind, wie dafür, daß er den edlen Sinn des liebevollen F Fürſten vollkommen zu würdigen wußte: „Die Ströme ſuchen die Tiefe. Der unſersL Lebens ſucht
die Höhe und unſere Wellen fließen hinauf. Der Berg erhebt
das Auge und das Herz zugleich und jede Höhe iſt ein Thabor,
„Aber was Tanz?“ „Was im! loment der S „Langeweil ſriſchen, der d ſaitrat, um B Denn auch fiß dalle her ver Frone der T. ſine Dirigen „Langeww ch Sie von empfunden.“ „Pillen, ſchäftigung, wendet, Aber gllu
llödet nſ nic rini hn rüczur 1ühn, Dnn ſe 3 mn zweiten Ennfindti hke eklgung ein g 9. Kagenblicke„ „S deben ſrer, mein Frä ingen lachend, Kenſchen z bel ti närriſcher K Bla 1un lanka zitter Schan, ufnnung. Wie ſchönſt en dohenwarhi
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