Jahrgang 
01-26 (1857)
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geringer, mit Gewiſſenhaftigkeit und Kenntniß die Kräfte der Natur zu verwenden, um der größten Plage unter uns armen Menſchen, der Krankheit, entgegenzuwirken, als den Acker zu bebauen, Korn und Wolle zu verkaufen und auf dieſe Weiſe die erſten Lebensbedürfniſſe zu befriedigen? Uebrigens iſt Herr Hollunder ein ſo vermögender Mann, daß alle dieſe Bedenken dagegen verſchwinden.

Ich verſtehe Dich nicht mehr, beſte Mutter, wendete Blanka ein,jetzt preiſeſt Du den Reichthum, und wie oft haſt Du mir das Verächtliche einer Speculationsheirath vorgehalten!

Ich thue es noch, mein Kind, wenn eine Heirath nur Speculation, wenn es nur der äußere Glanz iſt, welchen ein Mädchen in der Ehe ſucht. Bei einem Manne von Hollunder's Charakter wird aber der Reichthum zu einem beglückenden Segen. Ich weiß, daß es einer zufriedenen, einer gebildeten Frau, daß es auch Dir gleichgültig ſein würde, ein baumwollenes Kleid ſtatt eines ſeidenen zu tragen, ein einfaches Mahl von Fayence ſtatt ausgewählter Gerichte von koſtbarem Geräth zu genießen, wenngleich in dem ſich ausbreitenden Luxus unſerer Zeit auch in dieſen Unweſentlichkeiten eine bedenkliche Verſuchung ſelbſt für die Vernünftigeren liegt. Unter allen Umſtänden aber iſt es ſchwer, den Biſſen zu berechnen, mit welchem ich den Gaſtfreund bewirthen, den Groſchen, welchen ich dem Hülfe⸗ ſuchenden reichen möchte, meine wärmſten Gefühle immer unter Controle zu halten. Bei Deiner erregbaren Natur i*ſt das doppelt ſchwer, Blanka; ich fürchte, daß viel von Deines Vaters Weſen in Dir liegt, mein armes Kind.

Du fürchteſt es, liebe Mutter? fragte Blanka erſtaunt, denn ſie war gewohnt, den frühverſtorbenen Vater mit uneingeſchränkter Hingebung zu verehren,war mein Vater nicht edel und gut, liebteſt Du ihn nicht, meine Mutter?

Er war ein gütiger Mann und ich liebte ihn, Blanka, und doch habe ich viel mit ihm und durch ihn gelitten, denn

Noyellen⸗Zeitung.

(III. Jahrg.

ſein Temperament und Schickſal lagen in fortwährendem Kampfe, ohne daß eines mächtig genug geweſen wäre, das andere vollſtändig zu bewältigen. Ich will Dir das mit der Zeit deutlicher bezeichnen, liebes Kind; heute laß mich Dir nur noch ſagen, wie glücklich ich ſein würde, Dich ähnlichen Conflicten entzogen und in einem Boden wurzeln zu ſehen, in welchem Deine guten Neigungen ſich ungehin⸗ dert entwickeln können, ohne ſich in Klippen zu verwandeln,

an welchen ein Lebensſchiff nur allzuoft ſcheitert.

Blanka faßte der Mutter Hand, ſie wurde immer tiefer von deren Ernſte ergriffen. Frau von Horneck fuhr fort:

Liebe Tochter, Du haſt in der beſcheidenen, aber ge⸗ ſicherten Einrichtung, welche mir mein Jahrgeld geſtattet, wohl Beſchränkung, aber keine Noth, keine Sorgen kennen lernen; ſchließe ich die Augen, bleibſt Du arm und einſam zurück, ohne eine Familie, in welche Du Dich ſchicklich ein reihen könnteſt.

O, ſprich nicht von dieſem undenkbaren Augenblicke, Mutter! rief das junge Mädchen mit überſtrömenden

Augen;Du kannſt, Du darffſt nicht ſterben! wie ſollte

ſchnitten ſein wird.

ich leben ohne Dich?

Sprechen wir heute von dieſer vielleicht naheliegenden Zeit, liebe Tochter; mein kräftiges Ausſehen täuſche Dich nicht, ich habe Urſache zu fürchten, daß mein Leben, wie es häufig in meiner Familie geſchah, einmal raſch abge⸗ Was dann mit Dir, mein armes

Kind? Eine günſtige Heirath für ein unvermögendes

Maädchen der mittleren und höheren Stände iſt heutzutage

ein großes Loos. Beamtete und Militairs gelangen erſt ſpät zu einer Selbſtſtändigkeit, die ihnen ein eigenes Fami⸗ lienleben geſtattet. Die Verdoppelung der Preiſe alles Lebensunterhaltes bei den nicht gleichmäßig fortgeſchritte⸗ nen Beſoldungen macht ſich in dieſen Ständen am tiefſten fühlbar, ſie können ſelten der Verarmung ihrer Familien nach ihrem Tode vorbeugen; die Mehrzahl der jungen Mädchen in Deiner Lage muß daher darauf gefaßt ſein,

Beſchluß nimmt dann noch Jeder in einer mächtigen, mit heißem Waſſer gefüllten Bütte, die zum gemeinſamen Gebrauche dient, eine letzte Abbrühung vor. Es bedienen ſich in dieſer Bütte viele Badende hintereinander deſſelben Waſſers, ſo wie auch daſſelbe Badegemach für Alle dient, ſo daß man Alt und Jung, Männer, Weiber, Mädchen und Kinder in wunderlichſter Miſchung durch⸗ einander krabbeln ſieht.

Aus der Geſchichte. Die Memoiren des Herzogs von Raguſa.

Die franzöſiſche Literatur iſt beſonders reich an intereſſan⸗ ten hiſtoriſchen Memoiren; die ſo eben in Paris(Leipzig, Alphons Dürr) erſcheinenden Mémoires du Duc de Raguse de 1792 à 1832 geben einen neuen Beweis davon.

Marmont, Herzog von Raguſa, Marſchall von Frankreich, geb. am 20. Juli 1774 in Chalons ſur Soone, war einer der Män⸗ ner, die Napoleon am nächſten ſtanden, man kann daher mit Recht in ſeinen Memoiren manche neue Aufſchlüſſe erwarten.

Schon im Jahr 1828 waren dieſe Memoiren fertig und wurden im Schloß Malatetzka beim Fürſten Palffy hinterlegt. Ich habe die Abſicht, ſo erklärt der Marſchall in den Memoiren, niederzuſchreiben, was ich gethan, was ich geſehen und was ich in der Lage war beſſer zu wiſſen als ein anderer, und ich werde dieſe Schranken, welche die Vernunft andeutete und welche ich mir ſelbſt gezogen, nicht überſchreiten. Er hat, Alles in Allem, Wort gehalten. Ganzen trocken.

ſich wenig um die

b 1 trefflich, und die Art und Der Stil hat gerade keinen großen Reiz, er iſt im Aber wir möchten behaupten, daß auf dem der gut.

Schatten dieſer faſt reizloſen Darſtellung die Figur des großen Mannes, der den Mittelpunkt der erſten Bände bildet, ſich nur um ſo deutlicher abhebt. Mit richtigem Takt hat der Autor as ver⸗ mieden, ſeine eigene Perſon in den Vordergrund zu ſchieben, überall tritt uns, obſchon es an harten und ſchonungsloſen Urtheilen nicht fehlt, das redliche Streben entgegen, die Wahrheit, nur die Wahr⸗ heit und nichts als die Wahrheit zu ſchreiben.

Als Probe ſeiner charakteriſtiſchen, oft ſcharfen Darſtellungs⸗ weiſe geben wir nachfolgend einige ſeiner Urtheile über die Ge⸗ neräle der italieniſchen Armee.

Maſſena, damals 38 Jahre alt, ſtand in der vollen Kraft ſeines Alters. Er war Soldat in dem Regiment Royal⸗Italien geweſen und hatte, nachdem er vierzehn Jahre gedient, ohne es weiter bringen zu können, als bis zum Grad eines adjudant-sous- officier, ſeinen Abſchied genommen und ſich in Antibes verhei⸗ rathet. Die Bildung der Freiwilligen⸗Bataillons weckte ſeine kriegeriſchen Neigungen wieder. Er war anfangs Adjudant⸗ Major in dem dritten Var⸗Bataillon geweſen und machte, nach⸗ dem er ſich in der italieniſchen Armee ausgezeichnet, ein reißend ſchnelles Avancement; im Jahre 1793 wurde er Brigade⸗, im Jahre 1794 Diviſionsgeneral. In ſeinem eiſernen Körper wohnte eine Feuerſeele; ſein Blick war durchbohrend, ſeine Thätigkeit außerordentlich; es gab keinen Tapferern als ihn. Er kümmerte ch wen Disciplin ſeiner Truppen und um deren Be⸗ dürfniſſe; bevor es zum Schlagen kam, waren ſeine Anſtalten ſehr mittelmäßig; aber ſobald das Gefecht entbrannt war, war er vor⸗ Weiſe, wie er ſeine Truppen in der Action verwandte, machte auf der Stelle alle früheren Fehler wie⸗

Seine Bildung war nur gering, aber er beſaß Mutter⸗

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