Jahrgang 
01-26 (1857)
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Jahrg.

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Nr. 4.]

Mitte hält und dem er ſich leider mit zu geringem Ernſte hingibt. So verfällt er in kleine, eitle Spielereien, in einen allerdings mitunter läppiſchen Dilettantismus, wo junge Edelleute, welche beſonders im Militairſtande ſich häufig in ähnlicher Lage befinden ihre Kräfte nicht genügend verwenden zu können, einem maßloſen Sinnengenuſſe fröh⸗ nen. Scheint es Dir nun verzeihlicher, zu ſpielen, zu trinken, Sitte und Tugend zum Zeitvertreibe Preis zu geben, als im unbeſtimmten Drange nach dem Höheren in Gebieten umherzuſchweifen, für welche uns die Kraft eines ausgeſprochenen Talentes gebricht? das gefährlichſte Vorurtheil bei unſerer Schätzung der

Es iſt das ttiefſte,

Menſchen, eine Irrung des Geſchmacks höher anzuſchlagen,

als einen Fehler des Herzens, die Lächerlichkeit höher, als das Laſter. Menſchen wie Hollunder werden ſich in einem nützlichen, würdigen Berufe ſchnell zurecht finden, ſobald eine ernſte Erfahrung, eine bedeutende Pflicht, ein großer Schmerz gleich einer Taufe des Geiſtes über ſie kommen,

wie an einem Bildwerke von Holz oder Stein die edle

künſtleriſche Geſtalt erſt dann rein an den Tag tritt, wenn ein Negenguß die Farbe abſpült, mit welchem ein kindiſcher Geſchmack daſſelbe überzogen, um ihm ein lebhafteres An⸗ ſehn zu geben. Auch die Ehe iſt ein ſolches klärendes Bad. Eine geliebte, verſtändige Frau bringt einen Mann wie Hollunder bald auf die richtige Bahn und macht ihn zu dem, wofür die Natur ihn beſtimmte. Der Uebergang

mag peinlich ſein, mein gutes Kind, ich gebe es zu, aber

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der Erfolg iſt gewiß und der Lohn unermeßlich.

Ich bin nicht erfahren genug, entgegnete Blanka, -um mit Dir über dieſe Wahrheit zu rechten, wenn⸗ gleich meine ganze Natur ſich dagegen ſträubt. Iſt es mir doch niemals in den Sinn gekommen, daß Du ein ſolches

Loos für mich wünſchen könnteſt. Phosphorus Hollunder!

ſchon dieſer lächerliche Name und ein Apotheker! Iſt die Schule unſeres Lebens danach geweſen, um Vorurtheile darin aufwachſen zu laſſen, Blanka? fragte

Dritte folge.

die Mutter. lächerlich?

Man denkt ja an ein Tranſpirationsmittel voll⸗ ends bei einem Apotheker, antwortete dieſe, ein Kichern nicht unterdrückend.

Keine Poſſen, liebes Herz! Setze ein Adelszeichen vor den Namen und Du wirſt ihn ehrwürdig und vor⸗ nehm finden ſo gut wie Ochs, Bär, Kalb, Gans, Riedeſel und hundert andere, mit denen ſich ein ähnlich lächerlicher Vergleich verbinden ließe. Hat mein eigner Familien⸗ namevon Schweinchen Dir jemals Anſtoß erregt und können drei kleine Buchſtaben Dich alſo verblenden? Phos⸗ phorus von Hollunder würde Dir ſehr gefällig klingen, nicht wahr, kleine Thörin?

Blanka ſchüttelte den Kopf in einer Stimmung, welche zwiſchen Weinen und Lachen die Mitte hielt.

Einen Mann Phosphorus zu nennen! meinte ſie.

So nenne ihn Ernſt; ſeine Mutter hat ihm dieſen zweiten Namen beigefügt, vielleicht weil ſie Deine Ver⸗ legenheit vorausgefühlt, für deren Art, Gottlob, immer ſchnell eine Abhülfe bei der Hand iſt. Aber ich weiß recht wohl, Kind, daß dieſer Einwand nur ein Vorwand iſt. Der Name widerſteht Dir nur, weil er Dich an das bür⸗ gerliche Gewerbe erinnert. Das Gewerbe kränkt Deinen Stolz. Aber worauf biſt Du ſtolz, Blanka? Weißt Du etwas mehr von Deinen Vorfahren, als Herr Hollunder von den ſeinigen? daß ſie nämlich brave, ehrenhafte Leute geweſen ſind, hier in einer bürgerlichen, dort in kleinen militairiſchen und Beamtenſtellungen; ihr beiderſeitiger Bildungsſtandpunkt wird nicht weſentlich' von einander abgewichen ſein. Nur wo der Adel in geſichertem Grund⸗ beſitz noch eine unerſchütterte Unterlage hat, auf welcher ſeine ganze Erſcheinung fußt, iſt ein Standesunterſchied allenfalls etwas mehr als ein läppiſches Vorurtheil. Und der Apotheker? Du würdeſt ſchwerlich gegen einen Land⸗ wirth etwas einzuwenden haben, warum ſcheint es Dir nun

Warum ſcheint der Name Hollunder Dir

theilweiſe aus Steinen erbaut ſind, auch Ziegeldächer haben, wäh⸗ rend die Wohnhäuſer meiſt nur mit Stroh gedeckt ſind. Thüren und Fenſter nach unſeren Begriffen, und wie man ſie ſelbſt in China hat, exiſtiren hier nicht, und eben ſo ſind auch die Scheide⸗ wände von ganz anderer Conſtxuction. Alle dieſe ſind aus Schie⸗ bern gemacht, desgleichen Thülen und Fenſter, die oben und unten in einem Falze laufend nach Belieben rechts oder links geſchoben werden können, ſo daß man, alle Scheidewände zur Seite rückend, mehrere Gemächer in eins vereinigen, ja ſogar die ganze äußere Welts des Hauſes beliebig öffnen oder ſchließen kann. Für die Außenſeiten der Wände ſind dieſe Schieber von dünnem Holzwerk gefertigt, hier und da mit Papier bezogen, das hier die Stelle des bei uns üblichen Glaſes vertritt; in der Nacht oder bei kalter Wit⸗ terung wird noch eine zweite Schicht ſolcher Schieber, aus ſtärke⸗ ren Planken beſtehend, darüber angebracht. Des Abends werden die Zimmer mit großen Laternen beleuchtet, die aus leichten Holz⸗ rahmen mit geöltem Papier überzogen beſtehen, worin ein flacher mit Fett gefüllter Napf mit einem Papierdocht aufgehängt iſt.

. Wie ſich von ſelbſt denken läßt, iſt dieſe leichte Structur der Häuſer ſehr leicht der Feuersgefahr ausgeſetzt, und in der That vergingen auch während unſeres Aufenthaltes in der Bai von Jeddo wenig Nächte, ohne daß der Himmel an einer oder mehreren Stellen zugleich von Feuersbrünſten geröthet war. Die Japaner ſuchen dieſem Uebel durch große Wachſamkeit und Gegenanſtalten verſchiedener Art zuvorzukommen; ſelbſt in dem kleinſten Dorfe befindet ſich eine Art von Wachthaus, in welchem Feuereimer, Leitern, Feuerhaken und ſogar auf ſehr einfache Art aus Holz ge⸗ fertigte Feuerſpritzen aufbewahrt werden, die allerdings noch ſehr mangelhaft und ungenügend ſind.

In größeren Ortſchaften und

Städten ſind natürlich auch mehrere ſolcher Stationen vorhanden und auch eine beſtimmte Anzabl Wächter ſtets zur Hand, um auf ein gegebenes Signal zu Hülfe zu eilen.

In den Häuſern wie auf den Straßen herrſcht eine große Reinlichkeit und ſelbſt letztere werden alltäglich wenigſtens einmal gefegt; eben ſo pflegen die Bewohner alltäglich zu baden. Wohl⸗ habendere haben das Bad im Hauſe, Aermere beſuchen öffentliche Badeanſtalten, alle aber baden ſehr warm, oder richtiger geſagt heiß, wodurch ihre Haut ſehr ſpröd und rauh wird. Als ich einen Japaner das erſtemal baden ſah, war ich außer mir vor Entſetzen und konnte wirklich im erſten Momente nicht gleich errathen, was mit dem Manne vorgehe. Er ſaß in einer großen hölzernen, mit Waſſer gefüllten Bütte, ganz in Dampf gehüllt, roth wie ein ge⸗ ſottener Krebs, und unter der Bütte brannte ein Feuerchen, das ein anderer Mann ganz munter ſchürte. Das ganze Verfahren ſah eher dem Märtyrerthum eines vormittelalterlichen Heiligen, als einem Reinigungsproceſſe ähnlich; das Waſſer war ſo heiß, daß ich meine Hand nicht eine Minute darein halten konnte; der Badende, oder beſſer der Kochende, ſchien ſich jedoch ganz behaglich darin zu fühlen, ſo wie ihn auch meine Gegenwart durchaus nicht genirte, denn nach beendigter Waſchung ſtieg er im adamitiſchen Coſtüm heraus und ſetzte die naſſe Procedur durch trockene Rei⸗ bungen des ganzen Körpers fort.

In den öffentlichen Badeanſtalten pflegt man etwas öfono⸗ miſcher mit dem heißen Waſſer umzugehen. Jeder Badegaſt erhält nur ein kleineres Gefäß voll davon, kauert auf den mit Steinen getäfelten Fußboden nieder, wäſcht ſich und ſchüttet dann den übrigen Inhalt des Gefäßes über ſich, der durch eine, in der Mitte des Fußbodens befindliche Rinne nach außen abgeleitet wird. Zum