Jahrgang 
01-26 (1857)
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niſſe ſeien auch ſie um einen großen Theil ihres Vermö⸗ gens gekommen; dieſer Schlag könne ſie leicht ganz ruini⸗ reen, da er ſeinen Credit erſchüttern würde.

endlich in ein Sopha, wo ſie noch eine Weile fortweinend einſchlief, und Ellena kehrte zur Mutter zurück. Dort er⸗

verklärt, ſie ſtürzte ihr entgegen, bedeckte ſie mit Küſſen und Schmeichelreden, nannte ſie ihren Rettungsengel und forderte ſie auf, nun ihrer Mutter alles Das zu vergelten, was ſie ihr ſchuldig ſei. ſetzt an, ſie glaubte, die alte Frau habe plötzlich den Ver⸗ ſtand verloren. Als man ſie endlich zum Schweigen bringen konnte, erklärte ihr Vittori den Grund dieſer wahnſinnigen Freude Stephan Sebenzich's Antrag.

Bei dieſer Eröffnung fühlte das unglückliche Mädchen ſich innerlich zuſammenbrechen; vernichtet ſank ſie in einen Lehnſtuhl, ihren Schwager mit todten Augen und gefalte⸗ ten Händen anſtarrend. Dieſer ſchien ihren Zuſtand nicht zu bemerken, er fand nicht Worte genug, ſich über dieſes ſuungeheure Glück auszuſprechen, er ſowohl als die alte Dame ſchienen die Sache als fait accompli anzuſehen und

ſchon ſollte der glückliche Bräutigam der Familie vorge ſtellt werden, die Hochzeit ſo ſchnell als möglich gefeier werden und eine Reiſe nach Paris und London die Flitter⸗ wochen ausfüllen. Unterdeß würde Vittori hier alle Ver⸗ fügungen treffen, die Geſchäfte führen, das Haus verwal⸗ ten; das junge Paar ſollte den andern Flügel beziehen, Madame Roſetti bliebe in dieſer Wohnung, Vittori ver⸗ tauſchte die ſeine mit einer im zweiten Stock.

Ellena glaubte, daß ſie nun wahnſinnig geworden ſei, als ſie dies Alles anhören mußte. Endlich ſtand ſie auf und mit einem Blicke voll Verachtung und Mitleid verließ ſie das Zimmer. Auf ihrem Tiſche ſtanden die beiden Bouquets, aus dem großen erhob ſich geſpenſtiſch

Noveſſen⸗Zeitung.

Wie ein müde geweintes Kind ſank die arme Frau

wartete ſie ein neuer Schrecken: die alte Frau war ganz

Ellena ſah ihren Schwager ent-

an einen Einwand Ellena's gar nicht zu denken. Morgen

t ſicht an ſeiner Schulter.

(III. Jahrg.

das gemeine Geſicht des Gebers. Sie ergriff das andere wie ein Amulet gegen dieſen entſetzlichen Spuk, leiſe Iſidors Namen nennend. Wenn nur dieſe Nacht erſt überſtanden war, morgen mußte er ja kommen, dann, meinte ſie, müſſe noch Alles gut werden. Allein der ganze lange Tag verging, ſie hielt ſich eingeſchloſſen in ihrem! Zimmer, wo ſie Stöße von Rechnungen aufhäufend einen Verſuch machte, ein Inventar ihres Beſitzthums zu ent⸗ werfen, denn nur das Haus, nicht die Einrichtung war verloren; es blieb ihnen auch noch ein kleiner Weinberg mit Landhaus, aber ſie wußte wohl, daß ihre Mutter dort nicht leben würde. Dazwiſchen lauſchte ſie auf Iſidors Schritt, ſie wußte nicht, daß er bereits wieder zweimal ab⸗ gewieſen worden war. Endlich am Morgen des zweiten Tages ſchrieb ſie ihm und ſchickte ihr Mädchen mit dem Billete ab. Eine halbe Stunde darauf trat er in ihr Zimmer. Das Auge der Liebe ſieht ſcharf, beim erſten Blicke er⸗ kannte ſie, daß er unverändert ſei, und daß er nicht weni⸗ ger gelitten habe als ſie. Sein ſchönes Geſicht war ent⸗ ſtellt und zeigte die Spuren durchwachter, vielleicht durch⸗ weinter Nächte.

Bei dieſem Anblicke löſte ſich ihr ſtarrer Schmerz, ſie vergoß die erſten Thränen und barg ſchluchzend das Ge⸗ Er ſchwieg noch immer, nur drückte er die bebende Geſtalt feſt an ſich; endlich ſagte ſie leiſe:Iſidor, jetzt brauche ich Ihr treues Herz. Gott ſei Dank, wenn Sie nicht an mir gezweifelt haben. Wo warenf Sie in dieſen Tagen?

Ich war täglich mehrmals hier und wurde ſtets ab⸗ gewieſen.

Sie zuckte leiſe zuſammen:Er und immer Er, ſagte ſie leiſe, an Vittori's perfide Worte und eiskalte Be⸗

Nr. 3.

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Dann erzählte ſ

e ihm Alles, wie es ſeit jenem Un⸗ glücksabende geweſen;

i a; ihren Schmerz, ihre Verzweiflung

Genrebilder. Der verliebte Huſarenſieutenant. In dem alten weſtphäliſchen Biſchofsſitze Münſter, reich an hiſtoriſchen Erinnerungen als Schauplatz der Wiedertäufer⸗Gräuel und des weſtphäliſchen Friedens, der noch weit ärgeren Gräueln ein Ziel ſetzte, war die ganze haute-volée zu einem Balle verſam⸗ melt. In einem großen, glänzend erleuchteten Saale wogte die Jugend in den Windungen des Tanzes; in einem kaum hinreichend erhellten Zimmer unmittelbar daneben drängte ſich die ältere Männerwelt um einen grünen Tiſch, auf welchem König Pharao ſeinen Thron aufgeſchlagen hatte. Hier ein Tempel der Fortuna, dort einer des Amor und Terpſichore; Leidenſchaft hier, Leidenſchaft dort, und ſchwer wäre zu entſcheiden geweſen, welchen der Götzen ihre Jünger mit größerem Eifer anbeteten. Unter Allen aber ſchien in dem Spielzimmer Keiner eifriger den Wechſelfällen des Glückes zu folgen, als ein alternder Herr in der Uniform eines preußiſchen Generals, mit einem ausdrucksvollen, ſcharf markirten Geſichte, und in dem Ballſaale ließ ſich Keiner die Huldigungen des ſchönen Geſchlechtes angelegener ſein, als ein junger Huſaren⸗ lieutenant, deſſen jugendliche Züge eine auffallende Aehnlichkeit mit denen des Generals zeigten, ſo daß ſich in Beiden Vater und Sohn nicht verkennen ließen. Eben bog der General mit zufriedener Miene ein sept-et- leva, und der Lieutenant benutzte die Pauſe des Tanzes, um mit

trat zu dem General' und raunte ihm eine Meldung zu. u.

gen Schrittes ein Adjutant durch den Saal in das Spielzimmen.

Verwünſcht! brummte der alte Herr in ſeinen gewaltigen Schnauzbart hinein. Dann fügte er deutlicher hinzu:Ich komme ſogleich! und endlich richtete er an den Bankhalter die Bitten Haben Sie die Güte, eine kleine Pauſe zu machen, damit ich meinem Sohne das Spiel übergeben kann, während mich wichtige Dienſtgeſchäfte etwa für eine halbe Stunde abrufen!

Damit erbob er ſich, trat in den Ballſaal, ſah ſich ſuchend nach ſeinem Sohne um, und ſobald er ihn aufgefunden hatte, ſchlug er ihm, unbekümmert um die Stoͤrung ſeiner ſüßen Unter⸗ haltung, auf die Schulter und ſagte:Franz, Du mußt augen⸗ blicklich meinen Platz einnehmen!

Aber, Vater! bat der Lieutenant mit flehendem Tone und warf einen bedeutungsvollen Blick auf das reizende Mädchen, neben deſſen Stuhl er ſtand.

Es muß ſein! entgegnete der General kurz;es wird ge⸗

wartet bis Du kommſt! Alſo vorwärts marſch! Er ſchob ſeinen Sohn fort, ſagte flüchtig zu der erröthenden Schönen:Sie entſchuldigen gewiß meinen Sohn, mein gnädiges Fräulein! und Vater und Sohn eilten zu verſchiedenen Thüren aus dem Saal, Beide verdrießlich, in einer Lieblingsunterhaltung unterbrochen worden zu ſein.

Doch kaum waren eine oder zwei Minuten vergangen, da kehrte der Lieutenant ſchon wieder freudeſtrahlenden Geſichtes auf

liebeglühenden und liebefordernden Blicken einem reizenden Mäd- den Poſten zurück, von dem der väterliche Befehl ihn in einem chen, das er ſo eben als ſeine Tänzerin auf ihren Platz geführt böchſt kritiſchen Augenblicke abgerufen hatte; denn eben ſtand er hatte, vielſagende Worte zuzuflüſtern, die mit dem freundlichſten im Begriffe, das lange, vergebens erbetene Rendez-vous zugeſagt Wohlwollen aufgenommen zu werden ſchienen, da eilte flüchti⸗ zu bekommen, und wer auf dieſem Gebiete nicht ganz ohne Erfah⸗

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