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zu entdecken und ſchützen Sie die Arme, die Niemanden hat, der es thun will.“ Er wandte ſich raſch ab und Iſidor ſah ihn den ganzen Abend eben ſo wenig als den Domino. Beide waren verſchwunden.
Iſidor war wie vernichtet. Die Frau, die er betet hatte wie eine Heilige, deren bleiches, edles Geſicht für ihn die Spuren eines edlen Schmerzes, eines ernſten Schickſals trug, war in den Staub herabgezogen, und er wußte nicht, ob er ſich mehr darüber verachten ſollte, ihr Spielball geweſen zu ſein, oder mehr darüber, den frechen Lügner, der ſie zu begeifern wagte, nicht niedergeſchlagen zu haben!
Aber es war ein Weib geweſen und eine Ganze konnte ein frecher Scherz ſein, eine Machination eines Eiferſüchtigen oder eines abgewieſenen Bewerbers. Aber jener Tonio,— wer war er, und wie hatte er zu ihr geſtanden? Sein Geſicht hatte gezuckt wie im Schmerze, als er ihren Namen gehört, ſeine Stimme gebebt, als er ſie ſeinem Schutze empfahl. Und die Maske hatte Recht; trotz ſeines uneleganten Aeußern war dieſer Menſch auf⸗ fallend ſchön, jetzt ſogar noch, wo ſeine Züge ſchlaff und verlebt waren.
konnte. Ihr Blick war immer zärtlicher geweſen, als ihre Worte, und die Antwort, die ſie ihm verweigerte, konnte ſie ihm nicht dieſes Geheimniß aufklären? Er beſchloß ſie morgen ſchon zu verlangen, er wollte klar ſehen, und es ſchien ihm leichter, ſie ſich verloren zu ſehen, als daß er das Mädchen verachten ſollte, das er ſo ſehr geliebt hatte
Als er am andern Tage ſich anſchickte, einige Zeilen an Ellena zu ſchreiben, mit der Bitte ihm eine kurze Un⸗ terredung zu gönnen, trat Vittori zu ihm aufs Comptoir. Es gibt einen gewiſſen Zuſtand der Nervengereiztheit, der an Somnambulismus ſtreift. ſolchen.
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Als Vittori ihn anſah, klang ihm ſeine Stimme,
die doch matt und accentlos war, ſchrill und unangenehm,
Noveſlen⸗ Zeitung.
Maske; das
Es war ja möglich, daß Alles wahr ſein
Iſidor befand ſich in einem
III. Jahrg. awangehören, ſteinung in ei Lurus, Pracht Herz hatte ſie! ſment denken, irem Haupte fe wußte ſich nicht allein fal au gewinnen, an nicht den ds verlorene
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ſeine ganze Nähe machte ihm faſt phyſiſches Unbehagen. Vittori kam, ihm zu ſagen, daß er mit ihnen ſpeiſen ſolle; die Damen wollten die letzte Corſofahrt mitmachen und Vittori noch eine hübſche Schatulle kaufen, um ein, Ge⸗ ſchenk damit zu machen, natürlich eben ſo wenig ſeiner Frau, als ſeiner Schwägerin. Iſidor ſprach ſeine Ver⸗ wunderung über jenen Entſchluß aus, noch geſtern hatten die Damen nicht fahren wollen.
„Sie kennen die Frauen wenig, mein Lieber,“ war die Antwort;„meine Frau iſt viel zu eitel, um ſich die Gelegenheit entgehen zu laſſen, eine elegante Toilette zu zeigen, und Ellena, die wirklich nicht wollte, fährt mit, weil ſie es der Schweſter zu Gefallen thut.“
ſidor lächelte bitter, doch verſprach er zu kommen.
Iſi 33 ſ S 3 1 2 mano's ſuch Bei Tiſche überreichte er jeder der Damen ein ſehr elegan⸗ Die gun tes Bouquet, und zwar Ellena ein gleiches, wie ſie an 3
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jenem erſten Abende gehabt hatte, von rothen Camelien und weißen Hyacinthen. Sie dankte ihm mit freundlichem. Erröthen; Madame Vittori hätte das ihre lieber auf dem Corſo erhalten, doch da ihr Gemahl dieſe Art es zu über⸗ reichen für höchſt gentil erklärte, tröſtete ſie ſich damit, daß ſie es ja mit ſich nehmen könne. Der Tag war heiter und mild, die Toiletten konnten ſich im höchſten Glanze zeigen, Iſidor erwartete mit Herzklopfen Ellena's Erſcheinung; att zwiſch ihre reichere oder einfachere Toilette ſollte ihm den erſten* ei Maßſtab geben, in wie weit ſie Rückſicht auf ihn nenle leehen Die Vittori war pon äußerſter, faſt übertriebener Eleganzt uuen u endlich erſchien Ellena. Sie war einfach, aber einfach wie 1 dönüähſ eine Fürſtin. Ihr Kleid war wie der Ueberwurf von a aihf ſchwarzem Sammet, der letztere mit Zobel verbrämt, ein in einer 55 Kragen und Muff von gleichem Pelze; ein Hut von weißem er ſel Sammet mit einem Schleier von Brüſſeler Spitzen ver⸗ vollſtändigten ihren Anzug. Iſidor fühlte eine aiskalte Hand ſein Herz zuſammenpreſſen, ſie liebte ihn nicht, odet vielleicht hatte ſie ihn lieb, aber lange nicht ſo litbe
ſein hübſches, ausdrucksloſes Geſicht war ihm zuwider, als ihr Kleid von Sammet und Zobel? Steikountt 8 —
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Feuilleton.
Aus der Bade⸗Saiſon.
I. Von D
resden zum Bodenſee.
Wie man ſonſt von Dresden nach Schandau ging, ſo fliegt man jetzt bis an den Bo Mit dem Courier⸗Zug kann man dieſe Entfernung in 20 Stunden durchmeſſen; da wir aber lieber länger fahren, als früh aufſtehen wollten, ſo wählten wir eine be⸗ queme Stunde zur Abreiſe und erreichten in dreißig Stunden das Ziel unſerer Beſtimmung.— Die Eiſenbahnen haben den großen Vorzug, uns ſchnell an einen Ort zu führen; dafür aber reiſen wir auch nicht mehr angenehm. Das ſo ſchnell wieder vergeſſen, Eindrücke ſo flüchtiger Art haften nicht; überdem führen die Ciſenbahnen nie ſchöne Wege, man ge⸗ winnt durch ſie höchſtens eine Anſicht, nie eine Ausſicht und viel weniger noch eine Fernſicht. Mir ſind ſie darum unerträglich. Ich möchte ſie unter die Zahl der nothwendigen Uebel verbannen. Weiter und immer weiter geht es, ohne Ruhepunkte; heißt es ein⸗ mal:„Zehn Minuten Aufenthalt!“ ſo ſtürzt alle Welt aus den Waggons, ergreift im Fluge die abſcheulichſten Würſte, die je ein wohlgenährtes Schwein geliefert, oder ſtürzt den übelriechenden Cichorien⸗Trank hinunter— um dann eben ſo ſchnell wieder auf
enſee
im Fluge Geſehene iſt eben
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ſeinen Sitz zu eilen, wobei es klingelt, pfeift, ziſcht, als oh de. lche A Welt aus ihren Fugen ginge, ohne die wirkliche Urſache.. Gin nun bischen gemüthlich ſein Leben friſten kann man auf dißſen Giſen⸗ maben
bahnfahrten durchaus nicht.
So ſehr ich auch gegen das
ſchleppen eines Speiſevorrathes bin, ſo muß ich doch’ geſtehen, Bäs ſic die Sache ſich faſt nicht vermeiden läßt, wenigſtens nicht auf bie⸗ Deslg. ſen ſüdlichen Bahnen, wo die Fütterung wirklich ganz gemein zu eine ausfällt. Vergeblich ſucht das Auge nach einem anſtändigen e und Biſſen! Es findet ihn nicht. Die Herren Reſtaurants wollen a Peinen von dem Gelde der Reiſenden leben und ihnen dafur in der Eile As der M Steine in den Mund ſtecken. dleine T Völlig à jeune kamen wir alſo um 10 Uhr Abends in Lindaun i Vrücken
an und ſtärkten uns im Baieriſchen Hof an köſtlichen Beefſteaks. dendahn bi Es regnete in Strömen! dung iſt Gemuüthlich fühlt man ſich im Regen durchaus nicht an eineme wiiſzen 3 fremden Orte. Doch gab es hier noch einige Unterhaltung⸗ 8 d Fallhau Dampfſchiffe kamen und gingen; Leute, die einmal auf Reiſ Wielt. di waren, wollten nun auch Ausflüge machen und die Berge beſteige eiuf nicht ſie ließen ſich daher durch das kleine Hinderniß des Regnens„ bn And in ihren guten Vorſätzen ſtören; denn auf den Schiffen wo de düt und a. Leinwanddach und ſpäter benutzte man den Regenſchirm. Nip. iber 4


