Jahrgang 
01-26 (1857)
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1 umgleitel!

uſchten, Lhor hten!

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terliche Damenmaske auf ihn zutrat,

Drille folge.

Rovellen-Zeitung.

Soſl und Haben im Süden.

Geheimniſſe aus dem Leben einer Handelsſtadt. (Schluß.)

Der große, keineswegs elegante Saal mit ſeiner trüben beleuchtung machte eher einen unangenehmen, a als heiteren gindruck. Eine dunkle, unheimliche Maſſe drängte ſich ſachend und lärmend darin; die Masken waren ohne Ele⸗ aanz und, was ſchlimmer war, ohne Witz. Die Herren, epräſentanten der beſten Geſellſchaft ſo gut wie der ſchlech⸗ tſten, waren vielfach angeſprochen und geneckt, wenn ſie wen Habitués dieſer Bälle waren. Die vorlauteſten, ſchwatzhafteſten Masken, die alle möglichen Geheimniſſe uder kleinen häuslichen Vorkommniſſe kannten, waren Köchinnen oder Stubenmädchen. Dazwiſchen ſtampfte man einen ungraziöſen Tanz, der als Nationaltanz galt, dder man raſte eine Polka, ſelten formirte ſich eine Qua⸗ drille. Iſidor ſtand theilnahmlos in der Mitte des Saales, er war in dieſer Geſellſchaft zu fremd, um ſehr beachtet zu werden; deſto mehr wunderte er ſich, als plötzlich eine kleine mit dem gewöhn⸗

1 539 kenne Dich h anredend.

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Das iſt möglich, da ich keine Maske trage.

73c) weiß auch, wen Du erwarteſt.

Dann weißt Du mehr als ich, denn ich erwarte Nie⸗ manden.

Doch, Du erwarteſt Ellena Roſetti.

Iſidor maß die Maske mit durchdringenden aber feſten blicken.Du biſt ſehr keck, den Namen dieſer Dame szuſprechen, und dieſer Ort iſt dazu am unpaſſendſten gwählt.

Unpaſſend? und weshalb? entgegnete die Maske ppöttiſch;die ſchöne Ellena war mehr als einmal hier, ſogar dieſen Winter; ſollte ſie einen Andern als Dich ge⸗ ſücht haben?

Iſidor zuckte ſtatt aller Antwort die Achſeln. Du bildeſt Dir ein, die ſchöne Ellena zu kennen, und

ſiehſt doch an ihr nur, was ſie Dich ſehen zu laſſen für gut

findet. Ich ſage Dir aber, wenn Du nichts piſt, als nur

ihr Anbeter, ein blöder Schäfer, ſo haſt Du der heiß⸗

hlütigen Schönen als Deckmantel gedient für eine andre

peniger ideale Liebe.

1Ich ſehe, Du willſt ſchweigen, fuhr die Maske fort, 3s Iſidor noch immer ſtumm blieb.Siehſt Du dort Ah jungen, blonden Mann? Er lehnt an der Säule, 1 ſ Anzug iſt etwas abgetragen, ſein Haar nicht wohlge⸗

ordnet, ſeine Hände nicht gepflegt wie die Deinigen. Aber es gab eine Zeit, wo er elegant war wie Du, und obgleich Du hübſch biſt, war jener ſchön wie ein Apollo; frage ihn, wie viele Male er Ellena hier getroffen, wie oft er ſie dann nach Hauſe begleitet, Du wirſt die kleine Treppe im Hauſe kennen, die in ihre Zimmer führt, ohne daß man die große Eingangsthüre zu paſſiren hat; frage ihn, wie oft er ſie erſt am Morgen verließ, als das Tageslicht ſchon durch die rothen Gardinen ihres Zimmers drang; frage ihn, wie heiß ſie ihn geküßt! Und als er, nach zwei Jahren, ihrer überdrüſſig war, frage ihn, wie ſie eines Abends an ſeiner Thür gewartet, wie ſie ihn bat, zu ihr in den Wagen zu ſteigen, und wie ſie weinend und knieend ihn beſchwor, zu ihr zurückzukehren! Er that es nicht, denn er liebte ſie nicht mehr; ſie verſuchte, ihn zu ver⸗ geſſen; Manchen hat ſie nach ihm geküßt, Mancher hat das Geheimniß der kleinen Treppe gewußt; aber ſo geliebt wie ihn hat ſie Keinen mehr.

In demſelben Augenblicke trat durch Zufall eben jener junge Mann dicht neben Iſidor, die Maske wendete ſich zu ihm.

Schöner Tonio, erzähle doch dieſem Herrn, daß Ellena Roſetti heiß zu küſſen verſteht. Du brauchſt Dich über dieſen Nachfolger nicht zu ärgern, ſie hat ihn nur gewählt, weil er Dir ähnlich iſt, ſie liebt Dich noch heute.

Ueber das ſhaſ etwas verlebte Geſicht des jungen Mannes flog ein halb ſmrzliches, halb verächtliches Zucken.Du täuſcheſt Dich, ich hatte leider nie das Glück der ſchönſten Dame der Stadt zu gefallen; noch mehr aber vergißt Du, daß ſie nicht verdient, daß Du von ihr ſprichſt, ihr Name iſt zu gut für Deine böſe Zunge.

Die Maske lachte laut auf:Du willſt wohl ihr Ritter ſein und vergißt, ſchöner Tonio, daß eine Frau ſchon be⸗ leidigt iſt, wenn Du ſie nur kennſt!

Der junge Mann erbleichte, ſeine blauen matten Augen ſprühten Blitze, die ſchlaffen Züge belebten ſich, er wurde ſchön, wie Apoll es geweſen ſein mochte, als er den tödt lichen Pfeil abſchnellte, den Uebermuth einer Sterblichen u ſtrafen. Wieder erſcholl das ſpöttiſche, laute Lachen

der Maske:Du biſt ein würdiger Ritter für dieſe Cour⸗ tiſane in Atlas, rief ſie und verſchwand in der Menge.

Die beiden jungen Leute maßen ſich eine Minute mit einem faſt feindlichen Blicke; allein der Ausdruck des Zorns und der Energie verloſch wieder auf dem bleichen Geſichte des Fremden, er legte ſeine Hand auf Iſidors Arm und ſah ihm in das entſtellte Geſicht.Glauben Sie kein Wort von dieſen Verl äumdungen, es gibt kein edleres Ge⸗ ſchöpf als die, deren Namen Sie eben geſchmäht hörten; wenn Sie ſie lieben, ſo ſuchen Sie dieſen maskirten Feind