Jahrgang 
01-26 (1857)
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J Jahrg. Nr 2.)

adt gilt und.; zo Tfof großer Achtung und namentlich habe ich immer die Tiefe

Ihrer Kunſtkritiken bewundert; es iſt jammerſchade, daß Sie Ihr bedeutendes Talent zerſplittern und nicht alle Ihre Kräfte an einem Werke verſuchen.

Ja, mein werther Herr Berder, meine Stellung als Mitredacteur desWaggon nimmt meine ganze Auf⸗ merkſamkeit in Anſpruch; doch wenn es Sie intereſſirt, ein größeres Werk von mir zu hören, ſo kommen Sie Sonn⸗ tag auf eine Taſſe Kaffee zu mir; ich werde Ihnen dann mein Drama

ungeheurem Ode an den es ſchade effentlichkeit

ctorin aus iſſen würde,

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n Weint, esDie Zauberkette oder der Sohn des Mörders

ch durſte ich ſi worleſen.

ſen? Mane Ich werde nicht ermangeln, doch ich ſtöre wohl die enzehn Stück Herren und empfehle mich.

ch ſie drucken ogenheit hat, gedicht habe rtragen, um

Adieu, mein beſter Herr Berder, oder beſſer geſagt, Herr Frühling ſagt Schwarzheim mit einer tiefen Ver⸗ veugungz auf baldiges Wiederſehen, ich habe mit dem Herrn Doctor noch Redactionsgeſchäfte.

Kaum iſt der junge Dichter fort, ſo ſtürzt Schwarz⸗ heim auf den Doctor los: Nun der Director?

Iſt beſänftigt, ich habe die Sache durch einen Aruckfehler entſchuldigt und behauptet, im Originaltert gel, Pheße es, daßdie Regienicht nachläſſig geführt wird.

den Büget Nun, und die Zettel?

Für morgen hundertundfünfzig auf rothem Papier.

Liebſter Doctor, Sie ſind die Perle der Schrift⸗ wollen Sie nächſten Sonntag mit mir zu Mittag

Mit Vergnügen, Herr Principal.

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Dritte folge.

gedichte von Albert Cräger.

Drei Gläſer.

Der Pfropfen ſpringt. In Wehmuth ſei geweiht Das erſte Glas und ſeine duft'ge Blume

Der ſchnell verrauſchten ſel'gen Jugendzeit, Dem ſtill geträumten, nicht erkämpften Ruhme!

Das zweite Glas Dir, holdes Frauenbild Und meiner Liebe nie erloſch'nen Gluthen! Ich ſchaue Dich: Du lächelſt freundlich mild Entgegen mir aus dieſen goldnen Fluthen.

Das letzte Glas trink' ich mir ſelber zu

Um keine Hoffnung hab' ich mehr zu werben Auf ſchnelles Ende und auf lange Ruh'!

Die Flaſche leer, es liegt das Glas in Scherben.

Der Lenz iſt da.

Der Lenz iſt da, der Vogel kehret wieder,

Weil grün das junge Blatt des Waldes rauſcht: Er grüßt ſein Neſt, es ſind die alten Lieder,

Wir haben ſelig ihnen ſonſt gelauſcht.

Und heute zürnen wir dem muntern Sänger, Nicht freut es uns, wie ſich der Wald belaubt, Ach! alles mahnt uns, daß ich nun nicht länger An Deinem Herzen betten darf mein Haupt.

Doch, wie es ſchmerzlich unſre Bruſt berührte, So tröſt' uns auch, was heute wir geſchaut: Denn, der den Vogel wieder heimwärts führte, Ihm ſei auch meine Wanderſchaft vertraut!

er Stadt mt

fnbüddeten. 1. aufgebun Muſikaliſches. Ganz bei ſeinem Berufe, die Augen auf die Noten geheftet, ge⸗

Anterhaltungen im Orcheſter. Muſikaliſche Humoreske von Hector Berlioz.

Irgendwo im Norden Europa's gibt es ein Opernhaus, in dem es bei den Mitgliedern des Orcheſters, meiſtens gar nicht geiſt⸗ loſen Leuten, zur Gewohnheit geworden iſt, während der Ausfüh⸗ rung der leichten mittelmäßigen Opern nach jetziger Mode ſich eifriger Lectuͤre und Beſprechung literariſcher, muſikaliſcher und andrer intereſſanter Gegenſtände hinzugeben. Jeder hat vor ſeinen Augen neben dem Notenhefte irgend ein Buch, und während ſo der Muſicus ganz und gar in den Anblick ſeiner Stimme und in die Zählung der Pauſen verſenkt zu ſein ſcheint, iſt er oft ganz und gar von den anmuthigen Scenen Balzac's oder den ſeltſamen Sittenſchilderungen eines Boz, ja oft ſogar vom Studium irgend einer Wiſſenſchaft ganz und gar in Anſpruch genommen. Ich kenne z. B. einen dieſer Herren, der während der erſten fünfzehn Aufführungen einer gewiſſen, ſehr berühmten Oper die drei Bände von Humboldt's Kosmos mehrfach durchgeleſen, durchſtudirt und

durchgedacht hat, und einen anderen, der, während eine erbärm⸗ liche, jetzt, Gott ſei Dank, vergeſſene Oper lange auf dem Reper⸗ tcoire ſtand, die Zeit und Gelegenheit wahrnahm, engliſch zu ler⸗

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nen, noch einen endlich, der, im Beſitze eines beneidenswerthen Gedächtniſſes, ſeinen Nachbarn mehr als zehn Bände Romane, Novellen, Aneldoten und ſonſtige Plaudereien während eines Monates erzählte!

Einn einziges Mitglied dieſes Orcheſters iſt von der Gewohn⸗ heit der andern ausgenommen und erlaubt ſich nie eine Zerſtreuung.

waltſam, unermüdlich ſich hin und her bewegend, würde Dieſer ſich für verworfen halten, wenn er einmal ein Sechzehntheil über⸗ ſpränge oder einen kleinen Schnitzer beim Greifen des Tones machte. Am Ende jedes Actes wagt er, obgleich erhitzt, in Schweiß gebadet, an allen Gliedern gelähmt oder verrenkt, dennoch kaum Athem zu ſchöpfen oder eine Erquickung zu ſuchen; er erlaubt ſich nicht einmal, nach den überwundenen muſikaliſchen Schwierig⸗ keiten ein Glas Bier im nächſten Café zu trinken, aus Angſt, einen Fehler zu begehen, vertieft er ſich, ſowie der Vorhang ge⸗ fallen, ſogleich in die Noten des nächſten Actes. Man wird es ahnen, daß ich nur vom Spieler des großen Baß reden konnte.

Seine Collegen dagegen machen in ihrem Leſen, Sprechen, Disputiren und Lachen nur dann eine Pauſe, wenn es die Auf⸗ führung großer Meiſterwerke gilt, oder bei den ordinairen alltäg⸗ lichen Opern, wenn ſie gerade eine dominirende oder ſchwierige Solo⸗Partie zu executiren haben. Doch erſtreckt ſich das in dieſem Falle ja auch nicht auf das ganze Orcheſter, und wenn die wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien und Unterhaltungen deshalb auf der einen Seite unterbrochen werden, ſo iſt das kein Grund, nicht auf der anderen ſie fortzuſetzen, und ſo pflegen die Mitglieder der rechten Seite die Geſpräche aufzunehmen, wenn die der linken die Inſtru⸗ mente aufnehmen.

Ich nun( ſo fährt Hector Berlioz, der muſikaliſche Refor⸗ mator, fort in dieſer ſeiner Ironiſirung der ſeichten modernen Muſik) während meines Aufenthaltes in jener Stadt im Nor⸗ den, wo dieſe Sitte zu Hauſe iſt, ich beſuchte aus Liebhaberei all⸗ abendlich dieſen gemüthlichen und amuſanten Muſiker⸗Club und habe mir die Freiheit genommen, Einiges von den niedlichen Anek⸗