unſerer größten Zeitungen, Herr Notar, hat einen Mitar⸗ beiter aufzuweiſen, der es wagen dürfte, Ihnen entgegen zu treten.
— Bitte...
Nein in der That, es iſt mein vollkommener Ernſt. Wie ſchön entwickeln Sie den Grund, daß der Bau der neuen Chauſſee auf den Verkehr unſeres Gemüſemarktes nachtheiligen Einfluß haben könnte, und daß der Viehmarkt in eine Periode fällt, wo die Chauſſee für uns von gar keiner Bedeutung.
— Haben Sie nicht bemerkt, da, wo ich vom ſtädti⸗ ſchen Intereſſe rede, habe ich dem neu erwählten Gemeinde⸗ rathsmitgliede einen guten Hieb gegeben.
— Vortrefflich, Herr Notar, und mit Recht, denn der Apotheker drängt ſich in alle ſtädtiſchen Angelegenheiten, obſchon er noch nicht lange hier wohnt, und dieſe Ange⸗ legenheiten wohlweislich den älteren Bürgern überlaſſen ſollte. Schade, Herr Notar, daß unſer Ort keinen Ver⸗ treter zu wählen hat; in der Kammer wären Sie an Ihrem wahren Platze. Wenn Sie mir von Zeit zu Zeit dergleichen Aufſätze für den„Waggon“ geben wollten, ſo könnten Sie mein Glück machen und dadurch meine Zeitung bald neben die größten Blätter Deutſchlands hinſtellen, Herr Notar.
— Was an mir liegt, ſoll gerne geſchehen, um ſo mehr als es wirklich im Intereſſe unſerer Stadt liegt, eine ordentliche Zeitung zu halten. Geſtern Abend im Caſino habe ich das auch geſagt und hinzugefügt, man könne die fremden Zeitungen alle entbehren, ſeitdem der Waggon ſein Format vergrößert und politiſch geworden iſt. A pro— bos, ich bringe Ihnen einen neuen Artikel„Ueber die Kriegführung auf der Krim und Deutſchlands Stellung zu den Weſtmächten.“
— Alſo politiſch, Herr Notar! Hm! hm! Nehmen Sie ſich nur in Acht, daß Sie nicht zu weit gehen, Ihre Feder könnte Sie fortreißen und
Novellen⸗
Zeitung. IIII.
— Befürchten Sie nichts.
Herr Notar, ich ſetze alles Vertrauen in Sie, aber ſeitdem mein Blatt politiſch geworden, ſchlafe ich weniger ruhig. Bis jetzt habe ich nur immer die Nachrichten drei Tage nach den Andern gedruckt, nachdem ich mich über⸗ zeugt, daß die Artikel bei andern Blättern durchgegangen, aber einen ſelbſtſtändigen politiſchen Leitartikel„Herr No⸗ tar— Herr Notar, ich bin Familienvater und Ihre Fa⸗ milie iſt von jeher freiſinnig geweſen.
Fürchten Sie nichts, lieber Schwarzheim, aber offen geſtanden, habe ich noch in keinem Blatte einen ge⸗ diegenern Artikel über die Weſtmächte geleſen, und bin ich überzeugt, mein Aufſatz über die Stellung Deutſchlands zu den Weſtmächten wird Aufſehen erregen. Ich ſtelle nämlich auf geſchichtliche Studien hin die kühne Be⸗ hauptung auf, daß Rußland der gefährlichſte Feind Eu⸗ ropa's iſt.
Rußland, hm! hm! Sie hätten Rußland aus dem Spiele laſſen ſollen, Herr Notar; ein Aufſatz über die neue Pflaſterung unſeres Marktplatzes wäre mir lieber ge⸗ weſen.
— Drucken Sie nur ruhig; was mich betrifft, ſo werde
ich meinen ganzen Einfluß im Caſino zu Gunſten des Wag⸗ gon geltend machen. Adieu.
— Auf Wiederſehen, Herr Notar!
Mir iſt die Sache gar nicht recht, murmelt der Re⸗ dacteur, nachdem der Notar weg iſt,— einen politiſchen Artikel eigener Fabrik! Die Sache iſt bedenklich; darüber muß ich mit dem Doctor reden. Doch ſehen wir den Artikel.
„Der Friede iſt unterzeichnet, in den Tuilerien herrſcht ungemeiner Jubel“.... Herein! Ach, der Herr Com⸗ merzienrath, was ſteht zu Ihren Befehlen?
Mein werther Herr, mich führt eine eigene Ange⸗ legenheit zu Ihnen. Ich möchte wiſſen, wer der Verfaſſer
Vagabunden“ und„Chriſtine Loinfell“ ſind unnachahmliche Spe⸗ cialitäten, die ſchönſten und bleibendſten Früchte dieſes ſeltſamen Lebens, von denen der letzte bei einer neuen Bearbeitung und bil ligeren Ausgabe noch die Zukunft nach ſich hat, ein allgemein ver⸗ breitetes Volksbuch zu werden.— Wir ſenden dem greiſen Dichter mit dieſen Zeilen zu ſeinem ſechzigſten Geburtstage am 24. Januar des neuen Jahres den Gruß des Landsmannes in ſein Aſyl jen⸗ ſeits der Alpen! R. G.
Ein Prachtalbum.
Man erinnert ſich, daß die Zeitungen, bei Gelegenheit der
Vermählung ihrer königlichen Hoheiten der Prinzeſſin Louiſe von Preußen und des Großherzogs Friedrich von Baden im September vorig. J. von einem Prachtalbum ſprachen, welches der frühere General⸗Intendant des Berliner Hoftheaters, Herr Th. v. Küſtner, dem hohen Paare überreichen durfte. Eins der wenigen abge⸗ druckten Exemplare liegt vor uns, und können wir das Bedauern nicht unterdrücken, die drei von Neureuther dazu ſo geſchmack⸗ und beziehungsvoll componirten Vignettenblätter in keiner größeren Verbreitung zu ſehen. Einen Begriff ihres Gegenſtandes geben die von Herrn v. Küſtner dazu gerichteten Verſe: Aufruhr und Kampf. Ueber den Galliſchen Rhein, den Gewalt einſt den Deutſchen entriſſen, Aus dem feurigen Schlund, welcher immerfort gährt, I Drangen die Flammen des Aufruhrs in Badens friedliche Gauen,
Welche weiſe beherrſcht Freiheit und Ordnung gewährt,
Löſten die innigen Bande, die mit dem gütigſten Fürſten Enge vereinten das Volk, warfen in Hütten den Brand,
Mord und Verrath und Treubruch tränkten mit Blute die Thäler, Welche in Anmuth geprangt, fliehen mußte der Fürſt.
Sieg und Ruhe.
Bald doch eilten im Sturmſchritt herüber vom Rheine, dem deutſchen Truppen, ſo tapfer als kühn, blind gehorchend dem Haupt, Welches durch ſicheren Blick verbürgte das Schickſal des Kampfes
Und die Hydra erlegt', die ſich krümmte im Staub. Aus ihm erhob ſich mildſtrahlend des Friedens buntfarbiger Bogen, Welcher dämpfte den Brand, brachte Ordnung und Heil, Brachte zurück den Fürſten, der von den Treuen begrüßet,
Mit dem Befreier ſchloß einen dauernden Bund
.
Landes⸗ und Liebesglück. Wie ans Gute das Gute, das Schöne ſich Tritt an der Eintracht Hand Amor und Mit der Kraft und der Einſicht paaren ſich Anmuth und Milde, Schließen den innigſten Bund, der zwei Herzen vereint, Der zwei Völker beglücket, dauernd und eng ſie verbindet, Und beſeligt das Land, glücklich im Glücke des Herrn. So vereint ſich in Eines das Loos des Landes und Herrſchers; So wird doppelt ihr Glück, ſo wird doppelt die Macht!
ſchließt an das Schöne, Hymen heran,
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