Jahrgang 
01-26 (1857)
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l. Jahrg.

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Nr. 2.] Dritte

nachdem wir in den größten Städten mit Beifall aufge⸗ treten ſind! Wir ſtellen lebende Bilder.

Aha, Sie brauchen wohl Anſchlagzettel? ſetzen Sie ſich ein wenig, Ihr Name?

Carlo Giandola aus Rom. Aus Rom? Ei da ſind Sie ja weit von Hauſe! Wieviel Zettel wünſchen Sie?

Entſchuldigen Sie, ich komme nicht deshalb, ſon⸗ dern mit der Bitte, daß Sie meine Geſellſchaft in Ihrem Blatte empfehlen mögen.

Empfehlen? Ja ſo, mein Beſter, das iſt ſo eine Sache; Sie glauben gar nicht, wie wir überhäuft ſind mit Material für denWaggon. Ich glaube kaum, daß wir den nöthigen Raum erübrigen können; es geht wahrlich nicht; aber Sie haben doch wohl Anzeigen nöthig. Eine Annonce im Waggon wäre auf alle Fälle wirkſam.

Das denke ich auch. Sehen Sie, hier habe ich noch eine Anzeige aus einer andern Zeitung, die können Sie gleich abdrucken.

Abdrucken?

Bitte,

Wo denken Sie hin? Wozu habe ich denn meinen Redacteur? Doch laſſen Sie den Wiſch ſehen.Cöln, den... Wir wollen nicht verfehlen, das Publicum auf einen ſeltenen Kunſtgenuß aufmerkſam zu machen. Herr Carlo Giandola aus Rom gedenkt mit ſeiner Geſellſchaft in einigen Tagen hier einzutreffen und lebende Bilder zu ſtellen.

Mein Beſter, die Abfaſſung dieſer Annonce iſt doch zu geiſtlos, ich würde mich bei dem hieſigen gebildeten Publi⸗ cum zu ſehr compromittiren. Ich werde Ihnen, wenn Sie täglich bei mir Anzeigen machen laſſen, einige Zeilen ins Feuilleton ſetzen.

Ach, das wäre mir ſehr lieb; darf ich mir erlauben, Ihnen und Ihrer Familie Karten zu überſenden?

Ich werde die Anzeige im Feuilleton recht pikant halten⸗

Uebrigens dürfte es doch vielleicht nöthig ſein,

Folge.

täglich neue Zettel drucken zu laſſen, wie denken Sie darüber?

Meine Anſicht iſt, daß der Erfolg Ihrer Geſell⸗ ſchaft einzig und allein davon abhängt. Wünſchen Sie die Zettel recht groß?

Nach Ihrem Ermeſſen.

Sie ſollen vorzugsweiſe bedient werden. Adieu.

Empfehle mich Ihnen gehorſamſt.

Sie vergeſſen das Feuilleton nicht?

Haben Sie keine Sorge.

Der Director hat ſich entfernt. Der Redacteur läuft einige Mal unruhig im Zimmer auf und ab, ſetzt ſich dann und ſchreibt:

Carlo Giandola aus Rom iſt mit ſeiner Geſell⸗ ſchaft in hieſiger Stadt angekommen, um lebende Bilder zu ſtellen, und verfehlen wir nicht das kunſtſinnige Publi cum hieſiger Stadt auf dieſen ſeltenen Genuß aufmerkſam zu machen.

Selbſtgefällig lieſt Schwarzheim den Artikel mehrere Male durch und murmelt vor ſich hin:So hat der Auf⸗ ſatz doch wenigſtens Tournure; dann klingelt er:

Dieſen Artikel in die Druckerei!

Herein! Wie, Herr Notar? Sind Sie es? Eine Ehre, die ich nicht erwartete! Bitte, nehmen Sie Platz. Was bringen Sie Neues? Ihr Leitartikel über den Chauſſeebau nach Klüngelheim hat Furore gemacht; von allen Seiten drängt man mich, den Verfaſſer zu nennen.

Thun Sie das ja nicht. Ich wünſche vor der Hand, mich nicht zu nennen, aber die Sache macht mir Spaß. Geſtern Abend im Caſino war nur die Rede von dem Artikel, das muß ich ſagen; der Herr Commerzienrath. J. beſonders fand den Artikel ſehr gediegen.

Herr Notar, offen geſtanden, ohne zu ſchmeicheln, war der Aufſatz außerordentlich. Jammerſchade, Herr Notar, daß Sie nicht Journaliſt geworden ſind, keine

indeß unter dem Meeresſpiegel nur 607 ½ Meter. Die reiche Mine Joachimsthal in Böhmen iſt zwar 646 Meter tief, geht aber doch noch nicht bis zum Meeresſpiegel hinab. In Mexico iſt die Mine von Valenciana bei Guanaxuato beinahe 514 Meter tief, und ihr Grund iſt gleichwohl noch 1817 ½ Meter über dem Meeres⸗ ſpiegel. In den Andes findet man noch höher gelegene Minen. Die Feuerquellen von Tſeu⸗lieu⸗tſing in China haben eine Tiefe von 974 Meter, aber ihte Lage im Verhältniß zum Meeresſpiegel iſt nicht bekannt. a.

Aus der Gegenwart.

Ein deutſches Dichterleben.

Karl von Holtei. Eine Biographie. Prämie zu Kobers Album 1856. Prag u. Leipzig, Expedition des Album. 1856. Kobers Bibliothet originaler deutſcher Romane, genannt das Prager Album, bringt jährlich ſeinen Abonnenten das wohl⸗

ausgeführte Portrait eines ſeiner Mitarbeiter nebſt einer kleinen

begleitenden Lebensſkizze. Dies die Veranlaſſung zu dieſer circa

100 enggedruckte Seiten umfaſſenden Biographie. Der Inhalt aus denVierzig Jahren und denGrafenorter Briefen iſt hier über⸗ ſichtlich zuſammengedrängt. Welch ein wechſelndes, welch ein ewig unſtetes, welch ein reich bewegtes Leben! Bald Landjunker, bald Schauſpieler, bald Student, bald Theaterſecretär, bald Dichter, bald Reiſebegleiter der gaſtirenden Gattin, bald Theaterdirector, reiſender Vorleſer, Dramaturge, Schriftſteller, und dazwiſchen wie⸗ der und immer wieder Schauſpieler, das iſt der Inhalt dieſer

Spanne Menſchendaſein, in Breslau beginnend, in Graz endlich zur Ruhe gekommen, dazwiſchen durch ganz Deutſchland von Nord nach Süd, von Oſt nach Weſt einhergejagt, und um ſo eiliger, je mehr er der Zeit nahe kommt, wo das Herz nach Beſtändigkeit ſich ſehnt, ſo daß Du auf dem letzten Bogen dieſer Biographie keine zehn Zeilen überſchlagen darfſt, ſonſt findeſt Du den Helden in Wien, während Du ihn in Mecklenburg vermutheſt, oder in Ham⸗ burg, während Du ihn in Graz denkſt. Aber bei all' dieſer Unruhe, all' dieſer Unſtetigkeit welche Arbeitskraft, welche ſtete Geiſtes⸗ gegenwart, die über die zerſplittertſten Verhältniſſe die Oberhand zu gewinnen weiß, welche Unermüdlichkeit der geiſtigen Production, die nach einem fehlgeſchlagenen Plane ſogleich einen neuen verfolgt, nach einer, wie nach hundert mißglückten oder geglückten, aber ver⸗ geſſenen Productionen ſtets zu neuer Productionskraft ſich aufrafft und doch endlich auch au jedem der betretenen literariſchen Ge⸗ biete Etwas leiſtet, das goch der ſpäten Nachwelt erhalten blei⸗ ben wird.Hans Jürge,Wiener in Paris,Fünfzig Minuten in Grüneberg,Lorbeerbaum und Bettelſtab ſind noch heute be⸗ liebte Theaterſtücke;Leonore iſt mehr noch alsPrinz von Hom⸗ burg ein echtes preußiſches Volksdrama, das einzige faſt, das wir beſitzen. Wie viele von ſeinen Liedern leben auf Zungen, die ſeinen Namen nicht einmal kennen, und wird dasSchier dreißig Jahre biſt Du alt! jemals vergeſſen werden? Holtei's Selbſtbiographie

ferner, gerade bei der Armuth unſrer Literatur in dieſem Fache, iſt

ſchon heute und wird ſtets bleiben ein werthvolles Document jener Uebergangszeit von den Claſſikern auf Heutzutage, in der zuerſt ein öffentliches Leben in Deutſchland ſich herausbildetekrin Leben, das aber an nichts anderem als dem ſchöngeiſtigen Enthuſiasmus einen allgemeinen Inhalt findet. Holteis Romane endlich,Die