Jahrgang 
01-26 (1857)
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Dritte und laſſen ſich von ihren Abonnenten quartaliter die Lite⸗ ratur bezahlen, andern Zeitungen aber die Sorge, die Schriftſteller zu honoriren.

Der Schriftſteller hat nun mit vieler Mühe aus ſeinem Innern ein Werk geſchaffen, eine Zeitung oder Verlags⸗ handlung das Werk käuflich an ſich gebracht; wollten nur die Eigenthümer einer kleinen Zeitung ihre Leſer mit dem neueſten Producte eines Schriftſtellers bekannt machen, wäre es nicht nach allen Begriffen von Ehre nothwendig, daß ſich der Winkel⸗Journaliſt die Mühe gäbe, bei dem Eigenthümer des Werkes anzufragen und ihm Bezahlung anzubieten für das, was ſich der Winkel⸗Journaliſt be⸗ zahlen läßt?

Doch das geiſtige Product deutſcher Schriftſteller iſt in den böhmiſchen Wäldern der Winkelpreſſe vogelfrei er⸗ klärt, der literariſche Diebſtahl geheiligt durch die Gewohn⸗ heit. Du ſiehſt alſo, lieber Leſer, daß der Waggon ein zu einträgliches Geſchäft iſt, als daß nicht jeder Buchdrucker in einem kleinen Neſte den Gedanken hegen ſollte, eine eigene Zeitung herauszugeben, und nun wirſt Du Dich nicht mehr wundern, wenn jedes Dorf in Deutſchland in nächſter Zukunft ſeine eigene Zeitung haben wird.

Doch wir ſind abgekommen von dem Zwecke dieſer Schilderung, wir wollten die großen Leute einer kleinen Stadt zeigen und bitten deshalb den Leſer, uns zu folgen in das Redactionsbureau des Waggon.

Es iſt elf Uhr Morgens. In ſeinem Bureau ſitzt der Verleger und Redacteur, vor ſich auf einem Tiſche eine Nenge von Zeitungen, daneben eine Scheere; an der Wand hängen die Portraits von Goethe, Schiller, Leſſing, Wie⸗ land und Klopſtock. Ihre Werke ruhen ſtaubbedeckt auf dem Repoſitorium. Der Redacteur bläſt den Dampf einer Cigarre in die Lüfte und klingelt.

Herein tritt der Druckerlehrling.

Dieſe Artikel in die Druckerei! ruft der Redacteur und wirft ſich würdevoll zurück in den Lehnſtuhl. Wo nur der

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Jo ge.

Doctor bleiben mag mit der Theaterkritik? Es iſt die höchſte Zeit, er ſetzt mich immer in Verlegenheit, ich werde nächſtens die Kritiken ſelbſt ſchreiben. Herein!

Entſchuldigen Sie, bin ich hier recht beim Buch⸗ drucker Schwarzheim?

Zu befehlen, Schwarzheim iſt mein Name, wün⸗ ſchen Sie vielleicht auf den Waggon zu abonniren?

Nein! Ich bringe eine Anzeige fürs Blättchen! Bei mir ſind friſche Bücklinge angekommen, wenn Sie was gebrauchen, ſchicken Sie zu mir.

Ich werde Sie meiner Frau empfehlen. zeige vier Zeilen drei Silbergroſchen.

Empfehle mich Ihnen.

Auf Wiederſehen.

Der Redacteur wirft ſich wieder in den Lehnſeſſel zurück und murmelt vor ſich hin: Wo nur der Doctor bleiben mag mit der Kritik? Herein!

Ah! der Herr Aſſeſſor! Welche Ehre! Was führt Sie zu mir, Herr Aſſeſſor? Bitte, legen Sie den Hut ab! Iſt Ihnen eine Cigarre gefällig?

Schönen Dank. Mich führt eine Angelegenheit zu Ihnen eigener Art! Geſtern Abend auf dem Thee bei der Frau Directorin war man ſehr ungehalten gegen Ihr Blatt.

Auf meine Zeitung?

Ja wohl! Auf Ihre Zeitung, mein Herr! wiſſen wohl ſehr genau, daß der junge Berder vortreffliche Gedichte macht, und doch haben Sie bis jetzt noch nichts gethan, dieſes ausgezeichnete Talent Ihren Leſern vorzu⸗ führen; namentlich intereſſirt man ſich im Kreiſe der Frau Leihamts⸗Directorin ſehr für Gedichte und Sie bringen nur Erzählungen. Daß ich es Ihnen nicht verhehle, man ſprach davon, Ihre Zeitung aufzugeben.

Aufzugeben? Meine Zeitung? Wo wohnt der junge Berder? In den nächſten Tagen werde ich ſeine

Die An⸗

Sie

auszudrücken verſtehen; wie im ſechzehnten Jahrhundert Marc Anton Raimondi, Albrecht Dürer und Lucas von Leyden an Kunſtgeſchicklichkeit mit einander wetteifern und Werke ausführen, die noch die ſpäte Nachwelt bewundern muß; wie von dieſen Gründern aus die Schulen ihren ſelbſtſtändigen Weg gehen; wie in den Niederlanden die Wicrx und Goltzius und in Deutſchland die ſogenannten Kleinmeiſter(Aldegrever, die Beham, Pencz) zwar noch im Geiſte einander parallel laufen, aber ſchon in den Schuͤlern wie W. und L. Kilian einexſeits, Delff, W. Hondius, Matham

andererſeits, ſich Verſchiedenheiten kundgeben, die bald im ſieben⸗

zehnten Jahrhundert durch den Einfluß der franzöſiſchen Schule mit Edelinck, Nanteuil, Maſſon u. A. in die ſchroffſte Spaltung übergehen da die Niederländer Van Dyk, Rubens, Rembrandt, Teniers, Oſtade mit ihren Schulen unbeirrt auf der Bahn des rein Realiſtiſchen bleiben, die auch die Landſchafter und Thiermaler, wie Fyt, Waterloo, Ruysdael ꝛc. nicht verlaſſen wollen, während C. Viſſcher und ſeine Genoſſen ſo wie die Bolswert, Pontius, Vorſterman auch zu Muſterbildern der Grabſtichelführung wer⸗ den. Im achtzehnten Jahrhundert gibt dagegen Frankreich unbe⸗ ſtritten den Ton an; ſeine Watteau, Lancret und Boucher finden ihre glänzenden Ueberſetzer an Daullé, Larmeſſin, Le Bas und wie ſie alle heißen mögen; die Niederländer beſitzen nur noch ihren Houbraken,den Stern des achtzehnten Jahrhunderts, und die Deutſchen Schmidt und Wille kommen nach Paris, um die jetzt nothwendig gewordene Eleganz zu erlernen. Um dieſe Zeit treten auch die Engländer, die im ſiebenzehnten Jahrhundert nur wenige Meiſter beſaßen, unter denen aber Faithorne als ſtrahlende Sonne hervorleuchtet, mehr in den Vordergrund, anfangs vorzugsweiſe mit Werken der ſtets mit Vorliebe gepflegten Schabkunſt, dann

aber auch mit denen in fremden Schulen großgezogener Grabſtichel⸗ meiſter, wie Woollett, Strange, Sharp, bis endlich das neunzehnte Jahrhundert ſeinen Eingangs erwähnten Beruf dadurch bethätigt, daß mit der durch die früheren Zeiten ausgebildeten, faſt gleich⸗ mäßigen Technik die großen Werke der alten Maler nachgebildet und dem Publicum zugänglicher gemacht werden. Natürlicher⸗ weiſe konnten in einer ſo verſtändig angelegten Sammlung, wie die vorliegende, die Meiſter unſerer Zeit nicht unberückſichtigt bleiben, und wir finden demnach auch Namen wie Anderloni, Ga⸗ ravaglia, Longhi, Morghen, Toschi, Desnoyers, A. Louis, Mer⸗ curi, Martinet, Mandel, F. Müller, Eichens, Steinle u. A., durch viele ihrer bedeutendſten Werke bezeichnet. Doch bleibt eine bloße Namenaufzählung, wie ſie in unſerer flüchtigen hiſtoriſchen Skizze nur möglich war, immer unerquicklich, und wir empfehlen daher dem kunſtliebenden Leſer das Werkchen zu eigener aufmerkſamer Durchſicht. C.

Aus der Gegenwart.

Berliner Plaudereien. Adalbert von Babanberg.

Geſtern Abend ging Brachvogel'sAdalbert von Baban⸗ berg in Scene und zwar mit ungeheurem Beifall. Das will nun allerdings wenig ſagen, da das Publicum ſo geſtimmt war, daß es Derbheiten und Ausfälle, wie ſie ärger kaum Shakeſpeare aufweiſt, dann auch Seitenhiebe auf Zuſtände ohne Anſtoß hinnahm. Brach⸗ vogel hat ſtellenweis wieder eine meiſterhafte Technik entwickelt und