Jahrgang 
01-26 (1857)
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Jahrg.

fließen⸗ mühſam erger des nit größ⸗ ihm ein ſes ſchon en Stun⸗ en, aber zu ſeiner as Mer

eſcloß er n wir ihn neder ſüͤd⸗ ße, dieſe Neuſchen; und Hoſe blieben Waler⸗ Schnitte tbuben in eenkbarem alen auf, en; junge hen Klei⸗ ltern ge⸗ er Seide te frlirt, dies aller gagelent innerung Hedränge bunte ge⸗ Gter und A ſcch daß heute

Nr. 1.]

demſelben unreinen Lächeln.Schreiben Sie ihr, ſtecken Sie das Billet in ein Bouquet und ſehen Sie was ge⸗ ſchieht. Ich gönne ſie Ihnen, ich habe genug von ihr.

Wollen Sie, ſo ſchreibe ich Ihnen ſelbſt das Billet, da Sie die Sprache ſchwerlich genug verſtehen ich ſtehe für den

Erfolg. Geben Sie jetzt Acht, ſie gehen. Geben Sie auf ſie Acht, ſie wird mir ein Zeichen geben ich werde

ſie noch heute Abend ſehen.

Wirklich hatte ſich die Geſellſchaft erhoben. Wäre

Iſidors Aufmerkſamkeit durch dieſe abſichtliche Lüge Si⸗

moni's nicht abgelenkt geweſen, ſo hätte er ein blitzſchnelles

Augenblinzeln zwiſchen Simoni und der Vittori austauſchen ſehen; ſo aber war er düpirt und beobachtete ausſchließlich

Ellena; ihre Schönheit erſchien ihm noch frappanter in der Nähe, denn ihr Geſicht war vom feinſten Schnitte und durchſichtiger Reinheit, ihre großen Augen wie Sterne ſo klar und keuſch, und doch, einmal argwöhniſch gemacht, erbebte er leicht, als er ein eigenthümliches Spiel ihrer Finger gewahrte. Sie trug ihren grünſeidenen Fächer ſo in den Händen, daß ihm dieſe Bewegung von einer ſonſt ſo graziöſen Perſon geſucht und abſichtlich erſchien, ſo daß er geneigt war, Simoni zu glauben; jetzt ſchlug ſie den Fächer auseinander und ließ ihn wieder zuſammenfallen.Haben Sie geſehen? fragte Simoni lächelnd,es wird heut ſpät werden nach zehn Uhr erſt!

Was geht mich das Mädchen an? Dieſe Frage oder

wielmehr dieſer Zuruf tönte während des ganzen Abends in Iſidors Seele. Er wollte an der Thür ihres Hauſes warten, allein er wußte es nicht zu finden, und dann, aus welchem Grunde hätte er es thun ſollen? ſeine Thorheit. Er empfand ein eigenthümlich ſchmerz⸗ unvereinbar mit der niedrigen Gemeinheit Francesco Si⸗ moni's und doch ſah er immer vor ſich den grünen Fächer und darauf die ſchmalen Hände in den hellen Hand⸗ ſchuhen; wenn es doch wahr wäre!

Dritte Folge. 7.

Er lachte über

Und Ellena was that ſie zu derſelben Stunde, wo ſie Jſidor mit zuckendem Herzen in einem verliebten tete⸗ a-tete glaubte? Sie ſaß einſam vor ihrem Schreib⸗ tiſche, während die Anderen im Theater waren. Das reiche, elegante Gemach ſchwamm in Licht und Wohlgeruch, ſie ſaß in dem großen Armſtuhl, und ihr blaſſer Kopf lehnte an der purpurnen Lehne, daß die Bläſſe ihres Geſichts faſt todtenhaft erſchien. Es war ſehr verändert, dieſes ſchöne Antlitz, ein troſtloſes Weh lag um den feinen Mund und ſchwere, bittre Thränen rollten auf den Damaſt des Klei⸗ des; die Hände lagen gefaltet im Schooße. So wie ſie dalag, war ſie ein Bild des tiefſten Schmerzes, der hoff⸗ nungsloſeſten Entmuthigung. Vor ihr lagen Briefe und Documente ihres Advocaten; das, was ihre Mutter für unmöglich hielt, war ihr faſt gewiß daß ſie ruinirt ſeien, daß der Proceß verloren gehen müſſe.

Endlich trat ſie auf den Balcon, ſie flüſterte mit leiſen Lippen ein Gebet, das Rollen eines Wagens weckte ſie aus ihren ſchmerzlichen Träumen; beim Schein der Laterne ſah ſie unten die hellen Seidenkleider, das Blitzen der Brillan⸗ ten es waren Mutter und Schweſter, die vom Theater zurückkehrten. Ein tiefer Seufzer ſtahl ſich aus der Tiefe dieſes armen, zerquälten Mädchenherzens: wie werden ſie es ertragen, arm zu ſein!

Drei Monate hatten in Iſidors Lebensſtellung man⸗ ches geändert. Er war nicht mehr fremd und unbekannt. Von Natur mit einem klaren Verſtande und richtigem

Blicke begabt, mit tüchtigen, ja ſogar ſeltenen Kenntniſſen liches Gefühl, das Bild dieſer reinen Schönheit ſchien ihm

ausgerüſtet, nahm er auf dem Comptoir eine für die kurze Dauer ſeiner Anweſenheit außerordentliche Stellung ein. Herr Simoni war kein Mann von Bildung, aber ein tüch⸗ tiger, gewandter Kaufmann, der ſeinen jungen Commis zu ſchätzen wußte, und ſchon aus dieſem Grunde ſah ſich Iſidor

zu erleichtern, hatte die brave Frau zu Hauſe eine kleine Ladung Getreide, Obſt, Geſchirr und dergleichen eingekauft, um ſie in Dresden mit Gewinn zu verkaufen. Was für ein Ereigniß für die Kleine der erſte Anblick eines großen Waſſers, die erſte Fahrt auf einem Fluſſe war, weiß ſie jetzt noch rührend zu beſchreiben. Indeß überſtürzten ſich jetzt die Eindrücke, und erſt als Agnes in Dresden, in⸗Mickſch's Hauſe, bei einer alten Witwe mit 4 Thaler monatlich für Wohnung und Koſt() untergebracht war, konnte ſie einigermaßen ſich zu ſammeln beginnen.

Nun ging es an das Studiren. Zwei Jahre lang gab Papa Mickſch Stunden. Dann war es endlich erreicht, daß die Schüle⸗ rin mit 8 Thaler 8 Groſchen monatlicher Gage in den Opernchor eintreten durfte! Nach jener Feuer⸗ und jener Waſſerprobe die erſte Theaterprobe!

Wie viele Künſtlercarrieren ſind damit geſchloſſen! Wie viele andere, die nach einem höheren Ziele ſtreben, führen durch Mißgeſchick, Krankheit, Mangel an geiſtigen oder phyſiſchen Kräf⸗ ten zu Noth und Elend! Die kleine Agneſe aus Thereſienſtadt gehört zu den Wenigen, die zu der glänzenden Kometenlaufbahn des beglückten Künſtlerthums ſich aufſchwangen, und aus den Erin⸗ nerungen daraus, die ſie unter dem Titel:Aus dem Leben einer Künſtlerin von Agneſe Schebeſt kürzlich herausgab(Stuttgart, Ebner& Seubert, 1857), wollen wir von ihren Erfolgen Weiteres berichten.

eer es alſo vertheidigen?

Aus der Natur. Die Staaten der UVögel).

Je genauer man es betrachtet, je mehr ſieht man ein, daß der Vogel nicht, wie das Inſect, ein induſtrielles Thier iſt. Er iſt der Poet der Natur, das unabhängigſte der Weſen bei einem erhabenen, abenteuerlichen, im Ganzen nicht ſehr geſicherten Leben.

Gehen wir in die amerikaniſchen Wälder und prüfen wir die Sicherheitsmaßregeln, welche die einzeln lebenden Individuen er⸗ finden oder genießen. Vergleichen wir die Hülfsmittel des Vogels, die Beſtrebungen ſeines Genies mit den Erfindungen ſeines Nach⸗ bars, des Menſchen, der an denſelben Orten wohnt. Der Unter⸗ ſchied fällt zu Gunſten des Vogels aus, denn alle menſchlichen Erfindungen haben nur den Zweck des Angriffs. Der Indianer hat die Keule, das ſteinerne Meſſer zum Scalpiren erfunden, der Vogel nur ſein Neſt.

In Bezug auf Reinlichkeit, Wärme, Niedlichkeit und Anmutb iſt das Neſt dem Wigwam des Indianers bedeutend überlegen, wie viel mehr aber dem Hauſe des Negers, das in Afrika wenig mehr iſt als ein Loch.

Der Neger iſt noch nicht auf die Idee der. Thür gekommen, ſein Haus bleibt offen ſtehen; gegen nächtlichen Ueberfall verwahrt er den Eingang durch Dornſträuche.

Der Vogel verſteht ſein Neſt auch nicht zu ſchließen, wie kann Er macht den Eingang dazu eng und

*) Nach:Aus den Lüften. Das Leben der Vögel von. Michelet. Aus dem Franzöſiſchen. Berlin 1857, Allgem. deutſche Verlags⸗Anſtalt

(Sigismund Wolff).