Jahrgang 
01-26 (1857)
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Novellen⸗Zeitung.

[III. Jahrg.

die Iſidor oft zärtlich und ſchüchtern an die Lippen geführt ſich dann in derſelben Sprache, aber in reinen und fließen⸗

hatte. Der kleine däniſche Handſchuh lag in der Brief⸗ taſche, und als er ihn betrachtete, trat das Bild des ſchlanken, ſanften Mädchens in ſeinem ganzen ſüßen Reize votefeine Seele, bis ein Anruf des Zollbeamten ihn weckte, der ihm den Paß abforderte, und in dem Gewirr und Wagengeraſſel der nun erreichten Stadt drängte ſich das neue Leben mit tauſend Forderungen und Ent⸗ ſchließungen auf ihn ein.

Zwei Stunden ſpäter und er ſtand vor ſeinem

den Ausdrücken, an den Buchhalter, der ihm mit mühſam verhaltenem Lächeln über den augenſcheinlichen Aerger des jungen Herrn und wahrſcheinlich gerade deshalb mit größ⸗ ter Freundlichkeit Auskunft ertheilten Er bot ihm ein Zimmer in ſeinem eigenen Quartier an, welches ſchon Iſidors Vorgänger bewohnt hatte, und nach einigen Stun⸗ den war dieſer völlig eingerichtet in ſeinem kleinen, aber

freundlichen und ſaubern Zimmer, deſſen Fenſter zu ſeiner

neuen Principal in dem dunklen unfreundlichen Comptoir. Es war ein renommirtes Haus, dem er vorſtand, und doch⸗

glich der Beſitzer eher einem gemeinen Mälter, als dem Chef einer großen Handlung. Nicht nur der abgetragene

unreinliche Anzug war es, was ihm dieſes gemeine Anſehn

gab, vielmehr noch die habgierigen Züge des breiten Geſichts

von unedlem Schnitt mit ſtark orientaliſchem Typus. Herr Simoni grüßte den neuen Gehülfen ziemlich kühl und Iſidor mußte ſich zwingen, ihn nicht unhöflich zu finden. Indeß erwiderte er dieſe unfreundliche Art mit ausgeſuch⸗

ter, aber ſicherer Höflichkeit und brachte den alten Herrn

dadurch dazu, ſeinen nachläſſigen Ton zu ändern, indem er ihn an ſeinen Sohn wies, um von ihm die nöthigen An⸗ um die letzte ſaftige Faſer nicht verderben zu laſſen; junge

weiſungen zu erfragen.

Der junge Dandy mit feinen und ſchönen, aber ſehr verlebten Zügen, mit einer Toilette, deren Einzelheiten koſtbar und vollkommen modern, aber völlig geſchmacklos und ohne Uebereinſtimmung waren, mochte von Iſidors Alter ſein. Indem er nicht wie ſein BWater ſchlechtes Deutſch

ſprach, ſondern ſich der Sprache des Grenzlandes, aber im

verdorbenſten Patois bediente, verſuchte er einen arrogan⸗ ten und herablaſſenden Ton gegen den neuen Commis an⸗ zunehmen, indem er ihm ſeinen Rath bei ſeiner Einrichtung antrug.

Iſidor hörte ihn ruhig an, mit einem kühlen Lächeln ſich verbeugend, als der junge Mann geendet, und wandte

großen Freude die Ausſicht auf den Hafen und das Meer boten.

Die letzte Stunde vor Sonnenuntergange beſchloß er zu einem Spaziergange zu benutzen, und ſo ſehen wir ihn auf ſeiner erſten Irrfahrt durch das bunte Treiben ther füd⸗ lich lebhaften Seeſtadt. Die breite Hauptſtraßen dieſe Pulsader des öffentlichen Lebens, wimmelte von Menſchen; Arbeiter in ſehr einfachem Anzug, nur aus Jacke und Hoſe beſtehend, den Strohhut auf das Haar gedrückt, blieben bei den kleinen Tiſchen ſtehen, auf denen Berge von Waſſer⸗ melonen gehäuft waren, um für einen Kreuzer eine Schuitte

des rothen ſaftigen Fleiſches zu genießen; Bettelbuhen in

wahrhaft claſſiſcher Zerlumpung und kaum denkbarem Schmuz hoben die weggeworfenen grünen Schalen auf,

Arbeiterinnen, heute in mehr oder weniger ärmlichen Klei⸗ dern, die kleine armſelige Schürze um die Schultern ge⸗

zogen, die morgen ein reicher Shawl von chineſiſcher Seide

zieren ſollte, das dunkle Haar auf das zierlichſte friſirt, wurden verfolgt und flüchtig angeredet von Dandies aller Claſſen und jeden Alters, um entweder ein Engagement für morgen zu verabreden oder ein älteres in Erinnerung zu bringen. Endlich flüchtete Iſidor aus dieſem Gedränge zum Hafen. Auch auf dem Molo wogte eine bunte ge⸗ putzte Menge. Viele ſchöne, ſtark markirte Geſichter und der übertriebene grelle Luxus erinnerten ihn, daß er ſich in morgenländiſcher Geſellſchaft befinde und daß heute

Feuilleton.

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Theatraliſche Genrebilder. Ein Künſtlerleben. J.

Gibt es noch Märchen heutzutage? Die romantiſchen Wunder der alten verſchollenen Zeit waren jene Dornröschen, die plötzlich als Prinzeſſinnen ſich entpuppten;

jene verzauberten Prinzen, welche Aſchenbrödel in ihr Schloß ent⸗

der reich gewordenen Aſchenbrödel, der neckiſchen Kobolde, der ver⸗

führeriſchen Loreley und der Liebe und Unſchuld vereinigenden, Glück und Seligkeit mit vollen Händen ſpendenden Feen; wenn ſie Dir in der Wirklichkeit noch nicht begegnet ſind, verehrter Leſer,

ſo iſt Dir aus den mannigfachen Kreiſen unſerer heutigen Welt noch Eines unbekannt geblieben, das Leben einer Künſtlerin, die

führten; jene Kobolde, die über unermeßliche Schätze geboten und

neckiſch den Einen beglückten, den Andern ins Verderben ſtießen; jene Loreley's, die ſich das Hagr mit goldenem Kamme kämmten

und ſangen ein Lied dabei, das hatte eine wunderſame, gewaltige

Melodei; jene gütigen, beglückenden Feen endlich, welche, die Roſen der Liebe und die Lilien der Unſchuld ſo glücklich zu einem Kranze vereinigend, in ihrem gold⸗ und perlengeſchmückten Muſchelwagen durch das Morgenroth des Lebens kutſchirten, die Schmerzen der Leidenſchaft zu heilen, für den Kummer der Entbehrung zu tröſten nach allen Seiten Freude, Wonne, Heil ausſpendend!! 3

Ja, es gibt noch Märchen. Noch heutzutage leben dieſe Wunder der entpuppten Dornröschen, der verzauberten Prinzen,

Schickſale und Triumphe einer berühmten Sängerin, Schauſpie⸗ lerin oder Tänzerin!

Hier iſt noch ein Reſt von Romantik, eine Oaſe der Poeſie, ein wirkliches Wunder, ein modernes Märchen erhalten! Hier gibt es noch träumeriſche Sehnſucht und erfüllte, unglaubliche Träume, idylliſches Glück der Armuth, plötzlich blendend hereinbrechender Glanz, eine Begeiſterung für Ideale, ein Daranſetzen aller Kräfte für Ein Ziel, ein Kampf mit dem Schickſal, das jeden Augenblick ſo tief fallen kann, wie es hoch geſtiegen, und hier gibt es noch jubelndes Triumphgefühl, ſchwelgeriſche Lebensluſt, freie Poeſie der Neigungen und unerſchöpfliche Opferfäbigkeit der Leidenſchaft. Hier findeſt Du noch Paſſion ohne Reue, Glück ohne Verantwor⸗ tung; hier kannſt Du noch Treue ſchwören, ohne ſie halten zu müſſen; hier darfſt Du noch lieben, ohne nach Deinem Einkommen⸗ gefragt zu werden. Hier iſt das Leben noch ein Traum der

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M. 1.

demſelben unr Sie das Bill ſchieht. Ich Wollen Sie, die Sprache ſ Erfolg. Ge⸗ auf ſie Acht, ſie noch heute Wirklich Ilddors Au moni's vich Augenblin, ſehen; ſoa Cllenay ihr der Nät, d durchſicniger klar un ke erbebte er lei Jinger ewal in an Hände Ftlöſen Pe⸗ eigt ar, lseinander Sie geſehen! werden n

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