Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
828
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Noneſten⸗Zeitung. II. Jahrg.

Es ſiel ein Stern herunter Ins tiefe Meer,

Es fiel aus meinen Augen Eine Thräne ſchwer.

Es glänzte der Stern im Fallen, Die Thräne nicht,

Die Thrän' iſt bittres Waſſer, Der Stern iſt Licht.

Für wen iſt der Stern gefallen? Ich weiß es nicht;

Doch von der Thräne weiß ich's Sie fiel für Dich.

Du lebe nicht, ich will es nicht, Ich will Dich lieber im Grabe, Als ſo wie ich beim Feſteslicht

Zuletzt geſehen Dich habe.

An ſeinem Herzen, in ſeinem Arm,

Die Stirn gekränzt mit Blüthen,

Mit leuchtenden Wangen, auf denen warm

Die Flammen des Tanzes glühten.

O, lebteſt Du ihm, Du wäreſt ſein Heil Und brächteſt ihm herrliche Erben,

Er hätte ſchon hier am Himmel Theil, Und darum ſollſt Du ihm ſterben.

Eh' mit mir der Wahnſinn endet, Küſſ' ich in Gedanken Dich,

Er hat bald ſein Werk vollendet, Und vergeſſen werd' ich Dich.

Triffſt Du, fremd und doch dieſelbe, Mich auf Deiner Straße dann,

O dann bitt' ich Dich, dann rede Nicht den armen Irren an.

Denn Du würdeſt mich erwecken Mit der ſüßen Stimme Dein,

Und bin ein Mal ich im Wahnſinn, Will ich nicht erweckt mehr ſein.

Der Donnerſturm iſt auf dem Meer*) Bleib' ſtehn, langweilig ſichres Haus! Ich will in das Boot und will hinaus, Ich will auf das donnerhallende Meer.

Ich will in den wilden Meerestod,

In den ſchäumenden, brauſenden Untergang, In den Wogenſang, in den Donnerklang

Trag' hin mich, mein aufgegebenes Boot.

Das Meer flammt blau im Sonnenbrand,

Am Felſen ſpült der letzte Schaum,

Die große Nacht iſt wie ein Traum,

Das Boot liegt wieder am alten Strand.

Bin ich denn Allem, Allem nicht recht,

Seit Du mich verſchmäht, Du ſtolzes Licht? . Du wollteſt meine Seele nicht,

Dem Meer iſt ſelbſt mein Leichnam zu ſchlecht.

Ich will die Liebe laſſen Was ſoll ſie mir?

Ich will mit kaltem Herzen Liegen und ruhen hier.

Ich will der Liebe vergeſſen Und Deiner mit;

Es wird mir das Herz geneſen Nach einem Meſſerſchnitt.

Der Wein iſt feurig und golden, Die Roſe roth

Ich will um Deinetwillen Dulden bis in den Tod.

*) Man dürfte ſich bei dieſem Liede vielleicht ironiſch daran er⸗ innern, daß Serdanauf ſeinem geliebten Meere ſeekrank geworden, und dürfte mit Recht meinen, daß Seekrankheit und Todesbegeiſterung ſchwerlich zugleich in einer Menſchenbruſt exiſtiren könnten. Darauf die naturgeſchichtliche Bemerkung, daß der Dampfer dem Magen der meiſten Dalmatier ſehr wenig analog iſt, ſo daß Viele auf ihm nicht den leichteſten Sturm geſund überſtehen, während ſie im Boot beim allerheftigſten nicht krank werden.

dem jungen talentvollen Componiſten Heinrich von Sahr, op. 8; der Ton kindlicher Naivetät iſt zwar prächtig in dieſen Lie⸗ dern getroffen, doch ſcheinen ſie mehr für das größere Kind be⸗ ſtimmt, was ſchon laufen, leſen, ſchreiben, ſingen, tanzen hei⸗ rathen kann. Drei Lieder von Heinrich Eſſer, op. 50, ſind wegen ihrer Lieblichkeit und Einfachheit zu rühmen. Nr. 1:Des Frühlings erſte Schauer iſt faſt volksgemäß; das zweite Lied: Wo iſt mein Lieb geblieben iſt von ganz reizendem Ausdruck; das dritte endlichDer Lenz meine Luſt: tanzt förmlich vor Hei⸗ terkeit und Freude, es wird gewiß zu einem beliebten Geſell⸗ ſchaftslied.

Zwölf zweiſtimmige Lieder aus dem Ruſſiſchen von Bodenſtedt mit Begleitung des Pianoforte, componirt von Anton Rubinſtein, op. 48, bieten den ſeltenen Verein künſteriſch⸗nobler Phantaſie mit menſchlich⸗natürlichem Gefühl; dazu tritt noch der beſondere Reiz lieblicher, leicht ſangbarer Melodie und bequem

ſpielbarer Clavierbegleitung. Alle, welche die herrlichen zweiſtim⸗ Verlag von migen Lieder von Mendelsſohn ſingen, werden ſich auch an dieſen ſchoͤnen Tondichtungen Rubinſteins erfreuen. Druck und Aus⸗ ſtattung aller vorgenannten Compoſitionen iſt von größter Eleganz und Sauberkeit.

ſelbſt, die klare anſchauliche Darſtellung, welche mit aller Behut⸗ ſamkeit das ganze Götterweſen der alten Welt darlegt, daß unter den zahlreichen mythologiſchen Schriften gerade der Olymp ſich ſo lange bewährte und erhielt.

Wobl nur darum wurde dem Buche dieſe Gunſt zu Theil, weil bei jeder neuen Auflage dafür geſorgt wurde, um, was innern Werth und äußere Schönheit betrifft, ſtets das zu leiſten, was dem Fortſchritte gebührte.

Das iſt beſonders bei dieſer zehnten Auflage geſchehen. Die Bilder, noch bedeutend in der Zahl vermehrt, ſind ſo ſchön und doch treu nach den beſten Ueberlieferungen, daß ſie im Verein mit dem ausführlichen Texte ein Bildungsbuch uns vor Augen legen, wie es ſehr wenige geben dürfte.

Muſikaliſches. Für den Weihnachtstiſch.

Neue Lieder mit Clavierbegleitung. Bartholf Senff in Leipzig.

Bei der großen Anzahl Lieder, welche jeder neue Tag bringt, werden wir unſern ſingenden Leſerinnen jetzt gerade einen Dienſt erweiſen, wenn wir ſie auf einige kürzlich erſchienene Hefte von mehr als gewöhnlichem Werthe beſonders aufmerkſam machen. Wir nennen zuerſt einen Cyklus von ſechs Liedern von Mörike, componirt von Robert Franz, op. 27, in denen der echte Geiſt des Liedes waltet und die ſich durch Innigkeit des Ausdrucks be⸗ ſonders auszeichnen; ſie ſind dazu in der Form leichter und ein⸗ gänglicher gehalten, als die früheren Franz'ſchen Lieder. Nicht minder anſonehend iſt ein Heft mitZwölf Kinderliedern von

Immortellen. Auswahl des Beſten aus den Werken der großen Meiſter im Bereiche der Tonkunſt. Für das Pianoforte eingerichtet und herausgegeben von Julius Hopfe. Druck und Verlag von G. Reichardt in Eisleben.

Dieſe ſeit den letzten Monaten lieferungsweiſe erſcheinende Sammlung empfiehlt ch durch Billigkeit und Correctheit.

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