Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
824
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die Arme. O Du, Du, warum nahmſt Du nicht den Jüngling? Jetzt bin ich ein armes, elendes Geſchöpf, eine Hülſe meiner ſelbſt.

Da ich mein Schickſal mit tiefſter Gewißheit fühle, warum da nicht vorher nicht ſelbſt? Ich dürfte dann nicht mehr warten. Ich ſähe nicht das unbeſchreibliche Ungeheuer Wahnſinn heranſchleichen. Warum thu' ich's denn nicht? Ich kann nicht. Meine Füße finden nicht den Weg, mein Geiſt findet nicht den Willen.

O, ich will weinen über mich meine letzten Thränen.

Der Herbſtwind, dieſer unerträgliche Geſell, heult mir in

die Ohren. Ich will ſie mir zuhalten, mich in einen Winkel kauern und weinen, wie ein Kind weint.

Ich hätte nicht ſo enden ſollen. Es iſt Schade um mich. Was hat mich hierzu gebracht? Nichts Einzelnes.

Das Leben zuſammengenommen. Die Ungeduld. Das Einerlei. Die kleinen Qualen. Ich bin müde, zer⸗ brochen der Wahnſinn wird leichtes Spiel an mir haben.

Immer noch beſſer, als wenn ich noch lange gegen ihn ringen müßte.

Orte*).

Warum ſingt kein Vogel

Vor meinem Fenſter?

Warum blüht keine Blume

In meinem Garten?

Warum glänzt kein Stein

An meinem Finger?

Warum iſt kein Glück

In meinem Herzen? Die Lieder an ſie ſind am meiſten allgemein illy⸗ Kunſtliebe, Poeſieverſuche.

*) Hortenſia. riſch, am wenigſten von Serdan.

Novellen⸗Zeitung.

(I.

Und warum wein ich, Und ſollte lachen? Und warum wach'ich, Und ſollte ſchlafen? Und warum welk ich, Und ſollte grünen? Und warum ſterb' ich, Und ſollte leben?

Du biſt des Andern, Biſt nicht die Meine, Biſt nicht die Meine Und wirſt es nimmer. Und darum wein'ich, Und darum wach' ich, Und darum welk' ich Und werde ſterben.

Mada)).

Ich möchte von der blauen Nacht Mit ihren wunderſchönen Sternen, Ich möchte wohl die Ruhe lernen, Allein ich habe Dein gedacht.

Und Du, Du biſt nicht meine Ruh',

Du biſt der Schlag in meinem Herzen,

Du biſt ich ſelbſt mit Glück und Schmerzen, Doch nicht mein Schlaf, nicht meine Ruh'.

Denk ich an Dich, da wird mir bang', Da quält es mich in allen Adern,

Da muß ich weinen, rufen, hadern, Da werden Tag und Nacht mir lang.

Und wann und wo dächt ich nicht Dein? Zu jeder Zeit, in allen Fernen; So kann denn nicht die Ruh ich lernen Von dieſer Nacht voll Sternenſchein. *) Magdalene. Die Leidenſchaft, die ſie Serdan eingeflößt, ſüd⸗ lich an Glanz und Gluth. Auf einem zerknitterten Blatt, welches ganz mit ihrem Namen bekritzelt iſt, ſteht in einer Ecke ſchief geſchrie⸗ ben:Neapel, Palaſt Ob ſie dieſen Palaſt bewohnte? Anzu⸗ nehmen.

beitende Claſſe zuträglich und für dieſe weit beſſer als der Genuß des Branntweins, weshalb überall wie in manchen ſüddeutſchen Staaten von den Behörden ein wachſames Auge auf die Güte des Bieres gerichtet ſein ſollte.

Blume und Bouquet des Weines.

Der Oenanthäther, welcher ſich in allen Weinen findet, bedingt den eigenthümlichen angenehmen Weingeruch. Dieſer Körper hat einen ſo durchgreifenden Geruch, daß er im iſolirten Zuſtand faſt berauſchend wirkt und ſelbſt in der höchſt geringen Menge, in welcher er im Wein enthalten iſt(ſelten enthält ein Wein mehr als 1⁄¼0000 davon), dieſem den eigenthümlichen Geruch ertheilt. Der Oenanthäther findet ſich aber nicht in dem Moſt, ſondern bildet ſich erſt bei der Gährung und ſcheint ſich auch mit dem Alter der Weine zu vermehren, da dieſe dann ſtärker nach ihm riechen als in der Jugend.

Die Blume des Weins iſt in chemiſcher Beziehung noch gar nicht bekannt; man bezeichnet damit, abgeſehen von dem allgemei⸗ nen, durch den Oenanthäther bedingten Weingeruch, ein aromati⸗ ſches Weſen, welches jedem Wein ſeinen beſonderen Charakter er⸗ theilt. Das, was das Bouquet des Weines genannt wird, iſt nicht mit der Blume zu verwechſeln, ſondern eine Vereinigung mehrerer Weinblumen.

Arſenik im Wein.

Wir müſſen auf eine Vergiftung des Weines aufmerkſam machen, die entweder unabſichtlich beim Schwefeln der Weinfäſſer oder auch abſichtlich geſchehen kann. Es betrifft die Vergiftung

des Weines mit Arſenik; manche Leſerinnen und Leſer werden er⸗ ſtaunen, daß ein ſo edles Product wie der Wein mit einem ſo höchſt gefährlichen Gift vermiſcht ſein kann, und doch iſt dieſes in der Wahrheit begründet. Unabſichtlich kann nämlich Arſenik in dem Wein enthalten ſein durch den Schwefel, der zum Schwe⸗ feln verwendet wird; dieſer iſt nämlich ſehr häufig mit Arſenmetall vermiſcht, weil dieſes in den auf Schwefel verarbeiteten Minera⸗ lien häufig vorkommt und wegen ſeiner Flüchtigkeit mit dem Schwefel verdampft. Wird ſolcher Schwefel verbrannt, ſo ver⸗ brennt auch das Arſenmetall zu derjenigen äußerſt giftigen Sub⸗ ſtanz, die im allgemeinen Leben als Fliegengift oder weißer Ar⸗ ſenik bekannt iſt; ſie iſt zwar von feſter Beſchaffenheit, löſt ſich aber doch etwas in dem Wein, wenn dieſer auf die geſchwefelten Fäſſer gebracht wird. Abſichtlich kommt dieſe Subſtanz dadurch in den Wein, daß man ſie, wegen der Eigenſchaft die Gährung zu verhindern oder zu tödten, in manchen Gegenden, namentlich ſoll es in Frankreich mitunter geſchehen, dem ſpäter zum Verſüßen des ausgegohrenen Weines dienenden Moſt oder dem in Gährung be⸗ findlichen Wein ſelbſt zuſetzt, um in dieſem eine gewiſſe Quantität Zucker zurückzuhalten. Da der Arſenik ſchon bei 1½0c die Gäh⸗ rung im Moſt zu verhindern oder in gährendem Wein zu unter⸗ brechen im Stande iſt, ſo wird er auch nur in ſehr geringer Menge zugeſetzt, wird aber doch bei längerem und nicht zu mäßigem Ge⸗ nuß derartigen Weins für die Geſundheit höchſt nachtheilig, ſelbſt lebensgefährdend, und jedenfalls beſonders dann erſt, wenn der Genuß des arſenikhaltigen Weins aufhört, weil bei denjenigen Leuten, welche zur Hervorrufung eines ſchmucken Anſehens Arſe⸗ nik täglich genießen, die Folgen dieſes Genuſſes erſt nach der Un⸗ terbrechung deſſelben recht deutlich hervortreten.