I. Jahrg
dlichſten und ge⸗ dklingen die Fun⸗ n Gedanken. Sp ben, Micho kam war alles Geiſ⸗ zu Ihrem Glüct und wird ihn ſich er Sorgfält el⸗
Naguſe komme! rſchmerzich, ſeit abe. Ic var zehn Jahren auf §, rundes Ge⸗ „aber ſchwel⸗ ſch, war ſie doch aivetät, ich ſie mit an— wohl, Sie nicht, ich kam im ganz entſchloſſen Nonaten, ein lugen, liebte de in der erſten
Ich ſpielte Monaten geweſen In den nächſten genden auch nicht. und verheirathete Sechs Jahr ſpäter blicke, wo ſie ſch „Augen auf ic
r0⁵ Hetz. Was wfündigt! Und er Nothwendig⸗ ie— ihretwegen rlauben Sie mir
—
duhnt ſich bii „Meilen Länge n Meilez 3
—
Nr. 52.] Dritte Ihnen zu verſichern, daß ich jetzt zum erſten Male dieſe Selbſtverbannung bedaure, und empfehlen Sie dem Baron achtungsvoll
Ihren Diener und Freund.“
Daß der Einſiedler des Canali uns intereſſirte, kann man ſich vorſtellen. Schon ſeines Namens wegen. Es iſt der des Heiligen, welcher früher mit dem heiligen Bacchus gemeinſchaftlich Raguſa beſchützte, bevor Beide dem heiligen Wlach oder Blaſius weichen mußten. Noch heißt der Berg, auf welchem Fort Imperiale ſteht, nach ihm, denn Sergio iſt auf illyriſch Serdan. Die Bedeutung iſt: der Zürnende, und man wird finden, daß der Klang der Bedeutung ent— ſpricht. Es hat etwas vom Stahl auf Fels. meinen zweiten Sohn ſo nennen wollen, aber mein zweiter Sohn wurde ein Mädchen, und einen Schweſternamen gibt es nicht. In Dalmatien zürnt nur der Mann, das Weib ziga e cria, ſchimpft und ſchreit. So hatte ich alſo keinen Serdan, doch um ſo mehr intereſſirte es mich, unvermuthet einen gefunden zu haben. Und nicht bloß ſein Name war intereſſant— er ſelbſt. Dieſes Temperament, wechſelnd wie die Luft an ſeiner Heimathküſte, jetzt ſo weich, jetzt ſo ſcharf, bald glühend, bald düſter— es war Studium für den Verſtand, Reiz für die Phantaſie. Bei mir kam nun noch die Speculation des Metiers ins Spiel— ich glaubte
einen wirklichen Romanhelden entdeckt zu haben, dieſen
ſeltenſten Fund, den ein Romancier machen kann. Ich wollte mich eben anſchicken ihm zu antworten, da kam Otto mit einem ſehr beſtürzten Geſicht zu mir. In
der Pharmacie Drobaz war ein Mord in Canali durchge⸗
ſprochen worden, der zweite in dieſem Jahr. Der Mörder war Boſho Lazarich, das Opfer Graf Serdan—.
Alſo doch, und ſo ſchnell. einmal der Ort tragiſcher Ereigniſſe, die uns eigentlich Nichts angingen und in die wir doch auf irgend eine Art hineingezogen wurden. In die beginnende dunkle Jahres⸗
Ich hatte
Raguſa war für uns nun
folge.
zeit war dieſes Schickſal unſeres jungen liebenswürdigen Wirthes nicht eben eine erfreuliche Einführung.
Allmählich indeſſen legte ich mir daſſelbe zu einer me⸗ lancholiſchen Befriedigung zurecht. Graf Serdan ſchien von dem dumpfen Mißbehagen, welches in Dalmatien iden⸗ tiſch mit der Cultur der Intelligenz iſt, mehr auszuhalten gehabt zu haben, als die übrigen guten Kör fe, die ich kannte. Es ſchien ſich bei ihm oft bis zur Onal geſteigen zu haben, eben wohl Folge ſeines eminent dalmatiſchen, d. h. nervös⸗leidenſchaftlichen und ironiſch⸗melancholiſchen Temperaments. Warun ſollte er nicht Ruhe haben? Er hatte die Kugel, die ihn getroffen, gewiſſermaßen erwartet
vielleicht ſchlug ſein Herz ihr mit einer geheimen Unge⸗ duld entgegen. Und da er mit ſechsundzwanzig Jahren durchaus nichts Anderes mehr ſein wollte, als der Ein⸗ ſiedler von Canali, ſo konnte er ebenſo gut todt ſein.
Ich war nicht überraſcht, als ich nach einiger Zeit ein Packet empfing, welches verſiegelt und an mich adreſſirt im Schreibtiſch des Todten gelegen hatte. Es kam mir na⸗ türlich vor, daß er mich zur Erbin ſeiner Empfindungen einſetzte, denn das Packet enthielt Tageblätter und Lieder,
ſämmtlich in illyriſcher Sprache. Nie hatten wir dieſe noch ſo modern und ſo einfach zugleich geſchrieben ge⸗ funden. An mich perſönlich lagen auf Franzöſiſch dieſe Zeilen bei:
„Seit Sie Beide bei mir geweſen ſind und mich wie⸗ der verlaſſen haben, iſt es mir, als hätte ich den letzten Beſuch vom Leben empfangen und müßte nun mein Haus beſtellen. Allerdings kann ein memento, wie jener Ban⸗ dit mir es zugeſchickt hat, an das Teſtament erinnern. Ich will das meinige machen,
Ich ſende Ihnen Päͤpiere und Poeſien in der Sprache meiner Mutter, ich kann nicht ſagen in der meines Vater⸗ landes. Wir haben keines mehr oder noch keines wieder,
darum ließ ich auch nie etwas drucken. Wozu Bücher, wo noch keine Literatur iſt? Und in einer andern, in einer
tobt, ahmt das Geſchrei eines ganzen Heeres von Raubthieren, Wölfen, Bären auf das Täuſchendſte nach.
Wie groß alſo mußte nicht die Verwunderung der hier ſo ſicher angeſiedelten Reiher ſein, als im Jahre 1805 ſie unter ihren Cedern mitten im Sumpfe, ein ſeltener Anblick, einen Menſchen umher⸗ waten ſahen. Ein Einziger war nur im Stande, ſie da zu be⸗ ſuchen: der geduldige, unermüdliche Reiſende, der ſo muthige als friedliebende Freund und Bewunderer der Vögel, Alexander Wilſon.
Hätte das Volk der Vögel den Charakter des unerwarteten Beſuchers gekannt, ſo würden ſie ihm wahrſcheinlich entgegenge⸗ kommen ſein und ihm mit Geſchrei und Flügelſchlagen Freundes⸗ gruß und brüderliche Huldigung entgegengetragen haben.
In jenen ſchrecklichen Jahren, wo der Menſch gegen den Menſchen die größeſte Vertilgungswuth, die je geſehen worden, zeigte, lebte in Schottland ein Mann des Friedens. Als armer in Glasgow anſäſſiger Leinweber ſchwärmte er in ſeiner feuchten, finſtern Stube für die Natur, die Unendlichkeit der freien Wälder und beſonders für die gefiederten Geſchöpfe. Bei ſeinem hockenden Gewerbe ſog er eine ſchwärmeriſche Liebe für den freien Vogelflug, für das Licht des Himmels ein. Wenn er keine Flügel annahm, geſchah es nur, weil dieſe Gabe uns armen Menſchenkindern hier
auf dieſer Welt noch vorenthalten iſt. „ Suerſt hatte er ſeine Liebe zu den Vögeln zu befriedigen ge— ſucht, indem er Bücher dutchblätterte, deren Kupferſtiche ſie dar⸗ zuſtellen den Ehrgeiz haben. Es ſind aber nur ſchwerfällige, un⸗ geſchickte Carikaturen, welche eine lächerliche Idee von der Form geben, die Bewegung aber ſchon gar nicht andeuten können. Was
iſt nun der Vogel ohne ſeine Anmuth und ſeine Bewegung? Wilſon
konnte daran kein Genüge finden. Er faßte entſcheidenden Ent⸗ ſchluß: trennte ſich von ſeinem Gewerbe und von ſeinem Vater⸗ lande. Ein neuer Robinſon Cruſoe wollte er, freiwillig ſchiff⸗ brüchig, ſich in die Einöden Amerika's verbannen, dort ſelbſt ſehen, beobachten, beſchreiben, zeichnen. Da fiel es ihm aber erſt bei, daß er weder zeichnen, noch malen, noch ſchreiben konnte. Und nun lernt dieſer feſte, geduldige Mann, den nichts von ſeinem Ziele a den kann, dies Alles, und zwar ſehr ſchnell und ſehr gut. Als unendlich genauer Künſtler mit leichter und ſicherer Hand ſchien er unter ſeiner Lehrerin und Mutter, der Natur, weniger zu lernen, als ſich bloß eines Vergeſſenen zu erinnern. So ausgerüſtet begibt er ſich in die Einöde, in die Wälder, in die ungeſunden Savannen, befreundet ſich mit den Büffeln, wird Genoſſe der Bären und ißt wilde Früchte unter dem Dache ſeiner prächtigen Wohnung, dem Himmelszelte. Wo er Ausſicht hat, einen ſeltenen Vogel zu ſehen, bleibt er, ſchlägt ſein Lager auf und iſt gleich zu Hauſe. Eile hat er nicht. Er beſitzt kein Haus, das ihn zur Heimkehr mahnt, weder Frau noch Kind erwarten ihn. Seine Familie iſt die große, welche er beobachtet und beſchreibt. Freunde hat er auch, es ſind Geſchöpfe, die noch nicht dem Menſchen mißtrauen, die über ihm auf dem Zweig ſitzen und mit ihm plaudern.„ 4 Und wohl habt ihr Recht, ihr Vögel, ihr beſitzt an ihm einen ſehr treuen Freund, der euch noch mehr andere erwerben und euch zum Verſtändniß bringen wird, da er ſelbſt von Sinn und Herzen Vogel geweſen iſt. Vielleicht wird eines Tages der Reiſende, der in eure Einöden dringt und dieſen oder jenen von euch fliegen und in der Sonne glänzen ſieht, verſucht ſein, ihn zu fangen oder zu tödten, aber Wilſon wird ihm dabei einfallen. Soll er den Ireund
821


