und Tochter. Die Mutter war achtunddreißig und gut und noch naiv, die Tochter achtzehn und geiſtig völlig de⸗ pravirt. Das machte mich melancholiſch und moraliſch, und ich brach die Correſpondenz mit ihr ab; das ſchlechte Geſchöpf ſchwärzte mich bei der Mutter an, indem es ihr die Wahrheit geſtand, und die Mutter brach mit mir. Darüber habe ich mich nie recht zufrieden geben können. „Jas mußte die Frau von mir denken? Ich muß vor ihr Heinem gan; falſchen Lichte erſchienen ſein. Erlauben Sie mir, Ihnen die Hand zu küſſen. Es iſt abſcheuliches Wetter— das die einzige Neuigkeit aus mei⸗ ner Einſiedelei. Empfehlen Sie mich dem Baron. Mit der Verſicherung meiner Ehrfurcht
Serdan—.“
Als ich dieſes wunderliche Schreiben beantwortet hatte, V bekam ich bald ein zweites, auch franzöſiſch. „Madame!
Sie ſchreiben mir, daß Sie nun entſchieden dahin ge⸗ kommen ſind, ſich zu langweilen. Andere fangen gleich damit an, ſobald ſie nur zu uns kommen. Sehen Sie, die Quaker ſind noch amüſant im Vergleich zu uns. Dieſes Jahr iſt nun noch der Kupus mißrathen, denken Sie alſo, was aus uns werden ſoll. Darf ich Ihnen rathen, ſo reiſen Sie ab ſo geſchwind wie möglich.
Aber Sie haben Pflichten, und die halten Sie hier noch feſt. Sie ſind recht glücklich. Sie müſſen ſich geniren, zuerſt nach dem Baron, dann nach dem Kleinen, dann nach der Kleinen. Chronologiſche Gene. Wie beneid' ich Sie! Ich kann immer thun, was ich will, darum will ich Nichts. Wohlverſtanden, ich kann nicht immer thun, was ich möchte. Ich möchte viel und kann davon— Nichts.
Mein alter Micho kam und huſtete mir um die Ohren herum. Sie machten die Bemerkung, daß die Dalmatier ungemein ſtark huſteten und nieſten— mein alter Micho iſt von allen Dalmatiern vielleicht derjenige, welcher dieſen
Noveſſen⸗
die Univerſität ging.
kennen ja die Geſchichte.
Zeitung.
beiden Naturnothwendigkeiten am gründlichſten und ge⸗ räuſchvollſten Genüge thut. Nieſt er, ſo klingen die Fen⸗ ſter; huſtet er, ſo bringt er mich um jeden Gedanken. So wollte ich Ihnen allerlei Geiſtreiches ſchreiben, Micho kam, ſtellte ſich hinter mir auf, huſtete— fort war alles Geiſt⸗ reiche. Als Sie hier waren, hatte Micho zu Ihrem Glücke nicht den Katarrh, aber jetzt hat er ihn und wird ihn ſich den ganzen Winter über mit möglichſter Sorgfalt er⸗ halten.
Ob ich im Winter wirklich nicht nach Raguſa komme? Nein, Madame. In Raguſa ſein iſt mir ſchmerzlich, ſeit ich meine erſte Liebe dort wiedergeſehen habe. Ich war mit ihr ſo gut wie verlobt, als ich mit ſechzehn Jahren auf Sie hatte ein blaſſes, rundes Ge⸗ ſichtchen, dunkle, ſanfte Augen, wenig gefärbte, aber ſchwel⸗ lende Lippen. Nicht ſchön, kaum hübſch, war ſie doch reizend. Sie liebte mich mit frommer Naivetät, ich ſie mit ſinnlicher und idealer zugleich. Und dann— wohl, Sie Ich vergaß ſie nicht, ich kam im nächſten Jahre zu den Ferien zurück, noch ganz entſchloſſen ſie zu heirathen. Sie hatte, wie vor zehn Monaten, ein blaſſes, rundes Geſichtchen, dunkle, ſanfte Augen, liebte mich mit frommer Naivetät. Ich wurde in der erſten Stunde mit ihr verzweiflungsvoll traurig. Ich ſpielte
zwei Monate lang, was ich vor zehn Monaten geweſen
war, den Aufmerkſamen, Zärtlichen. In den nächſten Ferien kam ich nicht wieder. In den folgenden auch nicht. Das einfache Mädchen verſtand, ſchwieg und verheirathete ſich dem Willen ihrer Eltern nach. Sechs Jahr ſpäter ſah ich die junge Frau. In einem Augenblicke, wo ſie ſich von mir unbemerkt glaubte, heftete ſie die Augen auf mich. Dieſer Blick ſchnitt mir wie ein Meſſer durch's Herz. Was hatte ich an dieſem unſchuldigen Weſen geſündigt! Und — unſchuldig geſündigt aus verhängnißvoller Nothwendig⸗ keit. Aber wiederſehen ſoll ſie mich nie ihretwegen komm' ich nicht mehr nach Raguſa. Erlauben Sie mir
Feuilleton.
— O
d. Wilſon.*
Eine naturhiſtoriſche Specialität.
In Amerika iſt der Verfall des Reihers nicht ſo wie bei uns merklich. Er iſt dort weniger der Verfolgung ausgeſetzt, die Ein⸗ ſamkeit dehnt ſich auf größere Strecken aus. Er findet dort noch auf den geliebten Sümpfen düſtere, faſt undurchdringliche Wal⸗ dungen. In dieſem Dunkel wird er geſelliger, zehn bis fünfzehn Familien ſiedeln ſich zuſammen an oder wohnen in geringer Ent⸗ fernung von einander. Das tiefe Dunkel unter den gewaltigen Cedern, die über dem Sumpfwaſſer ſtehen, gibt ihm das Gefühl der Sicherheit und erfreut ihn. Nach dem Gipfel der Bäume zu bauen ſie mit querübergelegten Stäben, auf welche ſie kleine Zweige legen, ein breites Dach; das iſt die Familienwohnung, der Schirm ihrer Liebeswerke; hier wird in Ruhe gebrütet, das Junge kommt aus, erhält hier Unterricht im Fliegen und väterliche Lehre im Fiſchfang. Sie haben kaum zu fürchten, daß der Menſch ſie hier überraſche. Sie befinden ſich unweit des Meeres, beſonders in den beiden Carolina's, tief gelegenem, ſchlammigen Terrain, dem Lieblingsaufenthalte der gelben Fieber. Mancher dieſer Sümpfe,
ſehemals ein Arm des Meeres oder eines Fluſſes, dehnt ſich bei einer Breite von einer Meile bis auf ſechs bis ſieben Meilen Länge
aus. Der Eingang iſt nicht ſehr einladend; man ſieht eine Front
von Baumſtämmen, die gradſtehend bis oben ohne Zweige ſind;
in einer Höhe von fünfzig bis ſechzig Fuß breiten ſie ihre Kronen von dunkelem Grün ſo aus, daß unten auf dem Waſſer eine ewige Dämmerung herrſcht. Aber was iſt das für ein Waſſer! Eine Gährung von Blättern und Ueberreſten, wo eine Lage faules Hols über der anderen liegt und drüberhin eine ſchmuzig⸗gelbe Flüſſig⸗ keit, die mit grünem, ſchäumenden Schleim überzogen iſt. Tritt man näher, ſo zeigt ſich, was feſtes Land erſchien, als ein Sumpf, in den man verſinkt. Bei jedem Schritte widerſetzt ſich ein Lor⸗ beerbaum, deſſen Zweige man mühſelig bei Seite drücken muß⸗ um dahinter mit immer neuen Lorbeerbäumen und Baumſtumpfen zu kämpfen. Selten dringt ein Lichtſtrahl, durch die Dunkelheit, und in dieſen abſcheulichen Regionen herrſcht das Schweigen des Todes. Mit Ausnahme des ſchwermüthigen Geſchreies zweier oder dreier kleinen Vögel, die ſich bisweilen hören laſſen, oder des heiſeren Rufes des Reihers iſt alles ſtumm und öde; aber wenn der Wind oben die Kronen der Bäume zu ſchütteln beginnt, dann ſeufzt und klagt der traurige Reiher; der ganze Wald heult, ſchreit,
(II. Jahrg.
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