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Herz verſagen!
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Dritte folge.
.
Novellen-Zeitung.
Ein Cavalier in der Wildniß.
Dalmatiſches Lebensbild von Ida von Düringsfeld.
(Schluß.)
Mehrere Wochen vergingen, ohne daß er uns geſchrie⸗ ben hätte. Endlich ſchrieb ich, indem ich die Bücher zu— rückſchickte und um neue bat. Wenige Tage darauf erhielt ich ein großes Packet Bücher und folgenden franzöſiſchen Brief:
„Sie werfen mir mit großer Liebenswürdigkeit meine Abſtumpfung, meine Gleichgültigkeit vor— erlauben Sie mir, Ihnen zu ſagen, daß dieſer Vorwurf Ihnen nicht von Herzen geht. Sie machen ihn mir nur aus Geviſſen⸗ haftigkeit, um mir gegenüber Ihre Pflicht gethan zu haben. Im Innerſten Ihres Herzens geben Sie mir Recht— Sie finden auch das Leben langweilig.
Und wer, der vernünftig iſt, ſollt' es nicht langweilig finden? Ich bitte Sie, Madame, warum ſollt' ich etwas thun? Für mich? Als ob ich für mich einen Finger ein⸗ tauchen möchte! Genug, daß ich eſſen, trinken und ſchla⸗ fen muß. Genug, daß ich mich an der ſchauderhaften Auf⸗ gabe abarbeiten muß, überhaupt zu exiſtiren. Ich werde ſie ſtets nur mit einer Art von wüthender Anſtrengung löſen können. Exiſtiren— welche Tyrannei uns das nur zugemuthet hat! Was in aller Welt kann dem lieben Gott daran liegen, daß wir hier herumkriechen und dumm und wehmüthig zu ihm in die Höhe gaffen? Was er nur mit uns bezweckt hat, mit mir wenigſtens? Ich begreife das nicht, trotz aller Anſpannung meines Gehirns. Meine Lehrer haben mich immer als a quick boy gelobt. Ich ſelbſt ſah, daß ich nicht der dümmſte war. Später hatt' ich über alle Dinge ein ſo ziemlich vernünftiges Urtheil. Warum werd' ich nur daraus nicht klug, wozu ich da bin? Man ſollte doch meinen, es müßte leichter zu faſſen ſein, als Mathematik, Griechiſch, Geographie und wie Alles der unnütze Wuſt heißt, mit dem man uns den Torniſter voll⸗ packt, wenn wir wie Conſcribirte ausziehen, um in die Reihen der Lebenskämpfer zu treten. Denn Sie werden mir doch zugeben, daß unſer Leben ein Krieg iſt und wir folglich alle Soldaten ſind? Alſo— wohl, da hab' ich den Faden meiner Folgerung verloren— Ihr Glück.
Laſſen Sie mich ſitzen, wo ich ſitze, ſtumpf, wie eine Schildkröte in der Sonne. Es iſt ſo gar mühſelig, ſich abzumühen, für Nichts und um Niemand. Ich habe Nie⸗ mand. Meine Mutter iſt todt. Und wenn ſie auch lebte,
ihretwegen brauchte ich Nichts zu thun und Nichts zu werden, nur da zu ſein. Am alten Platz, heute wie geſtern— damit wäre ſie zufrieden. Sie war eine ſtille Frau. Das haben Sie ſchwerlich je gewußt, was es heiße, ſtill zu ſein. Sie ſind unruhig von Urſprung an und werden es bis zum Ende ſein. Auch iſt bei Ihnen nicht die Atmoſphäre dazu, ſtille Seelen wachſen zu laſſen. Bei Ihnen werden alle Seelen von den Worten der Welt gerufen und erweckt. Die nicht hören, ſind nicht ſtill, ſondern ſtumpf. Wie ich’'s ge⸗ worden bin.
Bei uns aber können Seelen ſtill bleiben. Die Welt weckt ſie nicht. Die Welt ſpricht nicht zu ihnen, weil ſie überhaupt bei uns nicht ſpricht, weil ſie nicht da iſt. Die von uns nie draußen waren, träumen ſich Wunderdinge, wie bei Ihnen in Deutſchland die Kinder vom Weihnachts⸗ baume. Ich bin draußen geweſen, weiß was die Welt iſt, danke ihr. Ich verläumde ſie nicht, ich rede ihr nichts Uebles nach, ich habe keinen Haß auf ſie. Sie gab mir, was ſie konnte. Kann ſie dafür, daß, was ſie hatte, gerade nicht für mich war? Wir, ich und die Welt, haben uns mit vollkommener Höflichkeit und gegenſeitigem Wohl⸗ wollen getrennt. Nur kann ich nicht mehr bei ihr Thee trinken und ihr angenehm ins Geſicht gähnen. Ich bin ſelbſt zu dieſem letzten Reſt von Artigkeit verdorben.
Sie ſchreiben mir:„Sie ſind zehn Jahr jünger als ich.“ Mein Gott, ja, Madame, und ich ſchmeichle nicht — Sie haben ſich nicht jung erhalten. Sie ſind viel zu entmuthigt, viel zu traurig, um ſelbſt nun relativ den Ein⸗ druck einer noch jungen Frau zu machen, und doch bin ich mit meinen Zwanzigen, noch tanzfähig, noch ohne ein ein⸗ ziges weißes Haar in der ſchwarzen Verwirrung auf meinem Kopfe, viel, viel älter als Sie.
Sie lernen heute einen meiner Fehler kennen. Sobald ich mich ein Mal entſchließe, den Mund aufzuthun, werd' ich gleich geſchwätzig. Was für ein endloſer Brief und was für ein geſchraubter! Ich glaube wahrhaftig, ich habe Stil gemacht. Und coquettirt obenein. Geſtehen wir es, ſchämen wir uns, werden wir roth: wir haben coquet⸗ tirt. Ich bitte gehorſamſt darum, daß Sie ſich über mich luſtig machen. Ich verdiene das, und wo möglich noch mehr. Antworten Sie mir nicht, beſtrafen Sie mich da⸗ durch. Oder antworten Sie mir doch. Bedenken Sie— es iſt ſo lange her, daß ich nicht an eine Frau geſchrieben habe. Und früher ſchrieb ich ſo viel und nur an Frauen. Ich habe drei bis vier ganzer Romane in Briefen geſpielt. Ich war wüthend auf das epiſtolaire Genre, ich hatte eine Vocation dazu, ſchriftlich zu lieben. Meine Liebesbriefe, geſammelt, würden eine Miniaturbibliothek für Damen ausmachen. Ein Mal correſpondirte ich zugleich mit Mutter
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