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und Brod⸗Bedürfniſſe des Choriſten noch einige Groſchen für ſolch verkommenen Schriftſteller übrig ließen.
Solch eine Schmeißfliege läßt ſich außerdem Herr Doctor nennen und erzählt viel von den Univerſitäts⸗ Jahren. Die Studien haben dergleichen Herren auf dem Bureau irgend eines Notars gemacht. Hat ſie dann der Principal eines ſchönen Morgens gebeten, ſich die freie ſchöne Natur anzuſehen, um nicht mehr wieder zu kommen, ſo wird ein ſolcher Doctor des Schmarotzerthums Schrift⸗ ſteller für Local-Käſe-Blätter, und nach einigen Jahren Kritiker einer Zeitung ſechſten Ranges!
Der Herr Doctor trinkt mit jedem verkannten Genie Brüderſchaft, trägt deſſen alte Röcke und Hoſen, ißt zu Mittag von einer Lobhudelei und zu Abend von einem Herausruf, wenn der Herr Doctor überhaupt ſoupirt, was nicht immer der Fall iſt. Sucht der Herr Doctor für ein Mitglied der Bühne eine möblirte Wohnung, ſo empfängt er doppeltes Trinkgeld vom Vermiether und von dem Miether. Der Doctor ſieht darauf, daß dieſe Wohnung ein bequemes Sopha enthalte, auf welchem er dreiviertel der Saiſon die Nächte zubringt.
gewöhnlich klug geworden und bittet den Doctor, ſich ein anderes Quartier zu ſuchen. Dieſer ehrbare Schrift⸗ ſteller verbringt dann die übrigen Nächte auf zwei Stühlen eines bekannten Wirthshauſes. Die Einführung der Som⸗ merbühnen hat für ſeine Beköſtigung während der Hunds⸗ tage geſorgt!
Iſt das verkannte Genie weiblichen Geſchlechts, ſo
mittler. Er raucht dann die feinen Cigarren des Bräu⸗ tigams und trägt ſeine verbrauchten Handſchuhe vollends zu Grabe.
Eine andere Sorte von Theaterbeſuchern ſind noch die Enthuſiaſten. Der Enthuſiaſt hat meiſtens ſchon auf Lieb⸗ haber⸗Theatern Komödie geſpielt und hat alle Schauſpieler
Roveſlen⸗ Zeitung.—
In dem letzten Viertel iſt das Opfer dieſes Doctors
wird der Herr Doctor, was man ſo nennt, Heirathsver⸗
der ſtädtiſchen Bühne in den letzten dreißig Jahren per⸗ ſönlich gekannt. Beſagter Mann würde ſich entſetzlich bei einem Shake⸗ ſpeare'ſchen Stücke langweilen, wenn er nicht ganz genau wüßte, wie viel Gage Romeo bezieht und wie alt Julia iſt. Er cultivirt die Bekanntſchaft der Bühnen⸗Mitglieder nicht aus Beefſteak⸗ oder Grog⸗Intereſſe wie die Schmeiß⸗ fliege, ſondern fordert andere Opfer. Hat er einen neu engagirten Schauſpieler kennen ge⸗ lernt und mit ihm den Punſch der Freundſchaft getrunken oder die Cigarre der Brüderſchaft geraucht, dann lockt er das Opfer in ſeine Wohnung, und da— alle Schrecken der Folter ſind nur Kinderſpiel dagegen— lieſt er ihm zwei oder drei eigens verfaßte Tragödien vor—! Schau⸗ ſpieler, zittert! Naht Euch ſolch ein Theater⸗Liebhaber, ſo bedenkt, daß er hinter ſeiner freundſchaftlichen Miene eine Waffe verbirgt, wirkſamer als Gift und Dolch— eine unbekannte verkannte Tragödie!
Uns ſchaudert bei dem Gedanken an die Opfer einer ſolchen Tragödie, und wer ihr nicht nach der dritten Scene unterliegt, kann auch ruhig der Cholera entgegenſehen. Der Beſitzer eines ſolchen Theaterkaffeehauſes ſteht mit allen ſeinen Gäſten auf dem beſten Fuße. Der Wirth hat kein ſelbſtſtändiges Kunſturtheil. Der beſte Schauſpieler iſt für ihn derjenige, welcher am beſten bezahlt, nur manch⸗ mal ſchleicht ein verſtohlenes, neumodiſch philoſophiſches Lächeln über ſeine Lippen, welches zu ſagen ſcheint:
„Meine Kinder gehen nicht aufs Theater!“
Werden aber die Kinder groß und ſehen, wie oft ganz talentloſe Individuen in den Theaterzeitungen gelobhudelt werden, wie ſie Pelzröcke tragen, von Ruhm und Applaus reden: dann laufen dieſe Kinder auf und davon, gehen zu einer vagirenden Schauſpielerbande, werden verkannte V Genies und tragen invalide Pelzröcke!!
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NeueSilhouetten und Reime für große und kleine Kinder. Von Karl Fröhlich. Heft II.— Berlin, im Selbſt⸗ verlage des Verfaſſers; Leipzig, Robert Frieſe. 1857.
Kleine Thierfreunde. Sechs Erzählungen für das Alter von 7— 10 Jahren von Julie Ruhkopf. Illuſtrirt von Karl Fröhlich.— Leipzig, Robert Frieſe.
Hiermit liegen uns neue Kinderſchriften Karl Fröhlich's vor, des Künſtlers, der die Silhouetten Malerei in neuer Weiſe aus⸗ gebildet und zu böchſt humoriſtiſchen Compoſitionen erweitert hat.
Ddite früheren Sachen dieſer Art haben bereits viel Verbreitung ge⸗ funden. In dieſen„neuen Reimen“ rechnet es der Verfaſſer ſich zum Verdienſt an, auch manche alte Reime:„Müller mahl'’ er,“ Jobhann ſpann an,“„Ringlein Roſenkranz“ u. ſ. w., die uns Allen wohl aus der eignen Jugend noch im Gedächtniß klingen, mit ſeinen zierlichen Bilderchen geſchmückt, geſammelt zu haben.
Miscellen.
Mannigfaltiges.
Ein puritaniſcher Müller wollte vor dem höchſten Gerichts⸗ hofe nicht ſeinen Hut abnehmen, da Biſchöfe in demſelben ſaßen.
Eiiner der Herren ſagte ſcherzend:„Aber Ihr werdet den Hut doch
voor den Richtern als Geheimenräthen abnehmen?“—„Nun,“
Qaantwortete der Puritaner,„da Ihr Geheimräthe ſeid, nehme ich den
Hut vor Euch ab, aber da Ihr Fetzen von dem Thier ſeid— nein!
— ſo ſetze ich ihn wieder auf!“— Als der Biſchof von Wincheſter dieſen Narren wegbringen laſſen wollte, rief derſelbe:„Halte Dein Maul, Du Schwanz des Thieres, der Du an dem untern Ende des
Tiſches ſitzeſt!“— Zehn Jahre ſpäter ſaßen dieſer Müller, nebſt Leighton dem Knopfmacher und Andern ähnlicher Beſchaffenheit an demſelben Tiſche. c. Johann Graf von Briſtol war Geſandter König Jacobs I. in Madrid. Der König von Spanien bot ihm einen ſehr werth⸗ vollen Diamanten an und verſprach zu verhindern, daß der König von England Etwas davon erführe.„Da iſt aber Einer,“ ant⸗ wortete der Geſandte,„der es ihm ſagen würde: der Graf von Briſtol.“ c.
Gasper Taliacotius war Profeſſor der Phyſik und Wund⸗ arzneikunſt zu Bologna. Er ſtarb 1599. Er ſchrieb eine latei⸗ niſche Abhandlung unter dem Titel: Chirurgia Nota, in welcher er die Kunſt lehrt, Naſen, Ohren, Lippen anzuſetzen, worin el ſo geſchickt war, daß man ihm nach ſeinem Tode eine Bildſäult im anatomiſchen Theater errichtete, die eine Naſe in der Hand
hielt. 1 c.
Die Königin Chriſtine von Schweden machte ihren Kammer⸗ diener zum Edelmanne und gab ihm, da er urſprünglich Schneider war, den Namen von Gyllenſax, auf deutſch: Güldenſcheere.
„Klytämneſtra“, das neue Trauerſpiel des jungen Berliner Dichters Tempeltei, hat in Hamburg nicht den Erfolg gehabt wie in Wien. In einer Handelsſtadt, ſagt die Leipziger Theater⸗Chro⸗
nik, iſt man mit einer ſchönen Sprache nicht zufrieden, man wi Handlung!
[II. Jahrg.
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