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Noch eine beſondere Art von Cafés, die„Gymna⸗ ſiaſten-Cafés,“ dürfen wir nicht unberührt laſſen! Dieſe Vergnügungspunkte der ſchulbeſuchenden Jugend liegen gewöhnlich in einer abgelegenen Gaſſe, dem wachſamen Auge der Eltern oder Lehrer entzogen. Hier machen dieſe jungen Leute ihre erſten Studien an baieriſch Bier, Cigar⸗ ren und Billard.
Der Luxus iſt in dergleichen jugendliche Cafés noch nicht gedrungen; die Wände ſtehen in ſchmuziger Harmo⸗ nie zu dem Laſter, welches hier entwickelt wird. Der Kell⸗ ner iſt hier ein Junge, welcher auf ſehr vertraulichem Fuße mit ſeinen Gäſten lebt, weil er ihnen Unterricht im Billard⸗ ſpiel und Credit ertheilt. Noch beſſere Geſchäfte macht ſolch eine Conditorei, wenn der Eigenthümer zugleich eine ſchöne Aufwärterin hat, welche gegen fünfzehn⸗ oder ſechs⸗ zehnjährige Schmeicheleien nicht unempfänglich iſt. Auf einem invaliden Billard wird dann Poule gegen einen Einſatz von wenigen Groſchen geſpielt, zu welchen Groſchen einige verkaufte Schulbücher das Capital liefern, wenn das väterliche Wochengeld im Betrag von fünf oder mehr Groſchen ſchon verloren iſt.
Neben dieſen Gymnaſiaſten findet man dort auch einige heruntergekommene Spieler, welche mit den hoffnungs⸗ vollen Zöglingen der Gymnaſien Bier trinken und ihnen vor und nach die wenigen Silbergroſchen entlocken, um ſie an einem anderen Orte bei gewandteren Geſchäftsfreunden wieder zu verlieren.
Der Tertianer, im gewöhnlichen Leben ein beſcheidener Jüngling, entwickelt hier in ſeiner gleichgeſtellten Geſell— ſchaft eine unglaubliche Arroganz.
In dieſen für die Jugend verderblichen Localen wird
meiſtens der erſte Keim gelegt zu einem verdorbenen
Leben.
Wir könnten in dem Kaffeehausleben großer Städte hinabſteigen in die tiefſten Schichten der Geſellſchaft, wenn wir nicht befürchteten, den Geheimniſſen von Paris ernſt⸗
Novellen⸗Zeitung.
[II. Jahrg. liche Concurrenz zu machen; wir ziehen es vor, einen Schleier über den Theil des Laſters zu ziehen, der in zu bitterer Geſtalt auftritt.
Jede Stadt, welche ein Theater beſitzt, hat auch in der unmittelbaren Nähe dieſes Theaters eine Reſtauration, Conditorei oder Kaffeehaus(der Name thut gar nichts zur Sache), wo ſich die Mitglieder der Bühne verſammeln und wo Karl Moor nach beendigtem Banditen⸗Geſchäft auf ſeinen Lorbeeren ausruht.— Es iſt ein ſolches Café das theatraliſche, telegraphiſche Correſpondenz⸗Bureau, von wo aus ſich die neueſten Bühnenchicanen über die ganze Stadt fortpflanzen, und wenn der Beſitzer eines ſolchen Cafés überhaupt ſich die Mühe gäbe, die alten vielgehörten und immer wiederkehrenden Klagen gegen Director und Publi⸗ cum zu Papier zu bringen, ſo könnte er eine Legion Feuille⸗ tonartikel ſchreiben über die deutſche Theatermiſore, beſſer als wir es zu thun vermögen. Hier kann man ſich in den erſten Tagen nach Eröffnung der Bühne mit den Mit⸗ gliedern bekannt machen,— wenn man überbaupt Luſt dazu hat.
Jener große Mann im blauen Frack mit vergoldeten Knöpfen, in ſtolzer Haltung die Theaterzeitung leſend,— es iſt Wallenſtein. Jener Jüngere mit ſpitzgedrehtem Schnurrbärtchen und gelben Glacéhandſchuhen— das Haar ſtrotzend von Pomade— Carlos und Ferdinand! Jener mit der gebogenen Naſe, deſſen graue Augen ver⸗ ſtohlen über die Brille hinblicken— Mephiſto! Zur Thüre herein treten zwei gute Freunde Arm in Arm. Der Eine, kleine elegante Figur, der Andere bei zwölf Grad Kälte im Sommerpaletot und weißem Filzhute— Robert der Teufel und Knieriem! Jener Andere, an welchem Alles alt iſt, Geſtalt, Kleidung und Wäſche,— der Souffleur!
Eine jede Bühne zählt unter ihren Mitgliedern wenig⸗
Man verdankt ihm ein neues Syſtem elektriſcher Signale, die zum Zweck haben, das leider nur allzuhäufige Zuſammenſtoßen der Züge zu vermeiden und zu verhindern. Nach einer gründ⸗ lichen Prüfung und Unterſuchung dieſes Syſtemes ſind die Re⸗
ſultate als vollkommen genügend und ihrem Zwecke entſprechend
laſſen.
erkannt worden. a. Literatur. Weihnachtsſchau. Argo. Album für Kunſt und Dichtung. Herausge⸗
geben von Fr. Eggers, Th. Hoſemann, Franz Kugler. Breslau, Verlag von Trewendt und Granier. 1857.
Das geſchmack⸗ und kunſtvollſte Unternehmen, was wohl der diesjährige Weihnachtsmarkt des Buchhandels bietet! Eine Voll⸗ endung in kleinerem Formate deſſen, was das Album„Kunſt und Literatur“ von Ahrens in Düſſeldorf vor einem Jahre mit einem erſten Hefte begonnen hatte. Dieſe Argo iſt eine Vereini⸗ gung von Kräften in Kunſt und Dichtung, die in ſind. Unter demſ
Fr. Eggers, dem Redacteur des„Deutſchen Kunſtblattes“, und
Franz Kugler ein großes, elegantes Taſchenbuch(Deſſau, Gebr.
Katz) herausgegeben, in che 2 ſich zuſammenfand, außer den Genannten Paul Heyſe, B. v. Le⸗
in dem damals die märkiſche Dichterſchule
Ed. Meyerheim.
Fahrzeugs koſtbarſter Schmuck und kunſtreichſtes Frachtgut aber ſind außer dem Titelblatt und den 8 großen Initialblättern zu einzelnen Dichtungen in Buntdruck die 19 ſelbſtſtändigen litho⸗ graphiſchen Platten von den beliebteſten der Berliner Maler, iheils nach Oelgemälden, theils eigens zum Zwecke dieſes Werkes com⸗ ponirt— neunzehn Platten, die ſämmtlich den Werth originaler Handzeichnungen haben und einen charakteriſtiſchen Ausdruck der Intentionen moderner Künſtler bieten. Wir finden vertreten C. Arnold, A. Menzel, C. Steffeck, W. Riefſtahl, Th. Hoſemann, L. Burger, A. Haun, O. Wisniewski, Ch. Hoguet, L. Löffler und In höchſt geſchmackvoller Weiſe hat der kennt⸗ nißreiche Eggers eine Charakteriſtik der einzelnen Künſtler„Zu den Bildern“ hinzugefügt.— Was läßt ſich ſonſt kritiſch von ſol⸗ chem Werke der Pracht und des Luxus berichten! Den ihm ge⸗
ſetzten Zweck erreicht es durch die eleganteſte Vereinigung von
Berlin zu Hauſe elben Titel war vor zwei Jahren ebenfalls von
gel, Th. Fontane, W. v. Merckel, Hermann Grimm, Scherenberg.
Dieſelben und neben ihnen Th. Storm, Klaus Groth, v. Blom⸗
berg, M. Graf Strachwitz finden wir mit Liedern und Romanzen Des
in der heurigen verjüngten und vergrößerten Argo wieder.
Kunſt und Poeſie. Die Breslauer Verlagshandlung hat hier aufs Neue ihren ehrenwerthen Sinn für Förderung des Schönen erwie⸗ ſen; denn daß es ihr bei dieſem Unternehmen mehr um die Sache ſelbſt als um ein kaufmänniſches Geſchäft zu thun ſein mußte, wird Jeder empfinden, der dieſe künſtleriſch koſtbare Herſtellung abzuſchätzen weiß.
neuer deutſcher Dichtung. Heraus⸗
Blüthenkranz Breslau, Verlag von
gegeben von Rudolph G ottſchall. Trewendt und Granier. 1856.
Eine Anthologie aus demſelben Verlage. Rudolph Gott⸗ ſchall hat dieſe Sammlung nach den in ſeiner neuen„Literaturge⸗ ſchichte“ ausgeſprochenen Grundſätzen vorgenommen. Unter den Ueberſchriften: Naturbild und Naturempfindung; Liebesblüthen;
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