Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
810
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Novellen

810 mit jedem Engländer in Parallele geſtellt werden, der Boccheſen gar nicht zu gedenken.

Graf Serdan ſagte jetzt zu mir:Signora, ich muß Sie nun um Erlaubniß bitten, die Blenden zumachen zu dürfen, was ich vorhin eben thun wollte. Glauben Sie noch einen möglichen Schreck aushalten zu können?

Ich war in Dalmatien ſo an Flintenſchüſſe gewöhnt worden, wenn auch noch nicht gerade an welche durch die Fenſter, ſo doch an welche hart unter den Fenſtern, daß ich unſern jungen Wirth nicht zurückhielt. Er ſchloß ruhig die Blenden, es geſchah Nichts mehr.Der Burſche hat ſich auf die Beine gemacht, ſagte er lachend.Wiſſen Sie, Baronin, hätt' er mich heute getroffen, ſo wäre mir's Ihretwegen leid geweſen, aber mir perſönlich konnte nichts Beſſeres widerfahren ich ſtarb dann wenigſtens in guter Geſellſchaft. Denken Sie ſich dagegen meine letzten Augen⸗ blicke, wie ſie mich nun inmitten meines intereſſanten Haus⸗ halts erwarten Micho als Leidtragender, meine Köchin als soeur de charité o Himmel, die letzten Augenblicke Byron's in Miſſolunghi werden an Tragik gegen die mei⸗ nen gar nichts geweſen ſein. Nebenbei was für ein Glück, daß der Schuß im Hauſe nicht gehört worden iſt, wir hätten ſonſt ſchon einen Orkan von Heulen auszuhalten gehabt.

Wie war es nur möglich, daß er nicht gehört wurde?

Das Schwatzen, Baronin! Ich möchte Sie nicht in meine Küche bringen.

Am andern Morgen war der Himmel völlig blau. Graf Serdan gab uns Pferde und einige Diener. Er ſelbſt be⸗ gleitete uns nicht.Meine Nähe wäre gefährlich für Sie, ſagte er,eine Kugel kann ſich irren. Wir nahmen auch Bücher mit, verabredeten Briefe. Der Abſchied war herz⸗ lich, wie es nach einer ſo originellen Bekanntſchaft nicht anders ſein konnte. Otto nahm an, daß wir den Grafen in Raguſa wiederſehen würden.Ich glaube nicht, ant⸗ wortete er,ich komme nicht nach Raguſa.Nie

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Zeitung.[II. Jahrg. mehr? fragte ich lachend.Nie mehr, antwortete er ſehr ruhig und feſt.So wär's alſo auf immer, daß

wir Addio ſagten? fragte Otto.Warum nicht? verſetzte der ſonderbare Menſch.Ein Mal muß es doch auf immer ſein warum nicht jetzt?

(Schluß folgt.)

Humoriſtiſche Studien aus dem täglichen Peben.

1. Kaffeehäuſer.

Wer die Leidenſchaften und die Laſter einer großen Stadt in ihrer ganzen Ausdehnung kennen lernen will, muß die Cafés und Reſtaurationen beſuchen.

Die große, von der Geſellſchaft und der Familie aus⸗ geſtoßene Maſſe von Leuten, welche ohne irgend bekannte Exiſtenzmittel von einem Tage zum anderen leben, finden einen Vereinigungspunkt in den Cafés, wo ſie ſich für wenige Groſchen eine zeitweilige Heimath erwerben.

Es gibt in jeder großen Stadt eine beſondere Art von Cafés, wo der Wirth im Laufe des Tages mehr Honorar für verbrauchte Spielkarten, als für ſonſtigen Verzehr ein⸗ nimmt. Hier verſammeln ſich die Spieler von Profeſſion und Leidenſchaft. In den Vormittagsſtunden, wo jene Herren von den Anſtrengungen der vergangenen Nacht ausruhen, iſt ein ſolches Café öde und verlaſſen, erſt gegen ein Uhr beginnt hier die energiſchſte Thätigkeit.

Die Fürſten des Pharao begrüßen ſich hier nicht mit den banalen Redensarten:Guten Tag, wie geht's

Auch im Waſſer ſelbſt und folglich in allen Sümpfen gedeihen die Wachsbäume ſehr gut. Sie blühen im Frühjahr, noch ehe ſie Blätter treiben. Die Früchte wachſen nur an dem alten Holz, und da ſie einen Theil des Winters hängen bleiben, hat man drei bis vier Monate, um ſie zu ernten.

Die myrica cerifera wird drei bis vier Klafter hoch, die my- rica pensylvanica aber nicht über zehn bis elf Fuß.

In Südamerika wachſen die Wachsbäume wild an den Ufern der Bäche und Flüſſe, ſo wie in den Sümpfen; ihre Frucht iſt eine kleine Steinfrucht mit einer einzigen aufrecht ſtehenden Beere. Will man das Wachs ausziehen, ſo ſammelt man die Früchte, füllt ſie in Leinwandſäcke und läßt dieſe in Waſſer kochen; das flüſſig werdende Wachs ſteigt dann an die Oberfläche des Waſſers und wird hier mit Schaumlöffeln abgeſchöpft. So erlangt man das äußere, beinahe ganz reine Wachs; aber da noch viel in dem Mark der Früchte zurückbleibt, kocht man dieſes nochmals in Waſſer und erlangt dadurch ein Wachs von zweiter Qualität.

Durch die Cultur der Wachsbäume würde man alſo nicht nur eine weſentliche Verbeſſerung der Luft und folglich einen gün⸗ ſtigeren Geſundheitszuſtand erlangen, ſondern auch ein ſehr gutes und verhältnißmäßig wohlfeiles Beleuchtungsmaterial. a.

Aus der Gegenwart. Ein moderner Phiſoſoph.

Um drei Uhr Morgens, bei dem herrlichſten Mondſchein, fand

eine Patrouille auf einem der Boulevards von Paris einen Mann,

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deſſen Oberkörper vollkommen nackt war. Die Sicherheitswächter bemerkten aus der Ferne, wie der Mann aus einem Päckchen ein reines Hemd nahm, es anzog und dann ein ſchmuziges Hemd an deſſen Stelle in das Päckchen that. Als dies geſchehen war, zog der Mann ſeinen Paletot an, knöpfte ihn feſt zu, ſetzte ſeine Muͤtze auf, bediente ſich eines der Stühle, die, um vermiethet zu werden, hier aufgeſtapelt ſtanden, und verſank bald darauf in vollſtändigſte Regungsloſigkeit.

Die Patrouille ging hierauf näher, ſchlafen, arretirte ihn und führte ihn zu

poſten.

Als man den Inhalt ſeines Päckchens unterſuchte, fand man darin zwei reine und drei ſchmuzige Hemden, ſechs reine und zwei ſchmuzige Taſchentücher, zwei Paar reine und ein Paar ſchmuzige Socken, eine Halsbinde, ein Beinkleid und ein Paar Schuh. In den Taſchen hatte er einen Kamm, ein Stück Seife, ein wenig Pomade, ein Meſſer, eine Scheere, Nadeln, weißen und ſchwäͤr⸗ zen Zwirn. 4

Als Vagabond erſchien er darauf vor hier entſtand folgendes Verhör: Präſident. Sie haben alſo keine Wohnung, da Sie auf der Straße die Wäſche wechſeln? Angeklagter. Was ſoll man bei der jetzigen Theuerung der Wohnungen machen? Ich habe überall eine Wohnung ge⸗ ſucht, aber ich konnte keine finden, wie meine Mittel ſie mir er⸗ lauben. Präſ. Was haben Sie für Mittel? Angekl. Ich bin Dolmetſcher. Präſ. Dolmetſcher?

fand den Mann einge⸗ dem nächſten Wacht⸗

der Zuchtpolizet, und

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