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en Cavalier in der Wildniß.
Bäliſtiſchfe Lebensbild
Ida von Düringsfeld⸗
Wenn man mit dem Dampfſchiffe von Raguſa nach den Bocche von Cattaro fährt, ſo ſieht man zwiſchen Ra⸗ guſa vecchia und Punta d'Oſtro einen langen Strich gleich⸗ mäßig fortlaufender Höhen, die ſelbſt für D Dalmatien unge⸗ wöhnlich kahl und eintönig ſind. Dieſe Höhen liegen gleich der ganzen Küſte zur Linken. Es wird Einem geſagt, dahinter ſei Canali.
Wir wollten von den Bocche über Canali zurück. Wir wären dann von Caſtelnuovo aus zuerſt durch die Suto⸗
rina, den türkiſchen Grenzkeil, und dann durch Canali ge⸗ ritten, hätten Raguſa vecchia geſehen und wären mit der Barke wieder in Raguſa angelangt.
Aber wir wurden krank in Cattaro und waren froh, wie wir gekommen mit dem Dampfer auf dem kürzeſten Wege zurückkehren zu können.
Canali lockte uns indeſſen doch. Wir hatten ſo viel von der hübſchen Wildheit der Bewohner gehört. Und Wildheit iſt heutzutage ſelten genug, ſelbſt in Dalmatien.
Beſonders ſollten die Canaleſen energiſch eiferſüchtig ſein und ihre Frauen für irgend eine Untreue kaum anders beſtrafen, als mit dem Meſſer.
Wenn das Reiſen in Dalmatien von Spalato an nur nicht ſo troſtlos ermüdend und beſchwerlich wäre! Bis
Dritte Solge.
Spalato kann man doch zu Wagen, ſelbſt durch das Innere;
aber bleibt Spalato ein Mal zurück, Dampfer, Barke und Reiten.
Und was für ein Meer meiſtens, Barken und was für Sättel!
Eh bene, an einem ſchönen Octobermorgen ſetzten wir uns entſchloſſen abermals in eine Barke, in der ſo eigent⸗ lich kein Sitz iſt. btunden kamen wir bei
nichts mehr als
In anderthalb S ſogenannter bonaccia nach Raguſa vecchia. und beſuchten wir alles Beſeh- und Beſuchbare, und am nächſten Morgen ſtiegen wir, ich mit rührender Reſignation, zu Pferde und ritten in das Canali hinein.
Das Canali iſt ein Thal zwiſchen zwei Bergzügen. Der ſüdliche nach dem Meer zu iſt um Vieles niedriger und bei Weitem weniger ſteil. Er iſt bis zu drei Viertel ſeiner Höhe bebaut, der nördliche nur etwa bis zur Hälfte. Oben ſind beide ſchroff und nackt— dalmatiſcher Fels. Das Thal ſelbſt iſt ſorgfältig bearbeitet und wird in der Regen⸗ zeit überſchwemmt. Jetzt war es noch trocken, Regenzeit war nog gicht eingetreten.
und immer was für
Dort beſahen
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lovellen-Zeitung.
Aber der Regen trat ein. Der Himmel war ſchon am Morgen bewölkt geweſen, doch es hatte geheißen, wie es immer heißt:„O, es wird nicht regnen, gewiß nicht vor dem Abend, die Signori können ganz ſicher ſein.“ Die Signori waren einfältig ſicher geweſen und hatten jetzt alle Ausſicht gründlich naß zu werden. Der erſte Schauer war zwar vorüber und hatte nicht lange gewährt, doch der zweite zog bereits heran und verſprach länger zu dauern. Und nach dem zweiten der dritte, und der vierte, und ſo fort und fort— angenehme Ausſicht! Bis nach Grudda, wohin wir wollten, war es noch wer weiß wie weit, bis dahin konnten wir naß werden wie Schwämme.
Wir rathſchlagten mit den Führern. Sie wußten in⸗ deſſen keinen andern Rath, als:„pazienza, pazienza!“ das Wort, welches man in Dalmatien bis zum Verzweifeln hört. In der Nähe war nur eine Wohnung, das Haus
eeines Signor, eines Reichen, aber—
„Nun?“
„Er ſieht nie Fremde, ſelbſt nicht ſeine Freunde.“
„Vielleicht hat er keine.“
„Er hätte ihrer, wenn er wollte— er iſt reich. Aber er will keine. Nie kommt er in die Stadt, nie. Zu ihm kann man nicht.“
„Und doch!“ ſagte ich.„Ehe ich naß werde— er wird uns nicht fortjagen— es wäre der erſte Dalmatier, der das thäte.“
„Fortjagen nicht, aber es wird ihm kein Vergnügen machen, wenn die Signori kommen.“
„Wir kommen auch nicht, um ihm Vergnügen zu machen, wir kommen aus Nothwendigkeit.“
„Wohlan, wie die Signori befehlen.“
Wir bogen rechts in einen Feldweg ein, mit genauer Noth reiten konnte.
Nach einer Viertelſtunde zeigten die Führer uns das Haus. Es ſchien ein gewöhnliches dalmatiſches und lag ziemlich hoch oben unter Oelbäumen verſteckt.
Als wir erſt zu klimmen begannen, ging es trübſelig langſam. Der Weg beſtand, wie alle ſolche Wege hier,
auf dem man
aus loſen Steinen. Ueber die hinan hatten nun die Pferde
denn die
wegzuſtolpern. Und der Regen, der oben drohte— es war ein Vergnügen!
Nun, man mag krebſen oder galoppiren, ein Mal kommt man doch an, wenn man überhaupt ankommen ſoll. Nach einer halben Stunde waren wir glücklich vor der Hofthür. Sie war hermetiſch verſchloſſen, ſah aus, als könnte ſie gar nicht aufgehen. Der zweite Schauer hatte wider alles Er⸗ warten bis jetzt huldvollſt gezögert; kaum aber hielten wir ſtill, ſo goß er auch mit einer Eile vom Himmel, als wolle


