Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
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die Erhaltung

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2. Bei ſeinem betrachtete

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Nr. 50.]

Dritte bei ſich Eduard der einzelnen Vorfälle bis zu ſeiner Ver⸗ wundung wieder lebhaft bewußt wurde. Schmerzlich ver⸗ mißte er anfänglich das Portrait, doch tröſtete er ſich, zu erfahren, daß es ſich in den Händen der Eigenthümerin befinde, deren Retter zu ſein er ſo glücklich geweſen war. Als ihm das erſte Mal erlaubt wurde das Bett zu ver

laſſen, trat Graf N...) mit dem General B... in

das Zimmer, um ſeinen Gaſt zu begrüßen und ihm mit wenigen Worten auszudrücken, wie ſehr er ſich ihm ver⸗ pflichtet fühle. Mit liebenswürdiger Beſcheidenheit nahm Eduard dieſen Dank und die Lobſprüche des Generals für ſein tapferes Benehmen entgegen, das er ſelbſt kaum der Erwähnung werth erachtete. Dieſe Beſuche wiederholten ſich öfters und verlängerten ſich mit den zunehmenden Kräften des Geneſenden, welchen der Graf wegen ſeiner gewinnenden Charaktereigenſchaften und hohen Bildung immer mehr achten und lieben lernte. Bei einem dieſer Beſuche übergab ihm derſelbe das für ihn ſo verhängniß⸗ voll gewordene Portrait ſeiner Tochter, als einen ſchwachen Beweis deren Dankbarkeit, mit der Bemerkung, daß ſie ſehnlichſt den Augenblick herbeiwünſche, in welchem es ihr vergönnt ſein werde, dieſelbe in Worten zu äußern. Ueber⸗ wältigt von den mächtigen Regungen ſeines Herzens bei Empfang dieſes bedeutungsvollen Geſchenks, vermochte er auf dieſe Botſchaft nur mit einem ſtummen Händedruck zu antworten, allein der Graf verſtand dieſe Sprache und ſchloß ihn gerührt in ſeine Arme.

Endlich war der heiß erſehnte Tag erſchienen, an wel⸗ chem Eduard das Krankenzimmer verlaſſen durfte. Am Arme ſeines ärztlichen Freundes durchſchritt er mehrere

Gemächer des Schloſſes, als dieſer vorwärts deutend plötz⸗

lich zurücktrat und den Ueberraſchten allein ließ. Schnell zog ſich ein Vorhang zurück und hinter demſelben erblickte er Minna im weißen Gewande, genau wie auf dem Bilde gekleidet, das ihm jetzt als ſein Eigenthum angehörte.

Kaum wagte er, der ſüßen Geſtalt zu nahen, die ihm nun

folge.

ſentgegen trat und vergebens die Lippen öffnete, um die kühne That ihres Retters in Worten zu feiern. Dieſer war vor ihr auf die Knie geſunken, hatte ihre Hand erfaßt und ſah ſo ſehnſüchtig und bittend zu ihr auf, daß ſie im willenloſen Gewähren ihrer Gefühle das Haupt zu ihm niederbeugte und ihre Stirn ſeinem Kuſſe bot. In dieſem Augenblicke fühlten ſie ſich von zwei Armen umſchlungen, und zum Bewußtſein zurückgekehrt, verbarg die Jungfrau ihr erglühendes Antlitz an der Bruſt des Vaters, der mit ſeinem Freunde hereingetreten war, um den Bund zweier Herzen zu ſegnen, welche die Vorſehung einander entgegen⸗ geführt und durch alle Gefahren hindurch zum ſchönen Ziele geleitet hatte.

Der Tag, an welchem in Rußland das Feſt der großen Völkerſchlacht bei Leipzig gefeiert wurde, verband Eduard und Minna auf ewig.

Humoriſtiſche Studien aus dem täglichen Leben*).

1. Kaffeehäuſer.

Das erſte Kaffeehaus entſtand mit dem erſten Faul⸗ lenzer, behauptet ein großer Gelehrter, deſſen Name uns entfallen.(Es gibt in Deutſchland gar ſo viele Ge lehrte!)

Das erſte Kaffeehaus entſtand alſo mit dem erſten Faullenzer und war ein kleines Stübchen, wohin der Luxus

) Unter dieſem Titel werden wir eine Reihe Genrebilder bringen von einem Autor beliebter, weitverbreiteter humoriſtiſcher Schriften. Wir machen unſere Leſer ins Beſondere darauf aufmerkſam.

Anmerk. d. Red.

entſetzlich lang, ob ich gleich ſelten allein bin. Goethe ſpricht, ich ſollte mich hängen, aber hier mag ich nicht; wenn ich klug geweſen wäre, ſo hätte ich mich in Leipzig hängen ſollen.

Erkälärung zu goethes Rnabenmärchen.

DasMärchen im erſten Theil vonWahrheit und Dich⸗ tung ſpielt bekanntlichhinter der ſchlimmen Mauer. Enslin's Frankfurter Sagenbuch enthält eine Erklärung dieſer Orts⸗ bezeichnung.

Der poetiſche Reiz, ſo heißt es daſelbſt, der an manchem ge⸗ heimnißvoll ſagenhaften Namen aus älteren Zeiten haftet, löſt ſich bei genauerer Forſchung und Betrachtung oft in ganz trockene Proſa auf, ſo daß es Einem faſt leid thut, die Wahrheit erfahren zu haben und dadurch des hübſchen zaubervollen Gaukelſpiels, deſſen die Phantaſie ſich erfreut, verluſtig geworden zu ſein. Die Alterthums⸗ und Geſchichtsforſchung muß und wird ihr Recht be⸗ halten; gönnen wir es aber auch und Märchendichtung. 10 24 ie jetzigeStiftsſtraße(ſo genannt von der angrenzenden Senckenbergiſchen Stiftung) in einigen Jahren(und wird noch häufig genannt): die Schlimme⸗ mauer oderhinter der ſchlimmen Mauer. Wem käme dieſer Name nicht auffallend vor und wer dächte nicht bei dieſem Namen: dort iſt es nicht ganz geheuer! Aber es iſt eine Straße, wie andere Straßen auch, und

Im fünfzehnten und ſechzehnten Jahrhundert ſchrieb man Schlymgaſſe, Schlimmengaß und zuweilen Schlummengaß.

der heitern, ſinnigen Sagen⸗

Frankfurt a. M. hieß noch vor

Der dungen u. ſ. w. Leipzig, Otto Spamer, 1857.

Name rührt von einem Bewohner her, der Slymme hieß und weil ſich neben dem Schlimmenhauſe(Slymmenhaus) ein langer Hof oder eine Gartenmauer befand, ſo entſtand dadurch die Benennung: Slymmauer, ſpäter: hinter der Schlimmen⸗ mauer u. ſ. w.

Literatur. Schiller's Briefe. Mit geſchichtlichen Einleitungen und Erläuterungen. Zweite Auflage. Berlin, Allgemeine deutſche

Verlagsanſtalt.

Goethes Briefe. Mit geſchichtlichen Einleitungen und Erläuterungen. Berlin, Allgem. deutſche Verlagsanſtalt, 1856.

Aus den verſchiedenen Briefſammlungen und einzelnen Ver⸗ öffentlichungen in mannigfachen Journalen ſind hier die intereſſan⸗ teſten und wichtigſten Briefe der beiden großen Dichter zuſammen⸗ geſtellt. Es iſt ein Glück für die Nation zu nennen, daß ſie beide, die Muſter unſerer Bildung, uns zugleich als ſich ergänzende Muſter des Lebens gelten können. Die vorliegenden Sammlungen ergänzen gewiſſermaßen das mehr gedrängte Diezmann'ſche Buch: Schiller's Leben aus ſeinen Werken, Briefen u. ſ. w., dem näch⸗

ſtens ein ähnliches über Goethe folgen ſoll.

Der Scalpjäger. Oder: Der amerikaniſche Robin⸗ ſon. Erlebniſſe, Natur⸗ und Sittenſchilderungen aus dem ame⸗ rikaniſchen Jagd⸗, Kriegs⸗, Reiſe⸗ und Waldleben. Herausgegeben von Th. Bade. Mit vielen Tonbildern und Originalzeichnungen von H. Leutemann, ſo wie mit 100 in den Text gedruckten Abbil⸗

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