Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
793
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ſſen, als dieſes i ind das Grabma Reitern bilden erklärte der i Eduard für todt e und drang aui 3s regungsloſen dhlen, öffnete der zHals hängend dte. Stumm vo Tochter, welchen reeicht hatte. Die artend, befahle chen an dem ver nach langem Ie ude an demſelbe Bewußtſein noc

keine ſchützend der ihm theuern licklich Anſtalten öſſer zu bringet auch eine größe ndlichen Partei⸗ reichte er daſſtl garzt, unter deſſ tark genug fühl umſtändlicher un

Ihr Vater ſie⸗ oskwa unter dan r fich zu ſeinen en füt die ruſſ

zener Schlat terlichen Schloſ ehen, als die dort ihr Unwiſe

nur die äußelſt Nothwendigkeit,) zuführen im Stan Ftlich freien Haln en, zu erſchrece Genüthe ſammmn nd zu verſöhnen,

Nr. 50.] Dritte

trieben. Sie hatte ſich in jenes Gewölbe geflüchtet und in ihm während zweier⸗Tage verborgen gehalten, als ſie

auch dort von den jeden Winkel nach Beute durchſuchen⸗

den Räubern entdeckt wurde und einem entſetzlichen Schick⸗

ſale erlegen ſein würde, wenn ſie nicht Eduards ritterlicher

Muth gerettet hätte.

Dieſer lebte zwar noch, aber ſein Zuſtand bot wenig Hoffnung dar. Mit gebrochenem Auge lag er bewußtlos auf ſeinem Lager, die in Folge des Lanzenſchlages erlittene mächtige Gehirn⸗ und Nervenerſchütterung ſchien ſeine Geiſteskräfte auf immer gelähmt zu haben, und ſelbſt der Arzt zweifelte an der Wiederherſtellung derſelben. So waren mehrere Wochen verfloſſen und ſchon begann das franzöſiſche Heer ſeiner Vernichtung entgegenzugehen, wozu die Elemente ſich mit dem Czaren verbündet hatten, aber im Schloſſe des Grafen mäßigte die Trauer den patrioti⸗ ſchen Jubel über die Befreiung des Vaterlandes, denn der hochherzige Mann konnte es ſich nicht verzeihen, den Be⸗ ſchützer des Lebens und der Ehre ſeiner Tochter in Ver⸗ kennung ſeiner Edelthat an den Rand des Grabes gebracht zu haben. Eines Tages bat Minna ihren Vater, ſie an das Lager des Leidenden zu führen, da ſie vor ſeinem Hin⸗ ſcheiden noch einmal ſeine Züge betrachten und, wenn auch von ihm unverſtanden, ihren heißen Dankgefühlen in ſeiner Gegenwart Worte geben wolle. Obgleich der Graf dieſer Bitte anfänglich widerſtand, da er von einer ſolchen er⸗ regenden Scene eine nachtheilige Einwirkung auf ihre eigene zarte Geſundheit fürchtete, ſah er ſich endlich ge⸗ nöthigt nachzugeben, weil er bemerkte, daß ihr Inneres bei dieſem Wunſche ſo lebhaft betheiligt ſei, daß die Ver- weigerung deſſelben die Gefahr, welche er zu vermeiden ſtrebte, nur erhöhte.

Anſcheinend empfindungslos, den ſtarren Blick unaus⸗ geſetzt auf einen Punkt gerichtet, lag Eduard, mit bleichen, eingefallenen Wangen, einem Sterbenden ähnlich da, als Minna in Begleitung ihres Vaters und des Arztes an ſein

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Lager trat. Unter einem heißen Thränenſtrom legte ſie ihre Hand auf die kalte Stirn des Jünglings und betete ſtill und inbrünſtig für ſeine Geneſung zum Himmel. Da plötzlich, bei dieſer leiſen Berührung, bewegte er das Auge und richtete ſeinen Blick auf die liebliche Geſtalt, die vor ihm ſtand, ein ſanftes Lächeln umſpielte ſeine Lippen, ſeine Bruſt hob ſich unter ſchweren Athemzügen, während er mit Anſtrengung die rechte Hand auf ſein Herz legte. Aber in derſelben Minute ſchloſſen ſich ſeine Augenlider und er ſchien in einen tiefen Schlaf zu fallen. Mit der geſpann⸗ teſten Aufmerkſamkeit hatte der Arzt dieſe Scene beobachtet und prüfte nun längere Zeit den Puls des Schlafenden, während die Blicke der Umſtehenden ängſtlich auf ihm ruheten.Der Kranke hat eine Gemüthserſchütterung er⸗ fahren, flüſterte er endlich,welche zu einer Kriſis geführt hat. Daß er deren überhaupt fähig war, macht ſeine Wiederherſtellung möglich, obgleich ſie noch ſehr ungewiß bleibt. Ziehen wir uns geräuſchlos zurück, um das Wal⸗ ten der Natur nicht zu ſtören. Leiſe hob Minna die Hand von der Stirn Eduards und warf noch einen langen Blick auf ihn, deſſen Züge, wie durch ein Wunder, ihre Regel⸗ mäßigkeit wieder erhalten hatten, obgleich ſie noch mit Todesbläſſe bedeckt waren. Am Arme ihres Vaters ent⸗ fernte ſie ſich und warf ſich, in ihrem Zimmer angelangt, betend vor dem Bilde der heiligen Jungfrau nieder.

Unter der zahlloſen Menge der Gefangenen, welche bei jenem denkwürdigen Rückzuge der Napoleoniſchen Armee täglich gemacht wurden, befand ſich auch der Baron B..., Eduards General, welcher auf Ehrenwort entlaſſen wor⸗ den war und die erbetene Erlaubniß erhalten hatte, bis zum Frieden oder ſeiner Auswechſelung bei ſeinem Jugend⸗ freunde, dem Grafen N...y zu weilen. Mit jener herz⸗ lichen Gaſtfreundſchaft, die jedem Ruſſen ſo heilig iſt, empfing der Graf ſeinen alten Bekannten, zu dem er ſich

nur ein armer Schriftſteller. Deshalb ergeht an alle deutſchen Belletriſten, weß Standes, Glaubens und welcher Partei ſie immer ſein mögen, mein Geſuch: unſer Werk zu unterſtützen durch Beiträge im Gebiete der Erzählung, oder epiſcher und lyriſcher Dichtung. Ich denke, daß eine Sammlung dieſer Art, worin kein ge⸗ achteter Name fehlen dürfte, Käufer finden und einen hübſchen Zuſchuß abwerfen müßte. Und ich hoffe auch, daß ſich Niemand weigern wird, für einen ſolchen Zweck mitzuwirken. Haben doch weder Uebermuth noch Eitelkeit ihre Hand dabei im Spiele. Einen Begräbnißplatz können wir ja nicht entbehren; es iſt ein beſchei⸗ dener Wunſch, im Schooße der Erde Ruhe zu finden. Alſo Ihr, die Ihr mir wohlwollt, und Ihr, die Ihr mich

gar nicht kennt, oder nichts von mir wiſſen mögt, gleichviel, ſendet mir Eure Gaben! Nur zweierlei beding' ich mir dabei aus: Erſtens, daß nichts aufgenommen wird, was böſes Blut in Glaubens⸗ oder andern Streitigkeiten machen könnte; zweitens, daß jeder Beitrag, den Ihr mir ſchickt, ausſchließlich dieſem

uche gehört; daß der Verfaſſer ſein Autorrecht für alle Zeiten daran aufgibt! Er ſchickt, was er ſchickt, eben auf den Fried⸗ hof, und für ihn bleibt es begraben. 1

Bis Ende Januar 1857 nehm ich Sendungen an. Je früher dieſe eintreffen, deſto beſſer. Einen Buchhändler in Deutſchland weiß ich noch nicht zu nennen, der Druck und Vertrieb übernehmen will. Doch ich lebe der frohen Zuverſicht, Einer und der Andere wird ſich von ſelbſt dazu anbieten.

Zur Literaturgeſchichte. goethe's Rlein⸗Paris.

So Mancher lacht im Theater beiFauſt, wenn es in Auer⸗

bach's Keller heißt: Leipzig iſt ein Klein⸗Paris und bildet ſeine Leute,

und weiß nicht, wie ſehr Goethe dieſe Worte aus der Seele ge⸗ ſchrieben ſind, wie ſehr der junge Dichter in Leipzig den Ort ge⸗ funden, an dem er ſeinem tollſten Jugendübermuthe die Zügel ſchießen ließ. Mehr noch alsWahrheit und Dichtung, erzählen

es ſeine Jugendbriefe, daß er in hohem Grade das Verdienſt hat,

nicht nur ein großer Mann, ſondern ſeiner Zeit auch ein junger Mann, im wahrſten Sinn des Wortes, geweſen zu ſein. Wir laſſen hier einen jener Briefe folgen, die Goethe an Käthchen Schönkopf, ſein Leipziger Ideal, die Tochter eines Weinkaufmanns, ergehen ließ, nachdem er im Herbſt 1768 krank nach Frankfurt zurückge⸗ kehrt war: Frankfurt, 31. Januar 1769.

Heute oder morgen, es iſt einerlei wenn ich ſchreibe, wenn Sie nur erfahren, wie's mit mir iſt. Es muß beſſer in Leipzig ſein als hier. Es ſchreibt weder Horn, noch Sie, noch ein Anderer

vielleicht habt Ihr Bälle und Faſtnachtsſchmäuſe zu der Zeit,

da ich im Elend ſitze. Trauriges Carneval! Seit vierzehn Tagen ſitze ich wieder feſt. Im Anfange dieſes Jahres war ich auf Parole losgelaſſen; das Bischen Freiheit iſt auch wieder aus und ich werde wohl noch ein Stückchen Februar im Käfig zubringen; denn Gott weiß, wenn's alle wird; ich bin aber ganz ruhig darüber und ich hoffe, Sie werden es auch ſein. Den dritten März bin ich ſchon

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