ſind gepackt, die Pferde ſtehen bereit. Erwarten Sie den
Ausgang!“
Damit hatte er ſie in dem Zimmer eingeſchloſſen, und als er nun wirklich, von Ottomar entlarvt, die Flucht er⸗ greifen mußte, trat er zu ihr und zwang ſie, die Piſtole ihr auf die Bruſt ſetzend, eine Hintertreppe hinab ihm zu dem Wagen zu folgen.
Ehe aber Gottfried dieſe Gefahr in ihrem ganzen Um⸗ fange begreifen konnte, war auch die Rettung bereits ge⸗ ſchehen. Als er, Adelaide vermiſſend, ihren Namen durch den Saal rief, hörte man unten im Hofe Piſtolenſchüſſe
des Ereigniſſes eilte, kam Vivona, Adelaiden halb ohn⸗ mächtig in den Armen haltend, ihnen entgegen. Mit den Worten:„Gerettet! Gerettet!“ ſank ſie dem Geliebten an ddie Bruſt.
Vivona hatte ſie befreit, die Flucht des Marquis hatter er nicht verhindern können.
Wir ſind damit am Schluſſe unſerer Geſchichte ange⸗ langt. Man kann ſich die Freude denken, mit der Adelaide den wahren Namen ihres zukünftigen Gatten vernahm; ſie hatte es verdient, daß dieſer auch äußerlich ſeinem Stande nach ihr Ehre machte.
Gottfried erinnerte ſeinen Bruder Max an die im An⸗ fang dieſer Erzählung geſchloſſene Wette, und dieſer war gern bereit, Adelaidens Adel auch officiell wiederherſtellen und ſie durch ſeinen Vater zu einer Freiin von Montpenſier ernennen zu laſſen.
Vivona, als Ottomar zuerſt ſich ihm als Prinz Gott⸗ fried genannt hatte, hatte geglaubt, auch das ſei nur ein Caglioſtro⸗Streich; um ſo größer war ſein Jubel, als er ſelbſt ſagen konnte:„Gott ſei Dank! So ſind wir alſo doch ohrlich geweſen!“ Und Gottfried nahm ihn in ſeine Dienſte, damit er es auch ferner ſein könne.
Der alte Reichsgraf endlich, in der Freude, ſeinen ſo lange vermißten Neffen wiedergeſunden zu haben, erwähnte
Noveſlen⸗Zeitung.
fallen, und als man die Treppe hinab nach dem Schauplatz
(II. Jahrg.
keine Silbe mehr von ſeiner Schwachheit, durch die der Marquis Einfluß über ihn gewonnen hatte. Zumal als er von Vivona vernahm, daß jene Briefe von Adelaidens Hand an ihn gefälſcht waren, ſchämte er ſich ſeiner Leicht⸗ gläubigkeit. Er gönnte Gottfried das Glück, das er in Adelaidens Beſitz gefunden, und wußte den Reiz zu ſchätzen, den auch ſein Leben durch ihre Nähe erhielt.
Nur einmal noch hatte er mit dem Neffen einen Wort⸗ wechſel; er hatte ihn und die andern Mitglieder ſeines Hauſes gebeten:„Thut mir nun aber Alle den Gefallen und ſtellt Euch ſo vor aller Welt, als wäre der Marquis wirklich ein Wundermann,— das iſt der einzige Weg, um die Strafe ewiger Lächerlichkeit von uns abzuwenden!“
Gottfried erwiderte darauf:„Nein im Gegentheil! Das war die mächtigſte Stütze dieſes Gauners, daß Keiner, der ihn entlarvt hatte, es eingeſtand. Gerade darum wollen wir ſeine Streiche laut verkünden. Damit wird er wie Alle ſeines Gleichen für jetzt und ſpätere Zeit ver⸗ nichtet ſein!“
Und Ottomar ſchrieb über dieſe ſeine Abenteuer mit Caglioſtro Memoiren, aus denen wir dieſe unſere Schilde⸗ rung geſchöpft haben.
Graf Caglioſtro ſchließlich ſetzte von Kiffhaufen ſeinen Weg über Baſel und Turin nach Rom fort. Hier ſuchte er den Frommen zu ſpielen und machte Anſtalten, ſeine Talente den kirchlichen Operationen zu Gebote zu ſtellen; als aber der Ausgang ſeines Pariſer Proceſſes hier ein⸗ traf, ward er verhaftet. Er ſaß zwei Jahre gefangen in der Engelsburg und ſtarb daſelbſt 1793 im fünfzigſten Lebensjahre.
Seine Mutter einer Unterſtützung kheilhaftig werden zu laſſen, dazu iſt er nie gekommen. Wohl aber hat Prinz Gottfried von Kiffhauſen, als er von Vivona ihre Noth⸗ vernahm, ihr die gewünſchten 1000 Thaler geſchickt und auch ſpäter noch für ihres Alters Pflege geſorgt.
R. Giſeke.
padour, die er für Frankreichs und für den Ruin ſeines eigenen Genies zu züchtigen hatte. Dann bekam der Held hiſtoriſchen Gehalt, das ganze Stück— einen würdigen, hochpoetiſchen Styl.
So aber erhebt das Stück ſich über das Genre nicht hinaus; os enthält im Einzelnen große, echt dramatiſche Momente und eine beneidenswerthe theatraliſche Technik, aber im Ganzen iſt es Stück⸗ und Flitterwerk, und ſo zeigt ſich ſeine weitere Handlung ſelbſt ſchon nicht als Handlung, ſondern als Komödie. Es zeigt, daß der Dichter über die ſkeptiſchen Stimmungen ſeines Helden zu einer frei kräftigen, poetiſchen Schöpfung ſich ſelbſt nicht erheben konnte, da er ihm das Glück keiner größeren Handlung zu Theil werden laſſen konnte als die, Theater zu ſpielen,— eine Handlung, die hier wenigſtens keine große iſt, da nicht Narciß, ſondern Choiſeul die Verantwortung dafür trägt.
Was nun das Dawiſon'ſche Spiel betrifft, ſo zeichnete ſich daſſelbe auch diesmal durch jene Schärfe der Zeichnung aus, in der nicht ein Zug unklar oder bedeutungslos iſt, und durch jene geniale Eleganz, die jeden Effect mit ſicherer, ſpielender Leichtigkeit zur Geltung bringt. Dennoch aber können wir nicht ſagen, daß dieſer Narciß ſich ſo unendlich von dem Narciß anderer guter Schauſpieler unterſchiede, wie wir dieſen Unterſchied bei andern Rollen Dawiſon'’s anzunehmen berechtigt ſind. Wo es ſich um urſprüngliche Lebensſchöpfung wie bei Geſtalten eines Othello, eines Richard handelt, da wird der geniale Schauſpieler vor dem calentvollen ſeine Vorzüge entfalten können; bei einer Theaterfigur aber, in der alle moglichen Wendungen in den Rollen ſchon ange⸗
geben ſind, ſind jenem die Flügel gebunden. Den letzten Act hob Pawiſdn durch eine nicht geahnte Großartigkeit des Spieles; auch V in der Pagodenſcene hatte er gewiſſe Nuancen des Tones, wie ſie
Rolle flotter, jovialer, wir möchten ſagen franzöſiſcher, als ſie bis⸗ her auf den Theatern typiſch war. Vielleicht könnte man den V phyſiologiſchen Unterſchied beider Auffaſſungen ſo angeben: der ſentimentale Narciß erſcheint dadurch heruntergekommen, daß er ſeit Verluſt jenes einen Weibes bei keinem Weibe wieder Troſt her funden und in Einſamkeit verkommen iſt,— der leichtſinnige aber dadurch, daß er ſeitdem von den Pariſerinnen, die ſo mitleidig ſein ſollen, zu viel Mitleid und Troſt erhalten. Sicher iſt, wenn die erſte für Dawiſon nicht überhaupt umnuglich iſt, die zweite Auf⸗ faſſung die naturgemäßere, aber freilich verliert durch ſie die Figur des gemüthvollen Strohwitwers nur mehr an Wahrſchein⸗ lichkeit: wer wie Dawiſon⸗Narciß zwanzig Jahre das ſchöne Ge⸗
ne unnachahmlich eigen ſind. Im Allgemeinen ſpielte er die
ſchlecht kennen gelernt hat, iſt nicht im Stande, über einer ſeiner
Mitverſchworenen zwanzig Jahre zu verzweifeln,— und wenn ſie
noch zehnmal„ſo kleine Füßchen“ hätte! G.
Miscellen. Der höchſte Berg der Erde.
Die Times brachte aus Calcutta die Kunde, daß Oberſt Waugh ſeine Höhenmeſſungen beendete. Demnach wird der bis jetzt als höchſter Himalajagipfel erachtete Dawalagiri(26,826 Fuß
Höͤhe) vom Kanchinjinga(28,156 Fuß) um mehr als 1000 Fuß
übertroffen. Oberſt Waugh gab jener höheren Spitze den Na⸗ men„Evereſt⸗Berg,“ nach Evereſt, einem früheren Chef der indi⸗ ſchen Landesvermeſſung.
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