Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
780
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Ottomar entriß dem Hofrath das Pergament und nach dem erſten Blicke darauf rief er aus:Erlaucht wiſſen,

Rovelfen-Zeitung.

Meine Diamanten! Meine Perlen! rief die ent⸗

V täuſchte Minette ihm verzweifelt nach, die ihm dieſe Koſt⸗

daß Ihr hochſeliger Vater nach geheimem Hausgeſetze ſich barkeiten zur Bereitung des Lebenselixirs gegeben hatte.

ſtets unterſchrieb: Auguſt, Reichsgraf von Kiffhauſen, hier ſteht Reichsgraf Auguſt von Kiffhauſen!

Parbleu! Das Document iſt falſch! rief der Reichs⸗ graf, nachdem er einen Blick darauf geworfen.

Ihr findet ſie als Staub in meinem Laboratorium, ſagte Belmont vornehm.Man ließ mich meine Werke

nicht vollenden!

So bleibſt Du uns als Pfand. So trat Ottomar

In dem Augenblicke ſank auch Hofrath Wagner, der mit einem Piſtol ihm entgegen.

den Betrug des Marquis jetzt deutlich durchſchaute und

ſeinen eigenen Betrug durchſchaut ſah, in die Kniee und rief, die Hände faltend:Gnade! Gnade! Er hat mir das Document heute gegeben, ich habe es im Archiv untergeſchoben, ich wußte ja nicht, daß die Geiſter lügen können!

Alſo Sie, Sohn der Natur, Sie, Vater der Wahr⸗ heit, Sie haben uns betrogen? ſo rief der Reichsgraf aus, indem ihm ein helles Licht plötzlich über des Marquis geſammtes Lügengewebe fiel.

Dieſer aber, der ſein Spiel hier verloren ſah, raffte ſich noch einmal in ſeiner ganzen Größe auf, um wenigſtens einen anſtändigen Rückzug zu gewinnen:Betrogen wollt Ihr mir ſagen? Bedaurungswürdige Schüler, damit iſt unſer Bund gebrochen. Ihr hattet geſchworen, nie an mir zu zweifeln; Ihr habt gezweifelt, ſo ſind wir quitt! Ich kann Euch meines Segens nicht theilhaftig werden laſſen. Lebt wohl! Noch iſt die Welt nicht reif fürs Höhere. Aber es werden einſtens Zeiten kommen, wo wieder der Menſch die Zukunft und Vergangenheit be⸗ greift, wo Wunderelixire hoch im Preiſe ſtehen und Geiſter in den todten Möbeln leben, dann wird die Menſchheit mein gedenken, und dem Jahrhundert ſei die Wahrheit klar: Es lebt Caglioſtro noch, Caglioſtro, der unſterb⸗ lich iſt!

Damit drehte der Großkophta der Geſellſchaft mit Verachtung den Rücken und ſchritt dem Hintergrunde des Saales zu.

Platz dem Grafen Caglioſtro! ſchrie der Marquis

gewaltig, in jeder Hand ein Terzerol haltend. Ottomar drückte das ſeinige ab; das Pulver auf der

Pfanne blitzte auf, aber der Schuß verſagte. Ganz ebenſo V ging es mit dem zweiten Piſtol. Schafft Euch andere Diener an! höhnte ihn der

Marquis. Er hatte ſich damit Bahn gebrochen, das äußerſte Ende des Saales erreicht, und dort, ſich noch ein⸗ mal umwendend, ſprach er:Doch dies das letzte Zeichen meiner Kunſt! Ich verſprach Euch, den Prinzen Gottfried zu citiren, er iſt Prinz Gottfried ſelbſt, Prinz Gottfried, mein getreuſter Schüler. Und Ottomar iro⸗ niſch mit den Worten grüßend:Ade, Ade, mein theurer Mit⸗Caglioſtro! verſchwand er aus dem Saale. Die Thore ſchließt! Beſetzt die Brücke mit Wachen! Er darf uns nicht entgehen! befahl jetzt Ottomar ſchnell, und mehrere der Hofherren eilten, ſeinen Worten nachzu⸗ kommen. An die erſtaunte Geſellſchaft wandte ſich Otto⸗ mar dann:Ja, ich bin Prinz Gottfried, er hat es errathen! Ich bin Dein Neffe, ich bin Dein Bruder, Marx! V Niemand konnte an ſeinen Worten zweifeln. Die ſprechendſte Familienähnlichkeit, die den Reichsgrafen in ihm ſchon erſt den Geiſt ſeines Neffen erkennen ließ, gab für ihn unwiderlegliches Zeugniß. Dazu produeirte er jetzt das Document der Erbverbrüderung, das Prinz Max heute ſchon geſehen hatte und das Erlaucht ſogleich als das echte erkannte.

ihm verbundenen Wilhelmine Clauß, erhöhte den Reiz der ge⸗ ſelligen Unterhaltung. O, wie beſchreib' ich die Fülle dieſes blonden Gelocks, das ihr mädchenhaft blühendes Geſicht golden umwogte! Wie hat ſich ſolche Unſchuld und Naivetät, ſolche Kindlichkeit rein und fleckenlos auf den Wogen jenes unſteten Künſtlerlebens erhalten können, das dieſes zarte Weſen ſeit ſeiner Kindheit ſchon von Triumph zu Triumph geführt hat? Eine Künſtlerſeele, wie die ihre, habe ich wohl noch nie zugleich in ſo ſchönen und reinen Formen erblickt, und nicht ohne Vergnügen erinnerte ich mich jenes Ausſpruch, den bei ihrem Auftreten zu Berlin im Winter 1853 ein dortiger Kritiker etwa in folgenden Worten gethan hatte: wie lieblich müſſen dieſe Hände zu tändeln verſtehen, unter deren Berührung eine ſo reiche Fülle von Wohl⸗ laut hervorquillt! Und wie mußte es nun doppelt anziehend er⸗

ſcheinen, Moritz Hartmann und Wilhelmine Clauß neben einander betrachten zu koͤnnen ihn, den deutſchen Dichter, der alle Pein

des Lebens ſchon erfahren, ſie, die deutſche Künſtlerin, die inmitten

des ungeſtümen Treibens von Paris ſich in friedlicher Häuslichkeit g 4

angeſiedelt hat. Darum war es denn in der That der unvergeß⸗ lichſte Moment, als ſie ſich ans Clavier ſetzte und böhmiſche Volks⸗ melodien ſpielte, zu denen er die Worte ſprach, ſo daß es dem Hörer wirklich war, als klänge in dieſen wehmuthvollen Weiſen der Ruf der Heimath über alle Berge, über den grünen Rhein und das weite Land ſehnſuchtweckend herüber.

Theater. Dawiſon aſs Rarciß in Leipzig.

Eine Vorſtellung zum Beſten des Fonds für Ankaufung des Schillerhauſes in Gohlis( dieſer löbliche Zweck des hieſigen Schillervereins iſt jetzt bekanntlich erreicht) gab uns Gelegen⸗ heit, Dawiſon wieder einmal auf der Leipziger Bühne zu begrüßen. Vor einem überfüllten Hauſe, deſſen Einnahme ſich auf 800 Thlr. belief, gab er den Narciß mit glänzendem Erfolge in jeder Scene, und dieſe Darſtellung diene uns zur Veranlaſſung, auf das Brach⸗ vogel'ſche Stuͤck, das wir nach ſeinen erſten Aufführungen in Berlin und Leipzig hier freudig begrüßten, jetzt nochmals zurück⸗ zukommen.

Bei ſeinem Erſcheinen handelte es ſich darum, das Glück eines Theaterſtückes feſtzuſtellen, einem ungewöhnlich begabten dramati⸗ ſchen Talente die Bahn zu eröffnen; jetzt, wo beide praktiſchen Zwecke erreicht ſind, iſt es an der Zeit, dem Inhalt jenes Theater⸗ ſtückes auf den Grund zu gehen, vom rückſichtslos ethiſchen und äſthetiſchen Standpunkte zu fragen, welchen thatſächlichen Stoff jenes Talenk uns geboten hat.

Die allgemeine Motivirung des Helden liegt in der Scene

verſchiedene Dinge verſchiedener Anſicht ſein kann; wie ein Dresde⸗ ner Correſpondent der Augsb. Allgemeinen Zeitung aber dieſe Scene unter die theatraliſchen Albernheiten rechnen kann, das be⸗ greifen wir beim beſten Willen nicht. Das einzige WortPa ode, das in der Diderot'ſchen GelegenheitsbroſchüreRameaus ſeffe

vorkommt, hat dem Dichter hier den Impuls zu einer Situ⸗ tion gegeben, deren Grundgedanke zwar nicht unerhört neu, aber zwig

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mit dem Pagoden, Act 4. Wir begreifen es gern, daß man über