Vergebens hoffte er von der Zeit, daß ſie dieſe unnatürliche
Abneigung verſöhnen würde, als aber keine Spur davon
ſich zeigte und die ertheilte Vollmacht ihm nicht genügte,
um ihn von der Verantwortung zu entbürden, die Zukunft des Erben eines ſolchen Namens und Reichthums zu be⸗
ſtimmen, wiederholte er die eindringlichſten Ermahnungen bei ſeinem Verwandten, um ſeinen Starrſinn zu brechen, erreichte jedoch abermals damit keinen andern Erfolg, als daß Graf Z. ſeinem Sohne, unter der Bedingung, nie daß jener es war, welchem er in der Akademie begegnete
wieder an ihn erinnert zu werden, ein anſehnliches Jahr⸗ gehalt ausſetzte und ihn unter die Vormundſchaft ſeines Oheims ſtellte.
Von ſeinem leidvollen Schickſale, das ihm ſchon bei ſeinem erſten Lallen die Mutter und die Liebe des Vaters
Novellen⸗Zeitung.
Banden, als die geſchwiſterlichen es ſind, umſchlungen wer⸗ den könnte. Ein Geſtändniß wurde natürlich eben ſo we⸗ nig abgelegt, als ein Verſprechen geleiſtet, obgleich ſein Entzücken, da ſie ihm beim Abſchiede ihr Portrait über⸗ reichte, beredter war, als Erklärungen und Schwüre es zu ſein vermocht haben würden.
Ohne Zweifel werden die Leſer aus mehr als einem Umſtande errathen haben, daß in Vorſtehendem die Jugend⸗ geſchichte des Gefährten unſeres Helden erzählt worden iſt,
und mit dem er den Bund treuer Freundſchaft ſchloß. Bald
nach der Trennung von den Pflegeeltern ſtarb die Gräfin
geraubt hatte, nichts ahnend, reifte Alexei harmlos und
glücklich zum Jüngling heran und hielt ſeinen Oheim und deſſen Gemahlin für ſeine Eltern, wie deren Tochter Minna für ſeine Schweſter, die ihn ihrerſeits ebenfalls als Bruder betrachtete und liebte. Es war nun aber der Zeitpunkt
„herbeigekommen, daß er zu ſeiner militairiſchen Ausbildung
die Akademie beziehen ſollte, und ehe er den trauten Fami⸗
lienkreis verließ, entdeckte ihm der Graf N...y das bisher
bewahrte Geheimniß ſeiner Geburt und mit tröſtenden Worten richtete er zugleich die Hoffnung in ihm auf, daß
er noch die väterliche Liebe gewinnen werde, wenn es ihm gelingen würde, eine perſönliche Zuſammenkunft mit ſeinem
Vater vorzubereiten. Zugleich rieth er ihm jedoch, bis dahin über ſeine Abkunft zu ſchweigen und unter dem Na⸗ men ſeiner Mutter in die Welt zu treten. Alexei durfte weniger beruhigt werden, daß ihn ein Vater, den er nie gekannt, von dem er nie gehört, grauſam verſtoßen habe, als darüber, daß er ſeine Wohlthäter nicht mehr mit dem geträumten Rechte Vater und Mutter nennen ſollte. Und dennoch enthielt dieſer Gedanke einen Troſt für ihn, wenn er auf ſeine liebliche Couſine blickte und ihn eine ſüße Ah⸗ nung durchſchauerte, daß er einſt mit ihr von wonnigeren
und Familienverhältniſſe riefen den trauernden Gatten mit der Tochter in das Vaterland zurück, das Alexei einige Jahre ſpäter als Feind betrat, um unweit des heimath⸗ lichen Heerdes im heißen Kampfe den frühen Tod zu finden. Schluß folgt.)
Wer iſt Caglioſtro?
Memoiren⸗Novelle aus der Geſchichte des vorigen Jahrhunderts.
(Schluß.)
Der Reichsgraf war ſo angegriffen und erſchöpft, daß er eine jede Erſcheinung für den Geiſt ſeines Neffen hin⸗ genommen hätte, ohne zu widerſprechen,— die Aehnlich⸗ keit aber dieſer Figur ergriff ihn ſo gewaltig, daß er, darauf losſtürzend, erſchüttert ausrief:„Gottfried! Gott⸗ fried!“
„Nachdem wir den Rath unſerer vielgeliebten Fürſten, Grafen, Barone und andern Würdenträger des heiligen Reichs gehört haben, ernennen wir Dich in der vollen Macht unſerer kaiſerlichen Gewalt zum Grafen des heiligen Palaſtes vom Lateran, unſers Hofes und unſers kaiſerlichen Conſiſtoriums und geben Dir durch dieſen Brief den Titel, erheben Dich zu dieſer Würde und ſchreiben Dich ein unter die Zahl der andern Pfalzgrafen. Dich und Deine
Kinder und ihre Erben und Nachkommen in aller Zeit erklären
wir auch für ſo adlig, als man es nur in der höchſten menſchlichen
Stellung ſein kann, gleich als ob ſie aus dem edelſten Stamm ge⸗
boren wären und vier väterliche und mütterliche Ahnen hätten.
Wir verleihen Dir Schwert und Sporn und Adelsgewand und goldenen Gürtel.“
Aber wie verſchieden von dieſem langen glänzenden, ſturm⸗ loſen Leben ſollte die letzte finſtere Stunde dieſes Mannes ſein!
Titian hatte zwei Söhne und eine Tochter: Pomponius, Horaz und Lavinia. Pomponius wurde Prieſter, Horaz wurde Maler, Lavinia wurde ſchön und dadurch ſchon früh ihrem Vater verloren.
Die Peſt ſuchte Venedig heim, und Horaz war einer der Erſten, die von ihr ergriffen wurden. Titian wollte ſeinen Sohn pflegen, ſeinen geliebten Horaz, den er dazu beſtimmt glaubte, der Erbe ſeines Ruhmes zu ſein; er ſank von der gleichen Krankheit ergriffen auf daſſelbe Lager nieder. Hier hatte er den Schmerz, ſeinen Horaz ſterben zu ſehen. Er ſelbſt war dem Tode nahe, als Pomponius, der ſchlechteſte Prieſter jenes an ſchlechten Prie⸗ ſtern ſo reichen 16. Jahrhunderts, mit Poſtpferden von Mailand berbeieile und ſich in den Palaſt Barbarigo ſtürzte, den ſein Vater ſeit langer Zeit bewohnte. Er kam nicht, um ſeinem Vater die
Augen zuzudrücken, aber er raffte die werthvollen Möbel und die koſtbarſten Gemälde zuſammen, um ſie unter öffentlichem Aufgebot zu verkaufen. 3 1 3 Titian, der glorreiche Künſtler, ſtarb allein, ohne einen Freund,»ohne einen Diener, ihm ein letztes Lebewohl zu ſagen. Pomponius war noch ſchlechter als der ſchlechteſte Diener. Er entfloh in aller Haſt aus Venedig und ließ ſeinen Vater unbe⸗ erdigt zurück.
Grab. Jetzt erſt ſteht man im Begriff, dem Titian ein Monument, dem Canova's gerade gegenüber, zu errichten, doch ſeine Gebeine hat man nicht geſammelt. g.
Aus der Gegenwart. Beſuche dei Moritz Hartmann.
Zu den vielen Pariſer Schilderungen, die in den letzten Jah⸗ ren Szarvady, Stahr, Lewald, Koſſak, Wachenhuſen, Emma von Niendorf, Woldemar Seifarth u. A. veröffentlicht, iſt jüngſt auch noch ein„Pariſer Bilderbuch“ von Julius R nberg (Braunſchweig, Vieweg u. Sohn, 1856) gekommen. Der beliebte junge Dichter kann ſich nicht an Schärfe der Zeichnung mit Koſſak, nicht an Liebenswürdigkeit der Laune mit Wachenhuſen meſſen; aber eine gewiſſe anſpruchsloſe, den neuen Erſcheinungen mit Wärme entgegenkommende Stimmung wird den, der die große
Welt lieber mit aufrichtigem Staunen als mit abweiſender Ironie⸗
betrachten will, auch in dieſem Büchlein einen ſchätzbaren Werth. finden laſſen.
(II. Jahrg.
Der, welchen Franz I. und Karl V. als ihres Gleichen betrachtet hatten, fand nach ſeinem Tode nicht einmal ein
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