Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
777
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LI. Jäürg

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Dies Letztere ſchien die die kurze Ruhe war trügeriſch.

vrückt in eine Pantomime, da von dem, was ausgeſprochen wurde, kein Wort mehr zu verſtehen war, und der Vorhang fiel

Nr. 49.]

einem ſchweren Traume zu erwachen und betrachtete mit Staunen ſeine Erinnerungen, die wie drohende Geſtalten in die lichte Gegenwart heraufreichten. Vor dem eigenen Bilde, das ſie ihm entgegen hielten, entſetzt, flüchtete er oft in die Nähe Olga's wie unter den Schutz einer Heiligen und widmete ihr anbetende Verehrung, wenn ſie dieſe böſen Geiſter bannte. Obgleich ſeltener und machtloſer kehrten ſie noch zuweilen zurück, als endlich, nach zwei Jahren, an dem Himmel ſeines neuen Daſeins ein zweiter Stern auf⸗ gehen zu wollen ſchien, um ſie auf ewig zu verſcheuchen. Olga fühlte ſich Mutter. Mit an Wahnſinn grenzendem Entzücken nahm der Graf dieſes ſüße Geſtändniß auf, er ſtürzte zu den Füßen ſeiner Gattin und umſchlang ihre Knie, die faſt erſchrocken auf ihn herabſchaute, da ſolche Aeußerungen überſchäumender Gefühle ihrem weiblichen Sinne unverſtändlich waren. Der erſten Aufregung der Freude folgte die zärtlichſte Sorgfalt für ihre Geſundheit; ängſtlich hütete er jeden ihrer Schritte und ſuchte Alles zu entfernen, was auf ihren hoffnungsvollen Zuſtand ſtörend einwirken konnte. Obgleich das Befinden der Gräfin keine Veranlaſſung zur Beſorgniß darzubieten ſchien, beſtand er, als der Zeitpunkt der Entbindung herannahte, doch darauf, daß ſie ihr Wochenbett in Paris abhalten ſollte, und hörte dieſes Mal auch nicht auf die Einwendungen ſeiner Ge mahlin, welche, wenn ſie auch das Gewicht ſeiner Gründe anerkennen mußte, dennoch die Anſtrengungen der Reiſe ſcheute. Mit der ihm eigenen Umſicht leitete er ſelbſt alle Vorbereitungen dazu und war auch auf dem Wege, der in kleinen Tagereiſen zurückgelegt wurde, unerſchöpflich in Erfindungen von Bequemlichkeiten. Dabei war aber ſo viel Zeit verfloſſen, daß man das Ziel nicht mehr erreichte; erſt in einer Rheinſtadt angelangt, ſah man ſich zu einem

um ihren Verluſt rief alle jene unheimlichen Dämonen in ſeiner Bruſt wieder wach, die Olga's Liebe auf ewig zu ver⸗ bannen noch nicht mächtig genug geweſen war. Unter ſünd⸗ lichen Verwünſchungen gegen Alles, was er erſt als heilig erkennen gelernt hatte, tobte er zum Schrecken ſeiner Um⸗ gebung umher und richtete ſeinen glühenden Haß auf das unſchuldige Kind, welches ſeinem Anblick entzogen werden mußte und deſſen Niemand in ſeiner Gegenwart erwähnen durfte. Endlich gelang es dem älteſten und treueſten ſeiner Diener, ihn durch die Vorſtellung zu gewinnen, das Herz der Geliebten vor der Verweſung zu hüten, um es ſo in koſtbarer Umhüllung ſtets bei ſich führen zu können. Dieſe Idee ſprach ſein dem Romantiſchen geneigtes Gemüth an und gab ihm, indem er ſich ihrer bemächtigte, die Fähigkeit zum Handeln wieder. Nachdem die Ueberreſte Olga's be⸗ ſtattet worden, trat er mit ihrem Herzen, aber ohne Kind den Heimweg an und lebte auf dem einſamſten und un⸗ wirthbarſten ſeiner Güter viele lange Jahre hindurch das troſtloſe Daſein eines Menſchenfeindes.

Ohne irgend einen Auftrag von dem Vater empfangen zu haben, hatte Iwan, jener bewährte Diener, den ver⸗ waiſten Säugling ſicheren Händen anvertraut und den traurigen Vorfall dem Schwager ſeines Gebieters, eben⸗ falls einem ruſſiſchen Edelmann, dem Grafen N.. y, ge⸗ meldet, welcher wegen des kränklichen Zuſtandes ſeiner Gemahlin mit ihr und einer kaum zweijährigen Tochter ein Landgut im ſüdlichen Deutſchland bewohnte. Dieſer, von der traurigen Nachricht innigſt ergriffen, nahm ſeinen jungen Neffen ſogleich bei ſich auf und widmete ihm im Verein mit ſeiner Gemahlin die zrtlichſte Pflege. Erſt nach Jahren, nachdem der Pflegling ſchon zu einem hoff⸗ nungsvollen Knaben herangewachſen war, wagte es der

Aufenthalt genöthigt und einige Tage darauf gebar die Gräfin einen Knaben, bezahlte aber dieſes junge Leben mit dem ihrigen. Sie verließ ihren Gatten noch ehe ſie ihre Aufgabe völlig gelöſt hatte, denn der wüthende Schmerz

Graf, dem Schwager von dem Leben ſeines Sohnes eine andeutende Kunde zu geben, erhielt aber die Antwort, daß er ſich durch ſeine Sorgfalt keinen Dank erworben, und die Vollmacht, über ihn wie über ein eignes Kind zu verfügen.

folgte ein wirres Getöſe von wieherndem Gelächter, Ziſchen, Pfei⸗ fen und Bravorufen, während deſſen die Kleine mit der größten Ruhe ihre Scene weiter ſpielte. Auf den wiederholten Ruf nach dem Director erſchien endlich der berühmte Charles Kemble, wel⸗ cher damals dieſe Stelle bekleidete, und wendete ſich in einigen wohlgeſetzten, aber bald durch Ziſchen, bald durch Applaus unter⸗ brochenen Worten an das Publicum, indem er ſich auf den Beifall berief, mit welchem Miß Mudie auf verſchiedenen Provinzial⸗ theatern aufgetreten ſei, und bat, daß man ihr erlauben möge, das Stück zu Ende zu ſpielen. V Ein donnerndes Nein! Nein! war die Antwort.

Kemble wendete ſich nun mit derſelben Bitte an das Mitge⸗ fühl des zarteren Geſchlechtes und verſprach zugleich, daß Miß V

Mudie nach dieſer Verſtellung die Bühne nicht wieder betreten ſolle.

gewünſchte Wirkung hervorzubringen, aber

Denn kaum war

der erſchienen, als der Aufruhr von neuem mi losbrach, daß die Kleine ſich zurückziehen mußte. ttrat nun vor, um anzukündigen, daß eine andere Schauſpielerin die Rolle der Peggy übernommen habe. Aber auch damit war die Ordnung nur auf einige Minuten hergeſtellt. Denn als die Stell⸗ wertreterin aus den Couliſſen heraustrat, gingen die Feindſelig⸗ keiten zwiſchen den Anhängern der Miß Mudie und den Anti⸗ Roscianiten, wie die Gegner der dramatiſchen Wunderkinder genannt wurden, aufs neue an. Alles war Geſchrei und Verwirrung. Der Reſt des Stückes verwandelte ſich wie ein Augenzeuge ſich aus⸗

Miß Mudie wie⸗ t ſolcher Gewalt Der Regiſſeur

über der ſeltſamſten und lächerlichſten Vorſtellung, einer Londoner Bühne geſehen hatte.

Der Vorfall hatte aber wenigſtens die gute Folge, daß fortan keine Direction mehr wagte, dem Publicum ein Wunderkind auf der Bühne vorzuführen.

Wir theilen dieſe beiden Begebenheiten aus über das engliſche Theater hier mit, um zu auf der Bühne, mißglückt ſind!

die man je auf

unſeren Studien zeigen, welche Verſuche das Publicum heranzuziehen, geglückt und L e.

Citian's Cod. Selten wohl führte ein Künſtler ein Titian. Ruhm, Ehre, Reichthum, Alles hatte ihm ſein Talent und ſeine Kraft ſo friſch erhalten, daß ſein letztes Gemälde, welches er in dem Alter von 99 Jahren malte, in nichts ſeinem erſten nachſtand, durch das er ſeinen Ruhm be⸗ gründete, ja es ſogar in den Augen Vieler noch übertraf. Ungetrübt floß ſein Leben dahin, in dem ſtolzen Venedig, unter allen Genüſſen der Ueppigkeit und des Reichthums; zur Muſe hatte er eine Bacchantin und ſeine Poeſie ergoß er in das Haar ſeiner Geliebten, das wie ein Goldregen auf den Schnee ihrer Schultern niederfiel. Nie hatte Titian mit den Verſuchungen des böſen Engels zu kämpfen, nie wurde ſeine Liebe betrogen, nie durfte er mit dem Elende ringen, nie nahte ein großer Schmerz ſeinem Herzen. Er lebte 99 volle Jahre, bewundert von Allen, ſelbſt von den Königen, ſelbſt von den Kaiſern. Franz I. hob ſeinen Pinſel auf und Karl V. verlieh ihm einen ſeltenen Adels⸗ brief. Dieſer lautete:.

glänzenderes Leben, als war ſein. Der Himmel

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