Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
775
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Mienen des Generals eine innere Bewegung ſichtbar, die er zwar ſchnell genug zu unterdrücken ſuchte, die aber ſeinem Untergebenen dennoch nicht entgangen war. Nachdem er ſich anerkennend über das Benehmen des Officiers ausge⸗ ſprochen, empfahl er ihm, über den ganzen Vorgang Still⸗ ſchweigen zu beobachten, da unter den obwaltenden Um⸗ ſtänden die größte Vorſicht geboten ſei und ſich mit jedem Schritte, mit welchem die Armee in das Innere dieſes Wandes dringe, die Anzahl der feindlichen Kundſchafter ruehre, die ihre Bewegungen umlauerten. Schon hatte der General das Zeichen gegeben, auf welches ſich Eduard entlaſſen glaubte, als er ihn, wie ſich plötzlich beſinnend, zurückrief und die Frage an ihn richtete, ob er wohl auf⸗ gelegt ſei, ein gefährliches Abenteuer zu beſtehen und einen Auftrag zu übernehmen, der eben ſo viel Muth als Klug⸗ heit erfordere. Ew. Exeellenz, erwiderte Eduard,können mir nur einen ehrenvollen Auftrag ertheilen, den ich auszuführen

ſiets bereit bin.

Wohl, ſprach der General,ich vertraue Ihrem

ritterlichen Muthe und Ihrer Umſicht ein Geſchäft an, das

vielleicht einem Erfahrenern gehörte, denn ich bin für meine Wahl verantwortlich. Vernehmen Sie alſo: Ein Mann won hoher Bedeutung, der anſcheinend ſtill und eingezogen auf einem ſeiner Güter lebt, hat ſich ſchon längſt mit dem Verdacht beladen, eine ſich in unſerem Rücken vorbereitende Inſurrection zu unterſtützen, als deren Haupt er handeln wird, ſobald wir ſeine Beſitzungen gänzlich verlaſſen und uns der alten Hauptſtadt des Reiches genähert haben wer⸗ den. Bisher leiteten uns nur Vermuthungen, ſeit geſtern haben wir Beweiſe gegen ihn in Händen. Dieſe Beweiſe haben Sie ſelbſt mit jener Brieftaſche überliefert, welche, im der Perſon des Flüchtlings, wahrſcheinlich einer ſeiner Conſpirirten, ein ruſſiſcher Parteigänger verlor und welche eine Correſpondenz mit den feindlichen Generalen enthielt,

vie ſeine Theilnahme an dem gegen uns gerichteten Be⸗

Dritte

ginnen außer allen Zweifel ſetzt.

folge.

Die Aufhebung und Gefangennehmung dieſes gefährlichen Mannes, todt oder lebendig, darin beſteht Ihr Auftrag. Vorſicht, Umſicht und Verſchwiegenheit ſind hierbei die unerläßlichſten Be⸗

dingungen, an Ihrem Muthe wage ich nicht zu zweifeln.

In einer Stunde erwarte ich Sie wieder bei mir, um Ihnen die genauere Inſtruction zu ertheilen. Wählen Sie ſich unterdeſſen in Ihrem Regiment 50 zuverläſſige Uhlanen aus, wozu Sie dieſer Befehl ermächtigt. Aber keine Seele erfahre den Zweck Ihrer Sendung, bis Sie meine ſchriftliche Weiſung von Ihrem Stillſchweigen ent⸗ bunden haben wird. Für jetzt ſind Sie entlaſſen.

Mit vor Freude geröthetem Antlitz, ſich durch das Vertrauen ſeines Generals ausgezeichnet zu ſehen, ſchritt Eduard aus dem Zelte und warf ſich auf ſeinen Schimmel, der es im angeſtrengteſten Laufe empfinden mußte, daß ſein Herr zu einem wichtigen Auftrage berufen war. Das Gewicht der Gegenwart hatte für den Augenblick die Er⸗ eigniſſe in den Hintergrund gedrängt, und er hatte ſelbſt den Vorſatz vergeſſen können, im Hauptquartiere nach den Papieren des gefallenen Freundes zu fragen. Im Lager des Regiments angelangt, hatte er bald eine auserleſene Schaar entſchloſſener Reiter in der vorgeſchriebenen Anzahl verſammelt, an deren Spitze auch der alte Wachtmeiſter nicht fehlen durfte, der ihm ſelbſt Lehrer und Führer auf ſeiner militairiſchen Laufbahn war und der ſeinen tapferen Zögling wie ſeinen eigenen Sohn liebte. Kaum war die vergönnte Stunde verſtrichen, als Eduard wieder vor dem General ſtand, der ihn nun mit dem Namen und Aufent⸗ halt des Mannes bekannt machte, den er gefangen nehmen ſollte, welcher aber vielleicht von Tauſenden bewaffneter Bauern bewacht war, die vor Verlangen glühten, den er⸗ duldeten Uebermuth der Feinde an dem Einzelnen zu rächen. In der Inſtruction war auch das Verfahren vorgeſchrieben, das in der Behandlung und der Art und Weiſe der Be⸗ wachung deſſelben beobachtet werden ſollte, und ſie enthielt

den iſt, haben wir in den letzten 25 Jahren an zahlreichen muſika⸗ liſchen Beiſpielen geſehen. Die folgenden Fälle von Frühreife auf einem anderen Gebiete der Kunſt ſind vielleicht in weitern Kreiſen weniger bekannt. Am 1. December 1804 debütirte im Coventgarden⸗Theater in Fondon ein dreizehnjähriger Knabe, William Weſt Betty, als

Alchmet in dem TrauerſpieleBarbaroſſa von Dr. Browne, einer

Kolle, in welcher ſich früher Garrick ausgezeichnet hatte. Dem jugendlichen Künſtler, der bereits auf mehreren Provinzialtheatern ne Laufbahn gemacht hatte, ging ein außerordentlicher Ruf und der hochtönende Name desjungen Roscius voran, und der Zu⸗ drang des Publicums zu der Vorſtellung war daher der Art, daß nehrere Perſonen im Gedränge gefährlich verwundet wurden und ſaum ein Drittel der Schauluſtigen wirklich Einlaß erhalten oonnte. Der Erfolg übertraf die kühnſten Erwartungen, und nie ſeit Menſchengedenken hatte ein ſolcher Beifallsſturm die Mauern des alten Coventgarden erſchüttert, wie an jenem Abende. Jeder⸗ nann wollte nun dieſen neuen Stern am Horizonte der Kunſt be⸗ pundern, und die Kaſſe von Coventgarden machte binnen Kurzem ſine ſolche Ernte, daß das rivaliſirende Drurylanetheater den ſungen Künſtler für ſich zu gewinnen ſuchte. Man vereinigte ſich,

und Betty ſpielte von jetzt an abwechſelnd in beiden Theatern.

Sr verſuchte ſich nach und nach in den ſchwierigſten Rollen, Kichard III., Hamlet, Macbeth, Romeo u. ſ. w., in allen mit bei⸗ (ielloſem Erfolge. Anfangs empfing er nur 50, ſpäterhin die für ſie damalige Zeit ungeheure Summe von 100 Lſt. für den Abend.

iccht lange, ſo war er der Löwe des Tages. Stolze Lords ſuchten

ſeinen Umgang, ſtolze Ladies überbäuften ihn mit Liebkoſungen, ſelbſt der ehrwürdige Erzbiſchof von York erbat ſich die Ehre ſeines

Beſuches. Während aber ſeine enthuſiaſtiſchen Bewunderer ihn als einen Schauſpieler erſten Ranges in den Himmel erhoben, fehlte es ihm auch nicht an Gegnern, die ihn eben ſo einſeitig verdamm⸗ ten.Die Wahrheit iſt ſagt ein Kritiker der Zeitdaß er, als Knabe betrachtet, Außerordentliches leiſtete; aber wirklichen Eindruck auf das Gemüth konnte ſeine Darſtellung nicht machen. Denn kein Zuſchauer war auch nur einen Augenblick im Stande, ſich die Illuſion zu bewahren, wenn er einen dreizehnjährigen Knaben in der Mitte von Männern und Frauen zwiſchen 25 und 60 Jahren als Held und Liebhaber agiren ſah. Man konnte über die Frühzeitigkeit ſeines Talents erſtaunen, aber Rührung oder auch nur Theilnahme an dem, was auf der Bühne vorging, zu empfinden, war unmöglich. Auch war Maſter Betty verſtändig genug, ſich zu rechter Zeit zurückzuziehen, ehe noch ſeine Lorbeeren zu welken anfingen. Er nahm den 17. Mai 1806 mit einem Be⸗ nefiz in Drurylane auf immer von der Bühne Abſchied. 1 Betty's außerordentlicher Erfolg hatte in den Kollen Caſſen von Coventgarden zu angenehme Erinnerungen hinterlaſſen, als daß die Unternehmer des Theaters nicht jede Gelegenheit zu einer zweiten ähnlichen Speculation auf die Neuigkeitsſucht des Publi⸗ cums mit Begierde hätte ergreifen ſollen. Um dieſe Zeit ver⸗ breitete ſich in der Hauptſtadt der Ruf eines Wunderkindes, vor deſſen Frühreife ſelbſt Maſter Betty die Segel ſtreichen mußte. Eine gewiſſe Miß Mudie, welche eben ihr achtes Lebens⸗ jahr zurückgelegt hatte, ſpielte auf den Theatern in Birmingham, Liverpool und Dublin die Rolle einer erſten Liebhaberin zum Ent⸗ zücken aller Kunſtfreunde und hatte ſich bereits den Beinamen des Theaterwunders(the theatrical phenomenon) erworben. Sie wurde natürlich ſogleich verſchrieben und trat am 23. Nov. 1805