Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
773
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(ll Jahrg

Dritte Folge.

773 . der auch in ſeine Ge hinab in die Moskwa ſetzte. Noch ehe Eduard ſelbſt den folgte, welche die Hufe des kleinen Pferdchens in den wei⸗

V R keinem Aufſchun Uferrand erreicht hatte, war dieſer ſonderbare Flüchtling, chen Boden gedrückt hatten. Kaum hatte er einige Schritte V offf zurückgelegt, als er auf demſelben eine Brieftaſche liegen b

dem Bilde z 1 Bilde in ſeine

nung, ihn in da deſſen Untergang in dem tiefen Strome unvermeidlich 3 er au deſſen traber die ſchien, mit der linken Hand an der Mähne ſeines Thieres V ſah, welche augenſcheinlich der räthſelhafte Reiter verloren rnoch aufbewahrt ſüch feſthaltend, ſchon wieder aufgetaucht und theilte mit hatte. Er hob ſie auf und war nicht wenig erſtaunt, die Die körperlicn der Rechten kräftig die ſchäumenden Wogen welche ſein geſchmackvollſte Arbeit einer kunſtfertigen Hand betrachten ais die Gemüthsbe. Sturz aufgewirbelt hatte. Sprachlos vor Erſtaunen über zu dürfen, welche den Einband zierte; allein wer beſchreibt deen nun aber in ijn dieſe Kühnheit, folgte Eduard mit ſeinen Blicken dem ſeine Ueberraſchung, wie er die Taſche öffnete und in einem S kurzer Ruhe; e Schwimmer und befahl dem Uhlanen, der ſo eben den Fache ein Portrait fand, Zug für Zug demjenigen gleichend, das Commando de Sarabiner auf denſelben anſchlug, abzuſetzen, weil es ſeiner V das er auf ſeiner Bruſt trug, und unſtreitig demſelben vo er, nachdem a ritterlichen Geſinnung widerſprach, einen ſo muthigen Original gehörend. Nur die Gewandung war verſchieden, ſorgülig verwahtt Gegner aus der Ferne zu bekämpfen. V denn die Dame auf ſeinem Portrait war einfach weiß ge⸗ 6Es iſt auch wahr, murmelte der Soldat, indem er kleidet, und zwanglos, ohne Hülfe von Kamm und Nadel, zum beſchifigte u auf ſeinen einſtweilen verlaſſenen Poſten zurückritt,ein ringelten ſich die goldenen Locken, Schultern und Nacken ut keine igentlih Meuchelmörder iſt eine ehrliche Soldatenkugel gar nicht bedeckend; dieſe trug ein blaues Sammetkleid, ein reicher Näbe falender Schu werth, ich werde ſie wenigſtens einem Koſaken aufſparen. Gürtel umſchloß den ſchlanken Leib, ein Diadem glänzte rang enpor, und ni Unterdeſſen hatte der Flüchtling das jenſeitige, ziem⸗ auf dem künſtlichen Haargeflechte und ein koſtbarer Schmuck egenwart ertheitt lich flache Ufer erreicht, ſich nebſt ſeinem Pferde einige wiegte ſich auf dem blendend weißen Halſe. Auf der Rück⸗ erdaungen, inden g Male tüchtig geſchüttelt, war dann wieder raſch aufgeſtie⸗ ſeite des in eine goldene Kapſel gefaßten Miniaturgemäl⸗ gen und, auf Eduard einen grimmigen Blick zurückwerfend, des war aus Türkiſen und Smaragden ein Vergißmein⸗

in dem nahen Tannenwalde verſchwunden. nichtkranz zuſammengeſetzt, der ein weißes Emailleblättchen

Hierbei hatte jener erſt Gelegenheit gehabt, die wun⸗ umgab, auf welchem mit goldenen Buchſtaben das Wort m pen khf ſerbare Erſcheinung näher zu betrachten. Dieſelbe glichBeſtändigkeit verzeichnet war. Eduard ſah ſich hier⸗ erräch de im u zemlich im Aeußeren einem Kapuzinermönche; ein großer durch veranlaßt, ſein Medaillon mit dieſem zu vergleichen, haben mochte, ne treitkrämpiger Hut bedeckte das Geſicht ſo vollkommen, und entdeckte bald eine Feder, auf deren Druck die Kapſel Entfernung ein daß nichts davon zu erblicken war, und eine weite braune aufſprang und einen ähnlichen Kranz mit demſelben bedeu⸗ folgte, welcher, u Kutte umhüllte die ganze Geſtalt, doch hatte ſie ſich bei tungsvollen Worte zeigte. Allein vergebens ſuchte er nach reltend, zu entitn den raſchen Bewegungen mehrmals auseinandergeſchlagen einer Spur, welche ihm den Namen oder den Aufenthalt

gel laſſend durchtg und Eduard war dabei nicht entgangen, daß der anſchei⸗ des Gegenſtandes verrathen ſollte, der ſeit wenigen Stun- ſanft nach den In nende Pater darunter Säbel und Piſtolen trug, ſo wie den ſein ungetheiltes Intereſſe in Anſpruch nahm und, ſich dd in der Miſe d ihm hier im doppelten Bilde entgegenſtellend, das Schlagen

berhaupt deſſen körperliche Gewandtheit und Verwegen⸗

7, huh mots, bald heit durchaus nicht an den geiſtlichen Stand glauben ließ. ſeiner Pulſe fieberhaft beeilte.

igkeit den dunzm, Mit dieſem neuen Stoffe zum Nachdenken beſchäftigt, Mehrere in das Portefeuille eingeheftete Blätter wa⸗ 8 et teind annm 1 wendete Eduard ſein Pferd, um an die Vedette heranzu⸗ ren in einer Eduard fremden Sprache, theils mit ihm noch

ſad, ſein Wedn eiten und ſich den Verlauf des ganzen Vorfalls vom Be⸗ unbekannteren Chiffern und Zeichen beſchrieben; ein nach

faſt haushohen Uit zinn an melden zu laſſen, wobei er der friſchen Spur ſorgſamer Unterſuchung entdecktes Fach enthielt einen noch

lauen Ferne ragten einige ſteile Felſen wie kleine Inſeln aus Die Einwohner von Nordafrika zerfallen in Araber, Berber dein Meere hervor. Das war das ſogenannte Riff. und Kabeilen. Aber auch die wilden Bewohner deſſelben ſollte ich kennen Die Araber bewohnen die Ebenen und die Städte und haben lernen. Durch allerhand Verſprechungen hatte Abdelkader mehrere ſowobhl als ſiegreiche Eroberer als auch als erfolgreiche Religions⸗ . Stämme jener Bergvölker dazu vermocht, daß ſie ihm zu Hülfe verbreiter dem ganzen Nordafrika den arabiſchen Charakter aufge⸗ vogen. Gegen 600 Mann kamen um jene Zeit in Abdelkader's drückt. 3 3 ſoger; ich ſelbſt kehrte in Geſellſchaft ſolcher Zuzügker von Matt Die Breber oder Berber, von welchen ein großer Theil des

dema ins Kriegslager zurück. Aber die Anweſenheit dieſer Hülfs⸗ zmumesgenofſen eni nuppen dauerte nicht lane Nicht nur fanden ſie ſich getäuſcht 7 ihren Hoffnungen auf Beute, ſondern ſte waren auch den größ⸗ zwiſchen Abdaltadi ſe Entbehrungen ausgeſetzt, da Abdelkader ihnen nichts weiter

Landes den Namen der Berberei führt, wohnen im hohen Atlas, d. h. im ſüdweſtlichen Gebirge, das ſich am Rande der Sahara durch Marokko zieht. Sie repräſentiren die Urbewohner Nord⸗ 1 Entb⸗. hnen nichts w Afrika's, die alten Numiddier, die ſich ſchon vor der römiſchen Un⸗ nfünf Schlachten 4 e ſpärlich Pulver und Blei lieferte. Deshalb verließen ſie ſchon terjochung ins entlegenſte Gebirge flüchteten. Sie ſind gegen⸗

Jluchtwerſuche kamn ſach einigen Wochen den Kriegsſchauplatz und zogen in ihre Hei⸗ wärtig Marokko unterworfen und bekennen ſich zum Islam; doch 1 NlMn Verzweiflun ath. Abdelkader war über dieſe Feigheit, wie er es nannte, ſehr werden ſie auch in religiöſer Hinſicht von den Arabern und Ka- mn. In de m azürnt, und da die Kriegsoperationen bald hernach einen unglück⸗ beilen als zzweifelhafte Mohamedaner angeſehen, weil ihre Be⸗ me b verwunde kehrung noch nicht durch das Alter ehrwürdig iſt, und weil ſie trotz

in der

lichen Ausgang nahmen, ja in der letzten Schlacht faſt ſeine ganze uurbeſſen leine Armee aufgerieben wurde: ſo bewahrte er einen tiefen Groll

abl⸗ 1 2 dilier 1 bewahrte er ie derſelben doch noch an ihren alten Sitten und Gebräuchen feſt⸗

7 Gebirgsſta ſgen jene, die ihn in der Zeit der Noth im Stiche gelaſſen hatten. halten. 4 naf den Ku Als deshalb im Jahre 1837 der Friede an der Tafna zu Stande Die Kabeilen(von den Franzoſen analog der arabiſchen 3 gunde war m an, ſo war ſein erſtes Werk eine Züchtinung jener Stämme. So⸗ Schrift Kabylen geſchrieben, weil die franzöſiſche Sprache den Laut RNeine inn we der franzöſiſche General Bugeaud Abdelkader verlaſſen hatte,ei nicht gut anders bezeichnen kann; mit Unrecht iſt daraus die

nu o brach der Sultan mit etwa 3000 Reitern auf, ritt die ganze Bein ſicht, den folgenden Tag und die zweite Nacht gegen Weſten und

Ausſprache Kabilen entſtanden) bewohnen den kleinen Atlas, d. h. den Gebirgszug, der ſich von Tunis bis zum atlantiſchen Ocean

Giufel de 3 1 Grrfiel kurz nach Tagesanbruch mehrere Stämime, die hart am am Rande des mittelländiſchen Meeres hinzieht. Sie repräſenti⸗ elhebt⸗ 3 Win ſäff wohnten. Die Ueberfallenen flüchteten ſich auf die Felſen; ren die Vandalen und Mauretanier, die ſich bei der letzten Inva- ndſchaftn 1, nige Männer wurden getödtet, ihre Heerden und einige Frauen ſion der Araber aufs Gebirge flüchteten und dort bis heute in

att Jomriß phn 4 Beute fortgeſchleppt. Ich wohnte dieſer Razzia bei und nahm einer gewiſſen Selbſtſtändigkeit erhalten haben. Sie ſind zwar erer Sent Ruü 1 ypon Gelegenheit, mich näher über die Verhältniſſe der Riffbe⸗ bald freiwillig zum Islam übergetreten und haben dadurch nicht antl vr;N ohner zu unterrichten. nur die arabiſche Sprache als Sprache der Gebete und des Korans

das 1 11.

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