Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
771
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Das Portrait.

Eine Erzählung von

Otto von Wilcke.

Den Aufzeichnungen und mündlichen Ergänzungen

eines alten, längſt zur Ruhe gegangenen Regimentskame⸗

vaden verdanke ich die Kenntniß der intereſſanten Begeben⸗ weiten, die ich in nachfolgender Erzählung mittheile. Meine Beder hat hierbei ſehr wenig gethan und nur an dem ſchmuck⸗ loſen Gewande gewebt, aus deſſen Falten die handelnden Werſonen hervorſchauend ſich die Gunſt des Leſers erwer⸗ been mögen. 2

Zum erſten Male ſeitdem Napoleon mit ſeinem ſiegge⸗ wohnten Heere und den deutſchen Verbündeten Rußlands Boden betreten hatte und nun an den Ebenen von Boro⸗ dino angekommen war, ſah er die bisher ſtets vor ihm zu⸗ rückgewichenen ruſſiſchen Colonnen kampfgerüſtet vor ſich ſtehen, und er durfte ſeinen Truppen eine Schlacht ver⸗ heißen. Von der Moskwa bis an die alte Straße nach Moskau, in einem weiten, zwei Stunden ſich hindehnenden Halbzirkel, hielten die Ruſſen ſämmtliche Anhöhen beſetzt. Ihr rechter Flügel trotzte hinter der Kologha in unangreif⸗ harer Stellung, den zurückgebogenen linken Flügel ſchützte eine die ganze Ebene beherrſchende Anhöhe, auf deren Rücken ſich eine ſtarke, mit 12 Feuerſchlünden geſpickte Schanze erhob. Das Centrum reichte von Gorcka bis zu den rauchenden Trümmern Semenowska's, in welches die eigenen Landsleute die Brandfackel geworfen hatten. Ku⸗ teſow, der greiſe Tatarenfürſt, hatte mit ſeinem Comman⸗ dowort die Söhne des Nordens hier feſtgebannt; zum Nach⸗ felger Barclay's berufen, zu deſſen weiſem Rückszugsplane man ſchon ſeit dem Falle Wilna's das Vertrauen verloren, krüpfte er wieder die Hoffnung an die Fahnen der Mosko⸗ witer und bereitete ſich vor, für die Niederlage von Auſterlitz Rache zu nehmen. Groß war ſein Kriegerruhm, aber größer noch war die edle Selbſtverleugnung Barclay's, mit wel⸗ her er ſich freiwillig unter die Befehle ſeines Nebenbuhlers ſellte und, ein gehorſamer Soldat, als Unterfeldherr den Joſten der Mitte behauptete. So erwarteten die Ruſſen an 4. September 1812 die Ankunft der Welteroberer, die i drei Colonnen von Gjatz her ſich näherten. Zu Gried⸗ mwa, da won ich die Landſtraße plötzlich in eine tiefe Thal⸗ ſcelucht aachan und dann wieder ſteil bis zu einer wei⸗ ſen Hochebene emporhebt, widerſetzte ſich Konownitzin zuerſt

dan weiteren Vordringen der Vorhut Murat's; doch mußte a vor der Uebermacht zurückweichen und ſuchte ſich am dgenden Tage in dem zu einer Feſtung umgewandelten V

7 7(e, e 2 IIl. Sp. Nr. 49.]) 4 Dritte Folge.

Rovellen-Zeitung.

Kloſter Kolotskoi feſtzuſetzen, wo er ſich eben ſo l als zu Golowino behaupten konnte. Dieſe Kämpfe waren das Vorſpiel der am 7. September heiß entbrennenden Schlacht an der Moskwa, der blutigſten und glorreichſten aller Zeiten.

Zwei Tage vorher, am Nachmittage des 5., lagerte ein Häuflein eines deutſchen Uhlanenregimentes, welches der franzöſiſchen Avantgarde zugetheilt war, an dem Ufer der Kologha, wo ſie ſich unweit des Dorfes Borodino mit der Moskwa vereinigt. Ermattet von dem ſeit dem frühen Morgen bis zum Mittag dauernden Gefechte, hatten ſich die Krieger unter dem Schutze ihrer Poſten einem erquickenden Schlafe überlaſſen; nur ihr Führer, der Lieutenant Eduard Baron v. M. ruhte nicht. Unter einer alten Eiche, deren weithin ſich verbreitende Aeſte ſich in den Wellen des Flüß⸗ chens ſpiegelten, ſtand er, ſein treues Roß am Zügel, auf den Säbel geſtützt und blickte unter der tief in die Stirn gedrückten Tſchapka hervor gedankenvoll in die Fluthen. Die Erlebniſſe der Tages gingen an ſeiner Seele vorüber, die lebhaft beſchäftigte Phantaſie trug ihn zurück in das Getümmel des Kampfes, an dem er vor wenigen Stunden Theil genommen, und ſchwere Seufzer hoben ſeine Bruſt, ja ſelbſt Thränen rannen dann und wann von der Wange herab auf das Collet, wo ſie ſich mit dem Blute miſchten, das aus der Todeswunde des inniggeliebten Jugendfreun⸗ des und Waffenbruders geſtrömt war. In ſeinen Armen war er verſchieden und das Schmettern der Trompete hatter den Ueberlebenden von der Leiche hinweg zu einem wieder⸗ holten Angriff gerufen, in welchem auch er den Tod zu finden gehofft, aber nur den Ruhm der Tapferkeit erfochten hatte. So wie er den Freund ſinken geſehen, war er ihm zu Hülfe geeilt, jedoch kaum noch zeitig genug gekommen, um ſeine letzten Worte zu vernehmen, wobei dieſer mit äußerſter Anſtrengung der ſchwindenden Kräfte ein Portrait vom Halſe gelöſt und ihm überreicht hatte.

Bring es ihr zurück, und werde ihr, was ich ihr war, es iſt meine. Hier war er auf ewig verſtummt.

Mit der Trauer um den Tod des Freundes im Herzen und dem hinterlaſſenen Räthſel im Sinne zog jetzt Eduard das auf ſeiner Bruſt verwahrte Portrait hervor, um es zum erſten Male zu betrachten. Freundlich lächelten ihm aus dem goldenen Rahmen die holden Züge eines Mädchens entgegen und die frommen, blauen Augen, welche unter blonden Locken hervorblickten, ſchienen ihm ſagen zu wollen: Vollbringe das Gebot der Freundſchaft!

Wunderbare Gefühle bewegten ſein Inneres beim längeren Anſchauen dieſes Bildes, welches allmählich Leben anzunehmen ſchien und in ganzer Geſtalt, mit jungfraäͤu⸗ lichem Liebreiz geſchmückt, im Geiſte vor ihm ſtand. Mit