gegnete Ottomar.„Seit ich weiß, daß die Verbrüderung dieſer Loge ſich ſo weit erſtreckt, daß alle großen und kleinen Mächte von Kiffhauſen ihr unterthan ſind, nun weiß ich auch, daß Belmont kein wunderbarer, ſondern nur ein er⸗ ſtaunlich ſchlauer und intriganter Mann iſt. Du mußt wiſſen, geliebtes Kind, daß alle Brüder dieſer geheinen Geſellſchaft verſiegelte, ſchriftliche Beichte ihren Oberen abzugeben verpflichtet ſind, daß alle dieſe Bekenntniſſe vom Großkophta allein erbrochen und geleſen werden, und daß ihm ferner alle Genoſſen der Verbindung unbedingte Folg⸗ ſamkeit und Aufrichtigkeit zu leiſten einen Eid abgelegt haben. Ich glaubte, dieſe von Caglioſtro gegründete und ausge⸗ beutete Geſellſchaft habe ſich nur auf die kleine Zahl ſeiner dupirten Anhänger in Paris und London ausgedehntv; ſeit ich aber weiß, daß unſere biederen Kiffhäuſer in ihrer ehr⸗ lichen Sehnſucht nach dem Außerordentlichen dieſer Duperie zum Opfer gefallen ſind, daß Caglioſtro ſicher— ſeit Jah⸗ ren vielleicht— durch Agenten ſein hieſiges Auftreten und ſeine hieſigen Machinationen vorbereitet hat, ſeitdem iſt alles Unbegreifliche und Wunderbare, das ſeine Hand⸗ lungen zum Theil in Wahrheit hatten, für mich verſchwun⸗ den, und auch Du, armes getäuſchtes Weſen, kannſt Dich mit gutem Gewiſſen ſeinem letzten Anſehn entziehen.“
„Aber wie wird es Dir jetzt möglich werden, bei dieſer unabſehbaren Macht den raffinirteſten Betrüger der Welt zu entlarven und vor ihm Dich und mich zu retten?“ frug Adelaide mit geſteigerter Sorge.
„Sei unbekümmert! Dir kann ich es veytrauen,— ich gehöre einer anderen, einer weltberühmten Loge an, dem Illuminatenbunde der Roſenkreuzer, der es ſich zur Auf⸗ gabe gemacht hat, die Lüge überall zu bekämpfen, dieſen Caglioſtro zu entlarven und das Gebäude ſeiner Gauke⸗ leien zu zerſtören. Im Geiſte dieſer Verbindung bin ich hier; hier in Kiffhauſen habe ich unſerm Gegner die Falle geſtellt, die ihn zum Sturze bringen wird, und wie er ſich auch wehre, mir ſtehen Thatſachen zu Gebote,“ ſo ſchloß er
Rovellen⸗Zeitung.
nuten Prinz Maximilian in Ottomars Gefängniß trat.
(II. Jahrg. A4
ſeine Rede mit lachendem Muthe,„die er nicht leugnen ſähe, kann, ſo wahr er meine Exiſtenz nicht leugnen kann!“ Am
Wir übergehen discret eine Erwähnung des zärtlichen ne Uebermuthes, mit dem das neu verlobte Paar ſich von ein⸗ ma
ander verabſchiedete, und ſehen nur, wie nach wenigen Mi⸗
Der Prinz war tyotzig und unwillig und ſchien am allerwenigſten die Abſicht zu haben, freundſchaftlich mit dem Baron zu verkehren. te „Was wollen Sie von mir, Baron?“ ſo fuhr er ihn erbittert an.„J haben. O— Sie haben mich um mein Lebensglück 1 gebracht!“ J „Wieder ein Mal?“ frug Ottomar gefaßt. „Doppelt ſogar!“
Ich will nichts mehr mit Ihnen gemein
men würden; indeß Dank meinem guten Gewehre ging ich ſiegreich aus dem Kampfe hervor, und ſtatt ſelbſt von den Schweinen ver⸗ ſpeiſet zu werden, verzehrte ich mit gutem Appetit den ſtattlichſten meiner Feinde zum Abendeſſen.
Die indiſchen Räuber.
Die Räuber in Benares in Indien ſind die gewandteſten in der ganzen Welt, ſo daß ſie ſelbſt den Spitzbuben von Paris und London noch einige Points vorgeben knnen. Der Reiſende Jacquemont erzählt in ſeinem Tagebuche einige ihrer Streiche, die wirklich auffallend ſind.— Die Frau eines engliſchen Capitains erwachte in der Nacht und erblickte in ihrem Schlafzimmer zwei
Schritt von ihrem Bett entfernt eine Menge Packete, die ihre ſämmtlichen Habſeligkeiten enthielten und welche die Diebe zu⸗
ſammengeſchnürt hatten, ohne ſie im Schlafe zu ſtören. Schon waren mehrere dieſer Packete fortgeſchafft worden.
Alle Aufſicht reicht nicht hin, den Felddiebſtahl zu verhin⸗ dern. Die Diebe fürchten nur den Mondſchein und verdecken das Geräuſch, das ein ungeſchickter Genoſſe vielleicht macht, durch das Geräuſch des Shakals, das in der Ferne ein Kamerad wiederholt; andere ziehen die Aufmerkſamkeit der Wächter durch verdächtigen Lärmen auf ſich, und während dieſe dann nachſehen, was es gibt, ſchlüpft der Dieb in ihr Zelt und trägt Alles mit ſich fort.
Ein engliſcher Officier empfand während der Nacht ein un⸗ angenehmes Gefühl; er warf ſich herum und ſchlief wieder ein, als daſſelbe peinliche Gefühl ihm aufs neue die Augen öffnete. Er ſtreckt unwillkührlich die Hand zum Bett hinaus und faßt einen
„So haben Sie zwei Leben?“ a „Auf Ihre Veranlaſſung habe ich Prinzeß Amelie um 2 ihre Hand gebeten und ſie gab mir—“ „Einen Korb?“ frug der Baron aufs Unbefangenſte. 9 „Ja, einen Korb!“ ſchrie der Prinz aufs Heftigſte. b b „O, jetzt fühle ich erſt, wie ich ſie liebte,— nicht mit jenem b wilden, lodernden Wahnſinn, aber mit einer ſo ſtillen, n ...— d. innigen, treuen Leidenſchaft—“ d „Ja, ſo ein Korb!“ philoſophirte von Velſen.„Da 2 fühlt man erſt, was das heißt: Lieben! Schadet gar A4 nichts. So'n Korb iſt der beſte Liebestrank! Ich glaube, 5 wir Männer würden gar nicht mehr lieben, wenn's keine er Körbe gebe!“ A .— 3... 7 „Vor wenig Stunden noch,“ ſprach Marimilian ver⸗ 8 zweifelt vor ſich hin,„hätte ſie mir ein freudiges Ja ge⸗ A geben, ſo ſagte ſie; jetzt aber, wo ſie geſehen, daß ich mit V 3 der franzöſiſchen Abenteurerin—“ n „O ſchrecklich!“ ſagte Ottomar mit Lächeln. ſf „O, zum wahnſinnig werden!“ rief der Prinz in 3 Wuth.„Aber was iſt Schuld daran, als Ihre Grund⸗ ² ſ —.— In Dieb, der im Begriff iſt, ihn zu erwürgen. Der Strick war ihm 1d bereits um den Hals gelegt und der Bandit fing an, ihn zu ziehen. Da die Europäer in Indien nur in geringer Zahl vorhanden ſind, machen die Diebe ſich vorzugsweiſe an ſie und nehmen ihnen ſelbſt das Letzte fort. Uebrigens gibt es Andere, welche ſolche kleinliche Geſchäfte verſchmähen. In Benares zeigte man zur Zeit Jacquemont's einen alten Schelm, der ſtolz durch die Straßen fuhr; er war Hindu und von vornehmer Kaſte und hatte in ſei⸗ nem Solde eine Menge Diebe, die beauftragt waren, die Euro⸗ päer zu berauben. Er empfing die geſtohlenen Gegenſtände m und erhielt dafür ſeine Beamten während der todten Jah⸗ Rl 8 reszeit. a. di lu Genrebilder. u ein Die Roſeneſſerin. Ri Ein ſehr ſchönes Gemaͤlde des italieniſchen Malers Schiavoni V ſtellt ein reizendes junges Mädchen dar, welches die Blätter einer Roſe ißt. Mit dieſem Bilde verbindet ſich eine tragiſche Ge⸗’ d ſchichte, die den Maler und die Dargeſtellte ſelbſt betrifft. Schia⸗ voni, aus Sebenico in Dalmatien gebürtig, kam ſchon früh nach s Venedig. Er fühlte das Talent des Malers in ſich und ſuchte den. n V Unterricht eines Malers; doch keiner von allen, die damals be⸗ rühmt waren, würdigte ihn der Annahme zum Schüler. So be⸗ ſchäftigte er ſich denn damit, Kaufmannsſchilder zu malen. Eines 8 dieſer Bilder in der Hand, um es einem Kaufmann anzubieten, n begegnete er eines Tages Titian. Der große Künſtler war über⸗ de


