V ertheilt worden war. Der gegenwärtige
—
750
ungariſche Graf, den wir in jeder Stadt durch Handauf⸗ legen von der Blindheit curiren; ich erſcheine in den ver⸗ ſchiedenſten Geſtalten als Geiſt und perſonificire die Stimme des ſeligen Weiſen. O,— ich werde noch ein Mal Caglio⸗ ſtro der Zukunft. Aber ſagen Sie einmal, Herr Geſchäfts⸗ freund, wenn ich fragen darf: was iſt denn Ihre Haupt⸗ branche? Gold oder Aufklärung oder Geſpenſter oder Unſterblichkeit?“
„Ehrlichkeit!“ ſagte der Baron.
„Pfui Teufel, ein ſchlechtes Geſchäft!“ rief Vivona aus, mit den Fingern ſchnalzend.„Da müſſen Sie aber Capital dazu haben, denn Ehrlichkeit ohne Capital iſt heutzutage unmöglich!“
„Wer weiß!“
„Ich weiß es! Ich wäre gern ehrlich— der heilige Antonius ſoll mir beiſtehen— aber ich bin von Hauſe aus ein verdammt armer Kerl. Mein Vater— Gott habe ihn ſelig— gab mir, als ich in die Fremde ging, nichts mit als ein wahres Wort: Sieh, daß Du durchkommſt, wenn's geht, ehrlich, aber jedenfalls komme durch!— Du lieber Himmel! Ich gab aufs Durchkommen natürlich mehr als auf die Ehrlichkeit, und ſo kann ich ſagen, ich kam auch durch und machte meinem Vater viel Freude! Ach ja, es iſt ein gutes Geſchäft, das Geſchäft Caglioſtro— Sie wiſſen es ja, aber es iſt riskant, verzweifelt riskant!“
„Die Ehrlichkeit ſcheint Dir noch gefährlicher?“ frug der Baron.
„Wenn Einer mir das Geſchäft lehrte, ſo wollte ich es wohl einmal verſuchen!“
„Top! Ich brauche gerade einen Hallunken für mein ehrliches Thun. Willſt Du's ſein und in meine Dienſte treten?“
„Herr!“ ſchrie Vivona laut vor Freude auf:„Wollt Ihr mich kaufen? Bei den Gebeinen der beiden gekreuzig⸗ ten Schächer, für Euch bin ich zu haben, aber Ihr müßt mich losmachen von meinem jetzigen Herrn, dem Gauner
Noveſfen⸗Zeitung.
[II. Jahrg.
ohne Herz und Religion! Es iſt kein leichtes Spiel—
Ihr kennt ihn.— Es handelt ſich um Leben und Tod.—
Ich habe ihn heute belauſcht, wie er wieder ſeine teufliſchen
Flüche ausgeſtoßen. Gift! ſchrie er: Gift!— und er wird
es wahr machen, denn er hat die letzte Nacht wieder Aqua
toffana gebraut, mit dem er Sie und mich und uns Alle
vernichten kann, wenn er uns mißtraut, drum retten Sie uns! Retten Sie ſich und mich, und ich wollte Ihnen an⸗
gehören mit Leib und Seele!“
Der Baron ſchloß den Pact mit Vivona. Dann warf er ihm einen Beutel zu mit den Worten:„Fürs Erſte dies, bis es abverdient iſt!“
„Womit?“ frug Jener, haſtig zugreifend.
„Mit dem Briefe, den Du in der Taſche haſt!“
„Der iſt aber verſiegelt!“
„Folglich weißt Du, was darin ſteht!“
Und erröthend ſagte Vivona:„Es iſt ein Brief vom Prinzen an unſere Demoiſelle Adelaide, aber ohne Unter⸗ ſchrift; er bittet um ein Rendez-vous während des Cotillon dort in der Galerie!“
„Bon!“ erwiderte der Baron.„So ſind wir quitt!“
„Schon?“ lachte Vivona pfiffig:„die Ehrlichkeit ge⸗ fällt mir.“
„Aber nun ans Werk!“ rief von Velſen ihm zu. „Geh' jetzt und beſtelle Deinem Fräulein den Brief, und dann ſuche mich vor Mitternacht zu treffen, damit ich Dir neue Ordre gebe!“
Vivona verließ ihn ſchleunig und Ottomar, durch die Kunde von jenem Rendez-vous in Feuer und Flammen ge⸗ ſetzt, rief aus:„Ob ſie kommen wird? Das ſoll für mich den Ausſchlag geben. Wer weiß jemals, wie er mit einem Weibe daran iſt, und erſt mit Einer, die ſchon ſo viel hun⸗ dert Male vor den Lampen glänzte! So ſoll ſie von ſich ſelber Zeugniß geben, und ich will lauſchen, als hätte ſie mir über Tod und Leben abzuſprechen!“
(Fortſetzung folgt.)
Proſchko; Noblesse oblige von C. v. Holtei; Johannes Keppler von Julie Burow; Der König von Tauharawi von Ferdinand Stolle.
Miseellen. Mannigfaltiges.
Als es mit der Sache der Puritaner nicht zum Beſten ſtand, hörte man von den Geiſtlichen oft ſeltſame Gebete, in denen ſie mit Gott nicht beſonders ehrfurchtsvoll umgingen. Ein Prediger Vynes betete:„Für all' unſer häufiges Faſten haſt Du, o Herr, uns ſo lange keinen Sieg gegeben! O Herr, was ſoll das heißen, uns in eine Grube zu werfen und darin ſtecken zu laſſen?“— Prediger Evans rief:„O Herr! willſt Du einen Stuhl nehmen und im Hauſe der Lords ſitzen? Und wann, o Gott! willſt Du mit dem ehrenwerthen Hauſe der Gemeinen ſtimmen, welches ſo für Deine Ehre eifert?“ Ein Anderer ſchrie:„O Gott! Viele Hände ſind gegen uns erhoben, aber da iſt ein Gott— Du biſt es ſelbſt, o Vater!— der uns mehr Unheil zufügt, als ſie alle!“— Ein Pfarrer Cradock ſchrie:„O Herr, ſtehe nicht müßig da, ſondern ſtelle Dich auf eine Seite, damit wir ſehen, welche Sache die Deine iſt!“ d.
Die Original⸗Skizze zu Raphaels beiliger Familie iſt eben⸗ falls vor kurzer Zeit in Italien aufgefunden worden.— Man weiß, daß Raphael dies Gemälde im Jahre 1518 ausführte, nach⸗ dem ihm der Auftrag dazu durch Franz I., König von Frankreich, Beſitzer dieſer Skizze iſt
Luft!“
Die ausgezeichneteſten Kunſtkenner und
Herr Pietro Molini. 3. m das Werk des unſterblichen Meiſters an.
Künſtler erkennen ſie als
Aus einer aufgefundenen ältern Rechnung hat man erſehen, daß die 68 erſten Vorſtellungen der H ochzeit des Figaro bei der großen Oper in Paris 346,197 Francs einbrachten.
Im vergangenen Jahrhundert waren die Abgaben in Eng⸗ land zu einer gewaltigen Höhe geſtiegen, und noch immer wurden alle möglichen Dinge mit Taxen belegt.— Eines Tages ging Swift auf dem Lande in zahlreicher Geſellſchaft ſpazieren, da rief eine Dame voll Entzücken aus:„Ach, wie herrlich die Luft hier iſt!“—„Um des Himmels willen,“ ſagte Swift mit ſcheinbarer Angſt zu ihr,„ſprechen Sie leiſer, ſonſt beſteuert man dieſe
Der Marſchall von Richelieu, welcher unter den drei Königen — Ludwig XIV.— Ludwig XV.— Ludwig XVI.— gelebt hatte, ſagte:„Zur Zeit Ludwigs XIV. mußten wir ſchweigen;— unte Ludwig XV. konnten wir leiſe reden;
Kt. 4
—
alsb und ttende⸗ fſch a Kaaie ſtuhe orig And
—
— unter Ludwig XVI. ſpra⸗ chen wir ganz laut.“—
In Florenz hat Herr Glinaſſi ein bisher noch unbekanntes Gedicht Petrarca's entdeckt. Es iſt ein Evithalamium in ziemlich populär gehaltenem Tone. Es wurde in einem Folio⸗Bande aus dem 16. Jahrhundert gefunden und iſt unterzeichnet: Franciscus Petrarcha, poeta laureatus-.


