Ahnen und geſchiedenen Freunde ſind es, die dort ſich um uns verſammeln—“
„Iſt es die Möglichkeit?“ unterbrach ihn der Reichs⸗ graf:„unſere Ahnen— in Stuhl, Tiſch, Kaffeekanne, Mauſefalle?“
„— Kaffeekanne, Mauſefalle!“ erwiderte Jener, dia⸗ boliſch lächelnd.
„Ja, da ſteht mir der Verſtand ſtill!“ rief der alte Herr.„Profeſſorchen, Ihnen nicht auch?“
„Nein, bewahre! Mir nie! Im Gegentheil—!“ entgegnete dieſer beleidigt.
„Wie könnte er auch!“ dachte der Marquis, und
ſprach erklärend weiter:„Erlaucht, die Naturwiſſenſchaf⸗
ten haben ſeit Entdeckung des Magnetismus Blicke in ſolche Unermeßlichkeiten neuer Reſultate eröffnet, daß es eine gottverhöhnende Frechheit wäre, von irgend Etwas zu ſagen: es iſt unmöglich!“
„Ganz raiſonnabel!“ fügte Hofrath Wagner hinzu: „denn, wie die deutſche Philoſophie argumentiren würde, die gemeine Wirklichkeit exiſtirt ja gar nicht an ſich, nur dadurch, daß wir in unſerem Geiſte ſie als exiſtirend ge⸗ dacht haben, und wie wir folglich ſie uns denken ge⸗ dacht zu haben, ſo müſſen wir denken, ſie als exiſtirend denken——“
[II. Jahrg.
gegenkommt. Ich will alſo ſogleich an Ihnen, meine Damen, die Probe machen, in wie weit die gütige Mutter Natur Sie Alle mit dieſen vornehmen Eigenſchaften aus⸗ geſtattet hat. Sind Sie gefaßt, die Probe zu beſtehen?“* „Wenn es ſein muß!“ ſagten die Einen. „Wie groß die Angſt auch iſt!“ ſo zier dern Damen. 4 „Die Eitelkeit iſt größer!“ dachte der trat vor einen glänzend polirten Schrein vo Nußbaumholze.„Hier gleich an dieſem ſchönen Schranke wird das Experiment am Beſten gelingen. Ich will es Ihnen leicht machen und ein Möbel wählen, deſſen Aus⸗ dehnung dem Geiſte erlaubt, in ſeiner ganzen natürlichen Größe Ihnen entgegenzutreten. Wer hier blind bleiben ſollte, der dürfte auf ſonſtige Erkenntniß des Geiſterreiches freilich keinen Anſpruch machen!“ Damit drängten ſich die Damen, Minette voran, alle um den Marquis an den Schrank heran, während der Reichsgraf und die übrigen Herren in einiger Entfernung verwundert und neugierig zuſahen. Belmont, nachdem er gegen das Möbel einige magne⸗ tiſirende Pantomimen gemacht hatte, ſprach dann mit ver⸗ anderter, geheimnißvoll eindringlicher Stimme:„Ihr habt
ie an⸗
und
Hier verwirrte ſich der wohlmeinende Mann in ſeinem nichts weiter nöthig, meine Kinder, als unverwandt auf
Eifer, und der gutmüthige Marquis mußte ihm aus der Verlegenheit helfen, indem er ihm auf die Schulter klopfte:
dieſe Spiegelfläche zu blicken, mit der heißen Sehnſucht, mit dem feſten Vorſatze, den Geiſt, der in menſchlicher Ge⸗
„Sie ſind mein Mann! O, daß die Menſchheit aus ſolchen ſtalt Euch daraus entgegenzutreten bereits beginnt, auch Männern beſtände—“ und für ſich ſetzte er hinzu:„dann V wirklich zu ſehen!— Seht Ihr noch nichts?“
hörten alle meine Nahrungsſorgen auf!“
Die Uebrigen wagten nicht„Nein“ zu ſagen; nur Mi⸗
Mit ſeinem beſten Humor fuhr der Tauſendkünſtler nette in ihrer Seelenangſt flüſterte ihm aufrichtig ein„Nein!
dann in ſeinem Vortrage fort:„Und nun laſſen Sie uns auch eine praktiſche Probe meiner Wiſſenſchaft alsbald ver⸗ ſuchen!— Freilich muß ich vorausſchicken, daß die Anwen⸗ dung meiner neuen Lehre nur da möglich iſt, wo eine Be⸗ fähigung für das Höhere, ein bevorzugtes Weſen, eine
Probe iſt, ob unſere Seelen ſich verſtehen können.
Noch nichts!“ ins Ohr.
Er wandte ſich alſo wie inſtändig bittend an ſie: „Nimm alle Deine Kraft zuſammen, mein Engel, die ganze Tiefe Deiner ſchönen Seele! Bedenke, daß dies die Bei
den waren und deren Transport nach Paris allein 8000 Livres koſtete. Als der Vorhang aufging, erweckte die Pracht der Deco⸗ rationen den Enthuſiasmus aller Höflinge. Man ſah koſtbare Gärten, geſchmückt mit Grotten, Statuen, Springbrunnen und großen Blumenterraſſen nach dem Meere zu, deſſen Wellen eine Bewegung hatten wie die natürlichen dieſes Elementes, und auf dem man zwei mächtige Flotten erblickte, von denen die eine zwei Meilen weit entfernt zu ſein ſchien, und die beide vor den Augen der bewundernden Zuſchauer vorüberzogen. Ja, man trieb ſogar die Genauigkeit und Pracht ſo weit, während der Dauer des Trauerſpieles die Aufeinanderfolge der Abenddämmerung, der
Nacht, der Morgenröthe und des Tages darzuſtellen, ſo daß es
der Kunſt gelang, die Natur täuſchend nachzuahmen. Nach dem
Schluſſe des letzten Actes ſenkte ſich dann eine gemalte Wolke auf
die Bühne herab, rollte vor bis zu den Füßen der Königin und bot dieſer eine Brücke, über die ſie auf die Bühne gehen konnte, die jetzt in einen reichen Ballſaal verwandelt worden war. a.
Etwas über Liebe zum Cheater.
Man findet es häufig, daß Leute, die ſelten ein Theater und nie vielleicht ein gutes Theater geſehen, am wenigſten von einer mittelmäßigen oder doch erträglichen Vorſtellung angezogen wer⸗ den, während Andere, die das Beſte in dieſer Kunſt kennen und ſie vielleicht aufs Sicherſte zu ſchätzen wiſſen, in einem täglichen Be⸗ ſuch von Aufführungen, ohne dieſelben für vollendet zu halten, eine wohlthuende und nicht zu entbehrende Anregung finden.
Heinrich Laube gibt eine Erklärung dieſer Erſcheinung in der
Vorrede zu ſeinem„Graf Eſſex,“ wo er erzählt, in welcher leb⸗ haften Weiſe der verſtorbene Radowitz im J. 1848 in Frankfurt für ſeinen„Prinz Friedrich“ ſich intereſſirt habe, ohne doch die damals von Laube in Sckene geſetzte Vorſtellung ſelbſt zu beſuchen. Er ſagt darauf ſich beziehend:„Für Menſchen, welche übermäßig beſchäftigt ſind in praktiſchen Aufgaben des Geiſtes und welche nicht durch die ungemein wichtige Gewohnheit des täglichen Thea⸗ terbeſuches verführt werden, hat die theatraliſche Darſtellung keinen genügenden Reiz. Sie fühlen ſich beläſtigt durch die Zumuthung, darſtellenden Kräften Aufmerkſamkeit zu widmen, denen ſie ſich geiſtig überlegen fühlen, beläſtigt durch die Jumuthung, eine ganze Welt vorzugsweiſe vom Standpunkte der Leidenſchaftlichkeit auf⸗ faſſen zu ſollen. Die Fähigkeit der Illuſion, welche ſie nicht mehr haben, oder nicht mehr anſtrengen mögen, erſcheint ihnen unterge⸗ ordnet. Sie fühlen ſich der bewegten Kunſt entwachſen, weil ſie die Bewegung feiner und geiſtvoller brauchen. Um ſolche Leute dem Theater zu erobern, müßte man das Ideal eines Schauſpiels erobern, deſſen Darſteller nicht bloß Talent, ſondern auch ent⸗ ſprechenden Geiſt beſäßen.“
Dies iſt ein Erklärungsgrund, der für einen Mann von ſo enormem Geiſt und Wiſſen wie Radowitz paſſen mag. Wie oft aber hören wir von Freunden, die weit weniger wie dieſer auf Geiſt und Wiſſen Anſpruch machen, die Aeußerung thun: ſie könn⸗ ten nicht in das Theater gehen, weil ſie eine höhere Vorſtellung von demſelben hätten, als ſie jetzt erfüllt werde, oder ſie läſen lie⸗ ber ein gutes Stück zu Huuff⸗ als auf der Bühne daſſelbe von
Schauſpielern verunſtaltet zu ſehen, die doch niemals ihr Ideal erreichen könnten! 4. Sind ſolche Aeußerungen gerechtfertigt?— Gewiß nicht
wachrhaſt edel und fein organiſirte Perſönlichkeit ihr ent⸗
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