Jahrgang 
27-52 (1856)
Seite
744
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Künſtler zu machen! Du, der Du alle dieſe Deine Vor⸗ züge Zeit Deines Lebens aufs Höchſte ausgebildet und ausgebeutet, der Du ſyſtematiſch zu einem für jeden Andern unentwirrbaren Netze Deine Mittel und Zwecke ausge⸗ ſponnen und ſeit Jahren ſie alle auf dieſen Punkt, auf dieſe Reichsgrafſchaft Kiffhauſen concentrirt haſt, Du liegſt nun hier, durch ein einziges Wort eines fremden, abenteuernden Menſchen gelähmt! Du kannſt Deiner Mutter, die Du mit Schätzen überhäufen wollteſt, nicht dieſes armſelige Almoſen geben! Dein ganzes großes Leben iſt umſonſt; Dein eigener berühmter Name iſt es, mit dem man Dich vernichten will, und dann mußt Du mit dem Nichts von vorn Dein Daſein anfangen! Allmählich verſenkte dieſer Gedanke ihn in dumpfe Be⸗ täubung; aus dem krampfhaften Schmerze verfiel er in lautloſe Apathie. Die Hände vor die Augen ſchlagend, lag er lange Zeit abgeſpannt, bewegungslos in dem Seſſel, bis plötzlich lockende, luſtige Ballmuſik ſein Ohrmtraf. Drüben im anderen Flügel des Schloſſes hatte der Masken⸗ ball begonnen, mit dem der Carneval und des Reichsgrafen Geburtstag nachträglich gefeiert werden ſollte. Und als er nun an den hellerleuchteten Fenſtern dort die bunten Faſchingsgeſtalten vorüberſchweben ſah, da zog plötzlich neue Lebensluſt und neuer Lebensmuth in ſein Herz. Alle⸗

Deſperation, alle Apathie momentan von ſich abſchüttelnd,

ſprang er wie elektriſirt empor und rief ſich zu:Auf! Auf, alter Giuſeppe! Du darfſt Dich nicht verloren geben. Zu neuem Kampfe mit der ganzen elenden, ſchwachgeſinn⸗ ten Welt ruft Dich die Rache, die Rache an dem ver⸗ haßten armſeligen Gegner, der Dich aus Adelaidens Herz, der Dich von dieſem Schauplatz Deiner Triumphe ver⸗ drängen und Dich und Deinen ganzen Stand der Welt verrathen will! Auf, auf! Noch haſt Du Mittel genug, ihn zu vernichten! Raff' all' die hundert Fäden wieder auf und zieh' das Netz zuſammen, das Du für dieſen Streich geſponnen! Noch iſt mein großer Name ein Talis⸗

Noveſſen⸗Zeitung.

man von wunderbarer Zauberkraft; nur jener Betrüger ſcheint die Gefahr zu kennen, die er mir bringen kann, Drum hinweg mit dieſem kecken Feinde, und dann tritt Caglioſtro offen mit allem Zauber ſeines Namens auf die Bühne! Ans Werk, Balſamo! Du kannſt nicht unter⸗ liegen, denn Du ſchreckſt vor Nichts zurück. Dir hilft die Liſt, wenn nicht die Liſt, der Dolch, und wenn der Dolch ihn nicht erreicht, das Gift!

Und wie der Schauſpieler, wenn er vor die Lampen den tauſend Augen zur Schau tritt, plötzlich ſich ein An⸗ derer fühlt, als im Augenblicke vorher, ſo war auch Ca⸗ glioſtro jetzt mit einem Male ein Neugeborner, als er feſten Trittes, ſprühenden Blickes in die feſtliche Geſellſchaft trat.

Er! Er! So rief man bei ſeinem Anblick aus, da er ſeit jener Ohnmacht ſich nicht hatte öffentlich ſehen laſſen:Er lebt! Er lebt! Er iſt wieder da!

Sei'n Sie unbeſorgt um meine Geſundheit, meine Herrſchaften! ſo ſprach er wohlwollend und behaglich lächelnd zu Minette und den andern Damen des Hofes! Es war keine eigentliche Ohnmacht, was mich befiel.

Doch nicht ſchlimmer? ſeufzte die Comteſſe.

Es war eine höhere Ohnmacht. 1

Alſo doch!

Aber nur mit meinem Willen!

Wie iſt es möglich?

Ein Feind, ſagte der Marquis leicht hin, als ſei nicht das geringſte Wunderbare in ſeiner Mittheilung, war in meinen Lebenskreis getreten, als gerade meine dienenden Geiſter alle abweſend waren. So ſchickte ich⸗ ihnen meinen eigenen Geiſt nach, der auf ſo lange des halb meinen Körper verlaſſen mußte

O wunderbar!

Er ſuchte Ariel auf und fand ihn auf einer Inſel, die Owaihi genannt wird und zu den Sandwichinſeln gehört, im ſtillen Ocean, 500 Meilen hinter Amerika

So weit! riefen die Damen aus.

Er wird kommen, ſagte ſie hoffnungsvoll;er wird ſich als ſchuldig bekennen und im Augenblick der Verurtheilung werde ich mich dann liebend in ſeine Arme ſtürzen.

Doch wie man ſah, erſchien der Maler nicht zu dem Termin.

Außer ſich darüber und zu Allem entſchloſſen, eilte Magdalene zu ihm. Sie fand nur die Diener. Unbekümmert um das Ur⸗ theil machten Breughel und Frau van Artwelt ſeit dem Morgen eine Landpartie. Sie wollte ihn erwarten, warf ſich auf einen Seſſel und blieb hier weinend ſtundenlang ſitzen. Ohne von ihrer Anweſenheit benachrichtigt zu ſein, trat Breughel endlich Abends mit ſeiner Geliebten in das Gemach. Als er in der Dunkelheit ein weibliches Weſen ſah, näherte er ſich ihr mit unruhigem Staunen.

Ich bin es, ſagte Magdalena, indem ſie aufſtand.

Der Ton dieſer Stimme, die er ſo lange innig geliebt hatte, traf ſein Herz, ſo daß er taumelte.Ja, ich bin es! wiederholte Magdalene und warf ſich in die Arme ihres Gatten.

Breughel wendete den Kopf gegen Frau van Artwelt, die als Frau von Geiſt ſogleich erkannte, was ihr zu thun blieb.Lebe⸗ wohl! Lebewohl! ſagte ſie.Es war ein Traum; er iſt be endet! Lebewohl!

Noch an demſelben Abend reiſte ſie nach London ab, denn ſie fühlte nicht die Kraft, in der Nähe deſſen zu bleiben, der nicht mehr ihr liebender Freund ſein konnte

Aufs Neue erblühte das Glück in der Ehe des Breughel, und das Jahr darauf ſchenkte ſeine Frau einer Tochter das Leben, welche, bekannt als die ſchöne Anna Breughel, die Gattin Teniers wurde. a.

Zur Geſchichte des Theaters. Einige merkwürdige Cheater.

Man ſpricht zuweilen von dem Reichthum und dem unerhör⸗ ten Luxus, welche bei der Inſceneſetzung auf unſern größten und berühmteſten Theatern herrſchen; man iſt entzückt über die Pracht unſerer Decorationen von bemalter Leinwand und bewundert die außerordentliche Verſchwendung mancher Directoren, die durch buntgefärbte Pappendeckel Bildſäulen, Säulen, Bäume, Paläſte ꝛc ſehr täuſchend darzuſtellen wiſſen. Doch darin, wie in manchem Andern, waren die Römer unſere Meiſter. Wir armen Modernen, die wir durch unſere kleinliche Civiliſation eingeengt und einge⸗

zwängt ſind, können darin eben ſo wenig wetteifern, als unſers feinſten Mahlzeiten einen Vergleich mit den alltäglichen eines Vitellius und Apicius auszuhalten vermögen, oder die Pracht unſerer glänzendſten Herrſcher mit der eines Heliogabal, der ſich die Wege mit Goldſtaub beſtreuen ließ. Und gleichwohl waren die meiſten ihrer Theater ſo zu ſagen nichts als Zelte, die den einen Tag aufgerichtet und den andern wieder zuſammengelegt wurden. In dieſen vergänglichen Monumenten, die zu baldiger Vernichtung beſtimmt waren, ließen Aedilen zur Befriedigung ihre perſönlichen Eitelkeit oder ihres Ehrgeizes Millionen von Seſter⸗ tien unbekümmert daraufgehen. Man mußte wohl ſeine Vor⸗ gänger übertreffen, wollte man nicht unpopulär werden; man⸗ mußte die Plebs unterhalten, blenden, in Staunen verſetzen, um ihre Gunſt zu bewahren und wieder gewählt zu werden. Daher jene Weltkämpen der Pracht, in denen Niemand beſiegt werden wochte.

Wir wollen davon zwei Beiſpiele anführen, die Plinius der

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III. Jahrg. R. 4